BMW-internes Duelll: Auto gegen Motorrad Weiß-Blauer Ringkampf

10.03.2009

Motorrad und Auto – das sind ganz unterschiedliche Welten. Bei BMW finden wir trotzdem eine Schnittmenge. Und deshalb darf das M3 Cabrio mit dem Rennboxer HP2 Sport auf dem Nürburgring um die Wette fahren

Gewusst? – BMW besteht eigentlich aus zwei charakterlich völlig unterschiedlichen Firmen. Während sich viele BMW-Autos durch unvergleichlich verdichtete Funktion und damit ansteckende Sportlichkeit bei jeder Gangart hervortun, sind Motorräder von BMW eher eine eigenwillige Mischung aus quadratschädliger Kampf-Funktionalität und bis ins Detail eingebläutem Komfort der beinahe orthopädischen Sorte.

Unter Bikern gelten die BMW-ler als rauschebärtige, hosenträgerspannende Meilenfresser. Genau dieses brave Bürger-Image mit zielsicher älter werdendem Käufer-Profil war den BMW-Motorrad-Jungs ein stetiger Dorn im Auge. Der Dynamisierung des Motorrad-Portfolios sollte also nichts mehr im Weg stehen.

Bis auf eine für das Markenprofil von BMW Motorrad nicht ganz unerhebliche Altlast: Zweizylinder-Boxermotoren prägen BMW-Motorräder entscheidend, die links und rechts wuchtig abstehenden Ohren gelten als Mittelpunkt der BMW-Motorrad-Welt.

Das Problem mit dem Boxer
Und eben dieser luftgekühlte Boxer ist unter Performance-Gesichtspunkten ein ausgeprägter Denkfehler: In extremer Schräglage schrammen die Zylinderköpfe am Asphalt, die Luftkühlung setzt dem Leistungswachstum enge thermische Grenzen, und das ganze Rein-und-Raus von Benzin, Luft und Abgas gestaltet sich am Boxer in jeder Beziehung etwas aufwendiger als bei einem hübsch banalen Reihenvierzylinder.

Nichtsdestotrotz hängt die weiß-blaue Gemeinde ergriffen an dem alten Brocken und freut sich von Jahr zu Jahr kindlich, wenn man wieder ein paar PS, ein paar Kubikzentimeter oder ein paar Grad Schräglagenwinkel gefunden hat. Bis kürzlich Da hat BMW nämlich die bisherigen akribisch-denkmalpflegerischen Ansätze salopp über Bord geworfen und den gemütlichen Boxermotor mit hart drehenden Zylinderköpfen und homöopathischer Schwungmasse nebst federleichten Racing-Innereien kurzerhand auf Vollgas gedreht und einfach alles vergessen, was der Boxer-IG ach so lieb und wert ist. Null Komfort, null Laufruhe – nix als ein rabiat gehender Boxer-Hammer.

Donner-und-Doria-Boxer
Und weils so schön war, wurde der Donner-und-Doria-Boxer in nichts anderes als ein Null-Kompromiss-Chassis gepflanzt. Man stelle sich das vor: eine BMW ohne Koffer! Und nicht mal Soziusfußrasten! Stattdessen ein bikiniknapper Gitterrohrrahmen, an den ein Kohlefaser-Heck verschraubt wird, die Radführungen werden eh gleich an den Motor gezurrt, und die Krönung neben voll einstellbaren Federelementen und verstellbarer Fahrer-Ergonomie ist ein volldigitales Display namens GP-Dashboard samt Laptop-Ausgang und einem Eingang für GPS-Tracking oder Datenlogger. Feinste Rennsport-Technik also.

Da gähnen die Herrschaften von der M GmbH etwas gelangweilt, denn mit hochdrehenden Sportmotoren, grenzbereichswilligen Fahrwerken und neuerdings ausgefeilter Elektronik wird im Zeichen des M schon lange mehr als souverän hantiert. Auch deshalb scheint das M3 Cabrio mit dem neuen, coolen M Doppelkupplungsgetriebe reichlich ungerührt, als es an der Zufahrt zur Nürburgring-Nordschleife auf die Fahrspaß-Konkurrenz aus dem eigenen Hause wartet. 420 PS aus dem bissigen M3-V8 gegen den 133 PS starken Boxermotor der HP2 Sport – da stimmt sich die Auto-Fankurve schon auf Siegeschoräle ein.

Auto versus Motorrad
Erstmal ist aber verdutztes Schweigen angesagt, denn durch die vertrackten Bögen des Streckenabschnitts Hatzenbach hechtet die HP2 bombenstabil, darüber hinaus wählt das schmale Motorrad eine effiziente Linie durchs Geschlängel. Der breite M3 muss weite Bögen schlagen und immer wieder kräftig abwinkeln, um auf der Strecke zu bleiben.

Mit Vorsprung über die Kuppe
Die HP2 Sport stürmt also mit Vorsprung über die Kuppe am Flugplatz und wird erst in den Anbremszonen am Schwedenkreuz und vor Aremberg gestellt. Trotz der bärenstarken ABS-Anker des Motorrads zoomt sich der M3 beim Bremsen mächtig an der weiß-blauen Sportmaschine vorbei. Hinunter in die Fuchsröhre bleibt die HP2 wieder dran: Beinahe in der Diretissima, knallt das Bike hinunter ins Bodenlose, während der M3 erneut mit Feingefühl von Pendelbewegungen um die Hochachse abgehalten werden muss.

Zum schlechteren Bremsvermögen des Prinzips Motorrad fällt dann aber eine besondere Eigenheit der HP2 Sport schwer in die Waagschale: Die BMW ist extrem unhandlich und auf Stabilität ausgelegt, in der Schikane am Adenauer Forst zieht der M3 mit aggressivem Handling und hervorragendem Grip davon.

Erbarmungslos treibender M3
Diesen Vorsprung gibt der heiser brüllende V8-Sportler dann auf den folgenden Kilometern auch nicht mehr ab. Zwar bleibt die HP2 Sport durch Metzgesfeld, Breidscheid und Bergwerk stets in Schlagdistanz, wird an den schnellen Zwischenstücken aber vom erbarmungslos treibenden M3-V8 eisern gerichtet. 133 PS mögen für einen Boxer das Tor zur Hölle sein, gegenüber echten Vierzylinder-Supersportlern, mit denen sogar ein M3 so seine Problemchen haben dürfte, ist die HP2 Sport aber immer noch zu zurückhaltend. Phänomenale Stabilität über Kuppen und durch lang gezogene Biegungen, steifes Handling in engen Ecken – und ein kernig brummender Boxermotor, der zwar wunderbar warm durch alle Gänge drückt, dem am Ende aber einfach das entscheidend Infernalische fehlt, um den M3 abzufangen.

Zum Abkühlen gibt es dann eine kleine Spritztour durch die Eifel. Und plötzlich wollen alle Motorrad fahren. Eine Kollege bringt es auf den Punkt: Gegen Motorradeln ist Autofahren wie Fernsehen – in die Röhre gucken und ab und zu die Fernbedienung drücken.
Johannes Riegsinger

Fazit


Technische Daten
Motor 
Zylinder2-Zylinder-Boxer, 4-Ventiler
Hubraum1170
Leistung
kW/PS
1/Min

98/133
8750 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
115
6000 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang manuell
AntriebKardan
Fahrwerk 
Bremsenv: Doppelscheibenbremse
h: Scheibe
Bereifungv: 120/70 ZR 17
h: 190/55 ZR 17
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)199
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)3.2
Höchstgeschwindigkeit (km/h)245
Verbrauch 
Testverbrauch6.5l/100km (Super Plus)
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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