Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport – Probefahrt mit dem 1001-PS-Roadster First time, first kiss

03.04.2010

Zum ersten Mal im Bugatti, zum ersten Mal 1001 PS unterm rechten Fuß – ein Selbstversuch im teuersten, stärksten und schnellsten Roadster der Welt

Es gibt ja Erfahrungen, die verändern auf Anhieb und für alle Zeiten deine Welt, deine Sicht der Dinge: der erste Stanley Kubrick-Film im Kino, das erste Neil Young-Konzert, die erste Runde auf der Nordschleife, die erste Fahrt auf einem Motorrad mit über 100 PS. Oder das erste Mal im Bugatti Veyron. Der heißt in diesem Fall mit vollem Namen Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport. Er hat im Unterschied zur geschlossenen Basis-Version ein herausnehmbares Dachmittelteil.

Und kostet ein wenig mehr: 1,4 Millionen Euro. Ohne Mehrwertsteuer, mithin rund 350 000 Euro mehr als die geschlossene Variante. Dafür ist der Bugatti-Roadster ein wenig exklusiver als das Coupé. Die Auflage ist auf 150 Exemplare begrenzt, und man sieht es im Kundenzentrum in Molsheim ganz gern, wenn der Roadster-Interessent bereits einen geschlossenen Veyron in der Garage hat.

IN 2,7 SEKUNGEN AUF TEMPO 100
Auch wenn das Chassis des Veyron aus hochfester Kohlefaser besteht, so musste es für die Offenlegung dennoch etwas versteift werden, erklärt Werks- und Testfahrer Pierre-Henri Raphanel. Und nein, die 100 Kilogramm Mehrgewicht haben keinen nennenswerten Einfl uss auf die Fahrleistungen. Zur Erinnerung: Der Bugatti aus dem VW-Konzern erreicht ein Spitzentempo von 407 km/h und beschleunigt in 7,3 Sekunden auf 200 km/h. Einen Wert für den Spurt von null auf Tempo 100 nennen die Techniker ebenfalls: 2,5 Sekunden.

Der für den Roadster wird mit 2,7 Sekunden angegeben. „Doch das liegt eher an der Messtoleranz als am Mehrgewicht“, erläutert Raphanel. Und versichert: „Du wirst sehen, es ist ein sehr einfach zu fahrendes Auto. Aber du musst natürlich vorsichtig sein.“ Der Mann hat gut reden. Immerhin war er einmal französischer Formel-3-Meister und hat einen F1- sowie ein Dutzend Le Mans-Starts auf dem Konto.

Zudem hat er zweifellos Recht. Das bemerkenswert aufgeräumte und übersichtliche Bugatti-Cockpit gibt dem Novizen keine Rätsel auf. Es gibt nur wenige Bedienknöpfe und Hebel, und die sind alle selbsterklärend. Sie unterscheiden sich in ihrer Funktion nicht wesentlich von denen eines – sagen wir – VW Golf 1.4 TSI DSG. Die beim Golf aufpreispflichtigen Schaltwippen des Doppelkupplungsgetriebes sind beim Bugatti allerdings serienmäßig.

Jetzt gestehe ich: Der Grand Sport ist nicht der erste Sechzehnzylinder, in dem ich sitzen und den Motor starten durfte. Der andere war ein Cadillac von 1930, der aus seinen 7,5 Liter Hubraum 165 PS schöpfte. Dessen Triebwerk lief leise, vibrationsfrei wummernd, wie ein weit entfernt vorbeiziehendes Powerboat.

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Der Bugatti ist anders. Wenn man den W16 startet, klingt es eher so, als habe man mit einem Baseballschläger auf einen Korb voll Hornissen eingedroschen. Es summt laut und böse – und so als kämen sie gleich raus.

Zum Eingewöhnen wird der Wählhebel auf D geschnalzt und die Bremse sanft gelöst. Der Grand Sport bewegt sich so unspektakulär wie ein Audi A4. Die Lenkung geht leicht, nur etwas unübersichtlich ist er, der Bugatti. Die Sitzschale ist eng und straff, jedoch nicht unbequem und das Platzangebot überraschend üppig. 1250 Newtonmeter, 1001 PS, sage ich stumm vor mich hin und versuche, den Bugatti unauffällig durch den Verkehr zu dirigieren.

Der mächtige 16-Zylinder reagiert auf jeden Zehntelmillimeter Gaspedalweg. Jedoch nicht wild losspringend, sondern sanft, kontrollierbar, verhalten. Das Doppelkupplungsgetriebe wirft befl issen die längsten Zahnradpaarungen ein. Langsam öffnen sich hinter mir diverse Luftklappen, und das Rauschen der Lüfterräder übertönt die 16 Zylinder im Leerlauf. Ganz klar, der Bursche braucht Auslauf.

WIE EIN WARP-ANTRIEB
Autobahn, wenig Verkehr, großzügiges Tempolimit. Nach dem ersten etwas druckvolleren Tritt aufs Gaspedal ist nichts mehr wie es vorher war. So ähnlich muss sich der Warp-Antrieb der Enterprise anfühlen, wenn Scotty ein wenig an der Leistungsschraube dreht. Der Motor saugt mit einem tiefen Atemzug den Sauerstoff aus der Umgebungsluft. Gleichzeitig schnellt die Leistungsanzeige links des Drehzahlmessers in Richtung 1000, und der Kopf des Piloten knallt an den Sitz.

In einer gefühlten Sekunde schnellt die Tachoanzeige von 100 auf 250 km/h, und ein bösartiger Riese scheint die dreispurige Autobahn unter dem Bugatti wegzureißen. Möglicherweise habe ich dabei geschrieen. Aber nur ein wenig. Wenig später beruhigt sich die Leistungsanzeige. Bei konstant Tacho 250 pendelt die Nadel bei etwa 250 PS. Blieben also noch 750 zum Beschleunigen. Ich belasse es dabei. Meine Welt hat sich jetzt schon verändert. Für immer.
Heinrich Lingner

BUGATTI VEYRON 16.4 GRAND SPORT

Antrieb

W16-Zylinder; 4-Ventiler; 4 Turbolader; Bohrung x Hub: 86,00 x 86,05 mm; Hubraum: 7993 cm3; 1001 PS (736 kW) bei 6000 /min; 1250 Newtonmeter bei 2200 – 5500 /min
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragendes Kohlefaser-Monocoque; Doppelquerlenker rundum, Federn, aktive Dämpfer; Innenbelüftete Karbon-Keramikbremsen rundum; Reifen vorn: 265-680 ZR 500 A; Reifen hinten: 365-410 ZR 540 A
Eckdaten
L/B/H: 4462/1998/1204 mm; Radstand: 2710 mm; Leergewicht: 1990 kg; 0 - 100 km/h: 2,7 s; Höchstgeschwindigkeit: 407 km/h; Normverbrauch: 24,9 l SP/100 km; Leergewicht: 1990 kg; Preis: 1,4 Mio Euro (ohne MwSt.)

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