Citroën C-Métisse Ich bin es, Dynamo

23.10.2008

Wie war das nochmal mit den faden Hybrid-Autos? Der Citroën C-Métisse zeigt ein Hybridkonzept mit Saft-und-Kraft-Diesel plus smarten Radnaben- Elektromotoren. Das ist nicht langweilig, nicht brav und kein bisschen blutleer. Und darf scharf aussehen. Sehr scharf» Hier geht es zur Bildergalerie» Hier geht es zur Bildergalerie

Nur eines zum besseren Verständnis: Allein die beiden 20 PS starken Elektromotoren in den hinteren Radnaben des Citroën C-Métisse haben ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern. Jeder! Dazu darf dann gut und gern noch einmal die Urkraft des V6-Dieselmotors gerechnet werden - gehen wir gleich noch einmal von 400 bis 500 Newtonmetern aus. Und da haben wir ihn: den 1200-Newtonmeter-Brenner! Wer also irgendwann während der letzten Hybrid-Diskussion still mit der Furcht kämpfte, die Zukunft des Autofahrens wäre eng mit dem Unterhaltungswert einer Fahrt im Bummelzug verwandt, der darf nun erstmal tief durchatmen.

 
Der eigenverordnete Selbstkasteiungstrend unter den Hybrid-Predigern wird nämlich schon bald ein Ende haben. Warum? Weil die Hybridantriebe der nächsten fünf Jahre auch zu mehr als nur zur Gewissensberuhigung taugen werden. Selbst ein Toyota Prius, König des eigengeschmacksfreien Wesens und per se verkehrsberuhigte Zone, soll in seiner nächsten Auflage sexy sein, kräftig und schwungvoll. Das entzieht dem verhärmten Individualmotorisierungs-Vegetarismus natürlich endgültig seine Grundlage: Sinn und Zweck des Hybrid-Hypes war und ist ja doch, sich besser zu fühlen, sensibler, aufgeklärter als die Vollgas-Sau von nebenan. Funktioniert am Besten selbstverständlich in einem Wagen, der quasi als Antithese zum konventio-nellen Schneller-Stärker-Schärfer wirkt. Und wenn nun plötzlich dieses sozio-emotionale Unterscheidungsmerkmal fehlt, wird auch der Hybridantrieb seine Nische finden.

Dann wird das Hybrid-Thema überhaupt erst spannend.
Denn plötzlich werden sich Hybridkonzepte entwickeln, die ganz unterschiedliche Gesichter haben. Vereinfacht: Hohe Priorität auf den Elektro-Part macht Sinn für Autos, die viel auf Kurzstrecken, im Stadt- und Stop-and-go-Verkehr unterwegs sind. Ökonomisch, ökologisch, wunderbar. Sobald die Stromfresser aber auf die Langstrecke müssen, akzeptable oder gar lustvolle Performance bieten sollen, wird der Elektromotor immer mehr zum Unterstützer eines sparsamen, kraftvollen ANDEREN Antriebs werden müssen. Zum Beispiel für einen modernen Diesel-motor. Und genau hier heben die Citroën-Mädels und -Jungs nun eifrig den Finger: Tolle Diesel? Haben wir! Hybrid-Knowhow? Haben wir! Verwegene Technik? Nimmt man uns ab! Und ein paar pfiffige Ideen haben wir ebenfalls auf Lager!

 
Heraus kommt ein Auto, das all diese Punkte verbindet. Der herrliche Citroën C-Métisse ist zuallererst einmal ein Auto, das nicht nach Zen-Gärtchen und Magerquark ausschaut, sondern wie man sich einen Citroën eben so vorstellt: großartig. Null-Technoid. Manta Ray meets Science Fiction-Banküberfallsfluchtauto. Liebe Freunde des Benutzerverwenderwagens, liebe Frau Künast: Es ist ideologisch nicht korrekt, aber ja, Autos werden IMMER scharf aussehen. Selbst mit Restmüll-Konzentrat im Tank und frischer Waldluft aus der Auspuffmündung. Und das ist gut so. Wer will schon auf dem Shetland-Pony reiten, wenn er den Araber haben kann?

Und dann spricht die Technik ein Machtwort. Typisch für das Hybridauto: kein Motorengeräusch beim Zündschlüsseldreh. Das wird bald sowieso die Zukunft sein, man möge sich darauf einstellen, ab 2010 an der Ampel und im Stau die Vögel pfeifen zu hören. Lautloses Anfahren. Wie gesagt, 800 Newtonmeter ab Stillstand (!) schieben augenfeuchtend an. Kraft im Überfluss. Und nur ein leises Transformator-Summen dazu. Geht bis hoch auf 30 km/h, dann werden die E-Motoren kurzatmig. Zeit für den Ölbrenner. Der springt im C-Métisse mit Donnerhall an, schließlich ist das hier ein Konzeptauto - also ein Einzelstück ohne jegliche Geräuschdämmung zum Innenraum. Eine Kohlefaserröhre.

 
Tiefes, hartes Säbelrasseln vom V6-Diesel. Und wenn dann der Verbrennungsmotor mit einem grässlichen Ruck die Antriebspflichten von den E-Motoren übernimmt, loskachelt wie verrückt und das ochsenblutmetallicrote Auto in eine Rakete verwandelt, weiß man, weshalb sämtliche Auto-Ingenieure dieses Planeten beim Wort Hybridtechnik Schweißflecken kriegen. Man kann die beiden Antriebe, die völlig unterschiedlichen Drehzahlen, diese beiden Welten irgendwie zusammenmauscheln. Spaß macht das aber nicht. Ein gleitender Übergang von Elektro- nach V-Motor ist ein Meisterstück. Im Citroën-Konzeptauto hat man die beiden Motorideen einfach mal zusammengeschnallt. In Serie ist genau dieser Übergang dann der Knackpunkt. Denn es geht schließlich nicht nur ums Anfahren und Abbremsen, sondern um etliche andere Schweinereien, die man laut Citroën-Skizzenheft mit smarter Hybridtechnik sonst so treiben könnte.

Kurze Zwischensprints unterstützen zum Beispiel. Wenn die E-Motoren dann dem Diesel beschleunigend unter die Arme greifen, heißt das bei Citroën Boost-Funktion und ist sozusagen als moderne Variante einer amtlichen Lachgaseinspritzung zu verstehen. Nachbrenner. Viertelmeilen-Fast-Forward. Oh je, alles klar, zu böse. Da haben die Moralinsauren gerade geglaubt, man hätte mit dem Trend zum Hybrid auch den Spaß am Autofahren erwürgt. Und dann geht das hier gerade so weiter. Bleiben wir also politisch korrekt. Sagen wir, dass man mit den E-Motoren in den hinteren Radnaben einen schönen Allradantrieb hat. Stichwort Sicherheit. Oder dass man die Radnaben-E-Motoren als ESP-Plus einsetzen kann, was technisch möglich ist. Auch schön, oder? Johannes Riegsinger» Hier geht es zur Bildergalerie» Hier geht es zur Bildergalerie
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