BMW 750i gegen Maserati Quattroporte S Haute Couture

17.12.2008
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit


Italienischer Limousinen-Chic trifft auf die neueste Mode aus Bayern. Was eint, was unterscheidet den Maserati Quattroporte S und den BMW 750i?


Seit seinem Debüt im Jahr 2003 gilt der Maserati Quattroporte als Alternative zu den üblichen Verdächtigen, unter denen berufliche High-Ender normalerweise wählen: Audi A8, BMW 7er, Mercedes S, VW Phaeton, Jaguar XJ, Lexus LS. Ein Stammplatz in den Geschichtsbüchern ist dem Quattroporte ohnehin sicher: schönste Luxuslimousine des beginnenden 21. Jahrhunderts.

Bei der Vergabe dieses inoffiziellen Titels war der 7er-BMW nie in der engeren Wahl. Doch die Neuauflage kommt gefälliger daher mit weniger Heckmeck, dafür dominantem Kühlergrill und dem Versprechen, mit jeder Menge Hightech alles dafür zu tun, dass man entspannt, schnell, ausgeruht und ausgesprochen sicher ans Ziel kommt. Und BMW wäre nicht BMW, wenn das Ganze nicht mit einer gehörigen Prise Fahrspaß abgeschmeckt wäre.
Italienischer Chic in Gestalt des Maserati Quattroporte S trifft auf bayerisches Perfektionsstreben, vertreten durch den Top-7er 750i.

 

Karosserie

Was die flache, gleichwohl mächtige Karosserie auf den ersten Blick vermuten lässt, bestätigt sich nach dem Einsteigen. Der Maserati ist längst nicht so luftig geschnitten wie der BMW. Einzig der größere Beinraum hinten spricht für den Quattroporte, der mit italienischer Anmut die sehr subjektive Ambientewertung gewinnt. Die üppige Zusatzausstattung des Testwagens drückt aber aufs Gewicht: Mit 297 Kilogramm darf der Quattroporte nicht mehr zuladen als ein großes Reisemotorrad; Anhängerbetrieb ist gänzlich ausgeschlossen. So lässt sich der 450 Liter große Kofferraum (BMW: 500 Liter) kaum richtig nutzen.

Ebenso unbefriedigend ist es um die Funktionalität des Maserati bestellt. Das Bose-Multimediasystem (3570 Euro) ist zwar dank weniger Drehregler und Knöpfe aufgeräumt gestaltet, zeigt sich jedoch in der Praxis störrisch wie ein Esel und überschüttet den Fahrer selbst nach intensivem Studium des Benutzerhandbuchs mit Frusterlebnissen. Sprachbefehle bleiben weitestgehend unverstanden und ziehen kafkaeske Rückfragen nach sich, auf die das System aber keine Antwort mehr hören will. Jäger denken da mit kalter Wut an die gute Doppelläufige im Waffenschrank, andere möchten in Sack und Asche gen München ziehen, um die Entwickler des iDrive zu lobpreisen und jede Kritik an der ersten Generation reumütig zu widerrufen.

Wenig zu melden hat der Maserati auch bei der Sicherheitsausstattung, was sicher auch seinem konstruktiven Alter geschuldet ist. Gegen teils saftige Aufpreise lässt sich der BMW jedoch mit Toter-Winkel-Warnung, Spurhalte- und Nachtsichtassistenz, Abstandsregeltempomat, Front- und Heckkamera sowie Head-Up-Display ausstatten und erinnert den Fahrer sogar an Tempolimits.

KarosserieMax. PunkteMaserati Quattroporte SBMW 750i
Raumangebot vorn1008394
Raumangebot hinten1008093
Übersichtlichkeit703338
Bedienung/ Funktion1006783
Kofferraumvolumen1003541
Variabilität10003
Zuladung/ Anhängelast801143
Sicherheit15096120
Qualität/ Verarbeitung200170185
Kapitelbewertung1000575700

 

Fahrkomfort

Auf großer Fahrt zeigt der BMW in voller Pracht, was er kann. Unbehelligt von Fahrgeräuschen und souverän gefedert kommt seine Besatzung ans Ziel, wobei man den Einfluss der exzellenten Komfortsitze des Testwagens nicht überbewerten sollte. Dass auch die serienmäßigen Möbel sehr gelungen sind, lassen die wirklich einladenden Rücksitze vermuten. Der Maserati wiederum entwickelt höhere Windgeräusche und lässt, durchaus animierend, gern seine acht Zylinder posaunen. Große Fahrer finden trotz vielfältiger Justiermöglichkeiten der Komfortsitze  (4820 Euro) jedoch keine wirklich befriedigende Sitzposition.

Das Federn gelingt dem Quattroporte im Normalfall nicht so ausgewogen wie dem 750i, wobei beide im Extrem auf unschöne Weise zusammenrücken: Im Vierpersonenbetrieb kommt es hier wie da auf tiefen Bodenwellen
zu hartem Durchschlagen der Hinterachse, obwohl die Grundabstimmung beider Fahrwerke eindeutig straff ist.

FahrkomfortMax. PunkteMaserati Quattroporte SBMW 750i
Sitzkomfort vorn150122140
Sitzkomfort hinten1009096
Ergonomie150112124
Innengeräusche503547
Geräuscheindruck1008693
Klimatisierung504246
Federung leer200155182
Federung beladen200140160
Kapitelbewertung1000782888

 

Motor und Getriebe

Der Grund für diese Auslegung findet sich unter den Motorhauben: Mit 430 (Maserati) und 407 PS (BMW) sind Fahrleistungen möglich, die nach entsprechenden Reserven im Fahrwerks- und Bremsenbereich verlangen. So stürmen die zwei Luxusliner aus dem Stand in deutlich unter 20 Sekunden auf 200 km/h. Es ist nicht lange her, da galt dieser Wert als Schallmauer, die einzig Supersportwagen durchstießen.

Wichtiger als die messbaren Unterschiede (siehe Seite 88) ist die Art und Weise, wie die schnellen Limousinen ihre Kraft im Alltag präsentieren. Der BMW-Biturbo macht alles souveräner mit viel Drehmoment bei geringen Drehzahlen und empfiehlt sich so auch als Chauffeurs-Limousine. Das durch Ferrari-Gene geadelte Maserati-Triebwerk sucht gern höhere Drehzahlbereiche auf, wobei ihm die Sechsstufenautomatik mit fast schon zu spontanem Zurückschalten assistiert.

Dass der Quattroporte 280 km/h läuft, während der BMW bei 250 km/h sanft eingebremst wird, ist angesichts des Alltags auf deutschen Autobahnen ein eher akademischer Vorteil. Es verhilft ihm jedoch zum hauchdünnen Sieg in diesem Kapitel. Überholbar ist mit diesen High-Endern eigentlich jeder und alles, wobei diese Souveränität teuer erkauft ist: Gut 15 (BMW) bis knapp 16 Liter pro 100 km (Maserati) zerstäubten die Einspritzdüsen auf der gemischten Verbrauchsrunde; auf freier Autobahn lassen sich beide ihre Mühe gern mit mehr als 20 Litern vergüten.

Motor und GetriebeMax. PunkteMaserati Quattroporte SBMW 750i
Beschleunigung150136134
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15011390
Getriebeabstufung1009598
Kraftentfaltung504548
Laufkultur1009294
Verbrauch3258394
Reichweite2599
Kapitelbewertung1000573567

 

Fahrdynamik

Dass schnelle Autos gute Bremsen benötigen, muss den Entwicklern bei BMW und Maserati niemand erzählen. Beide Limousinen bremsen hervorragend, wobei sich der Münchner mit nur 33,9 Metern aus Tempo 100 bis zum Stand bei kalten Bremsen ein Extralob verdient.

Das ist auch angebracht für die Leichtfüßigkeit, mit der sich der Siebener durch Kurven treiben lässt. Obwohl der Testwagen über die Extras Dynamic Drive (aktive Stabilisatoren, 2360 Euro) und Integral-Aktivlenkung (1750 Euro) verfügte, absolvierte der ungemein traktionsstarke Quattroporte den Slalom und die Handlingstrecke um Nuancen schneller. Etwas anderes wäre für die betont sportliche Limousine auch beschämend.

Weniger schön ist allerdings, dass der Quattroporte bei hohem Tempo nicht so entschlossen geradeaus läuft wie der nahezu unbeirrbare BMW. Nachlassendes Feedback in der ansonsten Vertrauen erweckenden Lenkung deutet darauf hin, dass der Vorderwagen jenseits der 240 km/h mehr aerodynamischen Auftrieb bekommt, als der Stabilität gut tut.

FahrdynamikMax. PunkteMaserati Quattroporte SBMW 750i
Handling1509991
Slalom1007165
Lenkung1008386
Geradeauslauf503644
Bremsdosierung302122
Bremsweg kalt150104111
Bremsweg warm15099100
Traktion1004348
Fahrsicherheit150138140
Wendekreis2048
Kapitelbewertung1000698715

 

Umwelt und Kosten

Kauf und Unterhalt der zwei Luxusliner setzen stabile finanzielle Verhältnisse voraus. Angesichts des Maserati-Preises von  123350 Euro wirkt der 90000 Euro teure 750i zwar fast wie ein Sonderangebot. Doch auch diese Summe will erst einmal verkraftet sein. Und nach vier Jahren liegen die Restwerte – so die bittere DAT-Prognose – zudem nur bei einem guten Drittel des Neupreises.

Fast schon wie Klimpergeld wirken angesichts dieser fünfstelligen Summen die Beträge, die die Werkstätten für die turnusgemäße Wartung einstreichen. Dass der Maserati hier laut ADAC-Schätzung um den Faktor drei teurer ist als der BMW, passt ebenso ins Bild vom Exoten wie die Versicherungstypklassen. Für Haftpflicht und Vollkasko gehen da ohne Nachlässe mehr als 8000 Euro jährlich über den Tisch. Maserati bietet diesen Schutz – nicht unüblich für Kleinserienhersteller – jedoch in Kooperation mit der Haus-Assekuranz für 2300 Euro an.

Kosten/UmweltMax. PunkteMaserati Quattroporte SBMW 750i
Bewerteter Preis6752552
Wertverlust5014
Ausstattung251314
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502120
Werkstattkosten20012
Steuer1077
Versicherung402217
Kraftstoff551315
Emissionswerte257981
Kapitelbewertung1000181222

 

Fazit

Der 750i gewinnt vier von fünf Wertungskapiteln und entpuppt sich in nahezu allen Belangen als das
bessere Auto.

Doch auch der Maserati verdient seinen treuen Freundeskreis. Wer großmütig über seine Eigenheiten – etwa im Bereich der Bedienlogik – hinwegsehen kann, wird dafür reich entschädigt. Durch den faszinierenden Motor etwa, das anmutige Design und die außerordentliche Fahrdynamik.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMaserati Quattroporte SBMW 750i
Summe500056183092
Platzierung12

Tags:
Thermoelektrische Kühlbox 12V
UVP: EUR 67,95
Preis: EUR 26,39 Prime-Versand
Sie sparen: 41,56 EUR (61%)
PowerDrive Ladegerät
 
Preis: EUR 8,99 Prime-Versand
Bluetooth Receiver
 
Preis: EUR 13,99 Prime-Versand
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.