BMW 750Li, Mercedes S 500 lang, Tesla Model S Performance 2013 Luxuslimousinen Vergleich Alte gegen neue Welt

19.08.2013

Bereits im Einzeltest hat das Tesla Model S eine glänzende Vorstellung abgeliefert. Die Amerikaner zielen mit dem stylischen E-Mobil ganz ungeniert auf die Luxusklasse von Mercedes und BMW. Müssen die deutschen Premiumhersteller den Emporkömmling ernsthaft fürchten oder können sie den Angriff mühelos abwehren?

Sprechen Historiker von der Alten und der Neuen Welt, meinen Sie auf der einen Seite vorrangig Europa und auf der anderen Seite Amerika. Soweit, so gut. Wechselt man von der Geschichte zum Automobil, verhält es sich seit Kurzem genauso. Das Start up-Unternehmen Tesla aus dem kalifornischen Palo Alto schickt sich an, die automobile Welt gründlich auf den Kopf zu stellen. Mit dem rein elektrischen Model S verkörpern die Amerikaner nun die neue Autowelt, wohingegen die etablierten Premiumhersteller weiterhin den größten Reibach mit ihren spritschluckenden Luxusmobilen machen und – so scheint es jedenfalls – nur recht widerwillig auf den Zug der Alle aktuellen und kommenden E-Autos auf einen Blick aufspringen. Wir gehen der Frage auf den Grund, ob das kleine Unternehmen mit nur rund 3000 Mitarbeitern tatsächlich an den Grundfesten der Automobilindustrie rütteln und eine ernsthafte Bedrohung für die alteingesessenen Hersteller werden kann.

Immerhin hat Mercedes mit der brandneuen S-Klasse das derzeit wohl beste Auto der Welt im Programm, das in puncto Fahrkomfort und Sicherheitsausstattung die Maßstäbe neu definiert. Und der im letzten Jahr überarbeitete BMW 7er hat ebenfalls keinen Grund, sich zu verstecken. Besonders die Langversionen mit den äußerst potenten V8-Turbomotoren – S 500 lang und 750Li – bieten Platz und Leistung im Überfluss. Wer einmal im Fond der neuen S-Klasse Platz genommen hat, möchte nicht mehr so schnell aussteigen. Highlight ist zweifellos der aufpreispflichtige Liegesitz hinten rechts. Während man es sich dort bequem macht und sich sogar gemäß der Hot Stone-Technik massieren lassen kann, vertreibt man sich mit dem Infotainmentsystem die Zeit oder erledigt dank der Hot Spot-Funktion den E-Mail-Verkehr.

Im 7er-Fond lässt es sich zwar nicht ganz so fürstlich reisen, doch auch er verwöhnt die Passagiere mit erlesenem Komfort. Der Tesla bietet den hinteren Insassen mit Ausnahme der eingeschränkten Beinfreiheit ebenfalls gute Platzverhältnisse, als Chauffeursauto tut sich der Ami allerdings nicht hervor. Er ist eher praktisch veranlagt und deklassiert die deutsche Konkurrenz mit seinem großzügigen und wegen der großen Heckklappe leicht beladbaren Kofferraum sowie der Option, dort zwei zusätzliche Einzelsitze zu installieren. Auf denen finden immerhin zwei Kinder entgegen der Fahrtrichtung Platz. Und wo bei BMW und Mercedes der Motor steckt, überrascht der Tesla mit einem weiteren Laderaum. Somit steckt in der eleganten Limousine in puncto Variabilität, Ladevolumen und der Möglichkeit, bis zu sieben Personen zu transportieren, ein ähnlich großes Talent wie in einem Van.

Dass das Tesla Model S nicht ganz an das Verarbeitungs- und Qualitätsniveau der Edel-Limousinen heranreicht, ist für den Ami keinesfalls als Niederlage zu werten. Ganz im Gegenteil: Für ein derart junges Unternehmen und das erste von Grund auf selbst entwickelte Modell beeindruckt der Tesla mit einer bemerkenswerten Solidität. Die Materialien hinterlassen einen hochwertigen Eindruck, die Verarbeitung gibt bis auf wenige Nachlässigkeiten wie nicht ganz so akkurate Spaltmaße kaum Grund zur Klage. Deutlicher fällt allerdings der Rückstand bei den Fahrerassistenzsystemen und der Sicherheitsausstattung aus. Selbst Helfer wie Spurwechsel- und Spurhalteassistenten oder eine adaptive Geschwindigkeitsregelung, die inzwischen sogar in der Kompaktklasse große Verbreitung finden, sind für den Kalifornier nicht zu haben. Der belässt es im Wesentlichen bei acht Airbags und dem Stabilitätssystem ESP. Allerdings verwundert dies kaum, wenn man berücksichtigt, welch große Heerscharen an Ingenieuren die Hersteller der Alten Welt beschäftigen, damit die unsichtbaren Schutzengel möglichst fehlerfrei arbeiten. Die neue Mercedes S-Klasse markiert in diesem Punkt derzeit die Spitze der Automobilindustrie und weist mit ihrer kamera- und radargestützten Geschwindigkeitsregelung samt Lenk-Assistent und der Staufolgefahren-Funktion bereits den Weg in die Zukunft, die da heißt: autonomes Fahren.

 

DER 421 PS STARKE E-MOTOR LÄSST DIE HIGHTECH-V8 ALT AUSSEHEN

Doch solange das noch nicht Realität ist, greifen die meisten Käufer lieber noch selbst zum Lenkrad. Und gerade beim Fahren tun sich gewaltige Unterschiede zwischen den verschiedenen Antriebskonzepten auf. Obwohl die beiden Biturbo-Achtzylinder-Benziner sämtliche Register der aktuellen Motorentechnik ziehen und zweifellos „State of the Art“ sind, wirken sie im direkten Vergleich geradezu altertümlich. Zu viele Nachteile bringt ein Verbrennungsmotor konzeptbedingt einfach mit sich. Ob Wirkungsgrad, Ansprechverhalten, Laufkultur oder Leistungsentfaltung, in allen Punkten wirkt der 421 PS starke Asynchronmotor des Model S einfach wie aus einer anderen Epoche. Fast beschleicht einen im Tesla das Gefühl, das Auto habe gar keinen Motor und werde wie von Geisterhand beschleunigt. Man sieht keinen Motor, es gibt auch keinen Startknopf, um ihn zu „starten“ oder besser gesagt in Bereitschaft zu versetzen. Stattdessen drückt man nur einmal kurz das Bremspedal durch. Mit einem Druck auf das Fahrpedal setzt sich der Stromer dann in Bewegung – und wie! Zu hören ist dabei abgesehen von einem leisen Brummen bei flotter Fahrt auch nahezu nichts. 600 Nm entwickelt der flüssigkeitsgekühlte E-Motor, und zwar aus dem Stand ohne jedwede Verzögerung, einfach so. Die Beschleunigung gleicht daher einem Katapultstart: Gnadenlos, linear und ohne Unterbrechung stürmt der Tesla nach vorn. So begeisternd das Fahr- und speziell das Beschleunigungserlebnis ist, so simpel ist die Antriebstechnik, die dahinter steckt. Ein E-Motor und eine Konstantübersetzung – that’s it.

Auch die enorm potenten V8-Benziner von BMW und Mercedes reißen die mehr als zwei Tonnen schweren Limousinen mit einer Leichtigkeit nach vorn, die beinahe surreal erscheint. Und auch sie schaffen den Sprint auf Tempo 100 in weniger als fünf Sekunden. Die explosive Leistungsentfaltung und die dadurch enorme Leichtigkeit des Tesla erreichen sie aber nicht. Vorteile haben die Verbrenner natürlich noch, wenn es um die Reichweite und die Zeit zum Tanken beziehungsweise Nachladen geht. Doch selbst hier schreitet die E-Mobilität und ganz speziell das Model S mit großen Schritten voran. Mit 85 kWh hat der Wagen enorm viel elektrische Energie an Bord, die im Alltag für einen Aktionsradius von deutlich mehr als 400 Kilometer sorgen sollte. Und kürzlich präsentierte Tesla-Gründer Elon Musk auf einer Show-Veranstaltung einen Blick in die Zukunft: Zu sehen war ein Model S, dessen Batterien schneller vollautomatisch ausgetauscht wurden als ein Audi A8 vollgetankt werden konnte.

Das Verblüffendste am Tesla ist jedoch nicht der famose Elektroantrieb, sondern die Reife des Fahrzeugs, die sich auch in Bereichen wie dem Fahrwerk oder der Bedienung zeigt. Das Geheimnis dazu ist schnell gelüftet: Die Amerikaner haben in großer Zahl Ingenieure von anderen Autofirmen abgeworben, deren Erfahrung in die Entwicklung eingeflossen ist. Das Ergebnis kann überzeugen: Zwar erreicht der Tesla trotz Luftfederung nicht das Komfortniveau der beiden deutschen Luxusliner – speziell Mercedes setzt hier mit dem neuen vorausschauenden Fahrwerk Maßstäbe. Dafür fährt sich das Model S aufgrund der ausgewogenen Gewichtsverteilung und des niedrigen Schwerpunkts ungemein agil.

Beim Bedienkonzept verfolgen die Amis ebenfalls eine andere Philosophie: Nahezu alle Fahrzeugfunktionen lassen sich über den riesigen 17-Zoll-Monitor steuern. Auf der Armaturentafel finden sich nur noch zwei Knöpfe: für die Warnblinkanlage sowie fürs Handschuhfach. Und die Bedienung erfolgt ähnlich einfach und intuitiv wie beim iPad – hier wird die Nachbarschaft zum nur 20 km entfernten Apple-Firmensitz erlebbar.

Hier gehen BMW und Mercedes andere Wege: BMW hatte mit dem iDrive-System als erster Autobauer der Tastenflut im Cockpit den Kampf angesagt und ist die aktuelle Benchmark auf dem Bediensektor, die neue S-Klasse brilliert hingegen mit ihrem im Vergleich zum BMW nochmals größeren Mittendisplay.

TECHNIK
     

BMW 750Li
Mercedes S 500 lang
Tesla Model S Performance
Motor V8-Zylinder,
4-Ventiler, Biturbo,
Direkteinspritzung
V8-Zylinder,
4-Ventiler, Biturbo,
Direkteinspritzung
Asynchron-E-Maschine
Hubraum 4395 cm³ 4663 cm³ -
Leistung
bei
330 kW / 450 PS
5500 /min
335 kW / 455 PS
5250 – 5500 /min
310 kW / 421 PS
5000 – 8600 /min
Max. Drehmoment
bei
650 Nm
2000 – 4500 /min
700 Nm
1800 – 3500 /min
600 Nm
0 – 5100 /min
Getriebe 8-Stufen-Automatik 7-Stufen-Automatik 1-Gang, Konstantübersetzung
Batterie - - Lithium-Ionen,
85 kWh
Antrieb Hinterrad Hinterrad Hinterrad
L/B/H 5219/1902/1481 mm 5246/1899/1491 mm 4970/1964/1445 mm
Radstand 3210 mm 3165 mm 2960 mm
Leergewicht 1960 kg 1940 kg 2108 kg
Kofferraum 500 l 530 l vorne: 150 l
hinten: 745 – 1645 l
MESSWERTE
     
0 - 100 km/h¹ 4,8 s 4,8 s 4,4 s
Höchstgeschwindigkeit¹ 250 km/h 250 km/h 210 km/h
(elektr. abger.)
EU-Verbrauch¹ 8,6 l SP/100 km 8,6 l SP/100 km 17,0 kWh/100 km
Norm-Reichweite¹ 930 km 907 km 500 km
CO2-Ausstoß¹ 199 g/km 199 g/km -
KOSTEN      
Grundpreis 100.500 Euro 107.636 Euro 95.900 Euro
¹ Werksangaben

Unser Fazit

In unserem verkürzten Testschema bringen das Tesla Model S acht erste, ein zweiter und drei dritte Plätze ganz nach vorn, die neue Mercedes S-Klasse und der BMW 7er teilen sich Rang zwei. Neben dem cleveren Karosserie- und dem neuartigen Bedienkonzept begeistert vor allem der E-Antrieb – die Reichweite ist für ein E-Mobil enorm. Mercedes und BMW punkten mit erstklassigen Komforteigenschaften und hohem Sicherheitsniveau, ansonsten kommt ihnen der Tesla überraschend nahe.

Alexander Lidl

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