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Alfa Romeo Montreal (1970): Traumwagen im Vergleich

Der kanadische Traum

In den „Gesichtszügen“ war jedoch eher eine Verwandtschaft zum ebenfalls von Giugiaro gestalteten Iso-Rivolta Grifo zu erkennen, dessen tiefliegende Doppelscheinwerfer sich halb unter der Motorhaubenkante versteckten. Beim Montreal wurden sie von lackierten Gittern einzeln beschirmt, und der obere Rahmen der Chromstoßstange verdeckte ihnen die Sicht wie ein zu tief sitzendes Brillengestell.

Die optische Wirkung war jedoch betörend, und so bemühten sich Bertone und Gandini, diesen Look Eins-zu-Eins aufs Serienmodell zu übertragen. Gänzlich ohne Änderungen konnte dies nicht gelingen, denn „freie Sicht“ für eingeschaltete Scheinwerfer war obligatorisch.

Die Lösung bestand in einem gemeinsamen Gitter für jedes Scheinwerferpaar, das beim Einschalten des Abblendlichts pneumatisch gesteuert mitsamt der Chromkante nach unten schwenkte.

Diese Charakter-Visage ist die stärkste Seite des Montreal

Er sieht dadurch so lässig-cool aus wie Adriano Celentano mit seinen stets halb geschlossenen Augenlidern. Der zweite Design-Clou dieses Coupés ist die Kaschierung des Frontmotors. Ging es beim Miura noch darum, einen Mittelmotor-Sportler im Look eines klassischen GT zu schaffen, so exerzierte Bertone nun diese optische Täuschung in umgekehrter Richtung: Er stellte einen klassischen GT im Look eines Mittelmotor-Sportlers vor.

Der Motor des Montreal saß nämlich nicht quer vor der Hinterachse, wie es damals selbst ausgewiesene Experten vermuteten und auch beim Alfa-Rennwagen Tipo 33 der Fall war. Das Aggregat war längs im Bug eingebaut. Die seitlichen Lüftungsschlitze hinter den Türen dienten lediglich der Luftabfuhr aus dem Innenraum.

In der Gestaltung der Silhouette kam Marcello Gandinis Handschrift subtil zum Ausdruck Neu war eine schmale Zierleiste, die schnurgerade vom vorderen zum hinteren Chromstoßfänger verlief und en passant die Oberkante des hinteren Radlaufs defi nierte. Bei folgenden Bertone-Studien wie dem Lamborghini Marzal betonte Gandini dieses Element bereits stärker.

Sein Markenzeichen wurden jedoch streng geometrische Formen, messerscharfe Linien und eine schon fast schmerzhaft konsequente Keilform. Gandini verbannte den Zirkel aus seinem Besteckkasten und legte nur noch Winkelmesser und Lineal an.

In den drei Jahren bis 1970 schleuderte er für Bertone mit aberwitzigem Tempo neue Traumwagen auf jede Messe: allen voran den Alfa Romeo Carabo und den Lancia Stratos Zero als erste Vorläufer des kommenden Lamborghini Countach. Später folgten Serienmodelle mit dem Signet von Bertone auf der Flanke: Lamborghini Urraco, Lancia Stratos, Maserati Khamsin, Fiat X 1/9.

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Karsten Rehmann