Test Cadillac ATS 2.0T 2013: Bilder und technische Daten Mit Ecken und Kanten

14.02.2013

V8 oder zumindest V6? Vergiss es. Der kleinste Cadillac surft auf der Downsizing-Welle. Freunden der großen Marke könnte dies komisch vorkommen. Doch der ATS hat ja andere Qualitäten, wie der Test zeigt

Besser kann es ja nicht kommen: Zum Verkaufsstart in Europa darf sich der neue Cadillac ATS mit einem Titel schmücken, der nicht nur auf seinem nordamerikanischen Heimatmarkt Gewicht hat: Die gut 4,60 Meter lange Stufenhecklimousine, mit der Cadillac auf Größen wie Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse zielt, wurde in ihrem nordamerikanischen Heimatmarkt zum „Car of the Year“, zum Auto das Jahres gekürt. Dabei macht der ATS, der wie die größeren Modelle der GM-Luxusmarke betont kantig gezeichnet ist, nicht zeitgeistig hip auf Elektro oder zumindest Hybrid, sondern setzt auf ein technisches Grundlayout, das in der langen Cadillac-Geschichte Tradition hat. Verbrennungsmotor vorn, angetriebene Achse hinten.

 

Cadillac ATS 2.0T: Deftiger Durchzug aus dem Keller

Nur bei der Art des Motors hat er sich der neuen Zeit angepasst, in der öfter von Gramm Kohlendioxid pro Kilometer als von PS oder Newtonmetern gesprochen wird - und in der immer seltener der gute, alte Hubraum als Maß der Dinge angesehen wird. In Amerika gibt es zwar noch einen V6-Zylinder, doch selbst dessen 3,6 Liter Hubraum sind angesichts der Siebenliter-Plus-Giganten der Cadillac-Historie nicht wirklich üppig. Und nach Deutschland kommt der ATS ganz im Zeichen des Downsizings.

Vier Zylinder und zwei Liter Hubraum reichen ihm, um mit Hilfe eines Turboladers 276 PS zu erzeugen. Das im Alltag wichtigere Drehmoment beträgt 353 Newtonmeter und steht im weiten Bereich zwischen 1700 und 5500 Umdrehungen parat. Muss man da dem großen Hubraum eine Träne nachweinen? Nicht zwingend. Denn der Leichtmetall-Vierzylinder packt schon ab Leerlauf kräftig zu und lässt auch so schnell nicht nach. Er hat mit dem ATS leichtes Spiel, obwohl der sehr gut ausgestattete Testwagen in der Top-Version Premium mit einer Vielzahl von Airbags und Fahrerassistenzsystemen vollgetankt nahezu 1,6 Tonnen auf die Waage bringt.

Dass der Testwagen mit 6,3 Sekunden die Werksangabe für den Sprint auf 100 km/h um 0,3 Sekunden verfehlt, ist da nur ein Schönheitsfehler, wie auch die auf 240 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit. Denn man ist souverän motorisiert, mit eindeutigen Stärken bei mittleren Drehzahlen. Ohne zurückschalten zu müssen, wartet hier stets genug Druck unterm Gaspedal für kleine Zwischenspurts. Das trifft sich gut, denn bis zum Drehzahllimit von 7000 /min schwingt sich der Vierzylinder spätestens ab 6000 Touren nur mit nachlassendem Eifer und kehligem Protestgedröhn auf, und der Schalthebel erfordert beim Gangwechsel erstaunlich viel Nachdruck.

Da die Fahrgeräusche angenehm gedämmt und die großen Vordersitze von der bequemen Sorte sind, entpuppt sich der ATS alsbald als solides Reiseauto. Wer auf der Rückbank Platz nimmt und größer geraten ist als 1,80 Meter, hat es indes nicht ganz so gut getroffen wie die Vordermänner: Hier fehlt es an Kopffreiheit und an Schenkelauflage auf der an sich gut gepolsterten, aber sehr tief montierten Sitzbank.

Dass der Cadillac bei der Raumökonomie noch nicht auf dem Niveau der besten Europäer angekommen ist, zeigt auch ein Blick in den Kofferraum. Nur 381 Liter passen ins durch klappbare Sitzlehnen variable Heck, wobei eine hohe innere Ladekante und die kleine Ladeöffnung das Hantieren mit gewichtigen und großen Gepäckstücken erschweren. Das Niveau der angepeilten deutschen Konkurrenz erreicht der ATS dagegen bei Verarbeitung und Materialauswahl. Holz, Leder, Metall: Das alles ist mit Geschmack kombiniert und sorgfältig montiert. Auch das Cockpit mit großen, gut ablesbaren Rundinstrumenten ist gelungen und erfreut mit einer Vielzahl von Informationen, wenn man sich ein wenig ins Bedienkonzept eingearbeitet hat.

Auffällig ist die glänzend ausgeführte Mittelkonsole, denn hier fehlen all die Tasten und Schalter, die gewöhnlich zu einem reichhaltig ausgestatteten Automobil gehören. Wie auch der große Monitor des Navigationssystems (2380 Euro Aufpreis, Serie im ATS Premium) berührungsempfindlich ausgeführt ist, so gibt es auch auf der Mittelkonsole bestimmte Bereiche, die nach einem Fingerdruck Radiolautstärke, Sitz- oder Heckscheibenheizung und mehr steuern. Das verleiht diesem mit kleinen Chromeinlagen verzierten Bereich einen aufgeräumten, hochwertigen Eindruck. Es dauert allerdings einige Zeit, bis man die gewünschten Funktionen so sicher bedienen kann wie mit konventionellen Knöpfen, die man im wahren Wortsinn ertasten kann.

Das Navigationssystem beeindruckt mit guter Zielführung und glasklarer Kartendarstellung auf dem großen Monitor. Die Bedienung gleicht der von Smartphones - Vergrößern oder Verkleinern der Ansicht durch Spreizen der Finger inklusive. Manche Befehle werden nicht blitzartig umgesetzt, doch mit ein wenig Muße kann man sich an dieses System gewöhnen. Einfach nur praktisch ist das Head-up-Display, das Tempolimits, Motordrehzahl, Navigationshinweise und mehr in die Scheibe spiegelt. Man möchte es nicht mehr missen - wie auch die vielfältigen Anschlussmöglichkeiten für externe Audiogeräte.

Rundum erfreulich ist das dynamische Talent des sehr gut ausbalancierten ATS. Er lenkt willig und feinfühlig ein, liegt verlässlich bis in den Kurvengrenzbereich, bremst sehr gut und verfügt über ein spät und sanft regelndes ESP. Hier bewegt er sich auf Augenhöhe mit den Besten seiner Klasse. Perfekt wäre es, wenn sich zur Dynamik auch Komfort gesellte. Doch hier patzt der notlaufbereifte Cadillac mit wenig Geschmeidigkeit, obwohl im ATS Premium (Grundpreis mit Komplettausstattung: 47.200 Euro) das Top-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern verbaut ist. Wenig zu meckern gibt’s am Verbrauch: 11,0 Liter Super genügen dem Cadillac ATS 2.0 T auf unserer Verbrauchs Teststrecke. So wenig? Das dürfte nur Fahrern historischer Cadillac seltsam vorkommen.

FAZIT
Der Cadillac ATS kann mehr als nur auffällig. Er ist fahrdynamisch sehr talentiert und auch kräftig motorisiert. Raumökonimie und Federungskomfort taugen jedoch noch nicht für Spitzennoten.

TECHNIK
 

Cadillac ATS 2.0T
Motor R4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo, Direkteinspritzung
Hubraum 1998 cm³
Leistung 203 kW / 276 PS bei 5500/ min
Max. Drehmoment 353 Nm bei 1700 - 5500 / min
Getriebe 6-Gang-Manuell
Antrieb Hinterradantrieb
Fahrwerk v.: McPherson-Federbeine, Querlenker, Federn,
adapt. Dämpfer (opt.), Stabi.;
h.: Mehrfachlenkerachse, Federn, adapt. Dämpfer (opt.), Stabi.;
StabiliTrak (ESP)
Bremsen rundum: innenbelüftete Scheiben, ABS, Bremsassistent
Bereifung v.:225/40 R 18 Y; h.: 255/35 R 18 Y; Bridgestone Potenza RE 050 A (opt.)
Felgen v.: 8 x 18; h.: 9 x 18
L/B/H 4644 / 1805 /  1427 mm
Radstand 2775 mm
Leergewicht / Zuladung 1593 kg
Zuladung 477 kg
Anhängelast, gebr. / ungebr. 1136 / 477 kg
Kofferraumvolumen 381 l
Abgasnorm Euro 5
Typklassen HP 21/VK 26/TK 24
MESSWERTE
 
0-100 km/h 6,3 s
Höchstgeschwindigkeit¹ 240 km/h
Bremsweg 100-0 km/h kalt / warm 35,1 m / 34,8 m
EU-Verbrauch¹/ Testverbrauch 8,6 l S/ 100 km
11,0 l S/ 100 km
CO2-Ausstoß¹ 199 g/km
KOSTEN  
Grundpreis 37.500 Euro
¹ Werksangaben

Michael Harnischfeger

Tags:
Severin Elektrische Kühlbox
UVP: EUR 123,99
Preis: EUR 93,92
Sie sparen: 30,07 EUR (24%)
Nulaxy FM Transmitter
 
Preis: EUR 23,79 Prime-Versand
Alkoholtester
 
Preis: EUR 16,99 Prime-Versand
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.