Chrysler Firepower Spiel mit dem Feuer

01.12.2006

Ein Mercedes SL ist Ihnen zu teuer, eine Dodge Viper zu brutal? Macht nichts, steigen Sie einfach in den Firepower aus dem Hause Chrysler

Eckdaten
PS-kW422 PS (310 kW)
AntriebHeckantrieb, 5 Gang Automatik
0-100 km/h4.5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit282 km/h
Preis1.000.000,00€

Matheson Hammock Park, Dade County, im eleganten Süden Miamis. Die sengende Sonne bringt die Luft zum Flimmern und Kevin in Unruhe. "Wir sollten ihn in den Schatten fahren, der Kleber in den Türdichtungen wird langsam weich", sagt der freundliche Ami, der für seinen Brötchengeber Chrysler schon so manches Concept-Car betreut hat. Damit Kevin nicht allein nach Haus muss, weil sich sein handgefertigter, Millionen Dollar teurer Schützling buchstäblich aufgelöst hat, findet der Firepower in einem nahen Mangrovengebüsch kühle Deckung. Das ist lustig: Da nennen die Amis, die um einen kernigen Begriff für alles, was groß und stark ist, nie verlegen sind, ihr bestes Stück "Feuerkraft" - aber wehe, wenn die Sonne knallt. Wenn es um den Ausstoß faszinierender Studien geht, ist Chrysler aber kaum zu schlagen. Egal ob Dodge MAXXCab, Challenger oder Chrysler Imperial - die Showstars der Marke sind was für den großen Auftritt. Die Ausrichtung der Marken im DaimlerChrysler-Konzern überlässt den Amerikanern dabei viel Spielraum: Wo Mercedes mit anspruchsvoller Technik und deutscher Ingenieurskunst in der Hochpreisliga renommiert, setzt Chrysler auf mutige Formen mit dicken Backen und strammen Motorleistungen zu erschwinglichen Einstandstarifen. Bestes Beispiel: die Oberklasselimousine 300 C. Der Firepower besitzt dieselben Attribute und würde hier gut ins Wildwest-Sortiment passen. Würde, denn noch ist der 4,38 Meter lange, auf der Basis einer Dodge Viper entstandene Zweisitzer nämlich ein temperatursensibles Einzelstück, über dessen Serienchancen nicht einmal Chrysler-Boss Tom LaSorda mehr als ein hintergründiges Lächeln zu entlocken ist. Dabei könnte der Firepower als Nachfolger des Chrysler Crossfire mit Sicherheit nicht nur Amerikaner aus der Reserve locken, denen der knackig gestylte, auf Basis des ersten Mercedes SLK basierende Sportler eine halbe Nummer zu klein ist. Der Firepower, der da am Gebüsch lauert, zieht sie magisch an. Jogger stellen das Joggen ein, Kite-Surfer ziehen ihre Boards an Land und verfallen in kollektives Staunen. "Wow, what':s that"? Man könnte antworten, dies sei ein Kreißler aus Germany. Wäre nur halb geschwindelt, denn Johann Philipp Kreißler, ein Vorfahre des Firmengründers Walter P. Chrysler, stammte tatsächlich aus Deutschland, genauer: aus dem rheinhessischen Guntersblum. Auch der Firepower hat - aus technischer Sicht - klar zu lokalisierende Wurzeln. Chassis und Rohbau kommen, wie angedeutet, von der Dodge Viper. Wo allerdings bei der Giftschlange ein 506 PS starker und 8,3 Liter großer Zehnzylinder sein Drehmoment von 713 Newtonmetern auf die Kurbelwelle stemmt, werkelt beim Firepower der 6,1 Liter große Hemi-V8, der auch im Sportler 300 C SRT-8 und im Dodge Charger für strammen Vortrieb sorgt. SRT steht für "Street and Racing Technology", die motorische Spitze der Chrysler-Modelle. Der Firepower, eine weichgespülte Viper? Der spontane Sound-Wettbewerb erstickt solche Überlegungen im Keim. Mit tiefsattem Wummern setzt sich der muskulöse Sportler in Bewegung und verlässt das schützende Dickicht, gemächlich wie ein Alligator auf der Revierstreife. Die in Hydro-Silver-Peral lackierte Karosserie funkelt in der Sonne, ein Gasstoß ballt die flimmernde Luft zu mächtigen Schallwellen, und in Dade County ist Feueralarm. Davon fühlen sich die Besitzer der am nahen Steg festgemachten bulligen Speedboote provoziert, die hier gerade die Maschinen auf Betriebstemperatur bringen. Sie antworten umgehend mit Vollgas-Trompeten, die Skipper wollen':s wissen. Doch Freund Firepower, von keinerlei Endschalldämpfern kastriert, kann es mit dem dicken Hemi-V8 viel besser und brüllt Richtung Hafen zurück. Diesen Meinungsaustausch, der in Germany mit einer Zahlungsaufforderung des Ordnungsamtes enden würde, finden die Zaungäste "absolutely cool". Das ist Amerika. Die Innenraumtemperatur des Firepower erreicht inzwischen Sauna-Niveau. Bestens konturierte, mit Leder bezogene Schalensitze geben festen Halt, vulkanisieren aber das klebende Hemd mit dem menschlichen Rücken zu einer schwer trennbaren Einheit. Der Druck auf die Aircondition-Taste bringt nichts außer einem verstauchten Finger. Wie fast alle Bedienelemente ist die Kühltaste eine Attrappe. Pur und echt ist dafür die höchst attraktiv in Form gebrachte Karosserie. Von der Seite betrachtet, ähneln die Proportionen denen der Viper. Hinter der meilenlangen Motorhaube beginnt dann der vergleichsweise kleine Teil des Autos, den sich maximal zwei Personen mit dem wuchtigen Kardantunnel teilen müssen. Und hinten ist der Firepower breitbackig wie ein aufproviantierter Hamster nach der Fastenzeit. Schließlich müssen die Radhäuser genug Platz bieten für hochglanzverchromte 20-Zoll-Felgen mit XXL-Reifen der Dimension 335/30 R 20. Das Heck mit der sacht abfallenden Dachlinie und den breiten Leuchtenbändern erinnert ein wenig an Aston Martin-Modelle. Auch am vorderen Ende zeigt der buchstäblich einzigartige Sportler Kraft und Präsenz, ohne übertrieben dick aufzutragen: Der Kühlergrill im Gierschlund-Format garantiert böses Überholprestige. Sicken, Kanten und die zur Frontscheibe ausgerichtete Motorraumentlüftung rüsten die riesige Haube auf. Kein Wunder, dass die Sportfreaks von Dade County aus dem Häuschen sind und dauernd nach dem Preis und dem Verkaufsstart fragen. Sorry, Jungs, keine Ahnung. Aber vielleicht gibt uns ja Chrysler-Boss LaSorda irgendwann die Antwort. Stefan Miete

Technische Daten
Motor 
ZylinderV8
Hubraum6059
Leistung
kW/PS
1/Min

310/422
6200 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
570
4800 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe5 Gang Automatik
AntriebHeckantrieb
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: innenbel. Scheiben
Bereifungv: 275/35 R 19
h: 335/30 R 20
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1533
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)4.5
Höchstgeschwindigkeit (km/h)282
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

Tags:
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