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Vignale Samantha: Seltene Autos

Sündhaft schön

Dorther stammte nämlich Frixos Demetriou, ein etwas halbseidener Lebemann. Er besaß Casinos und war an allem interessiert, mit dem sich potenziell Geld verdienen ließ. Er inszenierte sich gern selbst mit seinem immer ernsten Gesicht, der dunklen Sonnenbrille und einem bewusst übertriebenen Akzent in der Stimme. Demetriou hatte auf einer Reise einen Vignale Gamine erblickt und den kleinen Flitzer auf Fiat 500-Basis als idealen Wagen für die britische Hausfrau mit Stil und dem nötigen Kleingeld erkannt.

So vereinbarte er mit Carozzeria Vignale den Import von Gamine, Eveline (das Schwestermodell des Samantha auf Fiat 124-Basis) und eben des Samantha.

SOGAR EINE VIGNALE-PRODUKTION IN ENGLAND WAR GEPLANT

Großer Erfolg war der Aktion im Nachhinein nicht beschieden. Immerhin waren aber die Pläne hochtrabend: Bis hin zu einer eigenen Fertigung in Großbritannien reichten sie. Aber es kam nie dazu, und so wurde der Vignale Samantha mit etwa 100 gebauten Exemplaren eines der seltensten Automobile der Welt.

Wer sich heute auf dem Fahrersitz dieses sportlichen GT niederlässt, der ist erstaunt über die große Beinfreiheit, den üppigen Kopfraum und die doch recht griffgünstige Anordnung aller Bedienelemente. Viele Details sind ganz klar Fiat. Dass Vignale aber Wert auf den Komfort und die schicken Detaillösungen legte, beweisen allein schon die elektrischen Fensterheber und die elektrisch ausfahrbaren Scheinwerfer. Hinten geht es reichlich eng zu.

Auch wenn in einem englischen Test von einiger Beinfreiheit im Fond die Rede ist: Sobald der Fahrer an die 1,80 Meter reicht, wird es hinten knapp.Doch wer wollte das dieser herrlichen kleinen Italienerin ernsthaft vorwerfen? Damals wie heute ist dieser Vignale ein echter Hingucker und so selten, dass man mit Leichtigkeit auch echte Experten verwirren kann. Die Rückleuchten vom Fiat 125 geben allenfalls Hinweise, die sich mit Blick aufs Vignale-Logo schnell verdichten.

Doch das schicke Blechkleid verhüllt die Großserienherkunft der Technik geschickt. Noch ein Wort zu Alfredo Vignale: Der große Karosseriebaumeister starb bereits am 16. November 1969 bei einem Autounfall nach einer Betriebsfeier – drei Tage, nachdem er seine Firma an De Tomaso verkauft hatte.

FIAT VIGNALE SAMANTHA (Bj.: 1967-70): Technische Daten und Fakten
Antrieb
R4-Zylinder; Hubraum: 1608 cm3; zwei obenl. Nockenwellen; Leistung: 74 kW/100 PS bei 6400/min; max. Drehm.: 130 Nm bei 4000/min; Fünfgang-Getriebe; Hinterradantr.
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit zwei Türen; Radaufhängung vorn: Querlenker, Schraubenfedern, Stabilisator; hinten: Starrachse, Längslenker, Halbelliptikfedern; v./h. Teleskopstoßdämpfer; Bremsen: v./h. Scheiben, Servo; Reifen: 165/70 R 13
Eckdaten
L/B/H: 4380/1650/1290 mm; Radstand: 2505 mm; Leergewicht: 1065 kg; Bauzeit: 1967 bis 1970; Stückzahl: ca. 100; Preis (1969): ca. 15.000 Mark
Fahrleistungen
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in ca. 12 s; Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h; Verbrauch: ca. 11-12 l/100 km

Thorsten Elbrigmann