BMW, Mercedes und Opel: Spritsparer im Test BMW 320d, Mercedes C 220 CDI, Opel Insignia 2.0 CDTI

20.05.2010
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Knausrige und kräftige Diesel schaffen schnell Reichweiten um die 1000 Kilometer und machen so manchen Tankstopp überflüssig. Die neuesten Spritspar-Angebote von BMW, Mercedes und Opel überzeugen nicht nur Geizkragen

Ein neues Entscheidungskriterium hat im Fuhrparkmanagement einiger Unternehmen Einzug gehalten: der Schadstoffausstoß der Dienstwagen. Zwar ist Sparen schon länger in Mode, wie der Turbodiesel-Kürzelsalat auf den Heckklappen der Vertreter-Autos zeigt. Die CO2-Debatte hat dem ganzen Thema aber noch einen Extra-Schub beschert. Wer möchte schon seine Außendienstler gegen Trend und in einer CO2-Schleuder vorfahren lassen? Eben.

Entsprechend haben Modelle, die bei Antrieb und Aerodynamik konsequent auf Umweltfreundlichkeit getrimmt sind, derzeit gute Chancen, einen Parkplatz auf dem Firmengelände zu finden. Hierfür hält BMW den 320d als Fahrbericht BMW 320d EfficientDynamics Edition bereit. Mercedes kontert mit dem C 220 CDI BlueEFFICIENCY, und auch Opel leistet seinen Beitrag mit dem Insignia 2.0 CDTI ecoFLEX. Allesamt verdiente Ökolabels oder gesammelter Etikettenschwindel?

 

Karosserie

Vorn bietet der Opel deutlich mehr Platz als der BMW und der Mercedes. Im Fond verdient sich allerdings keiner der drei das Prädikat „Raumwunder“.

Bei der Bedienung gibt es nur wenig Grund zur Klage. Im BMW wird die Kontrollleuchte für die Scheibenwischerautomatik vom Lenkrad verdeckt, im Mercedes stört der fummelige Ölpeilstab, und im Opel ist die Bestätigung ausgewählter Navifunktionen per Druck auf den Außenring des Drehknopfes nicht der Weisheit letzter Schluss.

Mit 491 Kilogramm Zuladung punktet die Mercedes C-Klasse mit Start-Stopp und Allrad-Vierzylinder in Sachen Praxistauglichkeit (Opel: 461 Kilogramm, BMW: 431 Kilogramm). Mit optionalem Presafe-System, das ein schleuderndes Fahrzeug erkennt und daraufhin vorsorglich die Gurte strafft, Fenster und Schiebedach schließt, sowie mit Ausstattungsdetails wie integrierten Kindersitzen oder einem Fahrerknieairbag zeigen die Stuttgarter, welchen Stellenwert sie der Sicherheit einräumen.

Folglich holt der Mercedes in der Summe hier die meisten Punkte. Innovativ waren auch die Opel-Entwickler: Den Insignia gibt es für 525 Euro Aufpreis mit einer Frontkamera, die Verkehrsschilder erkennt, und einem Spurassistenten.

Was Materialgüte und Verarbeitung angeht, erreicht der Opel zwar ein hohes, aber noch nicht das Premium-Niveau der zugegeben auch teureren Konkurrenz aus Stuttgart und München.

KarosserieMax. PunkteMercedes C 220 CDI BlueEfficiencyBMW 320d EfficientDynamics EditionOpel Insignia 2.0 CDTI ecoFLEX
Raumangebot vorn100747279
Raumangebot hinten100655967
Übersichtlichkeit70424232
Bedienung/ Funktion100838383
Kofferraumvolumen100383641
Variabilität100101020
Zuladung/ Anhängelast80382034
Sicherheit1501099094
Qualität/ Verarbeitung200185187175
Kapitelbewertung1000644599625

 

Fahrkomfort

Die Aufgabe, Passagiere möglichst kommod über verschlissene Straßenbeläge zu befördern, erledigt der 3er BMW, der in dieser Version serienmäßig ohne Runflatreifen daherkommt, ausgesprochen gut. Sensibles Ansprechverhalten paart sich hier mit hohem Schluckvermögen und der Abwesenheit von Fahrwerkspoltern.

Der Mercedes zeigt sich von Bodenwellen und Schlaglöchern ähnlich unbeeindruckt, Kopfsteinpflaster regt seine Karosserie jedoch zu leichtem Zittern an. Ein kleiner Schönheitsfehler, der jedoch verschwindet, sobald der Daimler mit voller Beladung unterwegs ist. Dann leistet das serienmäßige „Agility Control“-Fahrwerk, bei dem sich die Dämpfung automatisch an den Fahrzustand anpasst, Schwerstarbeit – sehr erfolgreich, denn der unter diesen Bedingungen generierte Fahrkomfort ist in diesem Test der beste.

Im „Tour-Modus“ seines adaptiven Fahrwerks beweist der Opel ebenfalls Nehmerqualitäten. Kurz aufeinanderfolgende Frostaufbrüche bringen ihn allerdings etwas aus dem Konzept und offenbaren leichtes Poltern. Vollbeladen stört die Zitterneigung, die seine Karosserie auf Kopfsteinpflaster an den Tag legt. Dafür bietet der Insignia die komfortabelsten Sitze (Premium-Paket, 1890 Euro), lässt aber in der Ergonomie Federn: Die mit Tasten gespickte Mittelkonsole verlangt nach Gewöhnung.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes C 220 CDI BlueEfficiencyBMW 320d EfficientDynamics EditionOpel Insignia 2.0 CDTI ecoFLEX
Sitzkomfort vorn150102106112
Sitzkomfort hinten100626265
Ergonomie150123121115
Innengeräusche50222227
Geräuscheindruck100828272
Klimatisierung50393532
Federung leer200143145138
Federung beladen200148142136
Kapitelbewertung1000721715697

 

Motor und Getriebe

Zwar hat die Sparversion des BMW 320d zwölf PS weniger als die „normale“ Version, dafür aber umso mehr Umwelttechnik an Bord: Zu den bekannten EfficientDynamics-Merkmalen gesellen sich noch eine längere Achsübersetzung, ein geänderter Drehmomentverlauf, eine tiefergelegte Karosserie samt besonders aerodynamischer Alu-Räder und eine auf niedertourige Fahrweise ausgelegte Schaltanzeige.

In der Praxis lässt sich der 163- PS-3er sehr schaltfaul und mit niedrigen Drehzahlen bewegen. Für gute Laufkultur sorgt unterdessen ein schwingungstilgendes Fliehkraftpendel-Schwungrad. Den EU-Verbrauch von 4,1 Litern verfehlt der 3er mit einem Testverbrauch von 5,7 Liter Diesel zwar deutlich, lässt aber dafür nichts von den BMW-typischen Antriebseigenschaften vermissen: Spontanes Ansprechverhalten, gute Gasannahme gepaart mit Drehfreude, gute Fahrleistungen und das knackige Getriebe gefallen.

Der 170 PS starke Mercedes stellt sein Maximaldrehmoment von 400 Nm bereits bei 1400 /min bereit. Das beschert ihm Schub in allen Lagen und macht hohe Drehzahlen entbehrlich. Dort wirkt er ohnehin etwas knurrig. In der Elastizitätsprüfung verweist er die Konkurrenz auf die Plätze und kann sich im Alltag so manchen Gangwechsel mit der hakeligen Schaltung sparen. Beim Verbrauch markiert er aber mit 6,5 Litern auf 100 Kilometern das Schlusslicht. Deutlich weniger dürfte mit einer Start- Stopp-Automatik möglich sein, die im Spätsommer kommt.

Der Fahrbericht Opel Insignia 2.0 CDTI ecoFLEX, mit 160 PS Schwächster im Test, lässt zwar bei Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit objektiv betrachtet keine Wünsche offen (null bis 100 km/h in 9,0 Sekunden, 221 km/h Höchstgeschwindigkeit), die längere Achsübersetzung gegenüber herkömmlichen Insignia-Modellen sorgt aber für die schlechtesten Elastizitätswerte im Vergleich. Leichtlaufreifen und ein verkleideter Unterboden helfen, den Verbrauch immerhin auf 6,1 Liter pro 100 Kilometer zu drücken. So reicht dem Rüsselsheimer eine Tankfüllung (70 Liter) für satte 1147 Kilometer. Der Mercedes (59 Liter) bringt es auf 907, der BMW schafft mit seinem 61-Liter-Tankvolumen 1070 Kilometer.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes C 220 CDI BlueEfficiencyBMW 320d EfficientDynamics EditionOpel Insignia 2.0 CDTI ecoFLEX
Beschleunigung150116118109
Elastizität100807167
Höchstgeschwindigkeit150777469
Getriebeabstufung100838475
Kraftentfaltung50373634
Laufkultur100697162
Verbrauch325258274266
Reichweite25182224
Kapitelbewertung1000738750706

 

Fahrdynamik

Auch als Sparmobil ist der 320d ein überaus fahraktives Auto. Die präzise Lenkung und das kurvengierige, leichtfüßige Handling sorgen für Fahrfreude. Mit den relativ schmalen Energiesparreifen fällt er mit warmer Bremse zwar hinter die Rivalen zurück, dafür lässt sich seine Bremse am besten dosieren.

Bei der Verzögerungsleistung liegt dagegen der Mercedes mit seinen optionalen 17-Zöllern im 225/45er-Format (619 Euro) vorn. Aus 100 km/h kommt er bis zu 1,7 Meter früher zum Stillstand als BMW und Opel. Im Handling fällt die C-Klasse aber hinter den BMW zurück, denn ihre Lenkung erfordert relativ große Lenkwinkel und liefert weniger Rückmeldung. Dafür bleibt sie auch im Grenzbereich frei von Überraschungen und ihre Karosserie zeigt weniger Seitenneigung als die des BMW.

Der Insignia, einziger Fronttriebler im Test, müht sich in Kurven zuweilen mit Traktionsproblemen. Im Sportmodus seines adaptiven „FlexRide Premium“-Fahrwerks (930 Euro) lenkt er zwar agil ein, doch verlangt das Volant nach relativ hohen Haltekräften. Auch wäre etwas mehr Fahrbahnkontakt wünschenswert. Dennoch ist der Opel sehr fahrsicher, aber auch etwas schwerfälliger als 3er und C-Klasse.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes C 220 CDI BlueEfficiencyBMW 320d EfficientDynamics EditionOpel Insignia 2.0 CDTI ecoFLEX
Handling150697863
Slalom100566556
Lenkung100707869
Geradeauslauf50413842
Bremsdosierung30152017
Bremsweg kalt150867978
Bremsweg warm150887273
Traktion100474739
Fahrsicherheit150130127130
Wendekreis20161310
Kapitelbewertung1000618617577

 

Umwelt und Kosten

Mit der AZ-Normausstattung ist der Insignia 8375 Euro günstiger als der Mercedes und immer noch gut 6000 Euro billiger als der BMW. Auch im Wertverlust trennen ihn laut DAT binnen vier Jahren und 80 000 Kilometern bis zu 5546 Euro zur Konkurrenz. Bei den Versicherungstarifen ist ebenfalls keiner günstiger. So holt sich der Rüsselsheimer schließlich den Kapitelsieg – trotz hoher Wartungskosten und eines dünnen Garantiepakets. Obwohl in der Premium-Liga unterwegs, überrascht der BMW mit den geringsten Werkstattkosten. Einen Mercedes kauft gemeinhin niemand, der Geld sparen muss. Schließlich sind die Aufwendungen für Anschaffung und Unterhalt entsprechend hoch – und der letzte Platz im Kostenkapitel die Folge.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes C 220 CDI BlueEfficiencyBMW 320d EfficientDynamics EditionOpel Insignia 2.0 CDTI ecoFLEX
Bewerteter Preis675158167201
Wertverlust50161622
Ausstattung25161711
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50272018
Werkstattkosten20141513
Steuer10888
Versicherung40283031
Kraftstoff55424544
Emissionswerte25868787
Kapitelbewertung1000395405435

 

Fazit

Eines zeigt dieser Vergleichstest deutlich: Sparen bedeutet nicht zwingend Verzicht, denn alle drei Kandidaten überzeugen mit ordentlichen Fahrleistungen bei geringen Verbräuchen. Der Mercedes siegt unterm Strich dank seines Komforts, des kräftigen Motors und der guten Bremsen. Dicht dahinter folgt der BMW, der nicht zuletzt wegen des geringsten Verbrauchs das Motor/Getriebe- Kapitel für sich entscheidet. Mit kürzeren Bremswegen wäre gar der Sieg möglich gewesen. Der Opel, kaum durstiger als der BMW, überzeugt mit dem günstigsten Preis. In puncto Motorelastizität, Komfort und Fahrdynamik muss er der Konkurrenz aber den Vortritt lassen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes C 220 CDI BlueEfficiencyBMW 320d EfficientDynamics EditionOpel Insignia 2.0 CDTI ecoFLEX
Summe5000311630863040
Platzierung123

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