Cadillac CTS-V im ersten Vergleichstest Audi RS6, Cadillac CTS-V und Jaguar XFR

26.11.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Drei Limousinen mit insgesamt 1654 PS stellen ein hochbrisantes Testfeld. Neu im Trio und erheblich günstiger als die Europäer ist der 564 PS starke Cadillac CTS-V

Es begann mit einer Rekordmeldung: Bereits im Mai 2008 verkündete Cadillac stolz einen neuen Rundenrekord für Serienlimousinen auf der Nürburgring-Nordschleife. Der Cadillac CTS-V hatte während letzter Abstimmungsfahrten mit 7:59,32 Minuten die Acht-Minuten-Schallmauer durchbrochen. Cadillac meint es also ernst mit der Hochleistungs-Limousine auf Basis der zweiten CTS-Generation, die Anfang 2008 in Europa eingeführt wurde.

Doch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Mutterkonzern General Motors brachten nicht nur die Cadillac-Händler-Organisation ins Wanken, sondern verzögerten auch die Ankunft des 564 PS starken CTS-V in Deutschland. Jetzt starten Händlernetz und Limousine neu und drohen der Konkurrenz mit einem Kampfpreis: 74 990 Euro verlangt Cadillac für den CTS-V, wahlweise und ohne Aufpreis mit manueller Sechsgangschaltung oder Sechsstufenautomatik.

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Für den Vergleichstest war nur eine Version mit manueller Schaltung verfügbar. Als überaus potenter, aber auch teurer Gegner stellt sich der Audi RS 6 dem Cadillac entgegen. 580 PS, Automatikgetriebe und Allradantrieb gibt es bei den Ingolstädtern für satte 108 400 Euro. Vergleichsweise zahme 510 PS leistet der elegante und ebenfalls nur automatisch schaltende Jaguar XFR. Der analog zum Cadillac ebenfalls hinterradangetriebene Brite kostet 89 900 Euro.

 

Karosserie

Traditionell geschnittene Stufenheck- Limousine oder Viertürer mit coupéhafter Silhouette – der Audi RS 6 mit seiner schnörkellosen Karosserielinie hat hier die Vorteile auf seiner Seite. Er bietet den größten Innenraum – sowohl in der ersten Reihe als auch im Fond. Während vorn die hoch montierten, großen Sportsitze das subjektive Raumgefühl etwas schmälern, fällt der Unterschied zur Testkonkurrenz in der zweiten Sitzreihe bedeutend größer aus.

Vor allem im Cadillac-Fond haben großgewachsene Personen wenig Freude. Die flache und kurze Sitzbank bietet wenig Schenkelaufl age, die Kopffreiheit ist wie im Jaguar eingeschränkt. Nur der große Einstellbereich der vorderen Sitze erfreut im Amerikaner. Der Jaguar entpuppt sich vorn als eng geschnittene Limousine – das betrifft in erster Linie die Kopffreiheit. Erst im Heck macht der Brite wieder Boden gut: Mit 500 Liter Kofferraum eignet er sich auch für längere Familienausflüge. Die hinteren Sitzlehnen lassen sich wie auch im Audi und im Cadillac bei Bedarf asymmetrisch geteilt nach vorn klappen.

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Der Audi bietet jedoch 546 Liter Gepäckvolumen, der Cadillac bildet dagegen mit 385 Litern das Schlusslicht. Das gilt auch für die Bewertung der Sicherheitsausstattung. Die Preisliste des nahezu komplett ausgestatteten CTS-V offeriert nur wenige Extras. Und weder Abstandsregeltempomat, Rückfahrkamera, Spurassistent noch ein Toter-Winkel-Warner sind erhältlich. Der Audi erreicht hier absolutes Luxusklasse-Niveau, und auch Jaguar bietet zahlreiche moderne Assistenzsysteme für den XFR an.

Bei der Auswahl der Oberflächen- Materialien beweisen beide Europäer eine glücklichere Hand, und die Verarbeitung erreicht generell einen höheren Qualitätsstandard als im extrem verwindungssteifen Cadillac. Beim Bedienkomfort kann der CTS-V dagegen eher punkten als der Jaguar. Die vernetzte Bedienung über Touchscreen- Monitor und herkömmliche Tasten verlangt im XFR eine deutlich längere Gewöhnungszeit.

KarosserieMax. PunkteAudi RS6Jaguar XFRCadillac CTS-V
Raumangebot vorn100887877
Raumangebot hinten100877176
Übersichtlichkeit70393535
Bedienung/ Funktion100836875
Kofferraumvolumen100464127
Variabilität100282015
Zuladung/ Anhängelast80303629
Sicherheit1501149588
Qualität/ Verarbeitung200188180170
Kapitelbewertung1000703624592

 

Fahrkomfort

Alle drei Testkandidaten sind serienmäßig mit adaptiven Dämpfer- Systemen ausgerüstet, die mit wählbaren Härtegraden arbeiten. Im Komforttest überzeugt die sensibel ansprechende magnetic-ride- Dämpfung des Cadillac. Erst bei voller Beladung stößt das System an seine Grenzen, an der Hinterachse neigt der CTS-V dann auf gröbsten Bodenwellen zum Nachschwingen und Durchschlagen. So extrem ausgelastet rollt der Jaguar geschmeidiger ab.

Mit nur zwei Personen besetzt wirkt er dafür nicht so souverän wie der Cadillac. Der grundsätzlich straff abgestimmte Audi RS6 bietet ordentlichen Federungskomfort, erreicht aber nicht den Standard der beiden Kontrahenten. Der Ingolstädter verwöhnt dagegen beim Sitzkomfort. Der Audi-Pilot sitzt – wie auch seine Mitfahrer – perfekt in den Wagen integriert und bequem. Beim Cadillac gilt dies nur für die erste Sitzreihe mit ihren achtfach einstellbaren Recaro-Sportsitzen.

Der Jaguar-Fond wartet dagegen mit opulenten Ledersitzpolstern auf. Lediglich die vorderen Sitze sind eng geschnitten. Dazu gesellt sich ein angenehmes und niedriges Geräuschniveau im Innenraum. Die Akustik des Cadillac-V8 wird bei hohen Drehzahlen aufdringlich. Gleiches gilt für den Biturbo- V10 von Audi.

FahrkomfortMax. PunkteAudi RS6Jaguar XFRCadillac CTS-V
Sitzkomfort vorn150141134136
Sitzkomfort hinten100787366
Ergonomie150113109108
Innengeräusche50264124
Geräuscheindruck100788175
Klimatisierung50404543
Federung leer200138141144
Federung beladen200135140133
Kapitelbewertung1000749764729

 

Motor und Getriebe

Zwei V8-Triebwerke mit Kompressor- Aufladung konkurrieren hier mit einem Fünfliter-V10, der von zwei Turboladern unter Druck gesetzt wird. Dieser 580-PS-Gigant mit Benzin-Direkteinspritzung im Motorraum des Audi RS 6 spielt seine Trümpfe auch aufgrund des Allradantriebs voll aus.

Der rund zwei Tonnen schwere Testwagen sprintet in 4,3 Sekunden von null auf Tempo 100, bis 200 km/h vergehen weniger als 14 Sekunden. Nur in diesem Punkt kann der 564 PS starke Cadillac ihm folgen. Der brutal anschiebende, 6,2 Liter große Kompressor-V8 verlangt beim Start großes Feingefühl, sonst verlieren sich 747 Newtonmeter Drehmoment in verbranntem Reifengummi. Nach 4,7 Sekunden liegen 100 Sachen an, ab 140 km/h jagt der CTS-V auf RS 6-Niveau über den Asphalt.

Bei Tempo 200 trennen beide nur noch eine Zehntelsekunde. Der Jaguar-V8 mit 510 PS, ebenfalls mit Kompressor, arbeitet wesentlich unspektakulärer und gleichmäßig in der Kraftentfaltung. Bis 100 km/h liegt er knapp vor dem Caddy, doch dann zollt er dem Leistungsnachteil von 54 PS Tribut. Tempo 200 liegt dennoch schon nach 14,2 Sekunden an. Im Alltag überzeugt sein ebenso kultiviertes und butterweich schaltendes Automatikgetriebe.

Das Pendant im Audi verrichtet seinen Dienst insgesamt etwas ruppiger. Lange Schaltwege, aber dennoch genügend Präzision beim Wechseln der Gänge prägen das manuelle Getriebe im Cadillac. Thema Verbrauch: Der Audi-V10 genehmigt sich 16,0 Liter Super, der Cadillac 0,3 Liter weniger. Er bleibt nah am werksseitig angegebenen Normverbrauch (15,3 l/100 km). Der Jaguar beschränkt sich auf 14,6 Liter pro 100 km.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi RS6Jaguar XFRCadillac CTS-V
Beschleunigung150144142141
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15010290134
Getriebeabstufung100949885
Kraftentfaltung50484846
Laufkultur100879385
Verbrauch3257710483
Reichweite25876
Kapitelbewertung1000560582580

 

Fahrdynamik

Die ausdauernde Abstimmungsarbeit auf dem Nürburgring hat sich für Cadillac gelohnt. Der CTS-V brilliert im Slalom mit einer tollen Lenkung und satter Straßenlage. Das präzise, angenehm straffe Lenkgefühl, die gut dosierbare Bremskraft, die gelungene Fahrwerksabstimmung und die ausgewogene Gewichtsverteilung lassen den CTS-V sportwagenähnlich über den Rundkurs fliegen.

Neutral bis leicht übersteuernd bietet er dem leistungsstärkeren Allrad- Audi hier jederzeit die Stirn und muss sich nur knapp dahinter mit Platz zwei begnügen. Der kopflastige RS 6 offenbart mit deaktiviertem ESP Lastwechselreaktionen am Kurveneingang, die sich dank Allrad mit einem kräftigen Gasstoß eingrenzen lassen. Bei abgeschalteten Assistenzsystemen muss der Jaguar-Pilot ständig auf der Hut sein.

Der XFR wirkt trotz elektronischer geregelter Differenzialsperre nervös an der Hinterachse, die Haftungsgrenze ist wesentlich früher erreicht als im Cadillac. Die feinfühlige Lenkung macht ihre Sache dagegen sehr gut. Gleiches gilt für die Bremse des Jaguar: Bestwert bei der Kaltbremsung aus 100 km/h (35,0 Meter). Audi und Cadillac stehen allerdings nur wenige Zentimeter dahinter. Auch die Warmbremswerte des Trios liegen alle auf einem hohen Niveau, ganze 30 Zentimeter trennen Audi und Jaguar.

FahrdynamikMax. PunkteAudi RS6Jaguar XFRCadillac CTS-V
Handling15010899106
Slalom100726579
Lenkung100829092
Geradeauslauf50424043
Bremsdosierung30202021
Bremsweg kalt1509610097
Bremsweg warm150108105107
Traktion100824451
Fahrsicherheit150130123128
Wendekreis20376
Kapitelbewertung1000743693730

 

Umwelt und Kosten

74 990 Euro verlangt Cadillac für den CTS-V, Automatik gibt es wahlweise ohne Aufpreis. Ebenso verlockend ist die dreijährige Technik-Garantie. Die bietet auch Jaguar für den XFR, Audi punktet dafür mit einer unbegrenzten Mobilitätsgarantie. Der hohe Grundpreis des RS 6 von 108 400 Euro lässt dem Audi in diesem Wertungskapitel allerdings keine Chance, der entsprechend hohe faktische Wertverlust ebenso nicht. Den Kapitelsieg machen Cadillac und Jaguar unter sich aus.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi RS6Jaguar XFRCadillac CTS-V
Bewerteter Preis675365270
Wertverlust50345
Ausstattung25252516
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282220
Werkstattkosten20
Steuer10564
Versicherung40212018
Kraftstoff55151916
Emissionswerte25768178
Kapitelbewertung1000209229227

 

Fazit

Der neue Cadillac CTS-V wird Dritter dieses Tests und ist dennoch eine große Überraschung. Günstig und fahrdynamisch auf höchstem Niveau, bricht der 308 km/h schnelle US-Amerikaner in die Phalanx der Europäer ein. Die coupéhafte Karosserie kostet ihn allerdings wichtige Punkte. Der ausgewogene und schnelle Audi RS 6 ist hier nicht zu schlagen und bezwingt auch den elegant auftretenden Jaguar XFR mit seinem seidigen und sparsamen V8-Kompressor-Triebwerk.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi RS6Jaguar XFRCadillac CTS-V
Summe5000296428922858
Platzierung123

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