BMW i8 vs. Porsche 911 Carrera: Sportwagen-Vergleich Die Zukunft beginnt

22.07.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

BMW möchte mit dem effizienten Plug-In-Hybridantrieb und der leichten Karbonstruktur des neuen i8 den Sportwagen für die Zukunft neu definieren. Kommt der Schritt zu früh oder kann sich das neue Konzept bereits jetzt gegen den Porsche 911 Carrera behaupten? Vergleichstest

Der neue BMW i8 polarisiert. Ist das noch ein Sportwagen? Reichen drei Zylinder und ein Elektromotor aus, um Emotionen zu wecken? So lauten jedenfalls die Zweifel aus dem Chor der Kritiker. Auf der anderen Seite die Neugierigen, fasziniert von der radikalen Optik und begeistert von der Technik stehen sie der Elektro-Vision offen gegenüber. Zeit, den BMW i8 gegen den 911 Carrera zu testen, der den aktuellen Maßstab in Sachen Effizienz und Fahrdynamik definiert.  

 

KAROSSERIE

Der 911 punktet mit Platz und feiner Verarbeitung

Die Fahrgastzelle des i8 fertigt BMW aus Karbon. Vorn und hinten nehmen Aluminiumstrukturen Radführungen und Antriebseinheiten auf. Die Außenhaut besteht aus Kunststoff und Aluminium. Der Leichtbau soll die schwere Antriebstechnik aus Verbrennungsmotor und E-Technik, die laut BMW allein schon 200 Kilo wiegt, kompensieren. Dennoch bringt der i8-Testwagen satte 1539 kg auf die Waage, während der konventionell und E-Technik, die laut BMW allein schon 200 Kilo wiegt, kompensieren.

Dennoch bringt der i8-Testwagen satte 1539 kg auf die Waage, während der konventionell gefertigte 911 rund 70 kg leichter ist. Darunter leidet allerdings in erster Linie nur die Zuladung des BMW, die mit 316 Kilo zwar ausreichend, aber eben geringer als beim Porsche ist. Ohnehin hat der Stuttgarter Primus mehr zu bieten, vor allem Platz. Neben üppiger Kopffreiheit gewährt der Carrera auch viel Beinraum. Die große Innenraumbreite des BMW kommt auf Grund des breiten Mitteltunnels nicht zur Geltung.  

Der Münchener will aber auch nicht der größte Sportwagen, sondern Technologieträger einer neuen Ära sein. Allerdings stellt sich dann die Frage, warum BMW beim i8, der serienmäßig über ein Laserlicht  (Fernlicht) verfügt, auf zahlreiche Sicherheits-Extras verzichtet. Ausstattungsdetails wie Spurhalte- oder Spurwechsel-Assistent, Active Protection (Unfallfrüherkennung) oder gar ein Aufmerksamkeits-Assistent werden, wie auch bei Porsche, nicht angeboten.

Auch bei der Verarbeitung fehlt dem BMW die Konsequenz, mit der Porsche seinen 911 fertigt. Zwar zeigen die Bayern die teure Karbonstruktur gerne her, sehr ansehnlich wirken vor allem die Bereiche rund um den Türausschnitt jedoch nicht. Zudem lassen die vielen Kunststoffoberflächen im Innenraum die Wertigkeit vermissen, die ein 911 bietet.

BMW i8 PORSCHE 911 CARRERA
362 PS 350 PS
0-100 km/h in 4,8 s 0-100 km/h in 4,7 s
Allradantrieb Hinterradantrieb
Spitze 250 km/h* Spitze 286 km/h
Grundpreis: 126.000 Euro
* elektronisch abgeregelt
Grundpreis: 93.928 Euro*
* inkl. Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe

 

FAHRKOMFORT

Das adaptive Fahrwerk des i8 überzeugt

Zwar ist die BMW-Karbonflunder recht schwer, aber das Gewicht ist im Gegensatz zum sehr hecklastigen 911 (908 kg hinten) zu gleichen Teilen zwischen Vorder- und Hinterachse perfekt aufgeteilt.

Dies führt in Kombination mit dem sehr gefühlvoll ansprechenden Fahrwerk samt den serienmäßigen adaptiven Dämpfern des i8 zu einem guten Fahrkomfort. Der Porsche hingegen überfährt Unebenheiten trotz aufpreispflichtiger adaptiver Dämpfer (1666 Euro) vor allem mit der Hinterachse recht ungehobelt. Zudem produzieren die mächtigen 295er-Walzen in den hinteren Radkästen des Elfers laute Abrollgeräusche. Der i8 rollt größtenteils sehr geschmeidig  dahin. 

Fahrwerks-, Abroll- und Windgeräusche fallen wie auch die Arbeitsweise des Hybridantriebs im Vergleich mit dem mitunter brummigen Boxer des Porsche sehr zurückhaltend aus. Den ausschließlich angebotenen Sitzen des BMW fehlt im Gegensatz zu den umfangreich einstellbaren adaptiven Sportsitzen (3618 Euro) des Porsche jedoch sowohl eine ausziehbare Sitzfläche, als auch eine individuell einstellbare Lordosenstütze.

Dennoch sichert sich der i8 mit seinem feinfühligen Ansprechverhalten und der guten Geräuschdämmung das Komfort-Kapitel – trotz einer erheblichen konzeptbedingten Ergonomieschwäche. Der Ein- und Ausstieg erfordert einen einwandfrei funktionierenden Bewegungsapparat. Denn um elegant durch die wegen der üppigen Schweller recht schmalen Türausschnitte in den Innenraum zu gelangen, müssen sich die Passagiere wie ein Klappmesser zusammenfalten.

 

MOTOR/GETRIEBE

Der BMW i8 heizt dem Porsche 911 mächtig ein

Ja, der Plug-in-Hybrid weckt Emotionen. Er ist keine langweilige Übergangstechnologie um Richtlinien zu erfüllen, sondern eine echte Bereicherung – zumindest im i8. Warum? Weil der komplexe Antriebsstrang dem des 911 in fast allen Bereichen überlegen ist. Die Elektroeinheit eliminiert nahezu alle Defizite, die der kleine Dreizylinder-Turbo im Heck des BMW konzeptbedingt mit sich bringt. Die E-Technik füllt den kraftlosen unteren Drehzahlbereich des Verbrennungsmotors und sorgt zudem für ein unglaublich direktes, vor allem aber sensationell fein dosierbares Ansprechverhalten das gesamten Systems.

Dass der i8 Tempo 200 einen Wimpernschlag schneller erreicht, ist dabei zweitrangig. Vielmehr sind es die spontanen Überholmanöver, die der BMW bemerkenswert souverän absolviert. Während das Porsche-Doppelkupplungsgetriebe erst ein paar Gänge herunterschalten muss, um den Boxer auf Trab zu bringen, reicht dem i8 der Schub der beiden Antriebsquellen, um ansatzlos nach vorn zu stürmen. Das System aus E-Motor mit Zweigang-Automatik an der Vorderachse und Dreizylinder-Turbo mit Sechsgang-Automatik im Heck hat BMW perfekt harmonisiert.

Im Test verbrauchte der BMW i8 auf 100 Kilometer durchschnittlich 7,8 Liter Super Plus und 3,4 kW/h aus dem Stromnetz. Damit ist der Bayer bei gleichen Fahrleistungen fast 3,4 Liter sparsamer als der für einen Sportwagen bekanntermaßen sehr effiziente Porsche 911.

Der euphorische EU-Wert von 2,1 Litern Kraftstoff, den BMW gemäß den Bedingungen auf dem Rollenprüfstand für die selbe Distanz angibt, lässt sich unter realen Umständen nicht erreichen. Das gilt, wenn auch in deutlich geringerem Maße (EU: 8,2 l), ebenso für den Elfer.

 

FAHRDYNAMIK

Der BMW i8 hat gegen den 911 keine Chance

Der i8 erinnert, sobald der Fahrer in den Sportmodus schaltet, an Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Die Farbe des Displays wechselt vom kühlen Blau in aggressives Rot, und der kleine Dreizylinder grollt bemerkenswert vollmundig vor sich hin.

Die perfekte Gewichtsverteilung und die sehr gefühlvolle Lenkung verleihen dem BMW ein überaus sicheres und präzises Fahrverhalten. Das Limit setzen die schmalen Vorderräder. Insbesondere in engen Kurven drückt der i8 über die optionale 215er-Bereifung nach außen. Je schneller die Biegung, desto satter liegt der BMW allerdings auf der Strecke.

Auch wenn der 911 auf welligen Belägen bei hohem Tempo deutlich nervöser in der Spur zappelt, setzt er doch in Sachen Fahrdynamik klar den Maßstab. Seine Lenkung ist ein Musterbeispiel an Rückmeldung und Präzision. Vor allem in schnellen Wechselkurven begeistert das direkte und ungemein zielsichere Einlenkverhalten. Zudem ist sein PSM-System (ESP) exzellent abgestimmt. Erst ohne die feinfühligen, kursstabilisieren- den Eingriffe bei ausgeschaltetem System drückt das Heck des 911 gut kontrollierbar aus der Spur. Ein fahraktiver Sportwagen par excellence.

Die hervorragenden Bremswerte des Zuffenhausener Musterschülers offenbaren ein weiteres Manko der schmalen BMW-Bereifung, die nicht zuletzt für die erheblich längeren Bremswege des i8 mitverantwortlich sind.

 

UMWELT/KOSTEN

Der Porsche ist deutlich günstiger als der BMW

BMW betritt mit dem Plug-in-Hybrid i8 Neuland und lässt sich die Technologie sowie die exklusive Karbonstruktur teuer honorieren. Zwar ist der BMW mit Navigationssystem, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und weiteren Multimedia-Features bereits deutlich besser ausgestattet als der Porsche, aber dennoch mit 126.000 Euro extrem teuer.

Selbst wenn alle für den Test relevanten Ausstattungsdetails beim 911 mit einbezogen werden, ist er mehr als 20.000 Euro günstiger. Zudem kann der BMW seinen hohen Wertverlust nicht durch die niedrigen Kraftstoffkosten kompensieren.

 

FAZIT

Der BMW i8 liefert eine sehr überzeugende Vorstellung ab. Vor allem der enorm kraftvolle Plug-in-Hybrid begeistert mit perfektem Ansprechverhalten und günstigem Verbrauch. Zudem ist der Bayer ausgesprochen komfortabel und gleichzeitig fahraktiv unterwegs, aber eben auch extrem teuer.

Der Porsche 911 gewinnt diesen Vergleich, weil er deutlich dynamischer, besser verarbeitet und günstiger ist als der futuristische i8.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Michael Godde

Tags:
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