Bugatti Veyron 16.4 Super Sport im Fahrbericht Bugatti Veyron 16.4 Super Sport

29.03.2011

Der Bugatti Veyron 16.4 Super Sport sprengt alle Limits: 1200 PS stark und über 1,9 Millionen Euro teuer, bietet der Supersportwagen ein wahrhaft exaltiertes Fahrerlebnis

Wie nähert man sich einem Fahrzeug, dass beinahe zwei Millionen Euro kostet, 415 km/h schnell fährt und 1200 PS leistet? Ehrfürchtig? Entsetzt? Am besten ganz nüchtern. Zum einen, weil Alkohol am Steuer dieses Fahrzeugs bestimmt keine gute Idee wäre, und zum anderen, weil die direkte Begegnung mit dem Extremisten ohnehin jedwede Erwartung pulverisiert. Auf das Erlebnis, den Bugatti Super Sport zu fahren, kann den Fahrer nichts und niemand vorbereiten.

Von außen sticht dem Kenner natürlich sofort ins Auge, dass sich der 1200-PS-Bolide in wesentlichen Details vom Basis-Veyron unterscheidet. Die Front etwa baut etwas länger und zeigt größere Lufteinlässe. Außerdem integriert sie seitlich ganz dezente Abrisskanten, die die aerodynamische Effizienz steigern. Die Räder zeigen ein extrem offenes Design, das eine bessere Wärmeabfuhr aus dem Radhaus erlaubt. Die charakteristischen Lufthutzen hinter der Fahrerkabine wichen von der Luftfahrt inspirierten Naca-Schächten, und die weit ins Heck gezogene Dachkontur verdeckt den 16-Zylinder fast vollständig. Ein mächtiger Doppeldiffusor am Heck rundet die Modifikationen ab.

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Doch es geht hier nicht um Optik, sondern um Abtrieb und Kühlung, denn die nachhaltigste Änderung erfuhr der Motor des Veyron, der auf schier unglaubliche 1200 PS erstarkt ist. Dank vier vergrößerter Turbolader, eines höheren Einspritzdrucks, geänderter Motorsteuerung und zahlloser weiterer Detailoptmierungen stieg zudem das maximale Drehmoment auf 1500 Nm, womit der Super Sport noch einmal deutlich stärker antritt als der Veyron mit 1001 PS.

In 6,7 SEKUNDEN VON 0 AUF 200 km/h
Und wie fühlt sich das an? Eintausendzweihundert PS? Zunächst einmal recht unspektakulär. Heiser bellend erwachen die 16 Zylinder des W-Motors zum Leben und grollen im Leerlauf heiser, aber unaufdringlich vor sich hin. Gang rein, etwas Gas – und der Veyron rollt ganz brav an. Dank der schlanker gewordenen A-Säule lässt sich die Flunder sogar recht manierlich durch den Verkehr in andaandalusischen Dörfern dirigieren, beim Rangieren hilft die Heckkamera mit Display im Innenspiegel.

Auf der Landstraße dann mehr Gas – ein bisschen zumindest. Sofort ist der Bugatti pfeilschnell unterwegs und überrascht Ersttäter mit seiner feinnervigen, aber keineswegs nervösen Lenkung. Trotz immerhin 1838 Kilo Leergewicht (50 kg weniger als der Standard- Veyron) und Allradantrieb folgt der Wagen spontan und leichtfüßig allen Impulsen. Schnell wächst das Vertrauen, das Gaspedal sinkt tiefer in den dicht gewebten Teppich. Das penibel überarbeitete Fahrwerk mit neuen Zweikammer-Dämpfern von Sachs sowie strafferen Federraten und steiferen Stabilisatoren funktioniert perfekt und bildet eine harmonische Symbiose aus Komfort und Agilität. Bis zu dem Punkt, wo die Leistungsanzeige rund 800 PS signalisiert, bewegt man sich dabei noch in einem Bereich, den man eventuell von anderen Supersportwagen wie einem Lamborghini Murciélago oder Porsche 911 GT2 RS im Fahrbericht kennt. Doch das, was danach folgt, lässt sich nur schwer in Worte kleiden: Ruft der Fahrer wirklich die volle Leistung ab, reißt es den Bugatti mit 1,2 g vom Fleck – und zwar ohne dass diese Kraftorgie irgendwann erkennbar nachlassen würde.

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Ein paar Zahlen: null auf 100 sind in 2,5 Sekunden erledigt. Das schafft der Veyron mit 1001 PS übrigens auch. Mehr geht nicht, weil sich physikalisch einfach nicht mehr Kraft auf den Boden übertragen lässt. Aber bis 200 km/h vergehen im Super Sport nur 6,7 Sekunden (Veyron: 7,3), und Tempo 300 liegt nach aberwitzigen 14,6 Sekunden an (16,7). Vergleichen Sie diese Werte doch mal – mit was auch immer Sie mögen. Am Lenkrad jedenfalls fühlt es sich an wie eine Explosion, die Fahrer und Fahrzeug per Raumkrümmung Richtung Horizont katapultiert. Wie paralysiert sitzt man hinterm Lenkrad und hört tief in sich eine schrille Stimme schreien: „Bremsen!“

Schlagartig gewinnt blanke Panik die Oberhand. Das Ende der eben noch unendlich lang erscheinenden Geraden ist urplötzlich da, die Kurve dahinter auch. Volle Kraft zurück! Mit einer Leistung von 6000 kW legt sich die Bremse im Notfall ins Zeug und erreicht eine Verzögerung von maximal zwei g – also 19,62 m/s2. Dabei hilft neben der gewaltigen Karbon-Keramik-Bremse die so genannte Airbrake: Bei voller Verzögerung stemmt sich der gigantische Heckflügel 55 Grad steil in den Fahrtwind und wirkt dann wie ein Bremsfallschirm.

Doch der Flügel kann noch mehr. Je nach Fahrzustand liegt er bündig im Heck oder öffnet zwecks Kühlung im Sechs-Grad-Winkel. Auf Knopfdruck – oder ab 180 km/h – erhebt sich dann das mächtige Flügelprofil (18 Grad) in die Luft, und darunter klappt ein zusätzlicher Spoiler (27 Grad) aus. Gleichzeitig senkt sich das Fahrzeug rundum ab (vorn um 35, hinten um 20 mm) – jetzt ist das Handling-Setup aktiviert. So konfiguriert, erreicht der Super Sport nicht nur die maximale Querbeschleunigung von bis zu 1,4 g, sondern hämmert auch mit etwa 375 km/h voran.

Wer noch schneller fahren will, muss den Wagen zuvor mittels Zusatzschlüssel in den Topspeed-Modus versetzen: Die Karosserie senkt sich dann vorn um 50 mm, hinten um 45 mm ab, und in der Front schließen sich zwei Diffusorklappen.

EIN HECKFLÜGEL MIT DEM PROFIL EINER TRAGFLÄCHE
Der Flügel fährt ebenfalls aus, steht aber in einem flachen Winkel von nur drei Grad. Weil das Flügelprofil jedoch wie eine umgekehrte Tragfläche gestaltet ist, erzeugt es selbst in diesem flachen Winkel wirksam Abtrieb, steigert dabei aber nur moderat den Luftwiderstand. Entgegen dem jüngst aufgestellten Weltrekord von 431 km/h, regelt das Serienauto jedoch spätestens bei 415 km/h ab – mehr halten die Reifen nicht aus. Und das, obwohl der 100 Liter große Tank bei Dauervollgas ohnehin innerhalb von nur acht Minuten leergepumt wäre.

All diese Werte vermitteln jedoch nicht ansatzweise das einzigartige Gefühl am Volant, das nebenbei bemerkt mit geschliffenem Leder bespannt ist und dessen Speichen sowie Pralltopf aus eloxiertem Magnesium gefertigt sind. Eine Fahrt im Bugatti Veyron 16.4 Super Sport ist ein unvergleichliches Erlebnis – absolut extrem.
Martin Urbanke

ANTRIEB
 
Motor W16-Zylinder, 4-Ventiler,
4-Turbolader
Hubraum 7993 cm³
Leistung
bei
882 kW / 1200 PS
6400 /min
Max. Drehmoment
bei
1500 Nm
3000 – 5000 /min
Getriebe Doppelkupplungsgetriebe,
7 Gänge
Antrieb Allradantrieb, permanent
Fahrwerk Doppelquerlenker, rundum
Bremsen Karbon-Keramik-Bremse
Bereifung Reifen v.: 265 - 680 ZR 500 A
Reifen h.: 365 - 710 ZR 540 A
ECKDATEN  
L/B/H 4462/1998/1190 mm
Radstand 2710 mm
Leergewicht 1838 kg
0-100 km/h 2,5 s
0-200 km/h 6,4 s
0-300 km/h 14,5 s
Höchstgeschwindigkeit 415 km/h (begr.)
EU-Verbrauch 23,1 l SP / 100 km
KOSTEN  
Preis 1.963.500 Euro

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