Audi/BMW/Mercedes/Range Rover: Vergleich Vier rivalisierende Kompakt-SUV

17.12.2015

Der frische Range Rover Evoque TD4 legt sich mit dem Audi Q3, dem Mercedes GLA und dem neuen BMW X1 an. Vergleich des Premiumquartetts.

Kein Zweifel: In der SUV-Szene ist mächtig was los. Alle Hersteller strengen sich an, die Erfolgswoge bloß nicht verebben zu lassen – speziell im Premium-Segment, wo das Geld der Kunden lockerer sitzt, aber auch die Ansprüche besonders hoch sind. Kaum ist der neue BMW X1 auf dem Markt, bringen die Engländer den aufgefrischten Range Rover Evoque mit neuem Dieselmotor. In Stuttgart hat man dem A-Klasse-Derivat GLA ein adaptives Fahrwerk spendiert, und auch Audis Q3 steht seit Anfang des Jahres facegeliftet beim Händler. Grund genug für einen ausgiebigen Vergleichstest.

 

Kompakt-SUV liegen im Trend

Auch ein Designer-Stück wie der Range Rover Evoque muss sich auf seine Karosseriequalitäten überprüfen lassen. Damit wären wir flugs beim Raumangebot, dass zumindest vorn nahezu fürstlich ausfällt. Die Fondpassagiere können ebenfalls kaum klagen. Der BMW bietet dort aber eine noch üppigere Kopffreiheit. Am anderen Ende der Skala wartet der knapp geschnittene Mercedes GLA. Sein Kofferraum fasst maximal nur 1235 Liter, die der Konkurrenten dagegen zwischen 1365 (Audi) und 1550 Liter (BMW). Auch die Zuladung fällt mit 456 Kilogramm etwas niedriger aus als bei den anderen drei. Spitzenreiter ist der Audi mit 517 Kilogramm. Immerhin kann der Stuttgarter mit ordentlicher Variabilität punkten: So steht für die Baumarkt-Tour optional eine klappbare Beifahrersitzlehne zur Verfügung. Der BMW hat ihm jedoch darüber hinaus noch eine serienmäßige dreigeteilt klappbare Rückenlehne voraus. Die Bedienung verläuft hier wie dort problemlos. Der Mercedes verlangt aufgrund seiner verschiedenen Menü-Ebenen aber anfangs eine etwas intensivere Beschäftigung. Top-Modern: Die Betriebsanleitung liegt digital vor, sofern man die 3511 Euro für das Multimedia-System Comand online ausgibt. Für die Telefonkopplung braucht der Audi länger als die Rivalen, während es im Range Rover den Bedientasten rings um den Bildschirm bei der Betätigung an haptischer Rückmeldung fehlt. Top wie immer: Der neue X1 mit iDrive. Bei der Sicherheitsausstattung kann sich der BMW insgesamt am besten in Szene setzen – auch wenn ihm die Option auf einen Spurwechselassistenten fehlt. Ihm folgt dichtauf der Range Rover, der allen den serienmäßigen Spurhalteassistenten voraus hat. Ärgerlich: Nur Audi bietet einen Fernlicht-Assistenten einzeln an (135 Euro). Bei den anderen Kandidaten sind teure Paketlösungen fällig. Das Thema Qualität und Verarbeitung behandeln die vier Kompakt-SUV mit großer Sorgfalt. Der Audi glänzt bis in den letzten Winkel mit hoher Materialgüte und Passgenauigkeit, BMW und Mercedes rangieren knapp dahinter, während der Range Rover im Detail noch Raum für Verbesserungen zeigt, etwa bei seiner nicht spielfrei montierten A-Säulenverkleidung.

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Das Thema SUV wird vielerorts mit, sagen wir mal, überschaubarem Federungskomfort gleichgesetzt. Davon kann im Fall des Testquartetts aber nicht die Rede sein. Hier zeigt der Mercedes, wie ihm das neue adaptive Fahrwerk zugute kommt: Er federt sensibel an – viele straßenbauliche Nachlässigkeiten verebben unbemerkt in seinem Feder-Dämpfer-Werk. Auf kurzen Bodenwellen sackt er an der Hinterachse aber stärker ein als die Konkurrenten. Das können BMW und Audi, beide ebenfalls mit adaptiven Fahrwerken ausgerüstet, deutlich besser. Kleiner Schönheitsfehler des Ingolstädters: Kommen ihm einseitig Querkanten oder Kanaldeckel unter die Räder, löst das Überfahren eine leichte Rührbewegung um die Längsachse aus. So etwas kennen Range Rover-Piloten nicht. Dafür reagiert der Engländer dort, wo zum Beispiel der Autobahn-Asphalt nicht topfeben ist, mit ständigen leichten Aufbaubewegungen. An der Zuladungsgrenze liegt der BMW immer noch wie ein – allerdings in Watte gelagertes – Brett, dicht gefolgt vom Range Rover. Audi und Mercedes zeigen, wie schnell sie auf kurzen Bodenwellen an der Hinterachse ihren Federweg aufbrauchen und schlagen vereinzelt durch. Einseitige Querkanten führen beim GLA darüber hinaus zu deutlich spürbaren Vertikalbewegungen der Karosserie. Mit körpergerechter Kontur und mannigfaltigen Einstellungsmöglichkeiten empfehlen sich die aufpreispflichtigen Sportsitze im BMW am ehesten für Langstrecken, während das Range Rover-Gestühl vor allem auf der Sitzfläche etwas zu nachgiebig wirkt. Mitreisenden im GLA-Fond mangelt es wiederum deutlich an Oberschenkelauflage. Ergonomisch überzeugt der X1 am besten. Punkte sammelt er mit dem aus dem Handgelenk bedienbaren iDrive-System sowie der niedrigsten Ladekante im Test. Sehr gut: Als einziger liefert Range Rover eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik aufpreisfrei ab Werk.

Unter den Motorhauben schlagen Diesel-Herzen

Als neue Antriebsquelle für den Briten kommt mit dem Facelift der 2,0-Liter-Ingenium-Diesel zum Einsatz. 180 PS und 430 Newtonmeter sind eine beachtliche Ausbeute, die beim Testwagen mit der optionalen Neunstufen-Automatik kombiniert wird. Das kultivierte Aggregat gefällt mit spontanem, druckvollem Antritt. Und auch die blitzschnell, aber nicht immer ruckfrei agierende Automatik sorgt dafür, dass keine Müdigkeit aufkommt. Trotz der gefühlten Lebhaftigkeit sprechen die Messwerte eine andere Sprache: Mit 9,4 Sekunden von null auf 100 km/h und maximal 200 km/h bildet er das Schlusslicht. Hier fordern die Aerodynamik des hochbeinigen Engländers und das höchste Leergewicht (1864 kg) offenkundig ihren Tribut. Im Mercedes verrichtet ein unter Last recht knurrig wirkender 2,1-Liter Diesel mit 177 PS seinen Dienst. Er spricht deutlich träger an als der englische Selbstzünder, und auch das serienmäßige Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe hat die Ruhe weg. Es reagiert zwar im Sportmodus zackiger, dafür muss man dann aber ein höheres Drehzahlniveau in Kauf nehmen. Mit 190 PS stellt der Diesel im X1 die Leistungsspitze innerhalb des Quartetts dar. Damit wirkt der BMW im Vergleich am spritzigste  und stürmt wie von der Tarantel gestochen los. Nur 7,6 Sekunden vergehen bis zur 100 km/h-Marke, erst bei 216 km/h ist Schluss. In Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit liegt der Audi mit dem BMW gleichauf, doch glänzt der handgeschaltete Ingolstädter mit einer Spur mehr Laufkultur. Federn lässt der Audi gegenüber dem BMW jedoch bei der Beschleunigung in höheren Geschwindigkeitsbereichen: So verliert er gegenüber diesem bei der Messung bis 160 km/h fast zwei Sekunden. Beim Spritkonsum zeigt sich der Mercedes mit 6,5 Liter Diesel auf 100 km an sparsamsten. Audi und BMW brauchen zwischen 0,5 und 0,7 Liter mehr. Mit acht Litern ist der Evoque der Durstigste.

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Dank variabler Sportlenkung und adaptiver Dämpfer lässt sich der X1 mit Schwung und bester Zielgenauigkeit, in Kurven jeglicher Art werfen. Neutral bis leicht untersteuernd bleibt er am Ball und bereitet mächtig Fahrspaß. Ein ähnliches Fahrerlebnis bietet auch der Audi. Leichte Lastwechselreaktionen unterstützen den Eindruck von Handlichkeit in Kurven. Jedoch liefert seine Lenkung nicht ganz so viel Rückmeldung wie die des BMWs. Und auch in puncto Bremspedalgefühl und Bremsleistung hat der Ingolstädter gegenüber dem Münchner das Nachsehen. Dafür erlaubt seine haftstarke 19-Zoll-Bereifung etwas höhere Kurvengeschwindigkeiten. Auch der GLA rollt neben den adaptiven Dämpfern mit einer Sport-Direktlenkung zum Test. Damit wirkt er zwar auf kurvigem Terrain ebenfalls sehr behände, kann aber im Grenzbereich seine Tendenz zum Untersteuern nicht verhehlen. Seine Bremswege (kalt: 36,3 Meter, warm: 36,1 Meter) sind für sich betrachtet zwar nicht schlecht. Im direkten Vergleich mit denen der Konkurrenten bildet er jedoch das Schlusslicht. Dank Allradantrieb sind Traktionsprobleme für keinen der Kandidaten ein Thema. Für seine vier angetriebenen Räder hält der Range Rover mit dem serienmäßigen Terrain Response-System vier Offroad-Programme bereit, mit denen die Haldexkupplung die Antriebskraft je nach Bedarf zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt. Im Verbund mit der üppigen Bodenfreiheit (21,5 Zentimeter vorn, 24 Zentimeter hinten) zeigt sich, dass der Brite durchaus auch fürs Abenteuer taugt. Auf dem Asphalt ist in fahrdynamischer Hinsicht jedoch Kompromissbereitschaft gefragt. Zwar bremst er mit seinen 19-Zöllern und den optionalen größeren Bremsscheiben dramatisch besser als alle zuvor getesteten Evoque, allerdings mahnen aber starke Aufbaubewegungen in Wechselkurven und eine Lenkung, die mit zunehmendem Lenkeinschlag gefühlloser wird, eher zu Gelassenheit. Auf Bremsen in Kurven reagiert er je nach Situation völlig überraschend mit kaum wahrnehmbarer Verzögerung.

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In der testrelevanten Ausstattung ist der Range Rover der teuerste Kandidat. Hinzu kommen bei ihm die üppigsten Versicherungsprämien. Dies zeigt, dass Evoque Fahren nicht nur ein exklusives, sondern auch ein finanziell aufwändiges Vergnügen ist. Am anderen Ende rangiert der Audi mit dem niedrigsten bewerteten Preis, den besten Garantien und den günstigsten Prämien für die Assekuranzen. Der Mercedes wiederum punktet mit den kleinsten Kraftstoffkosten. Abgesehen davon gilt allerdings: Die vier Trendmobile aus dem Premium-Segment haben alle ihren Preis.

Technische Daten Audi Q3 BMW X1
Motor 2.0 TDI clean diesel quattro xDrive20d
Zylinder/Ventile pro Zylin. 4/4; Turbodiesel 4/4; Turbodiesel
Hubraum 1968 cm³ 1995 cm³
Leistung
bei
135 kW/184 PS
3500 – 4000 /min
140 kW/190 PS
4000 /min
Max. Drehmoment
bei
380 Nm
1800 3250 /min
400 Nm
1750 – 2500 /min
Getriebe 6-Gang,
manuell
8-Stufen-Automatik
(Option)
Antrieb Allrad,
permanent
Allrad,
permanent
Höchstgeschwindigkeit 219 km/h 219 km/h
Grundpreis 37.900 € 40.350 €

Technische Daten Mercedes GLA Range Rover Evoque
Motor 220 d 4MATIC TD4
Zylinder/Ventile pro Zylin. 4/4; Turbodiesel 4/4; Turbodiesel
Hubraum 2143 cm³ 1999 cm³
Leistung
bei
130 kW/177 PS
3600 – 3800 /min
132 kW/180 PS
4000 /min
Max. Drehmoment
bei
350 Nm
1400 – 3400 /min
430 Nm
1750 /min
Getriebe 7-Gang,
Doppelkupplung
9-Stufen-Automatik
(Option)
Antrieb Allrad,
permanent
Allrad,
permanent
Höchstgeschwindigkeit 215 km/h 200 km/h
Grundpreis 39.562 € 41.550 €

Unser Fazit

Der neue BMW X1 xDrive20d entscheidet diese Testrunde klar für sich. Viel Platz, zahlreiche Sicherheitsfeatures, ein toller Antrieb, guter Komfort und die von der Marke erwartete Fahrdynamik überzeugen und zeigen, dass die Münchner ganze Arbeit geleistet haben. Dahinter landet der knapp geschnittene Audi Q3 2.0 TDI quattro. Sein Motor ist noch etwas sparsamer, sein Geräuschkomfort noch etwas besser als der des BMW. Auch kostenseitig überzeugt er. Der drittplatzierte Mercedes GLA 220 d 4MATIC ist wegen seines Konzepts näher am Pkw als am klassischen SUV. Das bedeutet aber auch eine kleinere Karosserie mit weniger Platz. Durch das adaptive Fahrwerk hat er an Federungskomfort gewonnen, kann die Rivalen aber nicht überflügeln. Sein Trumpf ist der sparsamste Motor. Der Range Rover Evoque TD4 bringt, was bei SUV eher selten ist, eine ordentliche Geländeeignung mit. Trotz des neuen Triebwerks gelingt dem Briten aber nicht mehr als der vierte Platz. Im Antriebskapitel, bei der Fahrdynamik und den Kosten fällt er deutlich zurück.

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