BMW: Neue Kompakte mit Frontantrieb Kleine Revolution

28.04.2010

BMW gibt grünes Licht für eine neue Frontantriebs-Generation unterhalb und neben der 1er-Modellreihe. Und auch die Mini-Nachfolger profitieren von der hochflexiblen Fahrzeug-Architektur

Spekuliert wird seit Monaten über das geheime Zukunftsprojekt: BMW plant kleine Frontantriebsmodelle unterhalb und neben der 1er-Familie. In der AUTO ZEITUNG konnten Sie sogar schon einige Details lesen. Doch jetzt machen die Bayern wirklich ernst, das Thema ist im Vorstand abgesegnet, und seine Dimensionen sind viel größer als vermutet. „Wir entwickeln eine völlig neue Fahrzeugarchitektur“, sagt Entwicklungsvorstand Klaus Draeger. Und die, gleichermaßen ausgelegt für Front- und Allradantrieb, könne „sowohl von künftigen BMW-Modellen und gleichzeitig von der Nachfolge-Generation des Mini genutzt werden“.

Natürlich haben die aktuellen Käufertrends das Projekt beflügelt. Schicke, kleine Autos sind en vogue, so ist mittlerweile aus allen europäischen Märkten, aber auch aus Übersee zu hören. In diesem Zusammenhang dürfte auch Audis massives Engagement für den neuen Prestige-Kleinwagen A1, der im August startet und zur Modellfamilie ausgebaut werden soll, die Münchener motiviert haben. Hinzu kommen die sich verschärfenden Abgasnormen, deren Überschreitung in einigen Regionen künftig mit Strafzahlungen geahndet wird. Im Übrigen ist die 1er Reihe für die coolen, jungen Städter, die man bei BMW gern als Kunden hätte, als Einstiegsdroge längst zu teuer: Unter den 21.100 Euro für den Dreitürer läuft hier nichts. Von feinen Extras ganz zu schweigen.

Bis zu zehn neue Modelle
Da kommen neue Einstiegs-Modelle gerade richtig, zumal BMW hier tatsächlich in überraschend großen Dimensionen plant. Denn hinter dem Projekt mit dem schlichten Code „UKL“ („Untere Klasse“) verbirgt sich eine hochflexible Frontantriebsarchitektur für mindestens zehn neue Zukunftsmodelle von BMW und Mini, die in der Summe mal auf Jahresstückzahlen von bis zu 500.000 Einheiten kommen sollen. Das garantiert niedrige Herstellungskosten – und attraktive Verkaufspreise.

Beginnen wir mit den BMW-Modellen: Das Karosserie-Format der neuen Fronttriebler liegt im Bereich von VW Polo und Audi A1 (beide 3,95 Meter) und reicht sogar bis zur VW Golf-Größe (4,20 Meter). Geplant ist nämlich eine Standardlänge von rund vier Metern – variabel ausbaufähig auf bis zu rund 4,25 Meter. Frontantrieb wie im Mini, denn technisch und fahrdynamisch, so Draeger, mache der Heckantrieb in dieser kleinen Klasse „wenig Sinn“.

Den Startschuss für die neue Modellreihe hat BMW für 2014 terminiert, und zu den ersten Neuen zählt ein schnittiges Sportcoupé mit großer Heckklappe – flach, breit, angriffslustig. „Das wird unser zugkräftiger Einsteiger, und da brauchen wir was richtig Emotionales“, kommentiert ein BMW-Manager.

Erste Designentwürfe des Fünfsitzers kursieren bereits, und bei den Motoren hat BMW freie Wahl. Erst einmal nutzen die Münchener die 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner aus der Kooperation mit PSA (Peugeot/Citroën), bestens bekannt aus dem aktuellen Mini. Sie dürften ein Spektrum von 100 bis 200 PS abdecken und werden derzeit für die Euro-6-Norm fitgemacht.

Kleiner Roadster in Sicht
Alternativ bieten sich zu diesem Zeitpunkt auch schon erste Vertreter der neuen hauseigenen Direkteinspritzer-Baureihe an. Etwa der dreizylindrige, bis zu 163 PS starke 1,5-Liter-Turbodiesel, den BMW in der IAA-Studie „Vision EfficientDynamics“ zeigte. Den gibt es dann natürlich auch in niedrigeren Leistungsstufen bis runter zu 100 PS. Zudem sind gleichdimensionierte Benziner geplant, mit einfacher und doppelter Turboaufladung  – bis zu 200 PS stark.

Weitere Karosserieversionen sind schon avisiert. Auf der technischen Basis des Einstiegsmodells ist zum Beispiel ein kleiner Stoffdach-Roadster vorgesehen, der dann unterhalb des Z4 rangieren würde.

Eigentliche Überraschung der neuen Fronttriebler-Modelle ist jedoch das „raumfunktionale Konzept“ (Draeger). Nein, das sei um Himmelswillen kein braves Hochdach-Familienauto, heißt es in München, schon das Wort Van steht bei BMW seit Jahren auf dem Index. Das werde ein höherbauender, sportlicher Verwandlungskünstler, passend für jeden Laufsteg, jeden Freizeitspaß. Quasi ein kleiner GT. Erstmals gibt es hier eine variable, voll versenkbare Rücksitzbank – Premiere bei BMW.

Dazu ein überdurchschnittliches Raumangebot, denn dieses Alleskönner-Auto, das ebenfalls schon 2014 starten könnte, wächst etwa auf das Format des heutigen 1er – voraussichtlich auf rund 4,25 Meter. Auf Wunsch gibt es Allradantrieb und für die Generation iPod das komplette Multimedia-Programm – inklusive Internetzugang und Daten-Synchronisation zwischen Handy und bordeigenem iDrive-Bediensystem. Im Übrigen sind auf der neuen Architektur weitere Modelle denkbar – vom praktikablen Fünftürer bis zum kleinen Offroader.

Bruderschaft mit MIni
Fehlt nur noch die Entwarnung für die Freunde des BMW-typischen Heckantriebs. Denn die neuen Fronttriebler und die Mini-Nachfolger bieten ein fahrdynamisches Highlight. Sie bekommen das in Kooperation mit dem Getriebehersteller Getrag entwickelte TWINSTER-System, das über zwei hydraulisch geregelte Kupplungen die Antriebskraft des Motors bedarfsgerecht auf die beiden Vorderräder verteilt, und zwar unabhängig voneinander. Für schärfere Kurvenhatz erhält das kurvenäußere Rad mehr Antriebskraft, und bei Glätte wirkt das System wie ein Sperrdifferenzial.

Wie erwähnt, werden auch die Mini-Nachfolger, die 2014 starten, die UKL-Architektur nutzen, mit zum Teil identischen Fahrwerksteilen. Das bringt hier ebenfalls Möglichkeiten für weitere Ableger: So ist nun auch für Mini ein „raumfunktionales Konzept“ geplant. „Die vielseitige Einsetzbarkeit eines solchen Modells würde gut zur Philosophie dieser Marke passen“, findet Draeger. Wir zeigen die erste Designidee: kürzerer Vorbau, vorgezogene Frontscheibe, aber typisch gerade Mini-Dachlinie. Verkaufsstart? Mitte 2015.

Nächste Überraschung: Mini plant für die Nachfolgegeneration sogar einen ultrakompakten „Mini-Mini“ – auch dieses Projekt hat grünes Licht. Es geht um eine knuffige Kurzversion, einen 2+2-Sitzer mit etwa 3,50 Meter Außenlänge – er ist so rund 20 Zentimeter kürzer als der aktuelle Standard-Mini.

Bevor es aber soweit ist, gibt es bei Mini in der aktuellen Generation noch zwei feine Kleine: Schon Mitte 2011 starten nach neuesten Informationen das zweisitzige Coupé und der scharfe Roadster – beide wurden als Studien auf der Frankfurter IAA gezeigt. Schön, dass sie im Design nahezu 1:1 in die Serienversion umgesetzt werden sollen.
Wolfgang Eschment

AUTO ZEITUNG

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