Fahrbericht BMW X6 M 2015: Power-SUV-Coupé mit 575 PS Leichtfüßige 2,2 Tonnen

30.01.2015

Kann sich ein Auto mit 2,2 Tonnen Leergewicht leichtfüßig anfühlen? Für einen ersten Fahrbericht konnten wir uns bereits ein Bild vom neuen BMW X6 M 2015 machen

Was will der BMW X6 M sein?
Der neue X6 M steht in den Startlöchern. Dem Begründer des SUV-Coupé stehen nun 575 PS und 750 Newtonmeter zur Verfügung. Aber vor allem seine optimierten Handlingeigenschaften sollen ihn zur Nummer eins auf der Piste machen – da sollte auch Porsche genau hinsehen.

 

Fahrbericht BMW X6 M 2015: Leichtfüßige 2,2 Tonnen

 
Bereits die erste Genration des X6 M meisterte den Spagat zwischen SUV und Sportwagen ausgesprochen gekonnt. Die neue zweite Generation soll die Baureihe nun auf ein neues, höheres Niveau heben. Dazu entlädt der grundlegend überarbeitete 4,4-Liter-Achtzylinder mit 575 PS und 750 Newtonmeter Drehmoment spürbar mehr Dampf in den Antriebsstrang. Die tief heruntergezogenen Schürzen weisen eindrucksvoll darauf hin, dass der X6 M konsequent auf Längs- und Querdynamik ausgelegt ist und Böschungs- und Rampenwinkel lediglich in den technische Daten ausweist. Selbst wer hier und da holprige Schotterpisten mit tiefen Schlaglöchern befährt, sollte lieber zu den zahmeren Versionen des X6 greifen. Der X6 M ist für Fahrer gemacht, die bei der Kurvenhatz gerne die Übersicht behalten.

Was ist der BMW X6 M wirklich?
Tiefe Schürzen, große Lufteinlässe, breite Mischbereifung – Der BMW X6 M hält, was er optisch verspricht: Der neue X6 M sieht nach Dynamik aus und löst dieses Versprechen auch beeindruckend ein. Die These, dass Sportwagen flach und leicht sein müssen, bringt er ins Wanken. Der gut 2,2 Tonnen schwere Brocken liegt wie das sprichwörtliche Brett. Schon beim Anbremsen der ersten Kehre auf dem „Circuit of the Americas“ in Austin scheint er gefühlt 500 Kilogramm Ballast abgeworfen zu haben.

Die mächtigen 6-Kolben-Festbremssättel an der Vorderachse und der dagegen recht filigran wirkende Einkolben-Faustsattel hinten nehmen die riesigen Compound-Bremsscheiben nachhaltig in die Zange. Keine Spur von zu viel Gewicht, das Bremssystem lässt sich ausgesprochen gefühlvoll und punktgenau dosieren. Zielgenau, leichtfüßig und spontan sticht der X6 M in die Kurve und folgt der vom Fahrer diktierten Linie mit bestechendem Gehorsam. Die neu abgestimmten Regelsysteme erlauben dem X6 M einen sehr breiten und sicheren Grenzbereich.

Je nach Wunsch lassen sich die Modi der „Dynamic Stability Control“ zwischen maximaler Sicherheit oder Performance variieren. Die Grundlage für die sehr feinfühlige Regelfunktion bildet das erstklassige, intensiv überarbeitete Fahrwerk. Neue vordere, obere Querlenker erhöhen die Seitenführung und wirken sich positiv auf die Agilität aus. Steifere Lager und Tragfedern heben weiteres Potenzial. Störende Seitenneigung reduziert die aktive Wankstabilisierung, ohne dem X6 M ein synthetische Fahrgefühl mitzugeben.

Ganz im Gegenteil: Der große Brocken mit M-Signet gibt sich ausgesprochen mitteilsam. Das stoische Untersteuern seines Vorgängers hat er konsequent abgelegt. Der neue X6 M erlaubt sogar bei ausgeschaltetem DSC lässig kontrollierbares Übersteuern. Der Fahrer ist dank intensiver Rückmeldung vom Antrieb und insbesondere der präzisen Lenkung auch im Grenzbereich immer Herr der Lage. So muss sich ein Sportwagen anfühlen: verbindlich, sicher, leichtfüßig. Von dieser spielerischen Leichtigkeit dürfte sich nicht nur das eine oder andere SUV eine Scheibe abschneiden, sondern auch der eine oder andere Supersportwagen.
 
Intensive Detailarbeit erfuhr auch der Antriebsstrang: Der V8-Biturbo begeistert mit seinem direkten und extrem schnellen Ansprechverhalten. Jede Gaspedalbewegung kommentiert der 4,4-Liter Achtzylinder spontan. Der mächtige Schub aus dem Drehzahlkeller hat dabei die Gewalt eines Vulkanausbruchs. Das hohe Gewicht und der vollvariable, allerdings überzeugend hecklastig ausgelegte Allradantrieb sorgen für enorme Traktion. Lediglich 4,2 Sekunden vergehen und der X6 M sprintet mit grollendem V8-Schlag auf Tempo 100 km/h. Serienmäßig ist der Bayer auf 250 km/h begrenzt. Mit optionalem M-Driver’s-Package erhöht sich der Top-Speed auf 280 km/h.
 
Keine Frage, der X6 M erfüllt den an ihn gestellten High-Performance-Anspruch souverän. Allerdings überzeugt er auch mit gediegenem Komfort. Top-Sportsitze, feiner Federungskomfort – adaptive Dämpfer und Luftfederung an der Hinterachse – und eine gut modellierte Akustik machen den X6 M zur Empfehlung für lange schnelle Autobahnetappen. Selbst der von BMW angegebene Durchschnittsverbrauch von 11,1 Litern klingt akzeptabel.

Wer sind die wichtigsten Wettbewerber?
Mit dem BMW X5 M kommt der härteste Gegner aus eigenem Hause. Für rund 3.000 Euro weniger bietet der X5 M nicht nur die identische Technik sondern zudem im Fond und Gepäckabteil mehr Platz. Mit dem Dynamikmeister Porsche Cayenne Turbo S (570 PS; 166.696 Euro) und dem Komfortkönig Mercedes ML 63 AMG (525 PS; 110.254 Euro), der ab Sommer GLE heißt, kommen gleich zwei ausgesprochen potente Rivalen aus Stuttgart. Mitte 2015 kommt dann das Mercedes-AMG GLE 63 Coupé, das mit seinem flach auslaufendem Heck genau in die vom X6 begründete Nische sticht. Der stolze Range Rover Sport SVR mit 550 PS und einem Preis von 125.910 Euro begegnet der deutschen Übermacht mit ausgewiesener Geländetauglichkeit.

Wer soll den BMW X6 M kaufen und was kostet er?
Bei einem Grundpreis von 117.700 Euro und üppigen Unterhaltskosten sollte die Kundschaft über ausreichend liquide Mittel verfügen. Und obwohl der X6 M ab Werk bereits mit feinem Leder ausgeschlagen ist, adaptive LED-Scheinwerfer die Nacht erhellen und zahlreiche Assistenzsysteme wie Spurassistent oder City-Anbremsfunktion für umfangreiche Sicherheit sorgen, bleiben Genug Individualisierungsmöglichkeiten, um den Preis nach oben offen zu gestalten.

Ab wann ist der BMW X6 M zu kaufen?
Am 11. April 2015 feiert der BMW X6 M seinen Marktstart.

Weitere Eindrücke vom BMW X6 M lesen Sie in der nächsten AUTO ZEITUNG

Und zum Abschluss: Unser BMW X6 M Sound-Video!

Michael Godde

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