Cabrio-Vergleich: VW Golf gegen BMW 1er

01.08.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Nun lädt auch das neue Golf Cabrio zum Sonnenbaden ein. Der bügelfreie Frischluft-VW mit Stoffdach ist der passende Gegner für den offenen 1er-BMW

Neun Jahre war er vom Markt verschwunden – jetzt ist das VW Golf Cabrio zurück auf der Cabrio-Bühne und startet zur Wiedervereinigung von Frischlufterlebnis und Fahrvergnügen.

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Stoffdach und kein störender Bügel – das ist Cabrio-Spaß für Ästheten. Deshalb hat VW dem Golf ein aktives Überschlagssystem mit ausfahrbaren Bügeln spendiert. Diese Kombination bietet das BMW 1er Cabrio schon seit 2008. Grund genug für eine Frischluft-Session der beiden Viersitzer.

 

Karosserie

Auf dem Weg zum Open-Air-Konzert bietet das VW Golf Cabrio deutlich mehr Platz als der 1er, vor allem in puncto Ellbogenfreiheit. Wer die Cabrios als fahrende Sonnenbänke nutzen möchte, dem steht im VW nach nur neun Sekunden der Himmel offen, im BMW sind es immerhin 21 Sekunden. Im Münchner muss vorher noch eine Klappe im Gepäckraum vorgeklappt werden, damit das Verdeck nicht mit dem Gepäck kollidiert. Das reduziert den Laderaum auf 260 Liter. Im Wolfsburger sind es nur 250. Unschön: Beim Golf liegen bei geöffnetem Dach Teile der Verdeckmechanik frei, eine Persenning gibt es nicht. Abgesehen von gelegentlich auftretenden Knackgeräuschen aus dem Dach wirkt der VW aber insgesamt etwas verwindungssteifer als der BMW. Ansonsten gibt es an der Qualität hier wie dort kaum etwas auszusetzen – sieht man von der billigen A-Säulen-Verkleidung im BMW 1er ab.

KarosserieMax. PunkteVW Golf Cabrio 1.4 TSIBMW 118i Cabrio
Raumangebot vorn1007472
Raumangebot hinten1003532
Übersichtlichkeit704443
Bedienung/ Funktion1008582
Kofferraumvolumen1001218
Variabilität100103
Zuladung/ Anhängelast803121
Sicherheit1508586
Qualität/ Verarbeitung200177177
Kapitelbewertung1000553534

 

Fahrkomfort

Bis zur Richtgeschwindigkeit streichelt der Fahrtwind im Golf das Haupthaar der Frontpassagiere nur leicht. Da geht es im BMW 1er Cabrio, obwohl mit tieferer Sitzpostion versehen, stürmischer zu. Die Fond-Passagiere sind in beiden Cabrios dem Fahrtwind erwartungsgemäß deutlich stärker ausgesetzt. Geschlossen erfreut man sich an einer zurückhaltenden Vorstellung von Wind- und Abrollgeräuschen, was beweist, wie gut gedämmt heutzutage Stoffdach-Cabrios sind.

In Sachen Bedienfreundlichkeit gefällt der Bayer durch die Möglichkeit der Ölstandskontrolle via iDrive am Bildschirm. Auch der Golf bietet in der Disziplin Ergonomie ein hohes Niveau, etwa durch ausreichende Ablagen und griffgünstig platzierte Schalter. Er erntet aber auch Missfallen, denn die kleine Gepäckraumluke und der tiefe Kofferraumboden lassen das Ein- und Ausladen von Getränkekisten zur rückenstrapazierenden Aktion werden. Da stimmt es versöhnlich, dass der Niedersachse mit einem für diese Klasse hervorragenden Fahrkomfort gesegnet ist. Sensibles Anfedern paart sich hier mit hohen Dämpfungsreserven. Hinter diesen Qualitäten bleibt der BMW spürbar zurück.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf Cabrio 1.4 TSIBMW 118i Cabrio
Sitzkomfort vorn150119118
Sitzkomfort hinten1004543
Ergonomie150122125
Innengeräusche503228
Geräuscheindruck1006565
Klimatisierung503220
Federung leer200140134
Federung beladen200138134
Kapitelbewertung1000693667

 

Motor und Getriebe

Dem Trend zum Downsizing folgend setzt VW auf einen 1,4-Liter-Kompressor-Turbo. Derart geladen pressen die Wolfsburger aus dem Kleinwagen-Hubraum 160 PS. BMW vertraut auf das Saugmotor-Konzept und holt aus dem 2,0-Liter-Aggregat 143 PS.

In der Praxis will der Bayer gedreht werden, der starke Antritt aus dem Keller ist seine Sache nicht. Da geht der VW-Motor deutlich druckvoller zur Sache, sodass der Golf den 1er in den Fahrleistungen deutlich deklassiert. Kein Wunder, stellt er doch sein maximales Drehmoment von 240 Nm zwischen 1500 und 4500 Touren zur Verfügung. Der BMW erreicht seinen Drehmoment-Zenit von 190 Nm erst bei 4250 Umdrehungen. Erfreulich: Mit nur 7,8 Liter Super auf 100 Kilometern ist der Münchner etwas sparsamer als der Wolfsburger (8,0 Liter).

Bei der Kraftübertragung glänzt der BMW mit einem mustergültigen Sechsgang-Getriebe. Einen Gang mehr und eine komfortable Automatikfunktion bietet das blitzschnell reagierende Doppelkupplungsgetriebe im VW.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf Cabrio 1.4 TSIBMW 118i Cabrio
Beschleunigung150110104
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1506560
Getriebeabstufung1009290
Kraftentfaltung503530
Laufkultur1007171
Verbrauch325230234
Reichweite251212
Kapitelbewertung1000615601

 

Fahrdynamik

Bei zügiger Gangart überzeugt das VW Golf Cabrio mit narrensicherem Fahrverhalten auch im Grenzbereich. Nur leichte, aber gut kontrollierbare Lastwechselreaktionen fördern die Handlichkeit, zur Not greift das ESP sanft regelnd ein. Doch drückt das Mehrgewicht gegenüber der Limousine (fast 200 Kilogramm) deutlich auf das fahrdynamische Talent des Wolfsburgers. Dies äußert sich zum Beispiel darin, dass Lenkbefehle etwas träge umgesetzt werden.

Auf dem Handlingparcours gibt sich das BMW 1er Cabrio deutlich fahraktiver, es lenkt zackig ein und wischt mit leichtfüßiger Hinterhand spielerisch durch das Kurvenlabyrinth. Seine Lastwechselreaktionen sind stärker als die des Golf, werden aber ebenfalls vom DSC (ESP) rechtzeitig abgefangen. Mit deaktiviertem Schleuderschutz legt der BMW eine Portion Sportsgeist drauf – das Heck schwenkt dann kräftiger aus. Die schlechtere Handlingzeit geht auf das Konto des durchzugsschwachen Antriebs. Im Slalom baut der Golf weniger Seitenneigung auf.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf Cabrio 1.4 TSIBMW 118i Cabrio
Handling1506860
Slalom1006665
Lenkung1008184
Geradeauslauf504040
Bremsdosierung301821
Bremsweg kalt1508485
Bremsweg warm1508283
Traktion1004242
Fahrsicherheit150131125
Wendekreis201617
Kapitelbewertung1000628622

 

Umwelt und Kosten

Mit der AUTO ZEITUNG-Normausstattung kratzt das Golf Cabrio knapp an der 30.000-Euro-Marke (29.305 Euro), das BMW 1er Cabrio: Alle Preise in der Übersicht kommt etwa 1300 Euro darüber. Die Ursache hierfür liegt in dem um 1775 Euro höheren Grundpreis (29.650 Euro) des BMW im Vergleich zum VW sowie darin begründet, dass beim Bayern selbst die Klimaanlage extra kostet. In dieser Preisklasse sollte auch VW spendabler sein und ein CD-Radio serienmäßig anbieten. Immerhin: Der Golf-Preis lässt sich durch den Verzicht auf das DSG-Getriebe um weitere 1800 Euro reduzieren. Auch beim Wertverlust laut DAT und den Werkstattkosten laut ADAC verdient der Golf mehr Applaus. Nicht punkterelevant sind die geringen Kostenunterschiede bei Steuer und Versicherung.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf Cabrio 1.4 TSIBMW 118i Cabrio
Bewerteter Preis675199189
Wertverlust502120
Ausstattung25119
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502820
Werkstattkosten201715
Steuer1099
Versicherung403333
Kraftstoff553838
Emissionswerte258989
Kapitelbewertung1000445422

 

Fazit

Ein gelungener Einstieg für das neue Golf Cabrio. In den Kapiteln Karosserie, Komfort, Antrieb und Kosten überholt der VW den offenen 1er-BMW mit zweistelligem Punkteabstand. Der BMW büßt wertvolle Punkte wegen seines vergleichsweise schlappen Motors ein. Für Freunde der Marke dürfte der agile Hecktriebler aber immer noch die erste Wahl sein. Gemessen am VW ist er das emotionalere Auto, wofür es allerdings keine Punkte gibt.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf Cabrio 1.4 TSIBMW 118i Cabrio
Summe500029342846
Platzierung12

Tags:

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