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Ford Granada L vs. Citroen DS 23 Pallas und Renault 16 TX

Räuber und Gendarm

Ein Renault R16 ist alles, nur nicht klein

Renault hat die Dachträger am R16 schlicht nach außen verlegt. Das schafft Platz im Inneren. Und auch der Schiebedachkasten drückt nicht sehr. Er gibt sich fl ach. Renault musste für das Schiebedach eigens eine neue Dachhaut pressen, denn der R16 ohne dieses Ausstattungsdetail trug in der Mitte eine Sicke, die bei der Version mit Luke störte. Der Motor des R16 meldet sich vernehmlicher als der gut gedämmte Vierzylinder in der DS und der seidenweiche V6 im Granada. Aber dafür geht er auch viel spritziger zur Sache. Das sollen nur 93 PS sein? Auf den ersten Metern lässt ein R16 die beiden Konkurrenten stehen. Willig dreht der 1,7 Liter große Motor hoch. Die angetriebenen Vorderräder zerren an der Lenkung. Solche Effekte bügelt die DS weg. Der Granada mit seinem Hinterradantrieb kennt solche Probleme ohnehin nicht.

Der TX zeigt schon von außen, wie stark er ist. Die quadratischen Doppelscheinwerfer machen sofort klar, was da um die Ecke biegt. Die schmucken Sportfelgen waren damals ebenfalls dieser Version vorbehalten. Die Bedienung des R16 ist nicht ganz so narrensicher wie die des Ford. Dafür gibt es aber so feine Dinge wie mechanisch vom Fahrerplatz einstellbare Scheinwerfer (die DS macht das sogar automatisch je nach Neigung der Karosserie) und das informativste und vielleicht auch schönste – sicherlich aber das sportlichste – Cockpit in diesem Vergleich.

Ein R16 hat rechts und links unterschiedliche Radstände, weil die Torsions-Federstäbe der Hinterachse hintereinander angeordnet sind, die Schwingen aber gleich lang belassen wurden. Auf Querfugen ist das sogar ein Vorteil, da die Hinterachse nicht mit beiden Rädern gleichzeitig auf das Hindernis trifft und so der Wagen sanfter abrollt. Das geringere Leergewicht und das straff ausgelegte Fahrwerk verschaffen dem Renault 16 TX echte Vorteile in Kurvenfahrten. Zwar neigt sich auch seine Karosse ordentlich, doch er bleibt viel länger ruhig und dabei auch dank des Frontantriebs noch besser beherrschbar als der Granada.

Die hinteren Türen fallen großzügig aus und öffnen weiter als die des Ford. Zwar ist im R16 hinten tendenziell weniger Platz als in Ford und Citroën, doch bequem sitzen kann man auch hier allemal. Es gibt eine Mittelarmlehne wie bei der Konkurrenz und ordentlich Kopffreiheit. Zudem hat der R16 noch kleine Fenster hinter den Türen, was den Fondpassagieren eine gute Rundumsicht gewährt.

Nur der R16 besitzt eine große Heckklappe. Dadurch kann man traumhaft gut einladen und durchladen. Zwar lässt sich die Rückenlehne nur längs der Hutablage nach oben klappen und die Sitzbank nach vorn – man kann also nicht wagenhoch durchladen, sondern muss mit dem Raum unterhalb der Fensterlinie klarkommen –, aber für ein Fahrzeug, das in den frühen 60er-Jahren konzipiert wurde, war diese Variabilität revolutionär.

Kommissar Maigret mit seinem scharfen Verstand im quirligen Renault 16 wäre Fantomas sicherlich gefährlich geworden. Für den Fahnder Faber wäre das Genie eine Nummer zu groß gewesen. Aber wer weiß? Vielleicht müssen Teile der Filmgeschichte neu geschrieben werden, wenn demnächst in einer französisch-deutschen Co-Produktion Maigret und der Fahnder Jagd machen auf Fantomas. DEN Film würde ich gerne sehen.

Thorsten Elbrigmann