Diesel gegen Benziner: BMW 535 im Vergleichstest BMW 5er mit Benziner und Diesel im Test

05.08.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Hinter dem Kürzel 535 stecken bei BMW modernste Motorentechnik und die Spitze der Dreiliter-Klasse. Kann der Diesel seine Stärken ausspielen?

Es ist noch nicht lange her, da machte ein kleiner Buchstabe noch einen gewaltigen Unterschied. Das „i“ galt als Inbegriff für Leistung und Emotion – das „d“ hingegen für Gelassenheit und Sparsamkeit.

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Heute sind sich beide Zeichen näher als je zuvor. Und damit lässt sich vor allem bei Erlkönige: Alle BMW- und Mini-Neuheiten die Frage nach Benziner oder Diesel nicht mehr so pauschal und einfach beantworten wie früher. Auch der Blick in die technischen Daten genügt nicht mehr. Bei nahezu identischer Leistung versprechen Ottomotoren hier in der Zeile „Verbrauch“ so viel Zurückhaltung, dass der Gedanke ans immer noch deutlich teurere Dieselmodell fast im Keim erstickt wird. Auf der anderen Seite reduzieren CO2-arme Abgase die höhere Steuerbelastung des Diesels heute auf ein überschaubares Minimum. Wo Name, Optik und Leistung fast identisch sind, ist uns die Frage nach dem feinen Unterschied zwischen „d“ und „i“ erst recht einen Vergleichstest wert – einen mit zusätzlicher Verbrauchs-Prüfung.

 

Karosserie

Der5er BMW ist das ideale Auto, um Motoren der 300-PS-Klasse unter die Lupe zu nehmen. Als klassische Reiselimousine bietet er fünf Personen genügend Platz, beweist sich aber auch als agiles Sportgerät für Alleinfahrer. Das Umfeld dafür stimmt: Ein dickes Lenkrad, klassisch reduzierte Armaturen und eine Materialanmutung wie aus einem Guss vermitteln das geschätzte Gefühl, in einem BMW zu sitzen. Selbst die kritischsten Nörgler werden am 5er kaum etwas zu meckern haben. Vor allem die hochpreisigen Ausstattungen mit Leder (ab 2010 Euro), Navi (ab 1840 Euro) und Komfortsitzen (Stoff, 2260 Euro), die bei den 535ern nicht selten bestellt werden, überzeugen mit absoluter Perfektion. Und die Bedienung der vielen elektronischen Extras gelingt durch und durch intuitiv.

Für den Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit hat BMW allerlei Ergänzungen im Programm. Zur Wahl stehen ein M-Sportfahrwerk, die dynamische Dämpferkontrolle mit einstellbarer Fahrwerksabstimmung, eine Integral-Aktivlenkung an allen vier Rädern, Dynamic Drive zur Reduzierung von Wankbewegungen und eine Sport-Automatik mit Schaltwippen am Lenkrad. Der 535i in diesem Vergleich ist zusätzlich mit dem M-Sportpaket für 4950 Euro bestückt, das veränderte Front- und Heckschürzen, einen dunklen Dachhimmel sowie M-Lederlenkrad und -Fußstütze beinhaltet. Bei aller Ausstattungsvielfalt des 5er fehlen in der Aufpreisliste dennoch die klassenüblichen hinteren Seitenairbags und ein Knieairbag für den Fahrer.

KarosserieMax. PunkteBMW 535dBMW 535i
Raumangebot vorn1008888
Raumangebot hinten1009090
Übersichtlichkeit703737
Bedienung/ Funktion1008383
Kofferraumvolumen1004343
Variabilität1001313
Zuladung/ Anhängelast803736
Sicherheit150109109
Qualität/ Verarbeitung200189189
Kapitelbewertung1000689688

 

Fahrkomfort

Wer neben dem Anschaffungspreis noch 4270 Euro übrig hat, sollte das Geld in die mit dickem Leder bespannten Komfortsitze investieren. Perfekt eingestellt lässt es sich in kaum einem anderen Auto besser aushalten. Die Federung im 5er ist ohnehin sehr harmonisch, vor allem wenn die optionale Dämpferkontrolle auf Comfort steht. Hier wirkt der auf der Vorderachse 22 kg schwerere Diesel sogar noch einen Tick geschmeidiger. Mit voller Beladung sind beide Modelle etwas überfordert. Dafür halten sie sich akustisch zurück. Während der Diesel beruhigend vor sich her brummt, hört man vom Benziner bei normaler Fahrt überhaupt nichts. Erst bei höheren Drehzahlen macht er sich durch eindrucksvolles Fauchen bemerkbar.

FahrkomfortMax. PunkteBMW 535dBMW 535i
Sitzkomfort vorn150132132
Sitzkomfort hinten1008585
Ergonomie150121121
Innengeräusche503946
Geräuscheindruck1008585
Klimatisierung504343
Federung leer200158156
Federung beladen200152151
Kapitelbewertung1000815819

 

Motor und Getriebe

Derzeit stehen für den BMW 5er insgesamt sechs Reihensechszylinder mit drei Liter Hubraum zur Wahl – drei Diesel (525d, 530d, 535d) und drei Benziner (523i, 528i, 535i). Die 535er bilden jeweils die Spitze der Dreiliter-Klasse.

Der 535d ist dabei als einziger mit zwei Turboladern ausgerüstet. Die haben eine unterschiedliche Größe und teilen sich die Arbeit über das Drehzahlspektrum auf (Registeraufladung). Der kleine Lader arbeitet vor allem bei niedrigen Drehzahlen, wo weniger Luftvolumen umgesetzt wird. Seine kleineren Schaufeln sprechen durch ihre geringere Massenträgheit zudem deutlich schneller an. Bei mittleren Drehzahlen arbeiten beide Verdichter zusammen, bei hohen schaufelt nur noch der große Lader Luft in die Brennräume.

Das Prinzip verhilft dem Diesel nicht nur zu 300 PS, sondern auch zu hervorragendem Ansprechverhalten und einem gigantischem Drehmoment von 600 Newtonmetern. In der Praxis scheint der Motor die gewaltige Kraft spielerisch aus dem Ärmel zu schütteln. Um einen satten Antritt zu übersetzen, muss die butterweiche Achtstufenautomatik nur selten einen Gang herunterschalten. Der normale und sogar leicht sportliche Alltag spielt sich im 535d zwischen 1000 und 2000 Umdrehungen ab. Bei Bedarf kann er aber Beschleunigungswerte von Sportwagen erzielen. Auf Tempo 100 ist er in 5,6 Sekunden, nur eine Sekunde später als ein 420 PS starkes M3 Coupé.

In der gleichen Liga spielt auch der 535i, der seine 306 PS und 400 Newtonmeter über ein breites Drehzahlspektrum physisch spürbar macht. Kaum zu glauben, dass hier nur ein Turbolader am Werk ist. Das Zauberwort heißt Twin-Scroll – Doppel-Spirale. Laufen die Abgaskanäle bei einem herkömmlichen Motor direkt nach dem Brennraum zu einem Rohr zusammen, sind es beim Twin-Scroll-Prinzip zwei. Sie trennen die Abgase von jeweils drei Zylindern und laufen erst direkt vor dem Turbinenrad des Turboladers zusammen. So können sich die Abgasimpulse nicht gegenseitig behindern, und es geht keine kinetische Energie verloren – wie zum Beispiel durch zwei gleichzeitig geöffnete Auslassventile. Das Ergebnis: mehr Leistung, besserer Wirkungsgrad und weniger Verbrauch. Zudem sind im 535i erstmalig Turboaufladung, Direkteinspritzung und vollvariable Ventilsteuerung zusammen im Einsatz.

Wie effektiv diese Kombination funktioniert, zeigt ein ausgiebiger Verbrauchstest. Die schwarzen 5er müssen sich neben der Normverbrauchsrunde (die alle Testwagen absolvieren) zwei zusätzlichen Sonderschichten unterziehen: eine Konstantfahrt über 100 Kilometer mit Tempo 90 und eine ebenso weite Stadtverkehr-Runde. Wie erwartet ist der Diesel in allen Tests das sparsamere Auto. Doch bleibt der 535i mit einem Mehrverbrauch von unter zwei Litern stets im vertretbaren Rahmen. Für eine rund 1,9 Tonnen schwere Limousine mit 306 PS starkem Benziner ein sehr guter Wert.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW 535dBMW 535i
Beschleunigung150134132
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1509090
Getriebeabstufung1009797
Kraftentfaltung504036
Laufkultur1008085
Verbrauch325201165
Reichweite251310
Kapitelbewertung1000655615

 

Fahrdynamik

Es gibt derzeit kaum eine andere Limousine dieser Größenund Gewichtsklasse, die sich so leichtfüßig und sicher über den Handlingparcours bewegen lässt wie der 5er BMW. Weil beide Motoren sehr direkt am Gas hängen und die Automatik im Sportmodus immer den richtigen Gang wählt, liegen beide Autos auf Augenhöhe. Wer auf abgesperrter Strecke das ESP (DSC) deaktiviert, wird seine Freude am mitlenkenden Heck haben – schwerwiegende Driftsucht nicht ausgeschlossen.

FahrdynamikMax. PunkteBMW 535dBMW 535i
Handling1508281
Slalom1006863
Lenkung1009189
Geradeauslauf504545
Bremsdosierung302121
Bremsweg kalt1507375
Bremsweg warm1508186
Traktion1004040
Fahrsicherheit150125125
Wendekreis201010
Kapitelbewertung1000636635

 

Umwelt und Kosten

Der Preisunterschied von mehr als 6000 Euro beinhaltet das Automatikgetriebe, das es im 535d serienmäßig gibt. Nach Abzug von 2200 Euro für die Achtgang-Box bleibt am Ende ein Aufpreis von 3900 Euro für den Diesel. Hinzu kommen die um 160 Euro höheren Steuern und die etwas teureren Versicherungseinstufungen. Dafür verbraucht man im Schnitt zwei Liter weniger je 100 Kilometer und tankt den etwas günstigeren Sprit. Dennoch schafft es der Diesel in diesem Kapitel nicht, die Mehrkosten bei der Anschaffung aufzuholen.

Doch in dieser Fahrzeugklasse dürften weniger als 4000 Euro Preisunterschied kaum eine Kaufentscheidung beeinflussen. Zwischen dem kleinen „d“ und dem kleinen „i“ liegt also nur die Frage der Philosophie – und das jetzt stärker als je zuvor.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW 535dBMW 535i
Bewerteter Preis675100109
Wertverlust501112
Ausstattung251515
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502020
Werkstattkosten201414
Steuer1068
Versicherung402023
Kraftstoff553428
Emissionswerte258587
Kapitelbewertung1000305316

 

Fazit

Die stärksten Sechszylinder im BMW-Programm sind traumhafte Motoren: Kraft aus jeder Lebenslage, absolut laufruhig und erstaunlich sparsam. Im Fünfer haben beide Aggregate das passende Umfeld für Sportlichkeit und Komfort. Der 535d gewinnt den Vergleich mit niedrigerem Verbrauch und einem Tick mehr Gelassenheit. Der Verbrauchsunterschied ist aber nicht riesig. Der technische Aufwand mit Twin-Scroll-Lader und Valvetronic beim Benziner hat sich bezahlt gemacht.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW 535dBMW 535i
Summe500031003073
Platzierung12

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