BMW X5 M und Porsche Cayenne Turbo S im Vergleich Extremsportler

21.04.2015
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor/Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt/Kosten
  6. Fazit

BMW X5 M und Porsche Cayenne Turbo S: Die zwei Oberklasse-SUV mit deutlich über zwei Tonnen Gewicht und knapp 600 PS liefern sich ein Duell der Extreme

Über die Sinnhaftigkeit dieser beiden Power-SUV brauchen wir an dieser Stelle nicht zu diskutieren. Keine Frage, es gibt wohl kaum eine umstrittenere Fahrzeuggattung als die der Power-SUV, die hier in Gestalt des BMW X5 M und des Porsche Cayenne Turbo S zum Kräftemessen antreten. Und dennoch: Hat man erst – ganz wörtlich gemeint – erfahren, welche beinahe schon surreal anmutende Vorstellung die beiden Kolosse auf der Rennstrecke abzuliefern in der Lage sind, kann man sich der Faszination der beiden Rivalen nur schwer entziehen. Lassen Sie sich also mitnehmen auf einen Vergleichstest der Extreme.

 

Karosserie

Der neue BMW X5 M macht mit seiner aggressiv designten Frontschürze samt riesiger Lufteinlässe keinen Hehl daraus, dass er vor Kraft nur so strotzt, während der Cayenne Turbo S regelrecht zahm auftritt und vom Basis-Cayenne erst bei genauerem Hinsehen zu unterscheiden ist. Auch im Interieur gibt der BMW den Sportler, der Porsche wirkt zurückhaltender. Punkte vergeben wir dafür nicht, aber für das etwas bessere Platzangebot des Münchners.

In beiden Sitzreihen ist der X5 M noch einen Tick großzügiger geschnitten als der ebenfalls sehr luftige Cayenne. Auch das maximale Ladevolumen der beiden Kofferräume ist top – hier passt mühelos das Urlaubsgepäck einer fünfköpfigen Familie hinein. In puncto Anhängelast verbucht der Stuttgarter allerdings einen kleinen Vorteil für sich: Die 2970 kg des Münchners toppt er mit 3,5 Tonnen.

Ebenfalls leicht vorn liegt er bei Qualität und Verarbeitung: Im Detail wirkt der Cayenne eine Spur wertiger, doch auch der X5 erreicht - nach ersten Anlaufschwierigkeiten – inzwischen ein hohes Niveau. Dafür entscheidet der BMW den Punkt Bedienbarkeit für sich: Sein iDrive-System ist dem PCM-Infotainmentsystem des Porsche nicht nur aufgrund der umfangreicheren Online-Funktionen und des größeren Bildschirms überlegen, auch die Bedienung mit Hilfe des Controllers inklusive Touch-Oberfläche geht einfacher von der Hand.

 

Fahrkomfort

Die Topmodelle der jeweiligen Baureihe sind serienmäßig mit adaptiven Dämpfern und zusätzlich mit einer Luftfederung (BMW nur hinten) bestückt. Allerdings macht die extreme Bereifung der beiden Power-SUV die technisch guten Voraussetzungen zumindest teilweise wieder etwas zunichte. Querfugen oder Kanaldeckel werden aufgrund der niedrigen Querschnitte der 21-Zoll-Reifen recht trocken an die Insassen weitergegeben, wobei sich der X5 M hier noch etwas unnachgiebiger zeigt als der Cayenne Turbo S.

Dafür neigt dieser auf welliger Piste zu leichtem Zittern der Karosserie, wohingegen der X5-Aufbau angenehm ruhig bleibt. Mit der maximal möglichen Zuladung an Bord arbeiten die Fahrwerke der beiden Dickschiffe spürbar sensibler und sind selbst auf übelsten Pisten nicht zum Durchschlagen zu bewegen. Zwar zeigt der Cayenne hier noch etwas größere Reserven, doch speziell der X5 M hat hier deutliche Fortschritte gemacht, war dies doch oftmals eine Schwäche der Münchner Modelle.

Die  Vordersitze überzeugen in beiden SUV mit vielfältigen Einstellmöglichkeiten und zupackendem Seitenhalt – die  sportlichere, weil tiefere Sitzposition findet sich im Porsche, der den Fahrer besser integriert. Auch im Fond sitzt man im Stuttgarter etwas bequemer als auf der tief montierten und kaum konturierten BMW-Bank. Die Werte der Geräuschmessungen liefern – wie fast zu erwarten war – keine signifikanten Unterschiede. Dem X5 M sind allerdings die deutlich vernehmbaren Windgeräusche bei höheren Geschwindigkeiten im Bereich der A-Säule anzukreiden.

 

Motor/Getriebe

Unter den mächtigen Hauben stecken echte Kraftwerke in Form von doppelt aufgeladenen V8-Benzinern. Der Cayenne Turbo S bringt es auf 570 PS und 800 Nm, der X5 M hält mit 575 PS und 750 Nm dagegen. Mit welcher schon unerhörten Leichtigkeit diese Triebwerke in der Lage sind, die rund 2,3 Tonnen schweren Power-SUV nach vorn zu katapultieren, muss man erlebt haben, um es zu begreifen.

Null bis Tempo 100 erledigt der Porsche in unfassbaren 3,8 Sekunden, der BMW braucht mit glatten vier Sekunden nur einen Wimpernschlag länger. Den Vorsprung von lediglich zwei Zehnteln hält der Turbo S bis 200 km/h, und auch bei der Höchstgeschwindkeit hat der Zuffenhausener mit 285 zu 280 km/h (optional, ab Werk bei 250 km/h abgeregelt) nur hauchdünn die Nase vorn.

Dass bei diesen Fahrleistungen keine Verbrauchswunder zu erwarten sind, versteht sich von selbst. Mit 17,9 l/100 km genehmigt sich der Porsche noch ein Kölsch-Glas mehr vom teuren Super Plus – eine Rolle spielt das bei diesen Trinksitten aber sicherlich nicht. In puncto Getriebe verbucht der BMW X5 M einen klaren Teilerfolg für sich: Der ZF-Automat wechselt die acht Stufen nicht nur sanfter als das Aisin-Pendant im Porsche, auch  manuelle Schaltbefehle setzt die Automatik schneller um.

 

Fahrdynamik

Hatte der Vorgänger des X5 M gegen den Cayenne Turbo stets das Nachsehen, schafft die neue Generation auf der Handlingstrecke eine kleine Sensation: Der Bayer nimmt dem Schwaben bei der Jagd nach der besten Rundenzeit 0,8 Sekunden ab – und das trotz des höheren Gewichts und der ausufernden Karosserie. Gleiches Ergebnis beim Slalom: Auch hier kann sich der BMW behaupten.

Es ist schlicht sensationell, wie es den beiden Kolossen mit Hilfe des immensen Technikaufwands wie etwa den aktiven Stabilisatoren gelingt, gefühlt eine Tonne an Gewicht abzuwerfen, sobald man sie richtig fordert. Zwar fühlt sich der Porsche dank der etwas direkteren Lenkung sowie der geringfügig geringeren Masse und Außenabmessungen einen Tick handlicher an, doch die Zeiten sprechen eine andere Sprache: Dem X5 M gelingt es, langgezogene Kurven nicht nur schneller zu durchfahren und mehr Geschwindigkeit mit auf die darauffolgenden Geraden zu nehmen.

All das garniert er mit einer beeindruckenden Fahrsicherheit, die das Vertrauen ins Auto und damit auch die Rundenzeit fördert. Und obwohl BMW anders als Porsche keine Karbon-Keramik-Scheiben, sondern Bremsscheiben aus Stahl verbaut, verzögert der X5 M auch bei höchster Beanspruchung auf Cayenne-Niveau.

 

Umwelt/Kosten

Mehr als 50.000 Euro spart, wer den X5 M dem Cayenne Turbo S vorzieht – das ist kein Pappenstiel. Doch auch als BMW-Fahrer sollte man ein gut gefülltes Konto haben: Der Unterhalt ist nicht nur aufgrund der hohen Spritkosten enorm, auch die Aufwendungen für die Versicherungen sind happig. Beiden Herstellern muss man allerdings zugute halten, dass die zwei Topmodelle sehr gut ausgestattet sind. Wünsche bleiben da kaum offen.

 

Fazit

Großen Respekt nach München, genauer gesagt nach Garching! Was die M GmbH in Gestalt des neuen BMW X5 M  fahrdynamisch abliefert, ist eine echte Sensation. Schließlich schlägt der BMW hier nicht irgendwen, sondern die bisherige Fahrdynamik-Instanz unter den Power-SUV, den Porsche Cayenne Turbo S. Man muss diese Autos nicht verstehen und auch nicht mögen, doch wie sie performen, ist schlicht faszinierend.

Alexander Lidl

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