BMW 125i Cabrio 2012 im Fahrbericht Es war mir ein Vergnügen

14.04.2012

BMW verrentet den Sechszylinder-Sauger. Sein seidiges Summen wird uns fehlen – Zeit für eine Abschiedstour

Dem Anlass angemessen trägt der Testwagen Schwarz. Mit geschlossenem Dach gar nicht mal so nervend rauschend, hat er mich von Köln nach München getragen und dabei trotz mancher Eil-Etappen kaum mehr als zehn Liter Super verbraucht. Nun sind wir am Starnberger See angekommen, der zugefroren in der Sonne schillert. Vom Steg aus ein Blick auf den geöffneten 1er und ein unschöner Gedanke: Du also bist einer von drei BMW, die man heute noch mit jenem Motor kaufen kann, der den Bayerischen Motorenwerken Weltruhm einbrachte. „Nothing beats Inline-Six“ – ein Anstecker am Jackett eines netten BMW-Ingenieurs, wie lang ist das schon her, kommt mir in den Sinn.

 

sixpack: So richtig BMW

Reihensechszylinder mit ihrem perfekten Massenausgleich gehören seit den 30er-Jahren zu BMW wie der Schaum aufs Weißbier. Ihr seidiger Lauf, ihr turbinengleiches Summen, ihr Jubilieren beim Hochdrehen und ihr elastisches Wesen machte einen BMW für viele erst zum BMW. Das BMW 125i Cabrio demonstriert es auf anrührende Weise. Nach dem Start verfällt der Dreiliter in einen runden, von weichem Grummeln begleiteten Leerlauf, packt bereits bei wenig Gas stämmig an und wirkt schon unter 2000 Umdrehungen hellwach.

Leichtfüßig treibt er die Drehzahlmessernadel vor sich her, scheint zu atmen und zu pulsen. Im Schubbetrieb bollert er kurz und dezent einmal aus den Endrohren. Pure Lebensfreude eben.

In den oberen drei Gängen strömen wir unter blauem Himmel über Land, entlocken den 218 PS mit jedem kleinen Gasbefehl neue Töne, die als sanfte Welle vom Heck her ins Cockpit schwappen.

Der agile BMW 1er und der Sixpack harmonieren prächtig. Schnell passt der Rhythmus aus Bremsen, Schalten, Gasgeben, Lenken, Hören auf diesen Sträßchen rund um Penzberg, Oberbuchen oder Obersöchering. Nicht verkniffen, sondern locker und elegant.

Wenn das BMW 1er Cabrio und das aktuelle 1er Coupé demnächst abgelöst werden und wenn auch der 530i abgewickelt wurde, ist Schluss mit lustig. Dann ist der klassische Sauger, der den Einstieg in die Sechszylinder-Welt diesseits der 300 PS ermöglicht, Geschichte.

Seinen Part, so hat der Vorstand entschieden, übernehmen Vierzylinder-Turbos. Die Drehmomentkurven dieser vorgeblichen Effizienz-Genies mit dem im Alltag eher geringen Verbrauchsvorteil sind füllig, drehen können sie auch. Doch klingen? Nein, nicht so fein wie die technische Naturschönheit Inline-Six.

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Es dunkelt schon, als wir schnurrend vor die BMW-Hauptverwaltung rollen. Die Fenster des sinnigerweise Vierzylinder genannten Hochhauses, in dem der Sechszylinder- Sauger per Kopfentscheidung verrentet wurde, spiegeln sich weich auf der Motorhaube, unter der es leise knistert.

Jedem Tropfen Benzin muss es eine Ehre gewesen sein, in diesem Motor zu verglühen. Seine Fans verneigen sich dankbar vor dem klassischen BMW-Sechser. Und mit ihnen auch:
Michael Harnischfeger

AUTO ZEITUNG

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