Citroen C4 Cactus vs. Dacia Sandero Stepway: Crossover-Vergleich Anders und Artig

11.08.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT

Der neue Citroën C4 Cactus verbindet eine hohe Dosis Extravaganz mit durchaus praktischen Vorzügen. Im Vergleichstest muss der französische Crossover nun zeigen, was hinter seiner frechen Fassade steckt

In der langen Geschichte Citroëns finden sich zahlreiche Modelle, die aufgrund ihrer Andersartigkeit komplett gegen den Mainstream schwammen – und gerade deshalb Erfolg hatten. Mit dem C4 Cactus nehmen die Franzosen nun ein weiteres Vehikel ins Portfolio auf, das mit gängigen Konventionen bricht. Dass der neue kompakte Crossover ganz anders als andere sein will, sieht man ihm bereits auf Anhieb an.

Sein extrovertiertes Design mit der verspielten Front und den schrulligen seitlichen Kunststoffbeplankungen namens „Airbumps“ macht ihn zum absoluten Blickfang. Doch wie sieht es mit den inneren Werten aus? Kann der Individualist, der ab September in Deutschland ausgeliefert wird, den etablierten Wettbewerbern in seinem Segment Paroli bieten? Im ersten Vergleichstest stellt sich die 99-PS-Diesel-Variante dem betont rationalen Dacia Sandero des PSA-Konzerns auf, die beispielsweise auch dem Citroën C3 oder dem Peugeot 2008 als Basis dient. Gleichwohl bietet das gallische Stachelgewächs vorn ein gutes Raumangebot, das kaum Wünsche nach mehr offenlässt. Hinten sieht die Sache etwas anders aus.

Personen über 1,75 Meter Größe stoßen hier bereits mit dem Kopf an den Dachhimmel. Und auch die unmittelbar an den Köpfen der Außensitzenden liegenden C-Säulen schränken das Raumgefühl in Reihe zwei massiv ein. Im Dacia Sandero, dessen Dachlinie im Gegensatz zu der des Cactus nicht so stark abfällt, geht es im Fond jedenfalls deutlich luftiger zu. Zudem patzt der Franzose bei der Variabilität.

Auf Unverständnis stößt beispielsweise, dass die Rückbank nur einteilig umlegbar ist. Und das sehr umständlich, denn zum Entriegeln müssen beide jeweils am äußeren Ende der Rückenlehne gelegenen Arretierungsknöpfe gleichzeitig gedrückt werden. Außerdem ist die Ladeöffnung recht schmal geraten. Der Dacia Sandero ist ebenfalls kein Ausbund an Flexibilität, bietet aber immerhin serienmäßig eine zweigeteilt umlegbare Rückbank.

Weiteres Feintuning täte auch der Verarbeitungsqualität des Cactus gut. An unserem Testwagen gab es diesbezüglich ein loses Airbump Stepway. Der rumänische Budget-Crossover ist seit 2013 in der zweiten Generation am Markt und tritt ebenfalls mit einem Turbodiesel (90 PS) gegen den Franzosen an. Sonderling oder Biedermann, wer hat am Ende die besseren Karten?

 

KAROSSERIE

Für beide gilt: gute Platzverhältnisse, aber einfache Materialien

Die Bezeichnung C4 des neuen Citroën ist im Grunde genommen etwas irreführend, schließlich baut der Cactus keineswegs auf der Kompakt-, sondern auf der Kleinwagenarchitektur vorn auf der Beifahrerseite zu monieren, das sich auch mit Nachdruck nicht wieder in die Tür clipsen ließ. Und auch die sorglos eingepasste Motorhaube sowie ein heraushängendes Stück Dichtung aus dem linken Scheinwerfer verdienen Kritik.

Die verwendeten Materialien im Innenraum bestehen weitgehend aus hartem, wenig griffsympathischem Kunststoff. Der Dacia wiederum trägt im Innenraum die noch einfacheren Materialien zur Schau, die zu allem Überfluss teilweise nur unzureichend entgratet sind.

Viel schwerwiegender ist indes die lückenhafte Sicherheitsausstattung des Sandero Stepway, die sich durch eine völlige Abwesenheit aktueller Assistenzsysteme hervortut. Für den C4 Cactus gibt es – wenn auch gegen Aufpreis – wenigstens Licht- und Regensensor, eine Rückfahrkamera, einen Einparkassistenten und sogar eine Notruftaste. Löblich: Eine Reifendrucküberwachung ist beim Franzosen genauso serienmäßig an Bord wie ein Berganfahrassistent.

Citroën C4 Cactus BlueHDi 100 Dacia Sandero Stepway dCi 90 eco2
99 PS 90 PS
0-100 km/h in 12,7 s 0-100 km/h in 11,5 s
Vorderradantrieb Vorderradandtrieb
Spitze 184 km/h Spitze 167 km/h
Grundpreis: 18.990 Euro
Grundpreis: 11.790 Euro

 

FAHRKOMFORT

Die Federung des C4 Cactus spricht sensibel an

Wer das erste Mal vorn links im Citroën C4 Cactus Platz nimmt, wundert sich möglicherweise über die etwas eigentümliche Sitzposition.

Denn die Sitzfläche steigt nach vorn recht stark an, sofern sich der Sitz in der niedrigstmöglichen Position befindet. Konsequenz: Der Fahrer muss mit unangenehm angewinkelten Beinen leben – oder aber den Sitz höher einstellen. Bei dem nicht höheneinstellbaren Beifahrer- Gestühl ergibt sich diese Problematik nicht.

Eine passende Sitzposition zu finden, ist auch im Dacia Sandero Stepway nicht einfach, da das Lenkrad nicht in Längsrichtung einstellbar ist. Außerdem fördern die schlaffen Polster der seitenhaltarmen und recht kurzen Fauteuils Ermüdungserscheinungen bereits nach mittellangen Strecken.

Und auch ergonomisch gesehen hat der Rumäne ein paar Eigenheiten, die nicht unbedingt zu Begeisterungsstürmen hinreißen. So versteckt sich beispielsweise die Betätigung der Hupe nicht in dem flächigen Pralltopf des Lenkrads, sondern in einem Knöpflein auf dem linken Lenksäulenhebel. Außerdem sitzen Navibildschirm und Klima-/Lüftungseinheit zu tief im Armaturenträger.

In Sachen Federungskomfort hat der Citroën C4 Cactus die knubbelige Nase vorn. Seine Federung spricht gerade auf rubbeligem Untergrund wie Kopfsteinpflaster spürbar sensibler an als die des stets etwas schaukelig wirkenden Dacia. Und auch Schlaglöcher, Bodenwellen und Querfugen kaschiert die Feder-Dämpfer-Einheit des Franzosen geschickter.

 

MOTOR/GETRIEBE

Der Sandero Stepway ist flotter, der C4 Cactus sparsamer

Mit 90 (Sandero) beziehungsweise 99 PS (Cactus) sind beide Wettstreiter für den Alltag absolut ausreichend motorisiert. Kultiviert zu Werke gehen ebenfalls beide Turbodiesel, aber das schwächere Triebwerk bietet in diesem Fall – mit Ausnahme der Höchstgeschwindigkeit – die besseren Fahrleistungen.

So entscheidet der 43 Kilogramm  eichtere Sandero Stepway, der den deutlich schnelleren Anfahrwert auf den Asphalt legt, die Beschleunigungsmessung für sich. Bis zum Erreichen der 100-km/h-Marke kann er sich um immerhin 1,2 Sekunden vom C4 Cactus absetzen.

Außerdem erweist sich die Antriebseinheit des Rumänen trotz seines Drehmomentdefizits von 34 Newtonmetern als durchzugsstärker, was das Überholen auf der Autobahn maßgeblich erleichtert. In der Elastizitätsprüfung von 80 bis 120 km/h im höchsten Gang nimmt er dem Citroën satte vier Sekunden ab. Dafür ist der lang übersetzte Gallier mit einer Höchstgeschwindigkeit von 184 km/h um 17 km/h schneller als sein Widersacher – und obendrein  sparsamer. 

Im Durchschnitt gibt sich sein Selbstzünder mit 5,4 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer zufrieden. Das Renault-Aggregat, das den Dacia Sandero antreibt, benötigt 6,1 Liter für dieselbe Distanz.

 

FAHRDYNAMIK

Der Rumäne überrascht mit seiner guten Bremsanlage

Nein, übermäßige querdynamische Talente können dem Dacia Sandero Stepway nun wirklich nicht nachgesagt werden. Das liegt vor allem an seiner indirekten und gefühllosen Lenkung. Richtungswechsel erfolgen unwillig, ja beinahe schon lethargisch. Ebenfalls auffällig:

Die Regelgüte von ESP und Antriebsschlupfregelung verdient allenfalls das Prädikat „rustikal“. Gerade bei Nässe lässt der traktionsarme Dacia sehr viel Schlupf zu, ehe die  Elektronik brachial dazwischengrätscht. Der insgesamt agilere Citroën C4 Cactus lässt sich feinfühliger dirigieren und offenbart beim Kurvenfahren die höheren Reserven.

Das beweist er sowohl im Slalom als auch auf unserem Handlingkurs, den er rund zwei Sekunden schneller umrundet als sein Kontrahent. Allerdings verliert der Cactus wertvolle Zähler auf seinen Gegner durch die schlechtere Bremsperformance. Zwar ist ein Bremsweg von 35,1 Metern aus 100 km/h im kalten wie im warmen Betriebszustand für sich genommen ein guter Wert. Aber der Dacia steht mit kalter Bremse bereits nach 34,2 und mit warmen Stoppern  gar nach famosen 33,7 Metern.

 

UMWELT/KOSTEN

Der C4 Cactus bietet mehr Möglichkeiten zur Individualisierung

Wer sich auf den Dacia Sandero Stepway einlässt, muss mit extrem reduzierten Ausstattungsumfängen leben. Komfortblinker oder Fensterheberautomatik findet man in der Ausstattungsliste genauso wenig vor wie Sitzheizung oder automatische Klimatisierung. Und das Infotainment-Angebot beschränkt sich auf das relativ schlichte Navigationsmodul inklusive Radio. Dafür ist der Rumäne mit 11.790 Euro in der testrelevanten Ausstattung fast schon konkurrenzlos günstig.

Auch der Citroën geht eher nach dem Motto „keep it simple“ seines Weges. So fehlen dem Cactus einige Selbstverständlichkeiten wie etwa Drehzahlmesser oder versenkbare Scheiben hinten – Ausstellfenster müssen hier reichen.

Mehr Wert legen die Franzosen offenbar auf ein breites Individualisierungsprogramm. Neben zahlreichen Außenfarben stehen zudem diverse Farbausführungen der Airbumps zur Auswahl. Und auch in Bezug auf die Konnektivität ist der Cactus seinem Kontrahenten weit voraus. Das moderne Online-Modul MultiCity Connect für 300 Euro ermöglicht die Nutzung verschiedener praktischer Apps wie zum Beispiel Tank-Check, Park-Info oder den Hotel- und Reiseplaner TripAdvisor.

 

FAZIT

Der neue Citroën C4 Cactus geht lediglich als Zweiter aus diesem  Vergleichstest hervor. Nicht weil er das schlechtere, sondern das deutlich teurere Fahrzeug ist. Das Kostenkapitel ist das einzige, das der erfrischend eigenständige Franzose gegen seinen braven Widersacher verliert. Ansonsten ist der Cactus agiler und moderner. Außerdem spricht sein geringer Durst  für  ihn. 

Doch den Preisunterschied von über 9000 Euro zum Dacia kann er damit punktemäßig nicht ausgleichen. Der Rumäne bietet für seinen günstigen Preis trotz karger Ausstattung viel Auto fürs Geld. Er ist geräumig und durchaus komfortabel. Zudem beschleunigt er schneller und liefert eine Galavorstellung beim Bremsen ab.


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Marcel Kühler

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