BMW i3 im Vergleich der E-Autos: VW e-Up, Ford Focus Electric & Nissan Leaf warten Stunde der Wahrheit

10.12.2013
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Ist das Elektroauto der Aufbruch in eine neue Ära oder doch nur ein weiterer zum Scheitern verurteilter Versuch, den Verbrenner abzulösen? Der lang ersehnte BMW i3 soll den Durchbruch bringen und stellt sich den Konkurrenten VW e-Up, Ford Focus Electric und Nissan Leaf

Kaum ein Auto hat im Verlauf des Jahres so viel Aufmerksamkeit erfahren wie der Der neue BMW i3 im ersten Fahrbericht. Er war der ungekrönte Star der diesjährigen IAA, gleichzeitig lasten die Erwartungen der gesamten Autoindustrie auf seinen Schultern. Wenn BMW mit dem i3 nicht erfolgreich sein sollte, hätten nicht nur die Bayern einen Milliardenbetrag in den Sand gesetzt. Es wäre gleichzeitig ein gewaltiger Dämpfer für die Elektromobilität, und deren Durchbruch würde erst einmal in weite Ferne rücken.

Im ersten Vergleichstest muss der neue BMW i3 jetzt unter Beweis stellen, ob sich der immense technologische Aufwand zur Gewichtsreduzierung, den die Münchner mit der Karbon-Karosserie und dem Chassis aus Aluminium betreiben, in der Praxis auch wirklich auszahlt. Oder verfolgen Hersteller wie VW und Ford die cleverere Strategie, die ihre konventionellen Autos Up und Focus mit überschaubarem Aufwand zu E-Mobilen umfunktionieren? Vierter im Test ist der Nissan Leaf, der bereits 2010 erschien und seitdem das meistverkaufte E-Auto der Welt ist.

 

Karosserie

Neben dem BMW i3 verkommt jedes andere Auto zum Statisten. Keine Frage, der Münchner ist derzeit der größtmögliche Eyecatcher. Auch im Innenraum setzt sich das außergewöhnliche Design konsequent fort. Die Bedienbarkeit leidet dabei keineswegs, das reduzierte Cockpit erfordert vom Fahrer kaum Eingewöhnung, und das iDrive-System samt serienmäßigem Navigationssystem und Touchpad-Bedienung ist ohnehin klassenübergreifend der Maßstab in Sachen Bedienung. Vorn geht es im i3 auch wegen der extrem weit vorgerückten Frontscheibe recht luftig zu, wohingegen sich die Fondpassagiere mit spürbar weniger Platz und einem etwas beschwerlichen Zustieg nach hinten arrangieren müssen. Nervig: Um die hinteren gegenläufigen Türen zu öffnen, müssen zuerst die vorderen Türen geöffnet werden. Derlei Probleme kennen die anderen fünftürigen Stromer nicht. Focus und Leaf bieten den Insassen zudem mehr Platz, während der VW e-Up seine Abstammung aus der Kleinstwagenklasse sowohl beim Raumangebot als auch beim Kofferraum nicht leugnen kann. Einen großen Patzer leistet sich der Ford Focus Electric mit seinem Gepäckraum, der wegen des darin thronenden Batteriepakets nicht nur sehr schlecht nutzbar ist, sondern mit gerade einmal 237 Liter Ladevolumen sogar noch unter dem des e-Up (250 l) liegt. Auch in puncto Sicherheitsausstattung kann der Kölner nicht in dem Maße punkten wie sonst üblich, da für die Elektroversion im Gegensatz zum konventionellen Focus zahlreiche Assistenzsysteme nicht erhältlich sind. Zudem ist die Bedienung im Ford wenig intuitiv, besonders verursacht durch die unübersichtliche Mittelkonsole und den zu kleinen Bildschirm. Im Leaf und im e-Up werden die vielen Funktionen über ein Touchscreen-System gesteuert, wobei Nissan als einziger unter den vier Stromern für die Navigationsfunktion Aufpreis verlangt.

KarosserieMax. PunkteBMW i3Ford Focus ElectricVW e-UpNissan Leaf
Raumangebot vorn10064685769
Raumangebot hinten10048654361
Übersichtlichkeit7038374336
Bedienung/ Funktion10092828584
Kofferraumvolumen10017151425
Variabilität10030183220
Zuladung/ Anhängelast8017221219
Sicherheit15071623550
Qualität/ Verarbeitung200138144130135
Kapitelbewertung1000515513451499

 

Fahrkomfort

Manchmal mutet es schon fast gespenstisch an, wenn ein E-Auto nahezu lautlos an einem vorbeirollt. Mit Ausnahme eines leisen Surrens, das beim BMW i3 am hörbarsten zu den Insassen vordringt, ist von den Antrieben kaum etwas zu vernehmen. Am leisesten ist dabei der Nissan Leaf, der für den Fußgängerschutz einen zusätzlichen Kniff parat hält. Beim Rangieren gibt er entweder einen Piepton (Rückwärtsfahren) von sich, oder er erzeugt beim Vorwärtsfahren bis 30 km/h einen tiefen Ton, der nur von außen wahrgenommen wird.

Dank der bequemen Vordersitze und der angenehmen Federung sichert sich der Japaner vor dem Focus den Sieg im Kapitel Fahrkomfort. Dem Up tun die zusätzlichen Kilo der schweren Batterie unter Komfortaspekten gut. Er liegt sehr satt und federt für einen Kleinstwagen bemerkenswert sensibel. Der BMW ist straffer abgestimmt, überzeugt aber ebenfalls mit gutem Ansprechverhalten und geringen Karosseriebewegungen. Der Ford Focus Electric enttäuscht in diesem Punkt etwas – besonders, wenn man das exzellent abgestimmte Fahrwerk der übrigen Focus-Modelle zum Vergleich heranzieht. Er zeigt sich ungewohnt bockig, kann dafür aber mit seinen komfortablen und gleichzeitig seitenhaltstarken Sitzen überzeugen.

FahrkomfortMax. PunkteBMW i3Ford Focus ElectricVW e-UpNissan Leaf
Sitzkomfort vorn150114132110128
Sitzkomfort hinten10050664260
Ergonomie150125115115120
Innengeräusche5031353638
Geräuscheindruck10085888890
Klimatisierung5030343333
Federung leer200138132140142
Federung beladen200134128136136
Kapitelbewertung1000707730700747

 

Motor und Getriebe

Der BMW i3 - Enttäuschung im NCAP-Crashtest hat mit 170 PS den stärksten E-Motor. Der steckt bei ihm allerdings nicht – wie im Fall der drei anderen – unter der Motorhaube, sondern zwischen den Hinterrädern, die gleichzeitig für den Antrieb zuständig sind. Somit gerüstet sprintet der 1237 kg leichte Münchner in nur sieben Sekunden auf Tempo 100 und zeigt den übrigen damit deutlich die Rücklichter. Am ehesten kann ihm noch der 145 PS leistende Focus folgen, der aber ein Gewicht von 1625 kg mit sich schleppt. Die Höchstgeschwindigkeit der vier Stromer ist elektronisch begrenzt, die lockersten Zügel gewährt dabei BMW: Der i3 darf bis zu 150 km/h schnell rennen. Noch deutlicher wird der Leistungsvorteil des i3 beim Zwischenspurt. Von 60 bis 100 km/h braucht er nur 3,4 Sekunden – ein sensationeller Wert. Der e-Up, mit 82 PS der Schwächste im Feld, schlägt sich dank seines für ein E-Auto vergleichsweise geringen Gewichts von 1178 kg ebenfalls sehr achtbar und benötigt mit 11,1 Sekunden nur zwei Zehntel länger für den Standard-Sprint als der Nissan Leaf mit 109 PS.

Dessen Stunde schlägt beim Reichweitentest. Mit 135 km bietet er den größten Aktionsradius der vier EAutos. Der i3 muss 15 km eher die Segel streichen, der e-Up kommt trotz des kleinsten Akkus immerhin 115 km weit. Er verbraucht mit 14,1 kWh/100 km am wenigsten. Das Schlusslicht sowohl beim Verbrauch als auch bei der Reichweite bildet der Focus Electric. Die Fahrt im Kölner nimmt bereits nach 95 km ein jähes Ende.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW i3Ford Focus ElectricVW e-UpNissan Leaf
Beschleunigung150120949091
Elastizität10096908486
Höchstgeschwindigkeit150166111
Getriebeabstufung10092939593
Kraftentfaltung5048454647
Laufkultur10095969698
Verbrauch325318306324318
Reichweite25
Kapitelbewertung1000785730736744

 

Fahrdynamik

Freude am Fahren ist im Fall des i3 keine Worthülse. Das straffe Fahrwerk in Verbindung mit der sehr direkt übersetzten Lenkung verleiht dem Münchner eine überzeugende Agilität, der die extrem schmalen und damit rollwiderstandsarmen Räder im Format 155/70 R 19 nur bei allzu schnell angegangenen Kurven frühzeitig Grenzen setzen. Da die Reifenaufstandsfläche – auch Latsch genannt – wegen der Rädergröße von 19 Zoll vergleichbar mit jener üblicher Reifenformate ist, bleibt dies bei der Bremsmessung mit Werten um die 35 Meter ohne Folgen. Beim Slalom allerdings, wo vorrangig Querkräfte übertragen werden müssen, liegt der i3 nur auf dem Niveau des e-Up. Der Leaf und vor allem der Focus wedeln eine Ecke schneller durch den Hütchenparcours. Allerdings verliert der Japaner bei den zehn Vollbremsungen aus Tempo 100 bis zum Stillstand wichtige Zähler. Obwohl auch er stark verzögert, verliert er beim Warmbremswert auf die Rivalen rund zwei Meter.

Während Ford und Nissan jeweils zwei und der VW sogar fünf verschiedene Rekuperationsstärken zur Wahl stellen und somit im Schubbetrieb unterschiedlich stark verzögern, nimmt BMW dem Fahrer die Entscheidung ab. Denn die Münchner haben hier mit dem so genannten „One Pedal-Feeling“ die überzeugendste Lösung parat: Dabei bremst der Fahrer fast ausschließlich mit dem Fahrpedal, und nur wenn er heftiger bremsen muss, kommt die konventionelle Bremse zum Einsatz. Das funktioniert im Alltag bestens und erfordert nur eine sehr kurze Eingewöhnungszeit.

FahrdynamikMax. PunkteBMW i3Ford Focus ElectricVW e-UpNissan Leaf
Handling15053493842
Slalom10049594955
Lenkung10086828075
Geradeauslauf5038403840
Bremsdosierung3023172015
Bremsweg kalt15092909484
Bremsweg warm15010310210281
Traktion10050474540
Fahrsicherheit150127127126125
Wendekreis20196197
Kapitelbewertung1000640619611564

 

Umwelt und Kosten

Mit einem Basispreis von 26.900 Euro ist der kleine VW e-Up im Crashtest der Günstigste dieses Quartetts, das obere Ende markiert der Ford Focus Electric mit 39.990 Euro. BMW hat den i3 mit 34.950 Euro überraschend tief eingestuft, und Nissan senkte erst vor Kurzem den Preis des Leaf auf 29.690 Euro. Zudem bieten die Japaner als einzige die Möglichkeit an, die Batterie separat zu leasen (ab 79 Euro/Monat), der Kaufpreis sinkt dann auf 23.790 Euro. Ein ebenfalls wichtiges Kaufkriterium bei Elektroautos sind die Garantieleistungen für die Batterie, da sie einen Großteil des Fahrzeugpreises ausmacht. BMW und VW geben jeweils acht Jahre Garantie auf den Akku, Ford und Nissan belassen es bei jeweils fünf Jahren.

E-Autos erfahren in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern nur eine geringe staatliche Förderung. Immerhin wird den Haltern von E-Mobilen die Kraftfahrzeugsteuer für zehn Jahre erlassen. Der prognostizierte Wertverlust für die vier Stromer fällt sehr hoch aus. Prozentual am meisten an Wert verliert dabei der VW e-Up, der nach vier Jahren und 80.000 Kilometern nur noch 25,3 Prozent seines ursprünglichen Preises wert ist. Am wertstabilsten ist voraussichtlich der BMW i3 mit einem Wertverlust von 41,8 Prozent.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW i3Ford Focus ElectricVW e-UpNissan Leaf
Bewerteter Preis675174157219176
Wertverlust5017131718
Ausstattung2520232018
Multimedia5030282622
Garantie/Gewährleistung5035424330
Werkstattkosten20
Steuer1010101010
Versicherung4036353735
Kraftstoff5553515453
Emissionswerte2524242424
Kapitelbewertung1000399383450386

 

Fazit

Der BMW i3 kann im ersten Vergleich einen ungefährdeten Sieg einfahren. Zu groß ist sein Vorsprung bei Motor/ Getriebe und Fahrdynamik. Er bietet ein vollkommen neues Fahrerlebnis. Allerdings kann er aus dem geringen Gewicht keinen Reichweitenvorteil schlagen.

Zweiter wird der Ford Focus Electric, der zwar beim Reichweitentest am ehesten steht, aber mit dem bewährten Focus auf eine gute Basis zurückgreifen kann.

Dahinter folgt der VW e-Up. Er hinterlässt einen guten Eindruck, leidet aber an den Kleinwagen-typischen Nachteilen wie geringes Platzangebot und mäßige Sicherheitsausstattung.

Der ausgewogene Nissan Leaf landet mit knappem Abstand auf dem vierten Rang.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW i3Ford Focus ElectricVW e-UpNissan Leaf
Summe50003046297529482940
Platzierung1234

Tags:
Diagnosegerät
 
Preis: EUR 9,99 Prime-Versand
Alkoholtester
 
Preis: EUR 16,99 Prime-Versand
SONAX AntiFrost KlarSicht
UVP: EUR 18,48
Preis: EUR 13,50 Prime-Versand
Sie sparen: 4,98 EUR (27%)
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.