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Ford Granada L vs. Citroen DS 23 Pallas und Renault 16 TX

Räuber und Gendarm

In so manchem Krimi kam ein Ford Granada, Citroën ds oder Renault 16 um die ecke geschossen – am Steuer mal Gangster, mal die Polizei. Kriminell groß und bequem wie sie waren, eroberten diese Limousinen die Herzen der Autofans, die das Besondere suchten. Vergleichstest

Die Gangster besitzen im Film gewisse Vorteile: Sie sind besser ausgerüstet als die Polizei, dazu gerissener, oft skrupellos und fahren die schnelleren Autos. Im Streifen „Fantomas gegen Interpol“ kann die DS des Schurken sogar fl iegen, während Louis de Funés als Kommissar Juve am Boden zurückbleibt. Doch meist triumphiert zum Schluss das Gute, können hemdsärmelige Polizisten wie „Der Fahnder“ im Ford Granada oder Kommissar Maigret – oft im Renault 16 unterwegs – die Handschellen auspacken und den bösen Buben abführen. Aber wer hat am Ende dieses ungewöhnlichen Dreiervergleichs wohl die Nase vorn? Ganz ehrlich: Die Idee mit den Räubern und Gendarmen kam erst später. Ursprünglich haben wir genau diese Autos zusammengestellt, weil sie in den 70er-Jahren für vollkommen unterschiedliche Konzepte standen.

Der Citroën DS war seit 1955 der Inbegriff des futuristischen Oberklasse-Gleiters – und Anfang der 70er galt das immer noch. Der Granada von Ford stellte ab 1972 nochmal mit voller Wucht und Größe klassische Formen zu Schau. Der R16 markierte 1965 Renaults triumphale Rückkehr in die Mittelklasse und war lange Zeit der größte Renault. Eigentlich passt von der Größe der R30 besser zu Granada und DS, doch kam der erst 1975 auf den Markt – etwas zu neu, wie wir fanden, und zudem lange nicht so bahnbrechend wie der R16 mit seiner großen Heckklappe. Wir mussten ein wenig suchen, aber dann fanden wir einen TX, den stärksten und bestausgestatteten R16.

Das Top-Modell: DS 23 Pallas Injection

 
Mit der Göttin fangen wir an. Als Dame erhält sie den Vorzug und empfängt uns mit sinnlichen Rundungen und verschwenderischem Luxus. Die Version DS 23 Pallas Injection kam wie die Modellreihe Consul/Granada 1972 auf den Markt und stellt die höchste Ausbau- und Komfortstufe des französischen Klassikers der Moderne dar. Puristen mögen das späte Armaturenbrett nicht so gern. Doch immerhin ist es übersichtlicher als alles Vorangegangene in DS und ID. Dennoch: Wer in die DS einsteigt, taucht in eine andere Welt ab. Der Zündschlüssel befi ndet sich links. Der Anlasser wird betätigt, indem man den Wählhebel der Halbautomatik nach links gedrückt hält. Unser Testexemplar sprang praktisch ohne Choke an. Die Einspritzung sorgt für ein ruhiges Standgas und beste Heißstarteigenschaften.

Es ist immer wieder ein irres Gefühl, wenn sich die Karosserie nach kurzer Laufzeit des Motors erst hinten und dann vorn anhebt. Die Reisehöhe wird per Hebel unten an der linken A-Säule bestimmt, die Feststellbremse mit dem Fuß betätigt und mit der Hand – ähnlich wie bei klassischen Mercedes-Modellen – gelöst. Das sanfte Schmatzen der Servolenkung gehört ebenso zum Repertoire einer DS wie der Bremspilz. Das halbkugelige Gummi-Pedal will gestreichelt werden. Und wer das leicht verzögerte Ansprechen nicht kennt und nachtritt, der nickt erstmal kräftig. Apropos Verzögerung: Wegen der Halbautomatik kommt der nominell stärkste Wagen im Test eher langsam in Schwung. Bei jedem Gangwechsel lupft man das Gaspedal leicht, sanft schließt sich dann die nächste Fahrstufe an. Die DS erzieht den Fahrer zum Cruisen. Einmal im Vierten angelangt, stürmt die Göttin allerdings voran und beweist auch nach gut 40 Jahren, dass sie die Autobahn liebt. Hier verhilft ihr der lange Radstand zu großer Spurtreue. Auf der Landstraße aber wankt sie eher durch die Kurven und will mit Nachdruck geführt werden.
 

Thorsten Elbrigmann
Fazit

Der Fahnder hat zum Glück nie Fantomas jagen müssen. Um ihn zu kriegen, hätte er schon einen Granada mit dem seltenen Dreiliter-V6 wählen müssen (138 PS, 10,9 s, 182 km/h). Kommissar Maigret hätte im schnellsten Renault 16, dem TX, schon bessere Karten gehabt. Zumal der R16 im Antritt viel spritziger wirkt als der Doppelwinkel mit seiner Halbautomatik. Und auch beim Fahrverhalten punktet der waldmeistergrüne Franzose! Der Citroën mit seinem langen Radstand und dem voll auf Komfort ausgelegten Fahrwerk macht in Kurven richtig Arbeit – der R16 wedelt hingegen zackig ums Eck. Fantomas aber wäre mit so etwas nie gefahren. Sein schwebendes DS-Sofa ist Anmut gepaart mit futuristischer Technik. So liebte er es. Dass der Kofferraum der Göttin knapper ausfällt als der in Granada und R16 und der Renault zudem viel praktischer ist – egal. Der herrlich barocke Ford gerät nach Punkten leicht ins Hintertreffen, doch Kölns Kult-Karre verkörpert dafür die klassische Limousine in diesem Vergleich. Und genau deshalb lieben ihn die Fans.