BMW X3 Facelift: Vergleichstest mit VW Tiguan, Mercedes GLK und Volvo XC 60 Angriff auf die Spitze

07.04.2015
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Erstmals trifft der frisch überarbeitete BMW X3 2014 auf seine stärksten Konkurrenten aus der gehobenen Kompakt-SUV-Klasse. Mit starken Dieselmotoren, Automatikgetrieben und Allradantrieb offenbaren auch die Rivalen vielseitige Talente. Vergleichstest

Man muss wirklich sehr genau hinsehen, um das Facelift des BMW X3 zu erkennen. Nur die leicht in der Form veränderten Scheinwerfer, die jetzt spitzer nach innen zulaufen, geben einen eindeutigen Hinweis auf den neuen Jahrgang – der Rest der Außenhaut scheint kaum angerührt worden zu  sein. Warum auch? BMW fährt mit dem großen Kompakt-SUV, das in Amerika vom Band läuft, seit Markteinführung der Baureihe F25 vor dreieinhalb Jahren auf der ganzen Welt Verkaufsrekorde ein. Insgesamt wurden in zehn Jahren mehr als eine Millionen X3 verkauft. Grund genug, sich bei der Überarbeitung vor allem auf technische Verbesserungen zu konzentrieren. Zusätzliche Sicherheitsfeatures, ein aufgewerteter Innenraum und vor allem der modifizierte Zweiliter-Turbodiesel sollen den neuen Jahrgang auszeichnen. Schließlich schläft auch die Konkurrenz nicht.

Vom ständigen Wachstum des SUV-Segments profitieren nämlich auch die schon überarbeiteten Premium-Mitstreiter Mercedes GLK und Volvo XC 60. Der Schwede hat sich sogar weltweit als absoluter Topseller der Marke etabliert. Letztlich darf auch ein VW Tiguan in diesem Vergleichstest nicht fehlen. Schließlich gilt er seit seiner Markteinführung vor sieben Jahren als unumstrittene Benchmark der Klasse und darf mit Verkaufszahlen prahlen, von denen selbst Kleinwagen  nur träumen können. Kann er seinen Thron auch im Jahr 2014 noch ungefährdet verteidigen?

 

KAROSSERIE

Stattliche Abmessungen und viel Platz beim BMW

Das Format des X3 hat sich mit der Überarbeitung nicht geändert. Mit 4,66  Metern gehört er also weiterhin zu den größten unter den Kompakt-SUV. Nur der Volvo XC 60 erreicht ähnlich imposante Abmessungen (4,64 Meter). Mercedes GLK (4,54 Meter) und VW Tiguan (4,53 Meter) sind da gut zehn Zentimeter kürzer.

Dass der Münchener so auch im Innenraum den meisten Platz bietet, dürfte keine Überraschung sein. Fünf Passagiere kommen hier am bequemsten  unter, während im Heck noch 550 Liter Stauraum übrig bleibt. Wird die Rückbank umgeklappt, entsteht ein in dieser Klasse rekordverdächtiger Laderraum von 1600 Litern. Dennoch dürfte auch ein GLK mit 450 bis 1550 Liter für die meisten Transportaufgaben des Alltags gerüstet sein.

Geradezu mustergültig ist die Raumausnutzung des Tiguan. Obwohl die meisten Konkurrenten um den Wolfsburger herum größer sind, fühlt man sich im VW keinesfalls eingeengt. Die Rückenlehnen der zweiten Reihe lassen sich in der Neigung verstellen, und die weit ausgeschnittenen Türverkleidungen schaffen zusammen mit der kuppelförmigen Dachform ein sehr luftiges Raumklima.

Dagegen wirkt der GLK auch innen regelrecht kantig. Mehr rechte Winkel als im Stuttgarter findet man sonst nirgendwo in dieser Klasse. Das schafft aber auch Vorteile. Denn die großen steilen Seitenscheiben, die schmalen Türverkleidungen und das hohe Dach erzeugen ansehnlichen Reisebus-Charakter. Zudem sitzt man auf der Rückbank mit den angenehmsten Kniewinkeln.

Enger und etwas verbaut wirkt dagegen der Fond des Volvo. Zwar ist das Leder (1800 Euro) hier  flauschiger, doch vor allem die Dachholme kommen den Köpfen der Passagiere näher als bei der Konkurrenz. In Sachen Zuladung macht dem Schweden aber keiner etwas vor. Ganze 625 Kilogramm verträgt der XC 60, der obendrein noch seinen Beifahrersitz für besonders lange Transportgüter nach vorn umklappen kann (70 Euro). Das gibt es sonst nur noch beim Tiguan, den man mit 548 Kilogramm beladen darf.

Extrapunkte  gibt es für den Volvo zudem für die dreiteilig zu einer totalen Ebene umklappbare Rücksitzbank, die auf Wunsch sogar noch zwei Kindersitze in den dicken Polstern versteckt (350 Euro). Ebenso macht der Schwede bei der Sicherheitsausstattung seinem Ruf alle Ehre. Einen Abstandsregeltempomaten mit Notbremsfunktion gibt es ebenso wie Müdigkeitswarner, Spurassistenten, Head-up-Display oder Verkehrszeichenscanner.

Allerdings lassen sich sämtliche Funktionen nur über die komplizierte Navi- und Bordcomputermenüführung oder die vielen Knöpfe in der freistehenden Mittelarmatur umständlich bedienen. Das gelingt bei Mercedes und vor allem im BMW mit dem Dreh-/Drück-Steller in der Mittelkonsole einfacher. Die zwei Süddeutschen warten übrigens mit einer ähnlich imposanten Sicherheitsausstattung auf. Dass der Tiguan konzeptionell der Älteste im Testfeld ist, merkt man spätestens jetzt.

Einen Abstandsregler, eine Notbremsfunktion oder den Toter-Winkel-Warner gibt es hier nicht. Dafür darf der Wolfsburger schwerere Anhänger ziehen (2200 Kilo) als seine Kontrahenten. In der Version Track&Style (500 Euro) sind es sogar 2,5 Tonnen. Ein solides Zugpferd ist auch der GLK 220 CDI mit 2,4 Tonnen Anhängelast.

Überhaupt macht die Karosserie des Schwaben in diesem Vergleich den stabilsten Eindruck. Wie bei einer Burg fallen die Türen ins Schloss, die Verarbeitung des Interieurs ist tadellos. Grund zur Klage gibt es aber nicht bei Volvo und BMW. Neue Polster und feinere Materialien werten den Bayern auf. Selbst der deutlich günstigere Tiguan erfüllt mit optionalem Leder Premium-Ansprüche.

BMW X3 xDrive20d
Mercedes GLK 220 CDI 4MATIC
Volvo XC 60 D4 AWD
VW Tiguan 2.0 TDI 4MOTION
190 PS 170 PS 181 PS 177 PS
0-100 km/h in 8,3 s 0-100 km/h in 8,6 s 0-100 km/h in 9,3 s 0-100 km/h in 8,1 s
Allradantrieb Allradantrieb Allradantrieb Allradantrieb
Spitze 210 km/h Spitze 205 km/h Spitze 195 km/h Spitze 200 km/h
Grundpreis: 43.250 Euro
inkl. Automatikgetriebe
Grundpreis: 43.673 Euro
inkl. Automatikgetriebe
Grundpreis: 42.300 Euro
inkl. Automatikgetriebe
Grundpreis: 43.673 Euro
inkl. Automatikgetriebe

 

FAHRKOMFORT

BMW und VW mit adaptiven dämpfern meisterlich

Dass der VW Tiguan auch bei der Fahrwerksabstimmung ganz oben mitspielt, zeigen die optionalen und sehr empfehlenswerten adaptiven Dämpfer (DCC, 1115 Euro). In Comfort-Stellung bringen den Wolfsburger selbst schlechteste Straßen kaum aus der Ruhe, während die Sport-Auslegung ambitionierten Fahrern mehr Rückmeldung bietet, aber dennoch nicht zu hart oder gar bockig anfedert. Die sehr wirkungsvolle Geräuschdämmung macht den Tiguan obendrein zum Reisewagen erster Klasse.

Auch bei BMW kann über den serienmäßigen Fahrerlebnisschalter die Abstimmung der adaptiven Dämpfer (1100 Euro) wirkungsvoll per Knopfdruck geändert werden. Und auch hier zeigen sich eine sehr sensible Abstimmung im Comfort-Modus und ausreichende Straffheit in der Sport-Einstellung. Mit schwerer Beladung kommt das Fahrwerk aber am ehesten anseine Grenzen. Dafür haben die Bayern bei der Geräuschdämmung nachgearbeitet. Vor allem der Dieselmotor hält sich jetzt akustisch angenehm zurück. Den Fahrtwind hört man hier aber immer noch am deutlichsten.

Ein etwas zwiespältiges Bild hinterlässt der Volvo. Liegen Geräuschniveau und Abrollkomfort bei ruhiger Fahrweise auf absolutem Topniveau, kommt das Fahr-werk bei rasch aufeinanderfolgenden Kanten schnell aus dem Trab. Selbst in der komfortabelsten Einstellung der adaptiven Dämpfer (1250 Euro) wird das sanfte Schaukeln des Schwedendampfers hin und wieder gestört. Insgesamt verführt der Volvo XC 60 aber am ehesten zum Cruisen.

Die weichen, groß geschnittenen Ledersessel und der bärige Motor animieren unterbewusst zur lässigen Gangart. Dagegen wirkt der Mercedes richtig aufgeweckt. Auch wenn hier Geräusch- und Abrollkomfort ebenso gut gelungen sind, lässt man es im straffen Schwaben auch gern mal zügiger angehen. Die Standardsitze könnten für diese Klasse aber etwas größer bemessen sein und mehr Seitenhalt bieten.

 

MOTOR/GETRIEBE

Fünf Zylinder bei Volvo, vier bei der Konkurrenz

Der erste Blick in die Tabelle zeigt es: BMW hat nachgelegt. Die beliebteste Motorvariante des X3 bekommt im neuen Jahrgang statt 184 PS nun 190 PS und statt 380 nun 400 Newtonmeter Drehmoment. Im Alltag wird man das Leistungsplus kaum merken, wohl aber den beruhigten Motorlauf. Vom teilweise kernigen Dröhnen des Vorgängers ist hier kaum noch etwas zu hören.

Und zusammen mit der pefekt arbeitenden Achtstufen-Automatik von ZF zeigt sich diese Antriebskombination auf ganzer Linie mustergültig. Nimmt der leichtere Tiguan dem BMW X3 Facelift beim Sprint auch ein paar Zehntel ab – die Gelassenheit des bayerischen Antriebs lässt der Wolfsburger etwas vermissen.

Sein Siebengang-DSG reagiert nervöser auf Gasbefehle, die Leistung entfaltet sich nicht ganz so harmonisch, und bei höheren Drehzahlen spielt sich der 2.0 TDI etwas zu rauh in den Vordergrund. Da gefällt schon eher der bullig markante Fünfzylinder-Sound des Volvo, der seine Kraft aus 2,4 Litern Hubraum schöpft. Bei den Fahrleistungen kann der große Schwede aber nicht mithalten.

Der Mercedes GLK hingegen schon. Obendrein entpuppt sich dessen 2,2-Liter-Langhuber zusammen mit der gediegenen Siebenstufen-Automatik als absolut souverän und unauffällig – auch beim Verbrauch. Zusammen mit dem Tiguan reichen dem Schwaben 7,6 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Der Volvo genehmigt sich im Schnitt acht Liter. Der BMW braucht nur 7,4 Liter. Bestwert.

 

FAHRDYNAMIK

Selbst die Schwergewichte sind erstaunlich agil

Der Eindruck im Alltagsverkehr täuscht nicht. Alle vier Kompakt-SUV vermitteln selbst im Grenzbereich ein absolut sicheres Fahrgefühl. Weder beim Bremsen, noch in der Slalomgasse offenbart hier jemand Schwächen. Schnellster in zügigen Wechselkurven ist der BMW, dessen Lenkung sich perfekt dirigieren lässt und eine superbe Rückmeldung liefert.

Die strengsten elektronischen Fesseln trägt der GLK, der ohne ESP sicher noch etwas zackiger um die Pylonen zirkeln würde. Auf dem Handlingkurs holt der Schwabe, der mit nahezu zwei Tonnen Leergewicht übrigens der Schwerste im Testfeld ist, aber wieder ordentlich auf – der sehr guten Lenkung und der straffen Fahrwerksauslegung sei Dank. Er liegt wie ein Brett auf der Straße und brilliert obendrein mit den kürzesten Bremswegen (33,4 und 33,7 Meter).

Auf seinen verbrauchsoptimierten Reifen (Continental Eco Contact 5) kann der Volvo da nicht ganz mithalten. Zudem neigt sich der Schwede in engen Kurven auch stärker zu Seite. Und seine leichtgängige und indirektere Lenkung eignet sich eher für die komfortable Gangart. Langsam ist er deswegen auf keinen Fall.

Regelrecht fliegen lässt es der Tiguan auf dem abgesperrten Handlingparcours. Mit gut 1,7 Tonnen wirkt er in diesem  Umfeld  wie ein Leichtgewicht. Und weil das Lenkrad auch kleiner und leicht-gängiger ist, gibt er sich insgesamt viel handlicher als die Konkurrenten. Motor und Getriebe haben so leichtes Spiel, den Wolfsburger auf Trab zu bringen. Sodass er am Ende sogar eine Sekunde vor dem BMW über die Ziellinie rollt.

Den meisten Spaß hinterm Steuer hat man dennoch mit dem Bayern. Das dicke, ultrapräzise Lenkrad in den Händen können versierte Fahrer in schnellen Kurven durch gezielte Lastwechsel sogar das Heck leicht zum Mitlenken überreden.

 

UMWELT/KOSTEN

Im Premiumumfeld ist der Tiguan ein Schnäppchen

Einen VW Tiguan mit Zweiliter-Dieselmotor bekommt man schon für 26.675 Euro. Sollen es aber Allradantrieb, DSG und die stärkste Variante mit 177 PS sein, beginnt das Angebot erst bei 35.725 Euro. Dafür sind bei diesem Preis schon 17-Zoll-Alus, Sportsitze sowie etliche Komfortextras serienmäßig an Bord. Die Preislisten der Premium-Konkurrenten beginnen mit vergleichbarem Antrieb erst etwa 7000 Euro weiter oben.

Der neue X3 xDrive20d – mit dem Facelift wieder etwas teurer geworden – und der GLK 220 CDI 4MATIC sind von Haus aus immerhin mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Reifendruckkontrolle und USB-Anschluss ausgerüstet. Dafür muss man bei ihnen mit teureren Versicherungseinstufungen rechnen.

Auch Volvo-Fahren ist nicht unbedingt günstig. Vor allem weil einige wichtige Ausstattungen wie das adaptive Fahrwerk oder Ledersitze andere Extras wie Xenonlicht oder Sitzheizung nach sich ziehen, wird es sehr schnell sehr teuer – wie der bewertete Preis des getesteten Volvo XC 60 D4 AWD mit stolzen 48.210 Euro belegt.

 

FAZIT

Die Punktewertung zeigt es eindeutig - alle vier Kontrahenten knacken locker die 3000er-Marke und beweisen sich damit als perfekte Allrounder und rundum empfehlenswerte SUV.

An der Spitze des Quartetts steht der neue BMW X3 2014, den die Bayern genau an den richtigen Stellen sorgfältig verfeinert haben. Mit viel Platz, reichlich Komfort und lupenreiner Fahrdynamik stößt er hier den nicht minder schlechten Tiguan vom Thron. Der ist zwar bei der Sicherheitsausstattung nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit, behauptet sich am Ende aber als Preis-/Leistungs-Sieger.

Deutlich teurer, aber ebenso vielseitig präsentiert sich der Mercedes, der vor allem mit den besten Bremswerten punktet. Für den zweiten Platz reicht es dennoch nicht ganz - auch wenn die Antriebseinheit im GLK 220 CDI überaus kultiviert ist.

Ebenfalls nicht ganz billig und im Vergleich zu den anderen etwas schwerfälliger wirkt der ausgereifte Volvo XC 60. So bleibt ihm schließlich nur der undankbare vierte Rang.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Markus Schönfeld

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