Chevrolet Aveo 1.2 vs. Dacia Sandero 1.6 MPI Nicht von gestern

18.04.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Vollwertige Autos für wenig Geld liegen voll im Trend. Mit dem Chevrolet Aveo und dem Dacia Sandero gibt es jetzt zwei neue Angebote: Mit knapp 90 PS kosten beide nur rund 10 000 Euro, genügen aber vielen Ansprüchen

Der Marke Dacia geht es gut. Die weltweite Nachfrage nach kleinen, bezahlbaren Autos ist hoch. So hoch, dass die rumänische Renault-Tochter mit diesem Ergebnis sicherlich selbst nicht gerechnet hätte. So verkauften die Rumänen seit 2004 knapp eine Million Logan. Allein in Deutschland entschieden sich im ersten Halbjahr 2008 gut 10600 Käufer für einen Dacia. Tendenz steigend, denn der erst im Juni gestartete Sandero konnte noch gar nicht berücksichtigt werden. Die rund geformte Fließhecklimousine soll, anders als der kantige Logan, nicht nur preislich (ab 7500 Euro) ganz vorn mitspielen, sondern diesmal auch optische Kaufanreize setzen.

Deutlich attraktiver als sein Vorgänger Kalos kommt auch der neue Chevrolet Aveo daher. Das fünftürige Basismodell mit 84 PS gibt es für 11090 Euro, während der 87 PS starke Sandero gerade mal 10000 Euro kostet und für den Preis bereits in der Topversion Lauréate vorfährt.

 

Karosserie

Mit einer Außenlänge von 4,02 Metern ist der Dacia nicht nur ein stattlicher Kleinwagen, sondern er übertrifft den Chevrolet auch gleich um zehn Zentimeter in der Länge. In der ersten Reihe fällt der Platzvorteil des Rumänen zunächst nur geringfügig besser aus, die Unterschiede im Fond spürt man dagegen umso mehr.

Das nahezu geradlinig verlaufende Dach sorgt für mehr Luft über dem Scheitel, und die üppigere Innenbreite beschert den Passagieren mehr Bewegungsfreiheit. Auch beim Kofferraum lässt der Sandero dem Aveo keine Chance und stellt mit 320 Litern bereits im Normalzustand 100 Liter mehr Ladevolumen zur Verfügung. Die hohe Ladekante ist allerdings bei beiden rückenunfreundlich. Auch weniger gut: Dem Dacia fehlt ein Ladekantenschutz, so sind unschöne Kratzer auf dem lackierten Blech vorprogrammiert.

An der Verarbeitungsqualität der beiden Sparbüchsen gibt es hingegen nichts zu bemängeln. Gemessen an den verlockend günstigen Einstiegspreisen ist auch die einfache Materialanmutung im Innenraum leicht zu verkraften. Anders sieht es jedoch bei der mangelhaften Sicherheitsausstattung aus. So gibt es ESP oder gar Kopf-Airbags weder für Geld noch gute Worte. Da wurde schlicht und ergreifend am falschen Ende gespart.

KarosserieMax. PunkteDacia Sandero 1.6 MPIChevrolet Aveo 1.2
Raumangebot vorn1005755
Raumangebot hinten1003833
Übersichtlichkeit704850
Bedienung/ Funktion1006374
Kofferraumvolumen1002511
Variabilität1002520
Zuladung/ Anhängelast802623
Sicherheit1502220
Qualität/ Verarbeitung200110103
Kapitelbewertung1000414389

 

Fahrkomfort

Mit zu weich gepolsterten Sitzen bekleckert sich keiner der Rivalen mit Ruhm. Darüber hinaus fehlt es den beiden an genügend Seitenhalt und Oberschenkelauflage. Und die hohe Sitzposition im Aveo sorgt für Unbehagen hinter dem höheneinstellbaren Lenkrad. Zwar fehlt auch dem Sandero eine Längseinstellung, doch nimmt man eine wesentlich bequemere Körperhaltung hinter dem Volant ein. Deutliche Abstriche muss der Dacia bei der Ergonomie hinnehmen. So ist der im Blinkerhebel untergebrachte Hupenknopf gewöhnungsbedürftig – ein Relikt aus alten Renault-Tagen. Und der in der getesteten Lauréate-Ausstattung serienmäßige Drehschalter für die elektrisch einstellbaren Außenspiegel versteckt sich unpraktisch unter dem Handbremshebel.

Da der Aveo nicht nur ergonomisch durchdachter ist, sondern auch auf den Marterstrecken mit einem feinfühligeren Federungskomfort aufwartet, geht das zweite Kapitel verdient an ihn.

FahrkomfortMax. PunkteDacia Sandero 1.6 MPIChevrolet Aveo 1.2
Sitzkomfort vorn1507270
Sitzkomfort hinten1004540
Ergonomie1508795
Innengeräusche502735
Geräuscheindruck1006063
Klimatisierung502020
Federung leer200110118
Federung beladen200108112
Kapitelbewertung1000529553

 

Motor und Getriebe

Wie bereits bekannt, vertraut Dacia beim Antrieb auf Motoren aus dem Renault-Regal. Das 1,6-Liter-Triebwerk mit 87 PS ist zwar kein Temperamentsbolzen und könnte auch etwas laufruhiger arbeiten, dafür gibt es sich drehfreudig und verhilft dem Sandero bereits aus niedrigen Drehzahlen heraus zu einem angemessenen Vortrieb.

Im Aveo kommt ein neu entwickeltes 1,2-Liter-Aggregat zum Einsatz. Obwohl der 84 PS starke Chevrolet bei den Messungen nur geringfügig schlechter als der Dacia beschleunigt, erweist sich sein Motor in der Praxis als antrittsschwach – er wird erst bei hohen Drehzahlen ausreichend munter und verlangt deshalb nach fleißiger Schaltarbeit, was mit dem hakeligen Fünfganggetriebe nur wenig Freude macht. Seine angegebene Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h erreicht der lang übersetzte Aveo nur mit Mühe. Dafür geht er aber auch mit 7,8 Liter Super pro 100 Kilometer etwas sparsamer mit dem Kraftstoff um, während der Dacia gleich 8,2 Liter schluckt.

Motor und GetriebeMax. PunkteDacia Sandero 1.6 MPIChevrolet Aveo 1.2
Beschleunigung150109100
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1504440
Getriebeabstufung1007066
Kraftentfaltung502518
Laufkultur1005052
Verbrauch325185190
Reichweite25109
Kapitelbewertung1000493475

 

Fahrdynamik

Auf dem Handlingparcours hinterlässt der Chevrolet einen zwiespältigen Eindruck. Bei der Kurvenhatz entpuppt er sich zunächst als recht früh untersteuerndes Auto. Muss der Fahrer hingegen plötzlich vom Gas gehen, drängt das Aveo-Heck abrupt nach außen. Da zudem die elektromechanisch unterstützte Servolenkung wenig Fahrbahnkontakt vermittelt, ist ein Könner am Volant gefragt. Unverständlich ist deshalb, warum die Koreaner das ESP nicht einmal optional anbieten. Das könnte auch dem Sandero in Notsituationen helfen, allerdings ist sein Fahrverhalten deutlich vorhersehbarer. Schade nur, dass Dacia dem Thema Verzögerung so wenig Beachtung geschenkt hat. So benötigt der Rumäne mit warmer Bremsanlage nicht mehr akzeptable 42,7 Meter, während der Aveo nach 40,7 Metern aus Tempo 100 zum Stillstand kommt – ein gerade noch ausreichender Wert. Ein ESP ist für beide Kleinwagen nicht einmal optional erhältlich.

FahrdynamikMax. PunkteDacia Sandero 1.6 MPIChevrolet Aveo 1.2
Handling1504131
Slalom1005432
Lenkung1005432
Geradeauslauf503830
Bremsdosierung301811
Bremsweg kalt1504741
Bremsweg warm1502343
Traktion1002825
Fahrsicherheit1508561
Wendekreis201516
Kapitelbewertung1000403322

 

Umwelt und Kosten

Mit einem Grundpreis von nur 10000 Euro ist der Dacia fast 1100 Euro günstiger als der Chevrolet und schneidet auch beim Wertverlust besser ab. Allerdings ernten beide Kandidaten für das nicht einmal optional erhältliche ESP und die magere AZ-Normausstattung nur wenig Beifall. Für den Aveo spricht neben den geringeren Werkstattkosten und den günstigeren Beträgen für die Kfz-Steuer auch die dreijährige Mobilitätsgarantie. Diese bietet die Renault-Tochter für ihre Modelle erst gar nicht an. Unterm Strich kann aber auch dieses Manko dem konkurrenzlos günstigen Sandero den verdienten letzten Etappen-Sieg nicht nehmen.

Kosten/UmweltMax. PunkteDacia Sandero 1.6 MPIChevrolet Aveo 1.2
Bewerteter Preis675421393
Wertverlust504541
Ausstattung2520
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung501922
Werkstattkosten201415
Steuer1099
Versicherung403333
Kraftstoff553839
Emissionswerte258484
Kapitelbewertung1000665636

 

Fazit

Der Dacia Sandero offeriert viel Auto fürs Geld und kostet sogar noch weniger als der Chevrolet Aveo. Da er in diesem Vergleich zudem vier von fünf Kapiteln für sich entscheidet, gewinnt er verdient. Er hat das bessere Raumangebot, den kräftigeren Motor und die günstigere Kostenbilanz. Für den Chevrolet sprechen der höhere Fahrkomfort und die bessere Ergonomie. Dringend verbesserungsbedürftig ist allerdings die mangelhafte Sicherheitsausstattung bei beiden.

Gesamtbewertung

Max. PunkteDacia Sandero 1.6 MPIChevrolet Aveo 1.2
Summe500025042375
Platzierung12

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