BMW 7er Erlkönige BMW-Erlkönige in Afrika erwischt

12.03.2008

Südafrika bietet neben Hitze auch Wind und schlechte Straßen - ein Paradies für Fahrzeugentwickler aller großen Automarken. Wir erwischten den nächsten BMW 7er und X6 bei ausgiebigen Testfahrten

» direkt zu den Fotos vom 7er

Südafrika. Land der Wüsten, Tiere und Hitze. Während in Europa der Winter immer noch Kälte und Nässe bringt, herrscht auf der südlichen Halbkugel Sommer. Und zwar richtiger Sommer. Mit Temperaturen, die bei uns das Thermometer nur selten anzeigt und bei denen Sommerreifen schon verdächtig weich werden.

Der Asphalt flimmert, die Hitze verfängt sich im Teer und steigt nach oben. Es sind 40 Grad Celsius im Schatten, in der Sonne fast 60 Grad. Auf der kleinen geteerten Nationalstraße N14 in Südafrika in der Nähe der Augrabies Falls taucht im Rückspiegel plötzlich ein schwarz getarntes Fahrzeug auf, setzt zügig den Blinker und donnert blitzartig vorbei. Am Heck prangt ein weißer ein Aufkleber: Government approved highspeed testing vehicle. Maximal sind hier auf der Strecke nur 120 km/h erlaubt, der Bolide hatte aber deutlich mehr auf der Uhr. Sehr verdächtig.

Doch der Hersteller des Autos hat sich die schnelle Fahrt bei der Regierung gekauft - ganz legal. Freie Fahrt für freie Tester, so lautet das Motto. Ein Erprobungsfahrzeug auf Versuchsfahrt. Die Marke: BMW.

Szenen wie diese ereignen sich in Südafrika und Namibia oft. Denn die beiden Staaten auf dem Schwarzen Kontinent sind bei Autoherstellern sehr beliebt. Neben den hervorragenden Wetterbedingungen sind die Straßen oft mies. Denn Teerstraßen wechseln sich mit vielen schlechten Schotter- und Staubpisten ab. Die starken Scherwinde des Atlantiks bieten genügend Kraft, um ein Auto seitlich ordentlich zu versetzen. Die Spritqualität ist nicht immer top, dafür kann Vollgas gefahren werden, wodurch auch einzelne Fahrzeugteile stärker belastet werden. Alles Dinge, die Ingenieure in dieser Häufigkeit im Labor nicht simulieren können und die gewöhnliche Fahrer ungefähr so schätzen wie das winterliche Eiskratzen. Doch genau diese Erschwernisse geben bei der Entwicklung neuer Autos auch neue Impulse. Schwierige Bedingungen sind also für die Testingenieure und ihr späteres Produkt von Vorteil. "Es gibt Situationen, die lassen sich im Labor nicht simulieren. Die reale Erprobung von Fahrzeugen ist nach wie vor wichtig. Erst bei der realen Erprobung lernt man ein Auto kennen", sagt BMW-Sprecher Friedbert Holz.

» hier geht es direkt zu den Fotos vom BMW 7er

In Südafrika testet zurzeit BMW verschiedene aktuelle Baureihen und neue Antriebe. Neben dem kleinen Mini müssen auch 3er, X3 und 5er ran. Die Autos sind meist ungetarnt, dafür aber voll gestopft mit Elektronik und/oder Dummies auf dem Rücksitz. Die Ingenieure testen die verschiedenen Aggregate auf Funktions-, Hitze- und Leistungsbeständigkeit. Egal ob Klimaanlage, Motor, Getriebe, Auspuff oder Drehstromgenerator: Bei 40 Grad im Schatten müssen die Bauteile ihre Funktion auch in unterschiedlichen Geschwindigkeitsregionen und -zyklen unter Beweis stellen.

Doch Aufsehen erregen eher die mit dicken Plastikplatten verkleideten Fahrzeuge. Unter einer Haube steckt zum Beispiel der neue BMW 7er, zu erkennen am langen Radstand, Türgriffen, breiter C-Säule und erhöhtem Kofferraumdeckel. Die Luxusklasse jagt morgens im Highspeed-Modus über die Landstraße, abends dafür mit einem Lastenanhänger und entspannten 100 bis 120 km/h. Zwischenzeitlich werden die Daten ausgelesen - die Luxusklasse mit den Hochleistungsrechnern im Kofferraum gleicht einem fahrenden Rechenzentrum.

"BMW führt mehrmals im Jahr verschiedene Tests in Südafrika durch. Das liegt zum einen an der Nähe zu unserem Werk in Rosslyn/Südafrika, zum anderen an den idealen Bedingungen", sagt BMW-Pressesprecher Friedbert Holz. Neben den ganz neuen Fahrzeugen kommen auch aktuelle Modelle in den Genuss der außerordentlichen Härteprüfung, um ihre Komponenten weiter zu verfeinern. Ganze Teams reisen mit ihrem Equipment von Deutschland aus an, um ihre Arbeit zu vervollständigen.

Schnappschüsse von Fotografen sehen die Münchner Mitarbeiter allerdings ungern. Denn die Erprobung soll möglichst geheim und in Ruhe laufen. Doch bei der hohen Zahl an BMW-Fahrzeugen wird eine Geheimhaltung schwierig.

Wie beim neuen X6. Allerdings nicht schon das serienfertige Auto, sondern eine leistungsgesteigerte Variante. Der böse und tief grollende Motorsound lässt auf einen eingesetzten V10 schließen. Die Motorhaube ist stark erhöht und die Auspuffblenden sind verdächtig breit. Plant BMW einen X6 als M-Version? "Das Auto soll für den leistungshungrigen Markt in Saudi-Arabien entwickelt werden", sagt ein BMW-Mitarbeiter vor Ort hinter vorgehaltener Hand. Mehr will er zu der Leistung des X6 nicht preisgeben.

Die Münchner sind in der Region mit ihren Versuchsfahrten allerdings nicht alleine. 80 Kilometer weiter in Upington führt Mercedes die aktuelle ML-Klasse in einer großen Kolonne durch die Kleinstadt. Die Armada der großen SUVs mit Böblinger Kennzeichen wird von einer aktuellen S-Klasse begleitet.

VW genießt das Wetter ebenfalls. Für Foto- und Filmaufnahmen stellen die Wolfsburger ihre komplette Fahrzeugflotte vom VW Polo bis zum Phaeton inklusive dem neuen Passat CC auf die Straße. Hochglanzpoliert und gut bewacht - allerdings nicht vor der brennenden Sonne, sondern vor allzu neugierigen Fotografen.
hob

AUTO ZEITUNG

Tags:

Wirkaufendeinauto

Auto bewerten & verkaufen!

Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.