Citroen C6 vs. Volvo S80 Gegen den Strom

29.01.2008
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Die deutschen Premium-Anbieter in der Oberklasse sind nicht Ihr Ding? Dann finden Sie in Volvo S80 und Citroën C6 zwei Alternativen mit individueller Note. Es tritt an: solide Sachlichkeit aus Skandinavien gegen französische Eleganz

Oberklasse-Limousinen sind hierzulande meist mit einem Stern, dem weißblauen Propeller oder den vier Ringen geschmückt. Diese Embleme dokumentieren zugleich den wirtschaftlichen Erfolg des Besitzers. Es soll aber auch Zeitgenossen geben, die – ebenso erfolgreich – lieber individuell und im Verborgenen genießen. Die lieber das alte Bauernhaus in der Provence restaurieren, statt die Ferienwohnung an der Cote dAzur zu kaufen. Aus ihren Reihen rekrutiert sich die klassische Klientel für Oberklasse-Importmodelle.

 

Karosserie

Formal kommen Nonkonformisten am ehesten beim Citroën auf ihre Kosten. Mit einer Flut von Rundungen und Bögen feiert die coupéhafte Limousine den Sieg über den rechten Winkel. Ganz anders der Volvo. Kanten kennzeichnen hier den Charakter. Dennoch bietet der C6 innen mehr Platz als der S80, vor allem mehr Ellbogenfreiheit. Im Fond riskieren großgewachsene Zeitgenossen zwar seitlichen Kopfkontakt wegen des eingezogenen Dachs, werden dafür aber mit üppigem Knieraum entschädigt. Beim Kofferraumvolumen kann der Citroën wegen seines kurzen Stummelhecks dagegen nur 421 Liter bereit stellen – und bestätigt damit den Sieg der Form über die Funktion. Das Volvo-Gepäckabteil fasst immerhin 480 Liter.

Im täglichen Straßendschungel ist das Festplattennavigationssystem im C6 ein Segen, denn es arbeitet deutlich schneller als der Wegweiser im Volvo. Überhaupt: Ob optionales Head-up-Display, die serienmäßige aktive Motorhaube für den Fußgängerschutz, hintere Seitenairbags oder Lichtsensor – der Citroën lässt bei der Sicherheitsausstattung kaum Wünsche offen. Da steht der Volvo in der Punkte-Summe schlechter da, obwohl er mit einer Toter Winkel-Warnung (Blind Spot Information System BLIS für 920 Euro) und einer Rückfahrkamera (729 Euro) ausgerüstet werden kann.

KarosserieMax. PunkteCitroën C6 V6 HDi 205Volvo S80 D5
Raumangebot vorn1008985
Raumangebot hinten1008985
Übersichtlichkeit703835
Bedienung/ Funktion1007478
Kofferraumvolumen1003239
Variabilität1002023
Zuladung/ Anhängelast802736
Sicherheit15011187
Qualität/ Verarbeitung200168170
Kapitelbewertung1000648638

 

Fahrkomfort

Für das Wohlbefinden sorgen im Citroën vorn breitere Sitze mit einer längeren Schenkelauflage. Auch im Fond reist es sich im Franzosen bequemer: Hier haben die Passagiere mehr Knieraum, Platz für die Füße unter den Vordersitzen, und auch die Sitzposition ist entspannter, während die Volvo-Insassen ihre Beine stärker anwinkeln müssen.

Unterwegs machen sich die unterschiedlichen Fahrwerkskonzepte bemerkbar. Dank der elektronisch geregelten, hydropneumatischen Federung fährt der C6 nicht über Bodenunebenheiten, er schwebt. Man hat das Gefühl, in einem Luftkissen-Boot unterwegs zu sein, Bodenwellen oder Schlaglöcher bringen die Karosserie dank des Niveauausgleichs kaum aus der Waagerechten. Nur kurze Stöße werden trocken durchgereicht.

Zwar sprechen die Federelemente des mit konventionellem Stahlfederfahrwerk ausgerüsteten Volvo sensibel an. Auf schlechten Straßen jedoch verarbeitet der Schwede straßenbauliche Nachlässigkeiten mit deutlich stärkeren Karosseriebewegungen. Auch sackt das Heck in Bodenwellen ein.

FahrkomfortMax. PunkteCitroën C6 V6 HDi 205Volvo S80 D5
Sitzkomfort vorn150135125
Sitzkomfort hinten1007770
Ergonomie150100105
Innengeräusche504439
Geräuscheindruck1007972
Klimatisierung503940
Federung leer200178155
Federung beladen200178150
Kapitelbewertung1000830756

 

Motor und Getriebe

Fürs Fortkommen sorgt im Volvo ein 185 PS starker 2,4-Liter-Fünfzylinder-Common-Rail-Diesel, der dem S80 zu ordentlichen Fahrleistungen verhilft. Dabei ist der Motor unter Last stets akustisch präsent und neigt zum Dröhnen, was dem Reisekomfort nicht gerade dienlich ist. Die adaptive Sechsgang-Automatik wechselt zwar ruckfrei die Fahrstufen, lässt sich hierfür mitunter aber zu viel Zeit.

Im Citroën dagegen verrichtet ein 2,7 Liter großes V6-Dieseltriebwerk mit 204 PS seinen Dienst. Die geringen Unterschiede in den Fahrleistungen sind in der Praxis eher weniger von Bedeutung, die besseren Manieren des Franzosen schon. Flüsterleise und mit bester Laufkultur gesegnet, schüttelt der C6-Biturbo-Diesel seine Kraft ganz lässig aus dem Ärmel. Die ebenfalls sechsstufige Automatik schafft die Fahrstufenwechsel ruckfrei, aber noch etwas spontaner als die des Volvo. Die Gelassenheit, die der Antrieb an den Tag legt, überträgt sich rasch auf den Fahrer und lässt auch lange Urlaubsreisen ausgesprochen stressfrei vergehen. Dieses Reisevergnügen kostet allerdings reichlich Kraftstoff. Im Test rannen zehn Liter Diesel auf 100 Kilometern durch die Einspritzdüsen des Citroën. Da fährt der Volvo mit nur 8,1 Litern erheblich günstiger.

Motor und GetriebeMax. PunkteCitroën C6 V6 HDi 205Volvo S80 D5
Beschleunigung150144147
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15010095
Getriebeabstufung1008483
Kraftentfaltung503938
Laufkultur1008975
Verbrauch325163186
Reichweite251317
Kapitelbewertung1000632641

 

Fahrdynamik

In kurvigem Geläuf gefällt der C6 dank der entkoppelten Achsschenkel mit präzisem Einlenkverhalten. Seine Lenkung arbeitet mit relativ kleinen Winkeln, könnte aber etwas mehr Fahrbahnkontakt vermitteln. Auch zeigt der Franzose nur geringe Untersteuertendenzen im Grenzbereich. Im Sportprogramm ist zudem so gut wie keine Seitenneigung feststellbar. Schade nur, dass derlei dynamische Anlagen zu früh vom ESP eingebremst werden. Auf der Autobahn punktet der C6 außerdem mit den besseren Geradeauslaufqualitäten.

Der Volvo S80 schiebt dagegen im Grenzbereich stärker über die Vorderräder. Seine Lenkung erfordert für Richtungswechsel deutlich größere Lenkwinkel als die des Konkurrenten. Auch plagen den Schweden Traktionsprobleme, wenn es darum geht, aus engen Kurven herauszubeschleunigen. Lastwechselreaktionen sind ihm aber ebenso fremd wie seinem Sparringspartner. Die Bremsen der beiden Rivalen liefern zeitgemäße Verzögerungswerte, wobei der Volvo mit einem etwas besseren Kaltbremswert (36,8 Meter, Citroën: 37,3 Meter) glänzt. Außerdem erfreut der Schwede seinen Fahrer beim Bremsen mit dem eindeutig besseren Pedalgefühl.

FahrdynamikMax. PunkteCitroën C6 V6 HDi 205Volvo S80 D5
Handling1503250
Slalom1004535
Lenkung1007875
Geradeauslauf504645
Bremsdosierung301218
Bremsweg kalt1507782
Bremsweg warm1508387
Traktion1004240
Fahrsicherheit150125125
Wendekreis2019
Kapitelbewertung1000541566

 

Umwelt und Kosten

Über 6800 Euro teurer und mit einer horrenden Wertminderung geschlagen, erlebt der Franzose in diesem Kapitel sein Waterloo. Außerdem ist für den Citroën bei den Versicherungstarifen wegen seiner schlechteren TypklassenEinstufungen ein höherer finanzieller Aufwand nötig. Der hohe Verbrauch wirkt sich ebenfalls negativ auf das Budget aus. Da hilft es dem C6-Besitzer auch nicht, dass Citroën im Gegensatz zu Volvo eine unbegrenzte Mobilitätsgarantie bietet. Es bleibt dabei: Bei den Kosten hat der S80 in diesem Vergleich die Nase vorn.

Kosten/UmweltMax. PunkteCitroën C6 V6 HDi 205Volvo S80 D5
Bewerteter Preis675123144
Wertverlust501215
Ausstattung251717
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502419
Werkstattkosten201516
Steuer1066
Versicherung402429
Kraftstoff553741
Emissionswerte257681
Kapitelbewertung1000334368

 

Fazit

Mit hauchdünnem Vorsprung siegt der Citroën vor dem Volvo. Dies hat er seinem hohen Fahrkomfort zu verdanken. Nur der hohe Verbrauch trübt das Bild. Der Volvo gefällt dafür mit etwas kürzeren Bremswegen und einer wesentlich besseren Kostenbilanz als der Citroën. So oder so: Beide bieten ein hohes Maß an Individualität und eignen sich daher bestens, um gegen den automobilen Mainstream zu schwimmen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteCitroën C6 V6 HDi 205Volvo S80 D5
Summe500029852969
Platzierung12

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