Möchten Sie auf die mobile Seite wechseln?

JA NEIN

Alpine A310/Renault 5 Turbo: Classic Cars

Krawall-Duo Alpine gegen Renault

Auf unterschiedlichen Wegen zum gleichen Ziel: Die elegante Alpine A310 und der krawallige Renault 5 Turbo garantieren in unserem Vergleichstest Fahrspaß in Reinkultur. Es lebe der Sport!

Anfang der 1980er-Jahre hatte Renault gleich zwei Sportwagen im Programm, die die Herzen großer und kleiner Autofans schneller schlagen ließen und ihre Fantasien beflügelten. Auch wenn sie sich in puncto extravaganter Optik, Motor- und Fahrleistungen sowie Preisgestaltung sehr ähnelten, unterschieden sich Renault Alpine A310 V6 und Renault 5 Turbo doch stark in ihrem technischem Konzept und damit auch in ihrem Charakter. Zum Vergleichstest treten an: eine Alpine A310 V6 S von 1984 in weitgehendem Originalzustand und ein Renault 5 Turbo von 1981, der optisch auf die finale Ausbaustufe des Rallye-Werkswagens, den Renault 5 Maxi Turbo, getrimmt wurde. Beide Fahrzeuge stammen aus Privatbesitz. Seine spektakuläre Optik verdankt der Renault 5 Turbo seiner Aufgabe als Homologationsmodell für den Motorsport. Um neben den Erfolgen in der Formel 1 auch in der Rallye-WM den Anschluss an die Weltspitze herstellen zu können, setzten die verantwortlichen Ingenieure von Renault Sport im nordfranzösischen Dieppe im Jahr 1980 auf einen radikale Lösung: Sie nahmen den kompakten und damit sehr wendigen Renault 5 und bauten ihn durch das Einpflanzen eines Mittelmotors von Vorderrad-auf Hinterradantrieb um. Dadurch wurden die extrem breiten hinteren Kunststoff-Radkästen nötig, denn sie mussten das Kühlluftsystem aufnehmen. Gleichzeitig ermöglichten sie eine extrem breite Spur der Hinterachse. Um ein möglichst geringes Kampfgewicht (980 Kilogramm leer) zu erzielen, sind Dach, Heckklappe und Türen des Turbo aus Aluminium gefertigt, zumindest in der ersten Generation. Denn nach den 1690 Modellen der ersten Serie kam 1982 der Renault 5 Turbo 2 auf den Markt, mit einer Karosserie ohne Alu-Komponenten und einem weit weniger futuristisch anmutenden Cockpit.

Bildergalerie: Typen mit starkem Charakter

R5 Turbo und Alpine verlangen kundige Fahrerhände

Ursprünglich war für den Einsatz im Mittelmotor-R5 der von Peugeot, Renault und Volvo gemeinsam entwickelte so genannte Europa-V6-Motor vorgesehen. Aus Gewichtsgründen entschied man sich aber schließlich für den kleinen 1,4-Liter-Motor aus dem R5 Alpine, der mittels Turboaufladung in der Serienversion 160 PS leistete. Der schwerere 2,7-Liter-V6-Sauger wäre aber auch aus anderen Gründen nicht die optimale Wahl für das Motorsportgerät gewesen. Denn im Heck des Renault Alpine V6 zeigt das Aggregat einen geradezu sanftmütigen Charakter, wirkt in höheren Drehzahlregionen förmlich zugeschnürt. Die Fahrleistungen können sich dennoch sehen lassen. Im Test stürmte die dank Kunststoff-Karosse lediglich 1050 Kilogramm schwere Alpine im Sommer 1981 in nur 7,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Die gute Aerodynamik der französischen Flunder ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 223 km/h und hilft gleichzeitig, den Verbrauch (12 l/100 km) verhältnismäßig niedrig zu halten. Mit seinem Leergewicht von unter einer Tonne ist der Renault 5 Turbo mit 6,9 Sekunden deutlich schneller von null auf 100 km/h. Die für den Rallyesport typische kurze Getriebeübersetzung und die Windschlüpfigkeit einer Schrankwand lassen den Vorwärtsdrang schon bei 200 km/h enden. Auch lag der ermittelte Durchschnittsverbrauch mit 14,1 Liter pro 100 Kilometer etwas höher als bei der Alpine. Bei artgerechter Fortbewegung, also häufigen und längeren Aufenthalten der Drehzahlmessernadel jenseits der 3000 Touren, wenn also der Turbolader die Brennräume zwangsbeatmet, kann dieser Wert allerdings auch geradezu spielerisch in Richtung 20-Liter-Marke und darüber getrieben werden.

Mehr zum Thema: Zwei Roadster auf dem Weg zu Youngtimern

Das Einsetzen des Turboladers treibt aber nicht nur den Verbrauch nach oben, sondern häufig auch dem Fahrer Schweißperlen auf die Stirn. Denn der Leistungszuwachs kann dermaßen plötzlich und heftig kommen, dass er den R5 Turbo leicht aus der Bahn wirft. Vor allem auf nasser Fahrbahn gleicht die Fahrt in dem "Backenturbo" dem Ritt auf einer Kanonenkugel. Wer das Biest aber zu nehmen und trockenen Asphalt unter den breiten Reifen weiß, darf sich auf eine verboten spaßige Kurvenräuberei freuen. Das aufwändig konstruierte Fahrwerk mit Einzelradaufhängung vorn und hinten inklusive Doppel-Dreieckquerlenkern und Stabilisatoren lässt den Rennzwerg Kurven aller Art in aberwitzigen Geschwindigkeiten durcheilen. Die Alpine A310 verfügt über eine weitgehend mit der des Renault 5 Turbo identische Fahrwerkskonstruktion. Eine im Frühjahr 1981 erfolgte Modifikation brachte etwa breitere untere Dreiecklenker an der Hinterachse, was deren Eigenlenkverhalten reduzierte und den Geradeauslauf bei höheren Geschwindigkeiten verbesserte. Nicht zuletzt wegen der im Vergleich etwas ungünstigeren Gewichtsverteilung von zirka 30:70 zwischen Vorder- und Hinterachse durch den Heckmotor (R5 Turbo: 40:60) ist die Alpine in ihrem Fahrverhalten nicht so präzise wie der R5 – aber mindestens genauso tückisch. Lastwechsel während der Kurvenfahrt haben meist ein heftig auskeilendes Heck zur Folge. Zur Verbesserung des Handlings kursiert in der Szene der recht rustikal anmutende Tipp, die Gewichtsbalance durch das Platzieren von Gehwegplatten in der unter der vorderen Haube gelegenen Reserveradmulde zu verbessern.

Mehr zum Thema: Sierra RS Cosworth vs. Mercedes 190 E 3.2 AMG

Im R5 Turbo geht es laut und heiss zu

Einen ausgewiesenen Kofferraum bietet die Alpine A310 nicht. Zur Gepäckablage bietet sich stattdessen die Rücksitzbank an, die diesen Namen eigentlich nicht verdient. Denn die Platzverhältnisse im Fond sind derart beengt, dass der Aufenthalt dort höchstens kleinen Kindern zuzumuten ist. Überhaupt ist die nur 1,15 Meter hohe Alpine naturgemäß eng geschnitten. Fahrer und Beifahrer sollten nicht viel größer als 1,80 Meter sein, wenn sie sich bequem untergebracht fühlen wollen. In diesem Punkt haben es die maximal zwei Passagiere im deutlich höher bauenden Renault 5 Turbo natürlich besser. Weil der Motor ohne allzu viel Dämmung direkt hinter den Vordersitzen positioniert sind, geht es im Innenraum dafür recht laut zu. Die Serienversion ist dabei akustisch nur unwesentlich zurückhaltender als die von uns gefahrene Rallyeausführung. Auch kann sich die Abwärme des Turbomotors vor allem im Sommer nicht nur für temperaturfühlige Menschen als Herausforderung darstellen. Eine Überraschung hält der Renault 5 Turbo beim Thema Wartungsaufwand bereit. Trotz seiner reinrassigen Rennsporttechnik erweist er sich als sehr zuverlässig. Auch Servicearbeiten am Motor fallen weniger kompliziert aus, als zunächst erwartet: Für einen möglichst bequemen Zugang zum Aggregat lassen sich die hinteren Seitenscheiben mit wenigen Handgriffen ausbauen. Dennoch ist die Renault Alpine A310 mit ihrer bewährten Großserientechnik und dem unter einer weit aufschwingenden Heckklappe leicht zugänglichen Motor in diesem Punkt im Vorteil. Für beide Renault-Sportler gilt im Übrigen: Sie sind echte Hingucker.

Mehr zum Thema: Mercedes SLK 320 vs. Porsche Boxster S

Technische Daten Alpine A310 Renault 5 Turbo
Motor V6-Zylinder R4-Zylinder-Turbo
Hubraum 2664 cm³ 1387 cm³
Leistung
bei
110 kW/150 PS
bei 6000/min
118 kW/160 PS
bei 6000/min
Max. Drehmoment
bei
204 Nm
bei 3500/min
210 Nm
bei 3250/min
Getriebe Fünfgang-Getriebe,
Mittelschaltung
Fünfgang-Getriebe,
Mittelschaltung
Antrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb
0 - 100 km/h 7,7 s 6,9 s
Höchstgeschw. 223 km/h 200 km/h
Verbrauch 12,0 l/100 km 14,1 l/100 km
Marktlage 9000 bis 32.000 Euro 9200 bis 61.500 Euro

Carsten van Zanten
Fazit

Dieser Vergleichstest hat ohne Wenn und Aber zwei Sieger verdient. Die beiden Sportler von Renault faszinieren und begeistern in allerhöchstem Maße – jeder auf seine eigene Art. Die flache Alpine A310 mit ihrer auch heute noch futuristisch anmutenden Keilform kombiniert dynamische Fahrleistungen mit einem im Vergleich recht hohen Maß an Alltagstauglichkeit. Bei einer Körpergröße von mehr als 1,90 Meter käme sie für mich aber wohl leider nicht infrage. Macht nichts, bliebe ja noch der Renault 5 Turbo. Der macht aber allein mit seiner fast schon als krawallig zu bezeichnenden Optik unmissverständlich klar, dass er kein Auto für jeden Tag ist. Vielmehr ist er eine Fahrmaschine in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes, die entsprechend bewegt werden will – gerne auch auf der Rennstrecke.