BMW M6 gegen SL 55 AMG Duell der Giganten

01.12.2006
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der neue Mercedes SL 55 AMG mobilisiert jetzt 517 PS und 720 Newtonmeter Drehmoment. Weitere tiefgreifende Neuerungen machen ihn nicht nur komfortabler, sondern auch deutlich sportlicher. Ob der aufgerüstete Zweisitzer nun dem 507 PS starken BMW M6 Paroli bieten kann, klärt der Vergleichstest

Von Bescheidenheit ist bei deutschen Automobilherstellern wenig zu spüren. Jede Marke krönt ihre Baureihen mit einem oder mehreren PS-Boliden. Und wenn die Konkurrenz aufholt, wird eben nachgerüstet. Jüngstes Produkt dieses Wettlaufs ist der Mercedes SL 55 AMG. Vor allem die Verbesserung seiner Handlingeigenschaften und zusätzliche 17 PS sollen ihn endlich an die Spitze der Supersportwagen katapultieren. Doch dazu muss der SL 55 AMG erst seine Konkurrenten aus dem Weg räumen. Ein starker Gegner: der BMW M6.

 

Karosserie

Keine Frage, der BMW wirkt nicht nur eine Nummer größer als der Mercedes, er ist es auch. Vor allem in Länge und Breite überragt er den SL 55 AMG. So offeriert der BMW sowohl vorn als auch im Fond mehr Bewegungsfreiheit. Denn der M6 bietet vier Personen, zumindest für kurze Strecken, lederbespannte Sitzplätze. Der Mercedes macht da keine Kompromisse, er ist nur für zwei Personen konzipiert. Und die AMG-Version sitzt wie ein Maßanzug. Alles liegt eng an, aber nichts kneift. Größtes As im Ärmel ist hier die Kombination aus Coupé und Roadster – und das Ablegen der Blechkapuze gelingt so mühelos wie die ganze Bedienung des SL. Alles erklärt sich von selbst und ist ideal platziert. Beim M6 bedarf es ein wenig Gewöhnung, dann kommt man aber selbst mit dem etwas viel diskutierten iDrive-System gut zurecht. Verarbeitungsqualität auf höchstem Niveau bieten sowohl M6 als auch SL 55 AMG. Dennoch überzeugt der Mercedes mit dem Quäntchen mehr Liebe zum Detail. Eine Augenweide ist der Motor des SL mit seinem mittigen Kompressor, der fast ohne Abdeckungen auskommt. Der V10 des M6 versteckt sich leider unter seinem riesigen Luftsammler. Auch die Bremssättel des Mercedes sind ein optischer Genuss – im Gegensatz zu den zwar riesigen, aber wenig ansprechenden Bremsen des BMW. Der Kapitelsieg geht jedoch an den M6. Zwar verwandelt er sich nicht in einen Roadster, aber seine höhere Zuladung und die Möglichkeit, mit vier Personen über die Pisten zu fegen, geben den Ausschlag.

KarosserieMax. PunkteMercedes SL 55 AMGBMW M6
Raumangebot vorn1007380
Raumangebot hinten10020
Übersichtlichkeit705154
Bedienung/ Funktion1009077
Kofferraumvolumen1004053
Variabilität100105
Zuladung/ Anhängelast80418
Sicherheit150106105
Qualität/ Verarbeitung200190185
Kapitelbewertung1000564597

 

Fahrkomfort

Sportwagen sind keine Sänften. Gleichwohl gehören M6 und SL 55 AMG nicht zu den Rüpeln der Gilde. Auf langen Autobahnetappen geben sich beide keine Blöße. Erst auf Landstraßen mit schlecht gepflegten Oberflächen treten deutliche Unterschiede hervor. Hier zeigt sich, dass Mercedes den Spagat zwischen Komfort und Sport besser beherrscht als BMW. Der SL 55 AMG spricht sensibler auf Unebenheiten an und reicht sie deutlich abgemilderter als der M6 an seine Insassen weiter. Auch bei den Sitzen zeigt der edle Schwabe seine Vorzüge – sie lassen sich wie die des BMW optimal anpassen, bieten aber dazu noch eine bessere Eigendämpfung. Leichte Turbulenzen am Variodach und an der Stoßkante der Seitenscheiben des SL sorgen für einen höheren Innengeräuschpegel als im BMW-Coupé mit dem festen Dach. Das ändert jedoch nichts daran, dass der SL 55 AMG die Komfortwertung für sich entscheidet.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes SL 55 AMGBMW M6
Sitzkomfort vorn150140130
Sitzkomfort hinten10023
Ergonomie150120110
Innengeräusche502530
Geräuscheindruck1007475
Klimatisierung504033
Federung leer200159139
Federung beladen200149131
Kapitelbewertung1000707671

 

Motor und Getriebe

Im Bug des bulligen M6 spielt ein V10 mit bis zu 8250 Umdrehungen. Das fünf Liter große Triebwerk produziert Leistung im Überfluss. 507 PS und 520 Newtonmeter Drehmoment werden bei Bedarf auf die Hinterräder losgelassen. Dank des variablen Sperrdifferenzials und zahlreicher elektronischer Helfer bringt der BMW die Kraft für die Beschleunigungsorgie souverän auf die Straße. Oberhalb von 6000 Touren, wenn sich Leistung und Drehmoment voll entfalten, ist der V10 mit seinem Hochdrehzahlkonzept in seinem Element. Jeder Schaltvorgang passt. Hier zeigt dann auch das Siebengang-SMG-Getriebe sein Potenzial. Blitzschnell wechselt es die Gänge. Ohnehin sollte der M6 nur manuell geschaltet werden. Der Automatikmodus nervt mit langen, ruckelnden Schaltpausen. Sanft und schnell schaltet die AMG-Automatik die fünf Gänge rauf und runter. Aber auch beim SL 55 greift man gern manuell über die beiden neuen Schaltwippen in die Gangwahl ein. Ein neuer Drehmomentwandler bewirkt mit seiner kleineren Massenträgheit ein besseres Ansprechverhalten. Ab 2600 Umdrehungen sorgt der Kompressor-V8 für 720 Newtonmeter Drehmoment. In den Messwerten schlägt sich das nicht nieder. Beide Autos sind nach 13 Sekunden auf Tempo 200. Auf Grund seiner bulligen Kraftentfaltung entscheidet der SL das Kapitel knapp für sich.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes SL 55 AMGBMW M6
Beschleunigung150190190
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150120120
Getriebeabstufung1008782
Kraftentfaltung504740
Laufkultur1007782
Verbrauch3256260
Reichweite251210
Kapitelbewertung1000595584

 

Fahrdynamik

Die Komfortstärken des Mercedes verhinderten in der Vergangenheit die Dynamik, die dem Status eines Supersportwagens gerecht wird. Die Lenkung war gefühllos, die Bremsen ließen sich nicht punktgenau dosieren. Das ist Geschichte. Der neue SL 55 AMG beeindruckt mit jedem Kilometer mehr. Die Hände des Fahrers fühlen sich in den Griffmulden des steil stehenden Lenkrads bestens aufgehoben. Selbst enge Spitzkehren auf unserem Handlingparcours erfordern kein Umgreifen. Eine um sieben Prozent direkter übersetzte Lenkung macht es möglich. Zusätzlich wurde die Servounterstützung optimiert, was direkteres Ansprechen bewirkt. Die neue Servopumpe mit höherer Förderleistung verhindert das Verhärten der Lenkung bei schnellen Richtungswechseln. Das sind Neuerungen, von denen alle Mercedes-Modelle profitieren sollten. Mit dieser Lenkung zischt der AMG wie auf Schienen durch die Kurven. Das überarbeitete ABC-Fahrwerk sorgt dabei für nur minimale Seitenneigung – präziser ließ sich noch kein SL dirigieren. Vor allem, wenn das ESP deaktiviert ist, läuft der SL zur Höchstform auf. Allerdings drückt er dann gern mit dem Heck nach außen. Man sollte mit 517 PS und 720 Newtonmetern gut umgehen können. Das gilt auch für den M6. Auch er ist ein Supersportler erster Güte, aber er muss sich im Kampf um die Bestzeit dem SL 55 AMG geschlagen geben. Der BMW verliert den Anschluss an den Mercedes durch seine zu leichtgängige Lenkung und die Untersteuertendenz beim Einlenken. Um der Ideallinie zu folgen, muss der Fahrer oft korrigierend eingreifen. Einmal die Spur gefunden, überzeugt der M6 mit hoher Stabilität, vor allem in schnellen Kurven. In engen Kehren muss sich der Fahrer dem Wechsel vom Unter- zum Übersteuern stellen. Und allzu unbekümmerter Gaseinsatz bei ausgeschaltetem DCS lässt das Heck blitzschnell aus der Reihe tanzen. Beide Supersportler verfügen über standesgemäße Bremsen. Mercedes hat aber auch hier aufgerüstet und eine neue AMG-Hochleistungs-Verbundbremse an der Vorderradachse montiert. Damit kommt der SL 55 AMG aus 100 km/h sowohl mit warmen als auch mit kalten Bremsen in weniger als 35 Metern zum Stillstand. Der BMW braucht für die gleiche Übung gut einen Meter mehr. Der Mercedes SL 55 AMG überzeugt hier voll und ganz, und dies, obwohl gut 200 Kilogramm mehr auf seinen Rädern lasten.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes SL 55 AMGBMW M6
Handling150150146
Slalom1007772
Lenkung1008982
Geradeauslauf504038
Bremsdosierung302319
Bremsweg kalt150142134
Bremsweg warm150144134
Traktion1004654
Fahrsicherheit150110100
Wendekreis20115
Kapitelbewertung1000832784

 

Umwelt und Kosten

Wer in der Lage ist, einen SL 55 AMG oder M6 zu ordern, hat keine Geldsorgen. Der Unterhalt beider liegt auf fast identisch hohem Niveau. Der AMG-Kunde profitiert von den besseren Garantiebedingungen. Der größte Unterschied zwischen den Boliden liegt allerdings im Kaufpreis: Im Vergleich zum fast preiswerten BMW M6 kostet der Mercedes SL 55 AMG über 20 000 Euro mehr. Dafür bekommt man aber auch Coupé und Roadster in einem.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes SL 55 AMGBMW M6
Bewerteter Preis67546116
Wertverlust50
Ausstattung255050
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502714
Werkstattkosten203234
Steuer102326
Versicherung4099
Kraftstoff5588
Emissionswerte257566
Kapitelbewertung1000270323

 

Fazit

Von einem Sieg zu sprechen, wäre hier übertrieben: Der Mercedes SL 55 AMG gewinnt den Vergleich extrem knapp, weil er in den für Sportwagen wichtigen Kapiteln Fahrdynamik und Motor/Getriebe besser ist. Trotz seines Mehrgewichts zieht er auf dem Handlingparcours am M6 vorbei und gefällt auch mit guter Alltagstauglichkeit. Da ist der BMW M6 nicht ganz so ausgewogen. Dennoch ist der Münchner eine überzeugende Fahrmaschine und bietet im Gegensatz zum SL vier Leuten Platz. Sein SMG-Getriebe brilliert im Sport-Modus mit den kürzesten Schaltzeiten. Außerdem ist der M6 viel günstiger als der Stuttgarter.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes SL 55 AMGBMW M6
Summe500029682959
Platzierung12

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