Cars & Coffee in Los Angeles Zeig doch mal her - Cars & Coffee

27.04.2009

Falls Sie mal in der Gegend sind: In der kalifornischen Stadt Irvine treffen sich jeden Samstagmorgen zwischen sechs und neun Uhr die Besitzer der coolsten Autos Amerikas auf einen Kaffee und eine Zigarre

Jetzt mal ganz klassenkämpferisch: Haben wir nicht alle schon vermutet, dass Leute, die sich einen Bugatti Veyron, Mercedes SLR McLaren, Ferrari Enzo oder Porsche Carrera GT kaufen können, quasi zwangsweise Prototypen des Unsympathen sein müssen? Menschen, die so reich sind, dass sie ja eigentlich nur völlig unglücklich, verkniffen und verhärmt in einer ihrer Villen - Monaco, Miami, London, Wiesbaden - sitzen können, Geld zählend, mit Anwaltskanzlei und Vermögensmanagement dauertelefonierend und so ganz ohne Ahnung von den wirklich schönen Dingen des Lebens? Wie zum Beispiel, nun ja, einer Curry-Wurst am Bräter um die Ecke?

Und Freunde, echte Freunde, haben solche Zilliardäre vermutlich auch nicht. Am Allerschlimmsten aber: Ihre tollen Autos holen die sich ja eh nur als Geldanlage und zum Angeben bei anderen Milliardärs-Kumpeln, das weiß man doch. Wie fade. Da stehen sich die Sahnestücke und Hyperboliden dann in vollklimatisierten Garagen auf Perserteppichen die Semislicks platt und warten, bis alle drei Monate einer kurz mal das Licht anmacht. Ach ja. Unsereiner bekommt beim Aston Martin-Händler nicht einmal einen Prospekt

Cars & Coffee: Irvine, California
Nun denn, liebe Leser, auch dieser Mär kann kurz entschlossen und maximal aufklärerisch eine Absage erteilt werden: Zumindest für die USA, genauer gesagt Los Angeles, wissen wir nun, was der durchschnittlich stinkreiche Bugatti Veyron-Fahrer so treibt.

Er steht Samstagmorgen um fünf Uhr auf, wirft den Sechzehnzylinder an und ballert die 60 Kilometer runter nach Irvine im Orange County auf den Firmenparkplatz der guten alten Ford Motor Company. Dort wird dann bis um neun Uhr Kaffee aus Pappbechern geschlürft, dazu eine Menge köstlich süßer und butterweicher Donuts vernichtet und vor allem - Benzin geredet. Was auch sonst? Denn man bleibt nicht lange allein bei Cars & Coffee.

Spätestens ab sechs rollen sie an, die Ford Mustang, die Roadrunner, Pontiac GTO und Dodge Charger, V8-donnernd und metallisch hustend. Unter den Racing Stripes auf den Tischtennisplatten-großen Motorhauben pfeifen gigantische Kompressoren mit offen laufenden Zahnriemen und zischen Lachgaseinspritzungen. In den Radhäusern drehen sich auf Hochglanz polierte 21-Zöller. Wer hier auffallen will, muss schon auf so genannte Spinner setzen, also Räder, bei denen sich auch noch im Stand der Felgenstern lasziv blinkend dreht. Zwischen die herrlich aufgebrezelten US-Cars mit ihrem verwegenen Finish schiebt sich dann die Meute klassischer Europäer - ganze Horden von röchelnden Porsche 911 und 356, kernigen britischen Roadstern sowie zärtlich gepflegten Alfa Romeo. Klar, dass auch die Ferrari da sind: Vom Enzo bis zum Dino ist der Parkplatz rot durchsetzt, und auch die beinahe bürgerlichen Typen 308 und 328 werden hier mit Anstand gefeiert. Alte Feindschaften werden auch in Irvine gehegt und gepflegt: Gleich neben den Rassepferden aus Modena hat sich ein Pulk von Stieren aus Sant`Agata Bolognese niedergelassen: Grimmige Murciélago lauern dort neben beinahe zarten Miura auf Beute - bewundernde Blicke, Herzrasen im Publikum, sanft grünliche Gesichtsfarbe bei den Herrschaften in den Ferrari.

Oh ja, was nun noch fehlt sind die Skurrilitäten, aber auch die sind bereits im Anmarsch. Etwas langsamer vielleicht, aber auch sie schaffen es zuverlässig auf den Parkplatz und werden mit großem Hallo eingewunken. Gusseiserne VW Beetle und der eine oder andere Vorkriegs-Oldie belegen einträchtig die Plätze gleich neben den modernen Allerweltsautos: Vom Porsche Cayman bis zum Bentley Continental rollt hier alles an, was um diese Uhrzeit die heimische Garage nur für den zweitbesten Platz der Welt hält.

Die coolsten Autos Kaliforniens
Ziemlich zügig ist der Parkplatz voll mit Herren im besten Alter in breitschultrig gefüllten Baseball-Jacken. Es gibt fette Zigarren zum Frühstück, eine Menge Rückenklopfen und talking cars. Auch wenn die Latino-Kids mit ihrer Heavy-Metal-lauten 1000er-Suzuki GSX-R mittlerweile etwas aufdringlich um die Supercars kriechen, völlig von den Socken und die Handykamera im Anschlag, lässt man den Veyron trotzdem unabgeschlossen. Hier sind alle nur zum Gucken gekommen, man kriecht ins Auto wildfremder Leute - alles ist durchgehend geöffnet, sogar die Motorhauben.

Die Cops sind schließlich auch schon da und sehen offiziell nach Recht und Ordnung. Aber auch sie lassen sich den heißen Kaffee schmecken und mustern mit Kennermiene hingebungsvoll polierte Zylinderköpfe, fein vernähte Lederinterieurs und glänzenden Lack. Entspannte Atmosphäre, jeder freut sich an jedem, über den Palmwipfeln geht so langsam die Sonne Kaliforniens auf und lässt alles in Gold erglühen. Dann, kurz vor neun Uhr, ist es Zeit, nach Hause zu fahren, der Parkplatz leert sich - bis nächsten Samstag.
Johannes Riegsinger

Zum Thema:
» VOTING - Die Top 100 aus 1000 Ausgaben AUTO ZEITUNG
» Shelby WCC Mustang - Wild Thing
» VOTING - Die schönsten Autos

AUTO ZEITUNG

Zmarta Autokredit
Autokredit

Jetzt den günstigsten Autokredit finden

Tags:
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.