Chevrolet Corvette C4 vs. Porsche 928 S Auftritt für zwei Super-Stars

18.04.2015
Inhalt
  1. DIE CORVETTE WILL NUR EINES: AUFFALLEN
  2. INSTRUMENTE WIE IN EINEM VIDEOSPIEL
  3. EINE KLASSE, ZWEI VERSCHIEDENE KONZEPTE

Man, da lacht einem das Testerherz in der Brust. Zwei Geräte wie die Chevrolet Corvette und der Porsche 928 S stehen schließlich nicht alle Tage auf dem Redaktionsparkplatz. Vergleich aus der AUTO ZEITUNG 08/1984

Der eine in tiefem Schwarz mit knallrotem „Halbseiden“-Interieur. Der andere in dezentem Metallicblau und ebenso vornehm zurückhaltender Innenauskleidung. Womit wir schon bei der ersten Charakterleistung sind.

Obwohl uns mehr oder minder wohlgesonnene Kritiker für – vornehm formuliert – ein bisschen weltfremd erklärten, als das Testteam sich zum Vergleich der beiden Superstars anschickte, machten wir die Probe aufs Exempel. Denn die Kenndaten lassen einen Vergleich durchaus zu.

So beflügelt beide Boliden ein V8-Motor mit sattem Hubraum. Der Porsche 928 S holt seine Leistung aus 4664 cm3, die Corvette kommt sogar auf 5733 cm3. Wer sich zum Kauf des einen oder anderen Stars entschließt, der sollte rund 100 Riesen locker auf den Tisch blättern können. Denn die Corvette C4 schlägt mit 98.500 DM zu Buche.

Der 928 S kostet zwar nur 87.650 DM, bedient sich jedoch der Porsche-Interessent der Extras-Liste, wird die zu transferierende Summe schnell sechsstellig. Die Kontrahenten gerieten mit knapp 4,50 Metern Länge und rund 1,80 Metern Breite gleich ausladend.

Sogar die Lebendgewichte differieren kaum. Erstaunlich jedoch, dass trotz identischer Ausmaße der Porsche 928 S weit bulliger wirkt.

 

DIE CORVETTE WILL NUR EINES: AUFFALLEN

Dagegen präsentiert sich die Corvette in ihrem Kunststoffkleid eleganter, fast ein wenig im Ferrari-Look. Kein Zweifel: Wer Wert auf äußere Erscheinung legt, wer mehr Café-Racing statt schnelle Fortbewegung schätzt, der findet in der Corvette seine Wunschpartnerin.

Und wer darüber hinaus was für Ohrenschmaus übrig hat, kann sich in die seit 1983 produzierte Corvette vernarren. Wie der Achtzylinder losbullert, das macht einen an. Selbst niedrige Drehzahlen um 1500/min bescheren ein Sound-Erlebnis.

Ob die zunehmend lärmempfindliche Umwelt das ebenso genießt, sei dahingestellt. Doch liegt die Musik des Amis in kaum nervenden Frequenzen. Wer dem V8-Konzert auch im Wageninneren lauschen will, kann dem Coupé mit wenigen Handgriffen – und zu lösenden Schrauben – das Targa-Dach abnehmen.

Porsches Superding spuckt nach außen hin weniger große Töne. Auch innen klingt der V8 wesentlich moderater. Aber dafür schwingt der Super-Porsche im Leerlauf in einer Frequenz, die Nachbarn an der Ampel mitschwingen lässt.

Die Aufmerksamkeit, die der Corvette-Pilot auf sich zieht, wird dem 928-Chauffeur – leider, Gott sei Dank – nicht zuteil. Die nunmehr sieben Jahre alte 928-Silhouette reißt keinen mehr vom Hocker. Zudem wirkt der Super-Porsche optisch eher dezent, das Interieur ebenfalls.

Schöne, funktionelle Rundinstrumente, ein sachliches, gut beschriftetes Warnsystem, praktische Schalter – der 928 strahlt schwäbische Wertarbeit aus. Nicht so praktisch hingegen sind die Notsitze des als 2+2-Sitzers ausgeschriebenen Porsches: Sie taugen kaum für Mitfahrer und können eher als Ablage angesehen werden.

 

INSTRUMENTE WIE IN EINEM VIDEOSPIEL

Dagegen zogen die General-Motors-Stylisten bei der Gestaltung des Corvette-Interieurs alle Show-Register. Üppige Formen, aufreizende Farben, ein auf Effekte angelegtes Flüssigkristall-Cockpit, elektronisches Warnsystem — dem Corvette-Fahrer strahlt es glitzernd und in Color entgegen.

Die stilisierten Leistungs- und Geschwindigkeitskurven imponieren, zeigen aber im Gegensatz zu den vielen Ziffern wenig Sinn-volles an – sie erinnern mehr an ein Videospiel als an einen Sportwagen knapp unter der 100.000 DM-Marke.

Über Sinn oder Unsinn derart potenter Fahrzeuge zu streiten erscheint müßig. Deshalb sind Vergleiche der Messwerte in erster Linie von akademischer Natur. So rennt der 310 PS starke Porsche 928 S mit Automatik 247 km/h schnell und schiebt den Stuttgarter mit brachialen 400 Nm über die Hinterräder voran.

Im Stuttgarter arbeitet seit dem Modelljahr 1983 ein neuer Motor mit 10 PS Mehrleistung – zusammen mit der ebenfalls neuen Viergang-Automatikschaltung. Er beschleunigt in 6,8 Sekunden auf Tempo 100.

Die mit 201 PS trotz des über einem Liter größeren Hubraumes rund 100 Pferdestärken schwächere Corvette schafft dennoch beachtliche 233 km/h. Sie signalisiert mit serienmäßiger Automatik der Messapparatur einen 100-km/h-Wert von 7,4 Sekunden.

Die immer noch ordentlichen 290 Nm Drehmoment des Chevrolet-Motors wirken allerdings neben denen des Porsches mager, reichen aber kurzzeitig für einen um eine halbe Sekunde schnelleren Sprint auf 40 km/h.

Dank des serienmäßigen ABS-Bremssystems kommt der Porsche in Gefahrensituationen weit vor dem Amerikaner zum Stillstand. Die Corvette hat ebenfalls innen-belüftete Scheibenbremsen sowohl vorne als auch hinten, muss aber ohne einem elektronischen Bremskraftregler auskommen.Dass der Durst angesichts der leistungs- und hubraumstarken V8-Motoren nicht gering ist, war zu erwarten.

Doch mit 16,7 Litern auf 100 Kilometern beim Porsche und satten 17,5 Litern bei der Corvette genehmigen sich die Boliden mehr als vermutet — vor allem der 928 S mit dem neuen Motor. Der 928 S schüttelt in Sachen Fahrdynamik alles locker aus dem Ärmel, agiert souverän, fast wie eine perfekte Limousine.

Die Corvette C4 gebärdet sich dagegen, als sei sie der teuerste Vibrator der Welt. Alles geht ruppiger zu, trotz der neuartigen Kunststoff-Blattfedern, die gegenüber der konventionellen Lösung langle-biger und günstiger sein sollen. Die Karosse schüttelt sich wie ein ungezähmtes Wildpferd.

Auf topfebenen Pisten verhalten sich beide Super-Stars gutmütig. Reaktionen treten erst bei immens hoher Querbeschleunigung zutage. Doch wehe, es kommen eine oder gleich mehrere Bodenwellen in die Quere. Da entwickelt die Corvette ein denkwürdiges Eigenleben. Der Porsche – übrigens mit 225/50 VR 16 identisch bereift wie der Amerikaner – quittiert solch Ungemach gelassener.

Was auf beiden Seiten des Atlantiks gleichermaßen an Bedeutung gewinnt, ist der Leichtbau – die Umsetzung unterscheidet die Sportwagen. Während Porsche innen wie außen auf Leichtmetall setzt (Türen, Motorhaube und Kotflügel aus Aluminium, Motorblock und Zylinderköpfe aus Leichtmetall), verpackt die Corvette ihr Innenleben traditionell unter schwarz lackiertem Kunststoff.

Abgesehen davon: Der 2+2-Sitzer von Porsche und die Corvette als purer Zweisitzer und Targa-Cabriolet haben auch keine gemeinsame Klientel.

 

EINE KLASSE, ZWEI VERSCHIEDENE KONZEPTE

Der Ami im Europa-Look will anmachen, wie es im US-Showgeschäft guter Brauch ist. Er dürfte eine besondere Käuferschicht mit Sinn für Glanz und Glamour reizen. Er klingt besser, ist extravaganter gestylt und will nur auffallen.

Im Vergleich zum zurückhaltenden Konkurrenten aus Stuttgart fehlt ihm allerdings der gewisse Feinschliff – egal ob bei Verarbeitung, Fahreigenschaften, Leistung oder Komfort. Der Amerikaner ist eben doch mehr Showcar als Sportwagen.

Der 928 S hingegen fasziniert durch technische Perfektion, durch hohe Reisetauglichkeit, durch erstklassige Materialgüte – ein Limousinen-Ersatz von Porsche.

Leider ist der Porsche zu wuchtig gezeichnet, wirkt dadurch wenigerelegant und gleichzeitiger sperriger, als er in Wirklichkeit ist. Die Rundumsicht im 928 ist schlechter als die im Chevrolet mit aufgesetzter Glaskuppel auf dem Heck. Schlussendlich muss jeder für sich entscheiden, in welchen Boliden er seine 100.000 DM investiert.

Denn vergleichen lassen sich die beiden Wagen trotz Ähnlichkeiten kaum. Beide bieten auf ihrem jeweiligen Gebiet ein gelungenes Fahrzeug – der eine als sportlicher Reisewagen, der andere als elegantes Showcar.

Chevrolet Corvette (Bj.: 1983-96): Technische Daten und Fakten
Antrieb
V8-Zylinder; vorn längs eingebaut; 4-Ventiler; eine zentrale Nockenwelle, Kettenantrieb; Gemischbildung: elektronische Kraftstoffeinspritzung; Bohrung x Hub: 101,6 x 88,39 mm; Hubraum: 5733 cm3; Verdichtung: 9,0; Leistung: 148 kW/201 PS bei 4300/min; maximales Drehmoment: 290 Nm bei 2800/min; Viergang-Automatik; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Kastenrahmen mit aufgesetzter Kunststoffkarosserie; Radaufhängung vorn: doppelte Dreieckquerlenker, Kunststoff-
Querblattfedern, Stabilisator; hinten: Längs- und Querlenker, Kunststoff-Querblattfedern, Stabilisator; Bremsen: v./h.
belüftete Scheibenbremsen; Reifen: v./h. 255/50 VR 16; Räder: v./h. 8,5 x 16
Eckdaten
L/B/H: 4483/1803/1191 mm; Radstand: 2438 mm; Spurweite v./h.: 1490/1510 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 1470/2100 kg; Tankinhalt: 76 l; Bauzeit: 1983 bis 1996; Preis (1984): 98.500 Mark
Fahrleistungen
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 7,4 s; Höchstgeschwindigkeit: 233 km/h; Verbrauch: 17,5 l/100 km

Porsche 928 S (Bj.: 1980-86): Technische Daten und Fakten
Antrieb
V8-Zylinder; vorn längs eingebaut; 4-Ventiler; zwei obenliegende Nockenwelle, Zahnriemenantrieb; Gemischbil-
dung: elektronische Einspritzanlage (LH-Jetronic); Bohrung x Hub: 97,0 x 78,9 mm; Hubraum: 4664 cm3; Verdichtung: 10,4; Leistung: 228 kW/310 PS bei 5900/min; maximales Drehmoment: 400 Nm bei 4100/min;
Viergang-Automatik; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Stahlblechkarosserie; Radaufhängung vorn:Doppel-Querlenker, Feder-Dämpfer-Einheit, Stabilisator; hinten: Doppel-Querlenker, Steuerschwinge, Feder-Dämpfer-Einheit, Stabilisator; Bremsen: v./h. innenbelüftete
Scheiben; Reifen: v./h. 225/50 VR 16; Räder: v./h. 7 x 16
Eckdaten
L/B/H: 4447/1836/1282 mm; Radstand: 2500 mm; Spurweite v./h.: 1552/ 1529 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 1550/1870 kg; Tankinhalt: 86 l; Bauzeit:1980 bis 1986; Preis (1984): 87.650 Mark
Fahrleistungen
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 6,8 s; Höchstgeschwindigkeit: 247 km/h; Verbrauch: 16,7 l/100 km

Werner Müller

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