Kfz-Versicherung: Brandstiftung ohne Kasko kann teuer werden Opfer bleiben auf Schaden sitzen

14.01.2013

Kfz-Versicherung: Die Bilder von ausgebrannten Autos gehen oftmals durch die Presse. Welche Möglichkeiten haben Personen, die Opfer von Brandstiftung geworden sind, den finanziellen Verlust ersetzt zu bekommen?

Ausgebrannte Fahrzeugwracks sind nicht bloß in Krisengebieten Alltag. Auch in Deutschland brennen täglich Autos lichterloh. Häufig steckt Brandstiftung dahinter. Den finanziellen Verlust der betroffenen Fahrzeughalter kann eine Kfz-Kaskoversicherung abfangen. 2011 verzeichnete die Branche der Kfz-Versicherer rund 16.000 Meldungen über explodierende oder brennende Autos. Das teilte Stephan Schweda vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf Anfrage des Vergleichsportals CHECK24 mit.

Das bedeutet: Etwa jede halbe Stunde ging irgendwo in Deutschland ein Pkw in Flammen auf. Dabei erfasst der GDV noch nicht einmal alle Brandschäden an Fahrzeugen, denn vom Verband werden lediglich die gemeldeten Schadensfälle der Kfz-Kaskoversicherer berücksichtigt.

 

Versicherer bezahlen rund 70 Millionen Euro für Pkw-Brandschäden

Dennoch ist schon allein der von den Kfz-Versicherungsgesellschaften regulierte Gesamtschaden brandbeschädigter Autos hoch: Rund 70 Millionen Euro mussten die Assekuranzen dafür im Jahr 2011 an die Kunden auszahlen. Im Fokus der Öffentlichkeit liegen vor allem die durch Brandstiftung zerstörten Pkw. Wie viele Autos jedes Jahr von den Feuerteufeln heimgesucht werden, ist bundesweit jedoch nur schwer zu ermitteln.

Das Bundeskriminalamt (BKA) schlüsselt Fahrzeugbrandstiftungen nicht gesondert auf. Die schwelenden Autogerippe fließen zusammen mit rauchenden Resten von Gartenlauben oder Mülltonnen in die Kriminalstatistik ein. Doch allein in den „Brandhochburgen“ Berlin und Hamburg wurden 2011 jeweils mehrere hundert Autos in Brand gesteckt. Dabei ist Brandstiftung kein Kavaliersdelikt, die Straftat kann mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden.

Die Bilder zerstörter Autos gehen regelmäßig durch die Presse, es folgen Empörung und der Ruf nach härteren Strafen für die Täter. Doch welche Chancen haben die geschädigten Autobesitzer, ihren finanziellen Verlust ersetzt zu bekommen? Selbst wenn die Täter gefasst und verurteilt werden, können diese den angerichteten Schaden in vielen Fällen nicht begleichen. Hier hilft den Haltern nur ihre Kfz-Kaskoversicherung. Eine Teilkaskoversicherung übernimmt in aller Regel Schäden am eigenen Fahrzeug, die der Halter nicht selbst verschuldet hat – darunter fallen auch die meisten Brandschäden. Brennt der Wagen völlig aus, bekommt der Halter den Wiederbeschaffungswert des Autos ausgezahlt - also den Preis eines gleichwertigen Fahrzeugs auf dem Gebrauchtwagenmarkt.

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In einigen Policen kann allerdings auch festgeschrieben werden, dass dem Kunden der Neu- oder Kaufpreis des Autos erstattet wird. Auch wenn die Flammen von einem anderen Fahrzeug auf das eigene versicherte Auto übergreifen, springt die Teilkasko ein. Allerdings ersetzt die Versicherung keine nicht fest mit dem Auto verbundenen Teile, etwa Reisegepäck, Handys oder mobile Navis.

Schwieriger wird es, wenn das Auto durch das Feuer nur versengt wird, also etwa der Lack durch große Hitze Schaden nimmt, es aber nicht zu einer offenen Flammenentwicklung kommt. Hier reguliert nur eine Vollkaskoversicherung umfassend. Das gilt auch für mutwillige Beschädigungen durch Dritte - wenn etwa Außenspiegel abgetreten werden oder das Blech von Vandalen mit einem Baseballschläger "bearbeitet“ wird.

Ein Fahrzeugbesitzer, dessen Auto aufgrund von Brandstiftung abbrennt, muss für durch das Feuer verursachte Schäden an benachbarten Fahrzeugen oder Gebäuden nicht haften. Das ist durch ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) bestätigt worden. Im eigenen Interesse sollte jedoch umgehend die eigene Kaskoversicherung informiert werden.

 

Schaden umgehend und wahrheitsgemäß melden

Die Schadensmeldung muss vollständig und wahrheitsgemäß sein. So sollte etwa der angegebene Kilometerstand bis auf rund 1.000 Kilometer genau stimmen, da dieser für den Wiederbeschaffungswert relevant ist. Auch Vorschäden am Auto sollten erwähnt werden. Findet ein von der Gesellschaft hinzugezogener Gutachter im Nachhinein verschwiegene Macken, kann der Kunde Ärger bei der Regulierung bekommen.

Experten der Feuerwehr warnen indes Laien davor, den Brand eigenhändig zu löschen, wenn ein Auto in Flammen steht. Decken oder ein Haushaltsfeuerlöscher zum Ersticken der Flammen reichen in der Regel nicht aus. Sicherer für die eigene Gesundheit ist es, Abstand zu halten und umgehend Polizei und Feuerwehr zu alarmieren.
Sascha Rhode

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