Chevrolet Corvette ZR1 und Mercedes SLS AMG im Vergleichstest Chevrolet Corvette ZR1 und Mercedes SLS AMG

07.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Corvette ZR1 gegen Mercedes SLS AMG: Zwei sehr schnelle Sportwagen mit weit hinten eingebautem V8 im klangstarken Vergleichstest

Zwei Sportler mit Tradition und Kultstatus: die Chevrolet Corvette und der Mercedes-Flügeltürer. Schon seit 1953 wird der amerikanischste aller Sportwagen gebaut, mittlerweile in der sechsten Generation. Den Mercedes mit der einzigartigen Türkonstruktion gab es indes lediglich zwischen 1954 und 1957 (Roadster von 1957 bis 1963), bevor mit dem Mercedes SLS AMG vor zwei Jahren eine moderne Interpretation des Klassikers auf die Straße kam. Beide Autos folgen heute noch weitestgehend der Ur-Konstruktion. Sind sie somit überhaupt noch zeitgemäß? Und: Wer geht am Ende als erster über die Ziellinie?

 

Karosserie

Bei ihrem Debüt trug die Corvette bereits eine GfK-Karosserie über ihrem Stahlkasten-Rahmen, und auch das aktuelle Modell besitzt eine Kunststoff-Haut. Allerdings fußt diese mittlerweile auf einem Spaceframe-Chassis aus Aluminium und integriert etliche Karbon-Komponenten. Die vordere Haube, die vorderen Kotflügel, Türen, Seitenschweller und Frontsplitter sowie die Dach-Kuppel bestehen aus der Hightech-Faser.

Das senkt den Schwerpunkt und mindert das Leergewicht auf knapp über 1,5 Tonnen. Der Mercedes SLS AMG wiegt leer rund 150 Kilo mehr, obwohl auch er auf Leichtbau setzt: Er baut ebenfalls auf einem Alu-Spaceframe auf. Der historische SL basierte noch auf einer raumgreifenden Gitter-Konstruktion, die letztlich den Einsatz der Flügeltüren bedingt hat. Auch sämtliche Außenbleche des SLS bestehen aus Alu – was seinerzeit immerhin schon gegen Aufpreis angeboten wurde. Gewichtsersparnis damals: rund 80 kg.

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Leistungsgewicht und Ästhetik sind bei diesen Ausnahme-Athleten nun einmal seit jeher wichtiger als pragmatische Tugenden. Immerhin: Die Corvette ZR1 offeriert einen großen Gepäckraum, und der AMG glänzt mit einer recht umfangreichen Sicherheitsausstattung. Außerdem schmücken ihn höherwertig anmutende Materialien als den Ami. Und: Abgesehen von den spektakulären, aber unpraktischen Flügeltüren lässt sich der Benz einfacher bedienen. Aber wen interessiert das schon?

KarosserieMax. PunkteMercedes SLS AMGChevrolet Corvette ZR1
Raumangebot vorn1006761
Raumangebot hinten10000
Übersichtlichkeit703134
Bedienung/ Funktion1008170
Kofferraumvolumen100329
Variabilität10000
Zuladung/ Anhängelast8096
Sicherheit1509062
Qualität/ Verarbeitung200190174
Kapitelbewertung1000471436

 

Fahrkomfort

Ein weiterer Punkt von eher akademischem Wert ist der Komfort dieser Extremisten. Beide bieten zwar einen ausreichenden Restkomfort, um auch längere Reisen zu überstehen – geschmeidiges Anfedern oder leises Dahinrollen ist aber eindeutig nicht ihre Stärke. Den Mercedes-V8 hört man eigentlich immer. Der so genannte Small-Block der Corvette brummelt bei Teillast zunächst dezent vor sich hin, bläst aber bei Vollgas-Kommandos ab rund 3.500 Umdrehungen derartig infernalisch zum Angriff, dass man darauf achten sollte, andere Verkehrsteilnehmer nicht ungewollt zu erschrecken und diese so zu Panikreaktionen zu animieren.

Wichtigstes Komfort-Feature in beiden Fahrzeugen sind die Sitze. Doch während die exakt einstellbaren und gut konturierten Sportpolster des Neue Mercedes M-KlasseEntspannung und Seitenhalt mit einer ergonomisch einwandfreien Position verbinden, erweisen sich die Plätze an Bord der Corvette als flauschigweich. Seitenhalt und Sitzposition können hier nicht vollständig überzeugen. Der Gurt lässt sich zwar manuell arretieren, was allzu viel Rutscherei auf dem glatten Leder verhindert – mehr aber auch nicht.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes SLS AMGChevrolet Corvette ZR1
Sitzkomfort vorn15014490
Sitzkomfort hinten10000
Ergonomie150121115
Innengeräusche50912
Geräuscheindruck1007670
Klimatisierung503833
Federung leer200111109
Federung beladen200111109
Kapitelbewertung1000610538

 

Motor und Getriebe

Doch solche kleineren Mäkeleien verblassen angesichts der gewaltigen ZR1-Leistungsdaten zu banalen Nebensächlichkeiten: 647 PS, 819 Nm, 330 km/h – das verschlägt selbst angestammten Nörglern die Sprache. Zumal diese gern behaupten, der Ami-V8 sei zu simpel, um die an einen Supersportler erfüllen zu können. Falsch. Vielmehr erlaubt die schlanke Bauform des Small-Blocks mit zentraler Nockenwelle einen extrem tiefen Einbau und erweist sich dank der geringen Anzahl bewegter Teile als absolut drehzahlfest.

Technische Leckereien wie Titan-Ventile, Schmiedekolben, der mächtige Eaton-Kompressor (max. 0,72 bar Ladedruck) oder auch die Trockensumpfschmierung belegen ferner, dass es sich hier um ein waschechtes Hochleistungsaggregat handelt. Allerdings konnte unser aktueller Testwagen nicht an die fabelhaften Beschleunigungswerte früherer Autos anschließen. Speziell der unvermeidliche Gangwechsel bei 198 km/h (laut Tacho fast 210 km/h) vermasselt dieser der Porsche 911 GT3 gegen Corvette ZR1 einen 200er-Wert unter zwölf Sekunden. Hinzu kommt, dass ungeübte Fahrer beim schnellen Schalten leicht an der etwas hakeligen Führung des Schalthebels und den eng zusammenliegenden Gassen der ersten vier Gänge straucheln.

Sei’s drum. Das Ding schiebt auch so bestialisch an. Angesichts der gebotenen Power ist sogar der Testverbrauch von 16,7 Liter Super Plus je 100 km noch vertretbar. Aber der V8 im SLS treibt den Mercedes in Kombination mit dem annähernd perfekt funktionierenden Doppelkupplungsgetriebe nicht nur effizienter an, wie der Testverbrauch von exakt 15 Litern je 100 km belegt, sondern genauso temperamentvoll.

Mindestens. Denn trotz seines Leistungsmankos von 76 PS sprintet der AMG sogar noch einen Hauch schneller und hängt dabei ein Quäntchen direkter am Gas. Zudem begeistert der 6,2-Liter-V8 mit Drehfreude und seiner vollkommen gleichmäßigen Kraftentfaltung. Dass der Benz wie seinerzeit der 300 SL einen absoluten Hightech-Motor unter der Haube trägt, bezweifelt niemand. Details wie vollvariable Ventilsteuerzeiten, die Trockensumpfschmierung oder die nur vier Kilo schwere Karbonwelle zwischen Motor und Getriebe mögen als Indizien für den konstruktiven Aufwand dienen.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes SLS AMGChevrolet Corvette ZR1
Beschleunigung150148148
Elastizität10000
Höchstgeschwindigkeit150140150
Getriebeabstufung10010088
Kraftentfaltung505049
Laufkultur1008792
Verbrauch3259664
Reichweite2595
Kapitelbewertung1000630596

 

Fahrdynamik

Gleiches gilt für die moderne Doppelquerlenker-Aufhängung rundum. Zusammen mit der Gewichtsverteilung von 47:53 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse, Sperrdifferenzial, Traktionskontrolle und ESP sowie neu entwickelten Conti-UHP-Reifen entwickelt der SLS nicht nur ein sehr hohes Gripniveau, sondern auch ein neutrales Handling. Die weit zurückversetzte Sitzposition und das zackige Ansprechen der Lenkung erfordern jedoch Fingerspitzengefühl nahe des Grenzbereichs sowie Gelassenheit in schnellen Autobahnkurven.

Wer die Elektronik abschaltet, um das Potenzial des Benz voll auszuloten, sollte zudem Übung darin haben, die mitunter sehr lebhaften Lastwechselreaktionen souverän abzufangen. Übrigens: Nachdem wir in ersten Tests die Bremse kritisiert haben, hat Mercedes reagiert und die Software des ABS-Steuergeräts optimiert. Das Fahrwerk der Chevrolet Corvette verfügt nach wie vor über Blattfedern vorn und hinten. Jedoch handelt es sich dabei keineswegs um eine robuste Billiglösung. Die Federn liegen quer und werden aus hochwertigen Kunststoffen gefertigt. Vorteile: geringes Gewicht, minimaler Platzbedarf, einfaches Setting im Rundstrecken-Einsatz.

Im Zusammensiel mit elektronisch geregelten, adaptiven Dämpfern und speziell von Michelin für die ZR1 abgestimmten Runflat-Pneus ergibt sich ein äußerst beeindruckendes Gesamtpaket. Je schneller es wird, desto präziser und stabiler scheint die Vette zu reagieren. Das belegen auch die Handling- und Slalomzeiten. Hier lässt die Corvette dem SLS keine Chance. Jedoch sollten nur Profis die fünfstufige Fahrdynamikregelung samt rennsporttauglicher Traktionskontrolle ganz abschalten. Wenn die volle Wucht des V8 über die Hinterräder hereinbricht, helfen weder Sperrdifferenzial noch fein austarierte Gewichtsverteilung (48:52 Prozent).

Wer das beherrscht, erlebt rauschartige Momente – doch der Grat ist schmal, obwohl sich der Ami selbst im Grenzbereich ruhiger und stabiler bewegen lässt als der SLS. Die serienmäßige Karbon-Keramik-Bremsanlage überzeugt mit hohen Verzögerungswerten und unerschütterlicher Standfestigkeit. Übrigens: Mit dem anstehenden Modelljahreswechsel wollen die Amis das dynamische Potenzial der ZR1 noch einmal deutlich steigern – und AMG legt ein adaptives Fahrwerk nach. Wir sind sehr gespannt.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes SLS AMGChevrolet Corvette ZR1
Handling150125134
Slalom1008391
Lenkung1009296
Geradeauslauf503934
Bremsdosierung302125
Bremsweg kalt150108102
Bremsweg warm150110104
Traktion1006065
Fahrsicherheit150118135
Wendekreis2071
Kapitelbewertung1000763787

 

Umwelt und Kosten

Ja, die Corvette ist fast 50.000 Euro günstiger – aber das dürfte in diesem Segment auch keine wirklich große Rolle mehr spielen. Beide Fahrzeuge reißen gewaltige Löcher in die Finanzplanung und sprengen gleich in mehreren Punkten die Limits unseres Bewertungsschemas. Wie heißt es so treffend: „Spaß kostet Geld“.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes SLS AMGChevrolet Corvette ZR1
Bewerteter Preis675017
Wertverlust5000
Ausstattung252525
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502722
Werkstattkosten20100
Steuer1054
Versicherung4000
Kraftstoff551510
Emissionswerte258074
Kapitelbewertung1000162152

 

Fazit

Die Corvette ZR1 ist trotz Vollausstattung beinahe 50.000 Euro günstiger, hat einen vollwertigen Kofferraum und powert mit 647 PS. Dennoch gewinnt der Mercedes SLS AMG diesen Vergleich: Sein 571-PS-V8 erreicht bei weniger Verbrauch bessere Beschleunigungswerte. Zudem offeriert der Flügeltürer mehr Platz für die Passagiere, ist besser verarbeitet und bietet mehr sicherheitsrelevante Features. Außerdem heimst er mit seinen überlegenen Sportsitzen und dem perfekt abgestimmten Doppelkupplungsgetriebe entscheidende Pluspunkte ein. Die sensationelle Performance des amerikanischen Idols auf der Rundstrecke kann der wiederauferstandene deutsche Klassiker hingegen nicht übertreffen – die Vette ist schneller!

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes SLS AMGChevrolet Corvette ZR1
Summe500026362509
Platzierung12

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