BMW i3 vs. VW e-UP: Vergleichstest E-Auto Hochspannung

08.11.2013
Inhalt
  1. Auffälliger i3, braver e-UP
  2. Nachhaltigkeit ist beim i3 kein Lippenbekenntnis
  3. Bremsstimmung

Der BMW i3 ist die größte Revolution im Automobilbau seit Jahren. VW kontert den Vorstoß der Bayern mit dem konventionelleren e-UP. Ein elektrisierender Vergleich

Über den BMW i3 wurde in den letzten Monaten viel geschrieben. Keine Frage,das Thema Elektromobil hat kein anderer Hersteller so radikal umgesetzt wie die Firma mit dem weiß-blauen Propeller. Die Münchner wagen sich mit dem i3 in die Karbon-Großserienfertigung und schnüren unter dem Stichwort „360° electric“ ein Maßnahmenpaket, das dem Kunden die Angst vor der nach wie vorbegrenzten Reichweite nehmen soll und bislangbeispiellos in der Branche ist. Und wie reagiert die Konkurrenz darauf? Hier scheint nach wie vor der Tenor „erstmal abwarten“ zu herrschen. VW fährt eine deutlich konservativere Strategie und nimmt mit dem VW Up – wie auch demnächst mit dem Golf – ein konventionelles Serienauto zur Hand und ersetzt den Verbrenner einfach durch einen E-Motor. Zwei vollkommen konträre Ansätze, doch welches Ergebnis überzeugt am Ende mehr?

 

Auffälliger i3, braver e-UP

Dass es sich im Fall des VW e-UP um ein E-Mobil handelt, dürften nur absolute Kenner sehen. Auffallendstes Merkmal sind die beidenlanggezogenen LED-Tagfahrlichtbänder in der Frontschürze, ansonsten fällt der Wolfsburger nicht weiter auf. Ganz anders der i3: Die Designer konnten sich von allen Vorgaben lösen und auf dem sprichwörtlichen weißen Papier beginnen. Dafür ist die Karosserieform relativ gewöhnlich ausgefallen, man wollte die Kundschaft wohl nicht zu sehr verschrecken. Aufsehenerregend ist der Bayer dennoch. Das liegt neben den riesigen Rädern im 19-Zoll-Format (optional sogar 20 Zoll) auch an der zweifarbigen Außenhaut und an dem ungewöhnlichen Verlauf der Fensterlinie. Im Innenraum setzt sich das futuristische Design konsequent fort. Zwei große TFT-Bildschirme dominieren die auf den ersten Blick zerklüftete Cockpitlandschaft. Doch Bedenken, dass die BMW-Designer die Funktion dem Design untergeordnet haben, stellen sich als vollkommen unbegründet heraus. Die Bedienung geht genauso problemlos und intuitiv von der Hand wie in jedem anderen BMW. Das große Navigationssystem Professional samt 20-GB-Festplattenspeicher bringt der i3 bereits ab Werk mit. Ein Highlight ist dabei die neue Schrifterkennung des kleinen Touchpads, die bemerkenswert gut funktioniert.

Wechsel in den e-UP: Der große, in Wagenfarbe lackierte Dekorstreifen sorgt zwar für etwas Pep, ansonsten ist das Armaturenbrett ebenso wie die Karosserie jedoch deutlicher konservativer gestaltet. Das ist jedoch keinesfalls als Nachteil zu werten, der UP polarisiert nur eben nicht so stark wie der extravagante i3. Und an der Funktionalität gibt es im kleinen VW ebenfalls wenig auszusetzen. Ein echtes Ärgernis bleibt allerdings der fehlende Fensterheberschalter auf der Fahrer-für die Beifahrerseite. So weit sollte der Sparwille der Hersteller dann doch nicht reichen. Dafür verblüfft der nur 3,54 lange e-UP mit erstaunlich guten Platzverhältnissen. Trotz eines Längenvorsprungs von knapp einem halben Meter kann der i3 nur in der ersten Reihe einen kleinen Vorteil für sich verbuchen. Die größere Innenbreite und die weiter entfernte Frontscheibe führen dazu, dass sich die Passagiere dort etwasluftiger untergebracht fühlen. In Fond herrscht hingegen ebenso wie beim Kofferraumvolumen nahezu Gleichstand zwischen den beiden Stromern. Als wenig praktisch erweist sich die BMW-Konstruktion der gegenläufig öffnenden Türen. Das erfordert nicht nur, dass stets zuerst die vordere Tür geöffnet werden muss. Auch der Einstieg fällt recht klein und damit etwas beschwerlich aus. Hier ist der viertürige e-UP, den es nicht als Zweitürer gibt, im Vorteil. Und im Gegensatz zum i3 lassen sich seine hinteren Seitenscheiben immerhin ausstellen.

 

Nachhaltigkeit ist beim i3 kein Lippenbekenntnis

Das Thema Nachhaltigkeit wird für den i3-Kunden bei näherer Betrachtung des Materialmixes im Innenraum sichtbar. Türverkleidungen und Armaturenbrettoberflächen aus Pflanzenfasern sehen fraglos ungemein ökologisch, leider aber auch wenig hochwertig aus. Doch genug Probe gesessen, jetzt muss der BMW zeigen, ob sich der enorme technische Aufwand auch in der Praxis auszahlt. Ein Druck auf den Start-Knopf und ein Dreh am etwas ungünstig hinter dem Lenkrad platzierten Fahrstufenschalter, das Fahrpedal durchgedrückt – und der i3 zischt davon, als habe er es sich zur Aufgabe gemacht, sämtliche Bedenken der Elektromobilität auf einmal wegzufegen. In nur 7,2 Sekunden prescht der Bayer laut BMW auf Tempo 100, Traktionsprobleme sind im Gegensatz zum VW dank Hinterradantrieb kein Thema. Da hat der trotz konventioneller Stahlbauweise 56 kg leichtere e-UP klar das Nachsehen. Von null bis 100 km/h braucht er 12,4 Sekunden, beim Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h zeigt ihm der i3 (4,9 zu 10,5 s) ebenfalls seine auffälligen LED-Rückleuchten. Den Vorsprung bei den Fahrleistungen verdankt der BMW seinem deutlich potenteren E-Motor. 170 PS leistet der eigens von BMW entwickelte Synchron-Reluktanz-Motor, auf 82 PS kommt die ebenfalls permanenterregte Synchronmaschine im VW.

 

Bremsstimmung

Bei der Abstimmung der Bremse gehen beide recht unterschiedliche Wege. Die Wolfsburger lassen dem Fahrer die Wahl zwischen fünf Rekuperationsstufen, zusätzlich gibt es drei verschiedene Fahrprogramme. So viele stehen auch dem i3-Fahrer zur Verfügung, bei der Rekuperationsleistung wird ihm die Wahl allerdings genommen. Ohnehin kommt das Bremspedal im Münchner nur in Ausnahmefällen zum Einsatz. Nach kurzer Eingewöhnung lässt sich der i3 allein mit dem Fahrpedal beschleunigen und bremsen. Lupft man das Pedal leicht, rollt der Wagen ungebremst dahin. „One Pedal Feeling“ nennt BMW diese Technik, und sie funktioniert bestens. Einen Verbrauchsvorteil kann der i3 dadurch aber nicht erzielen: Auf unserer Fahrt rund um Amsterdam erreichten beide einen Durchschnittswert von 12,1 kWh pro 100 km, womit der Bayer rund 155 km, der Niedersache etwa 120 km weit käme. Dafür hat der i3 im Kurvengeschlängel die BMW-Nieren vorn. Die direkt übersetzte Lenkung und der extrem kleine Wendekreis lassen ihn sehr handlich wirken, die geringen Aufbaubewegungen und das straffe, aber komfortable Fahrwerk tun ihr Übriges dazu. Der e-UP ist etwas softer abgestimmt, die Lenkarbeit besonders im Stadtverkehr deutlich größer und das Geräuschniveau etwas höher als im sehr leisen i3. Für sich betrachtet ist der sehr gut ausgestattete und technisch enorm aufwendige BMW i3 mit einem Preis von 34.950 Euro erstaunlich günstig kalkuliert, der Preisabstand des schwächeren VW e-UP fällt mit 8050 Euro geringer aus als erwartet. 

TECHNISCHE DATEN
   

BMW i3
VW e-UP
Motor Permanenterregte Synchron-Reluktanz-Maschine  Permanenterregte Synchronmaschine 
Leistung 125 kW / 170 PS bei 5000 /min 40 kW / 82 PS bei 2800-12.000 /min
Max. Drehmoment 250 Nm bei 0-5000 /min 210 Nm bei 0-2800 /min
Getriebe Konstantübersetzung Konstantübersetzung
Antrieb Hinterrad Vorderrad
Batterie Lithium-Ionen, 22,0 kWh (brutto), 360 Volt, 96 Zellen  Lithium-Ionen, 18,7 kWh (brutto), 374 Volt, 204 Zellen 
L/B/H 3999/1775/1578 mm 3540/1645/1489 mm
Radstand 2570 mm 2421 mm
Leergewicht 1195 kg 1139 kg
Zuladung 425 kg  361 kg
Kofferraum 260 – 1100 l 250 – 923 l
MESSWERTE
   
0 - 100 km/h¹ 7,2 s 12,4 s
Höchstgeschwindigkeit¹ 150 km/h (elektronisch abgeregelt) 130 km/h (elektronisch abgeregelt)
Strom-Verbrauch1,2 12,9 kWh/100 km  11,7 kWh/100 km
Reichweite1,2 190 km 160 km
KOSTEN    
Grundpreis 34.950 Euro inkl.Garantie3 26.900 Euro inkl.Garantie4
1 Werksangaben; 2EU-Zyklus; 3acht Jahre und 100.000 km Garantie; 4acht Jahre und 160.000 km Garantie

Unser Fazit

BMW setzt mit dem i3 ein beeindruckendes Statement zum Thema E-Mobilität. Trotz des konventionelleren VW-Ansatzes hält der e-Up gut mit

Alexander Lidl

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