Vergleichstest 2012: Chevrolet Malibu gegen Opel Insignia Chevrolet Malibu 2.0 | Opel Insignia 2.0 CDTI

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Außen Ami, innen Europäer: Der neue Chevrolet Malibu steht auf der gleichen Plattform wie der Opel Insignia. Ist er auch genauso gut? Vergleichstest

Da soll noch einer sagen, die Amis könnten kein Downsizing. Der neue Premiere auf der IAA 2011 - der neue Chevrolet Malibu (4,86 Meter) überragt den Opel Insignia in der Außenlänge gerade mal um drei Zentimeter. Damit bekennen sich die Väter der Limousine aus der Neuen Welt zu altbewährten europäischen Tugenden – sprich: Maß zu halten, statt der Verschwendung zu frönen. Doch das kommt nicht von ungefähr, denn der Malibu steht wie der Insignia auf der "Global Epsilon“-Plattform von General Motors. So sind zahlreiche Antriebs- und Fahrwerkskomponenten ebenso identisch wie manche Bauteile im Innenraum. Diese Strategie senkt bekanntermaßen erheblich die Produktionskosten. Für uns Grund genug, mal der Frage nachzugehen, wie unterschiedlich Gleiches sein kann und welches Markenlogo am Ende die Nase vorn hat: Blitz oder Bowtie?

 

Karosserie

Bei gleichen Radständen differieren die Innenraum-Abmessungen kaum. Auffällig ist jedoch, dass großgewachsene Passagiere im Opel-Fond permanent in Kopfkontakt mit dem Dach bleiben, während der Chevrolet hier deutlich mehr Luft lässt: Das Insignia-Dach ist stärker nach innen gezogen als beim Malibu. Großzügiger gibt sich der Chevy auch beim Kofferraum: Mit 545 Liter Volumen fasst er deutlich mehr als das Ladeabteil des Insignia (500 Liter). Hinzu kommt, dass der Amerikaner mit 609 Kilogramm geradezu King-Size-Ladevolumen mitbringt (Opel: 498 kg).

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Im Alltag verlangt die Bedienung des Insignia-Navigationssystems (ab 1100 Euro), für das zwei Dreh-/Drücksteller vorgesehen sind, etwas mehr Übung als die Touchscreen-Variante im Malibu (Serie). Dafür hat der Amerikaner der Sicherheitsausstattung seines deutschen Konkurrenten wenig entgegenzusetzen: Xenonscheinwerfer, hintere Seitenairbags oder ein Abstandsradar mit Bremseingriff sucht man unter den Chevrolet-Extras ebenso vergeblich wie etwa einen Verkehrsschild-Scanner oder Spurassistent. Dafür räumt der Malibu mit dem Vorurteil des lässig zusammengeschusterten Ami-Autos auf. Materialgüte und Verarbeitungsqualität können durchaus europäischen Ansprüchen gerecht werden, reichen jedoch nicht ganz an die Qualität des Insignia heran.

KarosserieMax. PunkteOpel Insignia 2.0 CDTIChevrolet Malibu 2.0
Raumangebot vorn1007979
Raumangebot hinten1007779
Übersichtlichkeit702829
Bedienung/ Funktion1007879
Kofferraumvolumen1004146
Variabilität1002520
Zuladung/ Anhängelast803646
Sicherheit1509974
Qualität/ Verarbeitung200176171
Kapitelbewertung1000639623

 

Fahrkomfort

Wer es sich vor Fahrtantritt bequem machen will, freut sich über die serienmäßige elektrische Sitzverstellung im Malibu. Die Längs- und Lehnenverstellung im Erlkönige: Erste Bilder vom Kraftpaket Opel Insignia OPC muss von Hand vorgenommen werden (elektrisch: 525 Euro, ab Ausstattung „Sport“). Hier wie dort sitzt man dennoch gleich gut. Unterwegs entpuppt sich der Chevrolet Malibu keineswegs als wankende Sänfte. Vielmehr wirkt seine Abstimmung recht straff. Kurze Bodenwellen regen die Karosserie zu Nickschwingungen an. Beladen verbessert sich der Federungskomfort des Amerikaners. Dabei steht selbst für derbe Pisten genügend Federweg parat, sieht man von gelegentlichen Stößen ab, die bis zu den Insassen durchdringen.

Die Feder-Dämpfer-Abstimmung des Opel wirkt etwas geschliffener. Nickschwingungen sind ihm fremd, und auch auf Kopfsteinpflaster schüttelt er seine Passagiere weniger durch. Wie sein Konzernkontrahent federt er beladen noch eine Spur souveräner. Auf langen Autobahnetappen zeigen sich dann beide Kandidaten mit moderatem Geräuschpegel von der nervenschonenden Seite.

FahrkomfortMax. PunkteOpel Insignia 2.0 CDTIChevrolet Malibu 2.0
Sitzkomfort vorn150102102
Sitzkomfort hinten1006668
Ergonomie150110110
Innengeräusche503434
Geräuscheindruck1007270
Klimatisierung503327
Federung leer200134130
Federung beladen200136134
Kapitelbewertung1000687675

 

Motor und Getriebe

Das einzige, was die jeweils 160 PS starken 2.0-Liter-Common-Rail-Diesel voneinander unterscheidet, ist die fehlende Overboost-Funktion beim Chevrolet. So muss der Turbolader des Ami ohne die kurzzeitige Ladedruckerhöhung bei Volllast und das dadurch um 30 Nm höhere Maximal-Drehmoment auskommen. Der Malibu erreicht seinen Drehmoment-Zenith bereits bei 350 Nm (Opel: 380 Nm). In der Praxis zeigt der Insignia, je nach Drehzahlbereich, ein spontaneres Ansprechen auf Volllastbefehle und fährt einen leichten Vorsprung in der Elastizitätswertung heraus (siehe Tabelle auf Seite 52). Überhaupt macht die gute Elastizität entspanntes Dahinrollen möglich und gönnt der Schalthand längere Pausen.

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Die Beschleunigungswerte differieren nur geringfügig; im Alltag bleiben sie ohne spürbare Auswirkungen. Um Unterschiede in der Höchstgeschwindigkeit herauszufahren (Chevrolet: 213 km/h, Opel 218 km/h), braucht man ein längeres Stück freier Autobahn. Beim Testverbrauch hat der Opel mit 6,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer leicht die Nase vorn (Chevrolet: 6,6 Liter). Weniger wäre mit einem Start-Stopp-System möglich, das jedoch für den Chevrolet nicht erhältlich ist und für den Opel bei vergleichbarer Ausstattung in der ecoFLEX-Version 750 Euro kostet. Mehr Laufruhe legt der Opel an den Tag, denn beim Ausdrehen der Gänge produziert der Malibu-Motor deutlich stärkere Dröhnfrequenzen. Da sich aber auch der Amerikaner schaltfaul bewegen lässt, halten sich die Störungen in Grenzen.

Motor und GetriebeMax. PunkteOpel Insignia 2.0 CDTIChevrolet Malibu 2.0
Beschleunigung150104105
Elastizität1007876
Höchstgeschwindigkeit1506663
Getriebeabstufung1008079
Kraftentfaltung503332
Laufkultur1006261
Verbrauch325260256
Reichweite252223
Kapitelbewertung1000705695

 

Fahrdynamik

Wie es sich für Reiselimousinen der Mittelklasse gehört, warten beide Testkandidaten mit guten Bremsleistungen auf. Mit warmer Bremse steht der Chevrolet Malibu aus 100 km/h durchschnittlich nach 35,9 Metern – fast einen Meter früher als der Opel. Danach heißt es Farbe bekennen auf dem Handlingkurs: Hier stellt sich schnell heraus, dass der Malibu im Vergleich an der Reifenhaftgrenze stärker über die Vorderräder zum Kurvenaußenrand schiebt. Auch Lenkbefehle setzt er nicht ganz so spontan um wie der Opel.

Wer in Kurven vom Gas geht, erlebt im Rüsselsheimer ein moderat eindrehendes Heck, während sich der Amerikaner achtern deutlich sturer gibt. In der Summe der Eigenschaften bleibt der Insignia als das agilere Auto in Erinnerung, das sich darüber hinaus präziser dirigieren lässt. Beide kämpfen zuweilen mit Traktionsproblemen und lassen die Motorleistung auf kurvigem Terrain entweder im elektronischen Regelwerk der Traktionskontrolle verebben oder bei deaktiviertem System schlichtweg in Rauch aufgehen. Beim Chevrolet früher, beim Opel später.

FahrdynamikMax. PunkteOpel Insignia 2.0 CDTIChevrolet Malibu 2.0
Handling1506260
Slalom1006862
Lenkung1007271
Geradeauslauf504242
Bremsdosierung301919
Bremsweg kalt1508483
Bremsweg warm1508291
Traktion1004038
Fahrsicherheit150128124
Wendekreis20612
Kapitelbewertung1000603602

 

Umwelt und Kosten

In der Anschaffung profitiert der Chevrolet von seiner reichhaltigen Ausstattung, die, wie erwähnt, sogar ein Navigationssystem beinhaltet. Auch hat er dem Opel Insignia die serienmäßigen Leichtmetallräder voraus. Die Werkstattkosten liegen nach ADAC-Schätzung allerdings etwas höher als beim deutschen Konkurrenten, was zum Teil in den kurzen Wartungsintervallen begründet sein dürfte (alle 15.000 Kilometer oder einmal pro Jahr).

Dafür schnüren die Amerikaner ein umfangreicheres Garantiepaket: Drei Jahre steht Chevrolet für Schäden an der Technik gerade, dazu kommt eine ebenso lange Mobilitätsgarantie. So hält der Amerikaner nicht nur bei den Abmessungen, sondern auch bei den Ausgaben Maß – und gewinnt schließlich das Kostenkapitel.

Kosten/UmweltMax. PunkteOpel Insignia 2.0 CDTIChevrolet Malibu 2.0
Bewerteter Preis675186187
Wertverlust501819
Ausstattung251520
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung501822
Werkstattkosten201312
Steuer1088
Versicherung403333
Kraftstoff554342
Emissionswerte258687
Kapitelbewertung1000420430

 

Fazit

Mit dem Rückgriff auf bewährte Komponenten aus dem GM-Baukasten haben die Amis den europäischsten Mittelklasse-Chevrolet auf die Räder gestellt, den es je gab. Dass er in der Gesamtabrechnung knapp hinter dem Opel Insignia landet, liegt an der höheren Perfektion des Rüsselsheimers. Komfortabler, etwas sparsamer und auch dynamischer, erkämpft er sich seinen Punktevorsprung. Der Chevy bietet jedoch mehr Platz und Ausstattung.

Gesamtbewertung

Max. PunkteOpel Insignia 2.0 CDTIChevrolet Malibu 2.0
Summe500030543025
Platzierung12

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