Fahrbericht: Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse 2012 Rekord-Marke

18.07.2012

Der Name Bugatti steht für die stärksten und schnellsten Autos der Welt. Der neue Grand Sport Vitesse erobert nun auch die Führungsposition unter den Roadstern

Da ist es wieder, dieses Gänsehaut erzeugende Geräusch, nur wenige Zentimeter hinter dem Kopf. Eine Soundkulisse aus aggressivem Pfeifen und bissigem Zischen – als würde ein Jet unmittelbar im Tiefflug über einen hinwegschießen. Doch der vermeintliche Jet sitzt offen im Heck, ist ein 16-Zylinder-Kraftpaket mit acht Litern Hubraum, und das Konzert kommt aus den Wastegates der vier Turbolader, die bei jedem Gaswegnehmen lustvoll ihre Luft ausstoßen.

 Veyron 16.4 GSV: IN 16 SEKUNDEN AUF 300 km/h

Wir fliegen im Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse über die einsamen Gebirgssträßchen im Hinterland der spanischen Costa Dorada. Steigungen scheinen für dieses Monster nicht zu existieren, der Vortrieb hört jedenfalls nie auf. Der stärkste Roadster aller Zeiten mobilisiert wahnwitzige 1200 PS bei 6400/min – noch mal 199 PS mehr als die Basis Grand Sport.

Das maximale Drehmoment von 1500 Nm schlägt ab 3000/min wie ein Hammer zu. In 2,6 Sekunden katapultiert der Vitesse den Fahrer auf 100 km/h, und nach 16 Sekunden pulverisiert er die 300-km/h-Marke – um bei unglaublichen 410 km/h elektronisch abgeregelt den Vortrieb einzustellen. Wer allerdings Top-Speed fahren möchte, muss den Boliden mit einem separaten Schlüssel – links neben dem Fahrersitz – darauf vorbereiten.

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Das Fahrzeug wird abgesenkt und die Klappen der Frontdiffusoren werden geschlossen, sonst regelt der Bugatti bei 375 km/h ab. Beim Durchtreten des Gaspedals presst eine schier unvorstellbare Kraft die Passagiere wie ein Schraubstock in die Sportsitze. Die Umgebung verschwimmt leicht vor den Augen. Diese Fortbewegung gleicht dem Ritt auf einer Kanonenkugel und hat mit normalem Autofahren so wenig zu tun wie Rambo mit Mutter Theresa.

Vielleicht sollte man zum Fahren dieses Boliden einen Waffen- oder Flugschein haben. Mit dem Grand Sport Vitesse über kurvige Straßen zu räubern, heißt Cabriofahren „digital“. Die Beschleunigung erfolgt so brachial schnell, dass nach Sekundenbruchteilen die nächste Biegung auf einen zufliegt. Dann heißt es hart und blitzschnell in die Eisen steigen, sonst liegt ein Millionenwert im Graben.

Schnellfahren ist im Vitesse ein atemberaubendes Wechselspiel zwischen Gasgeben und Bremsen, begleitet von schweißtreibenden Querbeschleunigungskräften. Apropos Bremse: Sie baut im Bedarfsfall eine Verzögerungsleistung von 3000 kW auf. Dabei ist der Bugatti kein kapriziöses Sportgerät, sondern lässt sich erstaunlich sicher und ausgewogen bewegen.

Klar, die zwei Tonnen Gewicht sind immer präsent, aber das Einlenkverhalten ist präzise, die Rückmeldung der Lenkung exakt und die Traktion – wir reden hier von 1200 stürmischen PS – verblüffend gut. Bei schneller Kurvenfahrt erweist sich der Roadster zunächst als Übersteurer, der vom ESP sensibel abgefangen wird.

Den Grenzbereich mit diesem Auto auf öffentlichen Straßen auszuloten, ist unmöglich und wäre zudem extrem fahrlässig. Überzeugend gerieten die Cabrio-Qualitäten des Vitesse. Ein kleiner Spoiler über der Frontscheibe, der mit zwei Handgriffen entfernt werden muss, wenn das Dach Platz haben soll, und ein Windschott sorgen für nahezu zugfreies Fahren – und das selbst bei Tempi weit über 300 km/h, wo draußen schon der Orkan tobt.

Auf der Teststrecke von IDIADA erreichten wir knapp 340 km/h ohne nennenswerte Verwirbelungen im Innenraum – Chapeau! Auch sonst haben die Ingenieure viele Änderungen vorgenommen. Vier statt bisher zwei Kraftstoffpumpen erzeugen ständigen Druck, was bei einem EU-Verbrauch von 23 Litern auch bitter nötig ist. Größere Turbolader samt Ladeluftkühler und eine Verstärkung des Antriebsstrangs tragen der Mehrleistung Rechnung.

ÜBERRASCHENDER FAHRKOMFORT
Neu abgestimmt wurde das Fahrwerk. In der Härte verstellbare Dämpfer mit größerem Ölreservoir sorgen in Verbindung mit weicheren Federn für ein besseres Ansprechverhalten und minimieren das Untersteuern. Der Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse ist trotz seiner fahrdynamischen Qualitäten ein überraschend komfortabler Supersportwagen.

Dazu tragen neben dem alltagstauglichen Federungskomfort auch die kommoden und körpergerecht geformten Sitze bei. Zu den Bugatti-Besonderheiten gehört die faszinierende Karosserie aus wunderschönem, klarlackiertem Karbon, dessen Farbe je nach Lichteinfall changiert.

Auch im Interieur dominieren feinste Materialien. Viele Bauteile wie die Einfassung und Seitenwände der Mittelkonsole, die Türeinlagen, die Instrumenteneinfassung und die Rückwände der Sportsitze sind aus hochwertigem Karbon. Hinzu gesellen sich bei Bedieneinheiten und Lenkrad Leichtmetalle wie Magnesium und Aluminium. Ansonsten regiert Leder, wohin das Auge blickt.

Ein einmaliges Accessoire hält die Instrumententafel parat. Bei keinem anderen Auto gibt es eine bis 1200 PS reichende Leistungsanzeige, die dem Fahrer verrät, wieviele Pferdestärken er gerade abruft. Einige weitere Zahlenspiele der Superlative: Bei Top-Speed drehen sich die Michelin-Pneus mehr als 5000 Mal pro Minute.

Mehr als zwei Minuten Höchstgeschwindigkeit halten die Reifen nicht aus; ein Satz kostet rund 28.000 Euro! So außergewöhnlich wie dieses Auto ist auch sein Preis. Rund zwei Millionen Euro sind eine Summe, die außerhalb der Vorstellungskraft eines Normalbürgers liegt.

Aber was ist an diesem Meilenstein der Ingenieurskunst schon normal? Bugatti-Besitzer sind eine besondere Klientel, wie Vertriebschef Stefan Brungs zu berichten weiß: „Unsere Kunden haben durchschnittlich 34 Autos in der Garage.“ Da wird sich bestimmt noch ein Stellplatz für den Grand Sport Vitesse finden.
Volker Koerdt

TECHNIK
 

BUGATTI VEYRON 16.4
GRAND SPORT VITESSE
Motor 16-Zylinder-Benziner
mit vier Turboladern (W16)
Hubraum 7993 cm3
Leistung 882 kW / 1200 PS
bei 6400 /min
Max. Drehmoment 1500 Nm bei 3000 - 5000 /min
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG)
Antrieb Allrad, permanent Fahrwerk rundum:
Doppelquerlenker, Federn, adaptive Dämpfer,
Stabilisator; ESP
L/B/H 4462/1998/1190 mm
Leergewicht/Zuladung 1.990/250 kg
0-100 km/h 2,6 s
Höchstgeschwindigkeit 410 km/h
EU-Verbrauch 23,1 l S/100 km
Grundpreis 2.011.100 Euro

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