Cabrio Tagebuch – Lamborghini Gallardo Spyder Italienisches Cabriovergnügen

09.11.2009

Ob Currywurst oder kulinarische Köstlichkeiten – das Bergische Land bietet neben Kurven und Talsperren für jeden Geschmack etwas. Begleiten Sie AUTO ZEITUNG-Chefredakteur Volker Koerdt im Lamborghini Gallardo Spyder auf seiner Cabriotour durchs Bergische Land

Dienstag 15. September 2009 10:55 Uhr
Das Kleinod des Bergischen Landes findet im Süden Deutschlands wenig Beachtung. So ist die Strophe aus dem Bergischen Heimatlied von 1892, die da lautet: „Wo die Wälder noch rauschen, die Nachtigall singt, die Berge hoch ragen …“ sicher eine Frage der Betrachtung. „Ja mei, wo sans hier Berge?“ Alois, der Bayer, der mir am Currywurst- Stand im Örtchen Spitze gegenübersteht und zu Besuch bei seinem Bruder in Bergisch Gladbach ist, kann über die mit über 519 Metern höchste Erhebung nur schmunzeln. In der Tat ist das für einen Alpenländer überschaubar.

Und doch: Das Bergische Land zwischen Ruhr, Kölner Bucht, Sieg- und Sauerland hat was und sieht entgegen des Spotts des knorrigen Süddeutschen aus wie ein pittoreskes Aquarell aus den Kunstmappen der Landschaftsmaler. Saftige Wiesen, sanfte Höhen, facettengrüne Wälder und versteckte Felder, durchzogen von Sträßchen, die diese niedliche Liebkosung noch verdienen – als Ode an die begeisterten Autound Motorradfahrer, die diese Landschaft längst als Eldorado fürs Fahrvergnügen entdeckt haben.

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Für den Fahrspaß beim Offenfahren im oft verregneten Bergischen Land rangiert der Lamborghini Gallardo ganz oben auf der Hitliste, besonders wenn die Sonne mal lacht wie heute. Die 560 PS degradieren die Steigung vom Sülztal nach Offermannsheide zur Bedeutungslosigkeit. Irgendwie scheint sie nur optisch wie eine Fata Morgana und nicht wirklich vorhanden. Der Allradantrieb gript sich in die schlecht verlegten Asphaltteppiche aus patchworkgefl ickten Frostschäden und Schlaglöchern.

Die PS kommen immer dahin wo sie sein sollen – auf die Straße. Gut, aber müssen es unbedingt über 560 PS sein, wird jetzt der eine oder andere maulen. Nein, nicht unbedingt, auch wenn sie Spaß machen. Und einen Lambo gibt es eben nicht mit weniger Leistung. Wir haben schon den „schwächsten“ ausgesucht – den „nur“ 550 PS starken Hecktriebler Gallardo, Modell Balboni, gab es noch nicht.

Aber unverzichtbar ist dieser Sound. Diese Zehnzylinder-Symphonie, die beim Open-Air-Konzert akustisch erst richtig zur Geltung kommt und das Bergische Land zur Naturbühne gestaltet, wenn das Halali durch die engen Täler und Wälder klingt und das Echo den natürlichsten Klang liefert. Bloß jetzt keine Hi-Fi-Anlage anschalten. In jedem anderen Cabrio würde ich als Fan guten Gitarrenrocks von Eric Clapton bis Joe Satriani auf die hauseigene CD-Sammlung zurückgreifen. Aber auf gar keinen Fall im Gallardo Spyder.

11:20 Uhr
Es ist inzwischen kurz nach elf. Die Sonne steht noch nicht im Zenit, aber sendet schon wärmende Strahlen durch das Blätterwerk des dicht bewaldeten Dhünntals. Das Bergische Land ist auch das Land der Talsperren. Vorbei geht es an der Dhünntalsperre mit ihren Haarnadelkurven und Serpentinen Richtung Remscheid. Heute, unter der Woche an einem Dienstag, ist hier wenig los.

Am Wochenende fallen die Tagesausfl ügler aus Düsseldorf und Köln über den Landstrich her, der mal mit lieblich lichtem Blätterwald, aber auch mit dunklen Tannen aufwartet. Das alte Mittelgebirge des Bergischen ist so abwechslungsreich und unterschiedlich in seiner Charakteristik wie Veronica Ferres, Heidi Klum oder Hella von Sinnen, die bekanntesten Frauen aus dem Bergischen Land.

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Über Hückeswagen fahren wir zurück nach Schloss Lerbach bei Bensberg. Denn die unterschiedliche Gastronomie ist eine weitere Facette des Bergischen. Hier gibt es für jeden Geschmack etwas – von der Sterne-Küche bis zum Currywurst-Stand. Schloss Lerbach, mit drei Sternen ausgezeichnet, bietet aber nicht nur feinste Gourmetküche. Die ebenfalls im Schloss untergebrachte Brasserie „Coq au vin“ serviert bezahlbare und gute Küche. Die wollen wir heute in Ruhe auf der Terrasse genießen.

Nach dem Mittagessen geht es weiter Richtung Wipperfürth. Die Stadt im Oberbergischen ist bekannt für ihre Fachwerkhäuser und Schieferfassaden. Über hartes Kopfsteinpfl aster rollt der Lambo brabbelnd vor sich hin. Nun sind von Fahrer und Beifahrer Nehmerqualitäten gefragt: Die italienische Sportwagenfl under ist nicht fürs Grobe gedacht, Federungskomfort steht bei den sportlichen Qualitäten im Lastenheft nicht an erster Stelle.

15:40 Uhr
Weiter geht es an der Bevertalsperre vorbei nach Radevormwald. Es ist Zeit für einen Kaffee. Auf die besondere Kultur der Bergischen Kaffeetafel, die auf der Speisekarte des Restaurants steht, verzichten wir. Schließlich haben wir erst vor zwei Stunden Mittag gegessen. Zudem umfasst die äußerst üppige Bergische Kaffeetafel Waffeln mit Kirschen, Vanilleeis und Milchreis, dazu Schwarzbrot, Semmel, Zwieback, Wurst, Käse, Honig und Apfelkraut. Und den Kaffee aus der berühmten Dröppelminna, die in ihrer Form und Funktion an einen Samowar erinnert.

Danach ist Fahren angesagt. Das Thermometer ist inzwischen auf gut 25 Grad gestiegen, die leeren Straßen laden förmlich dazu ein, den Lamborghini Gallardo über den kurvigen Parcours des Hügellandes zu dirigieren. Und der Italiener macht es einem leicht. Der Zehnzylinder spielt jede Gangart mit. Ob sanftes Gleiten oder zügiges Beschleunigen, das Aggregat ist nicht für die schnöde Fortbewegung gemacht, sondern für die Lust am Fahren.

Mit den Schaltpaddels an der Lenksäule geht es zügig durch die sechs Gänge, und der Allradantrieb zeigt auf jeder noch so schlechten Straße, wie gut er mit dem Asphalt vernetzt ist. Was haben wir in den letzten Wochen und Monaten nicht diskutiert über Elektromobile, Brennstoffzellen und per Wasserstoff betriebene Motoren. Sicher, die Zukunft wird uns einen Weg dazu weisen. Doch das hier ist Autofahren und Genuss in Reinkultur.

Das sind die Momente, in denen man als Autofan juchzt und das hohe Lied auf eine über 100-jährige Entwicklung des Verbrennungsmotors anstimmt. Es muss ihn einfach immer geben – und solche Ikonen, die die Emotionalität der Fortbewegung als Philosophie der Moderne bewahren.

18:10 Uhr
Langsam versinkt die Sonne im Westen der Kölner Bucht. Nach unzähligen Kurven und lustvollen Drehungen am Volant wollen wir den Tag zünftig an einer Rostbraterei mit einer Currywurst beschließen. Denn das Bergische Land bietet in kulinarischer Hinsicht für jeden Geldbeutet etwas. Und dort triffst Du auch die Motorradfahrer, die mit den Roadsterfahrern eines gemeinsam haben: Auch sie lassen sich den Wind um die Ohren sausen, und das Bergische Land steht bei ihren Touren ebenfalls ganz oben. Volker Koerdt

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