BMW 530d/Mercedes E 350 d/Audi A6 TDI/Volvo S 90: Test Der neue BMW 5er im ersten Fahrvergleich

von AUTO ZEITUNG 05.04.2017
Inhalt
  1. Testdisziplin: Fahrvergleich E-Klasse, S 90 und A6
  2. Wer sammelt Komfortpunkte in Sachen Laufkultur?
  3. Neuer BMW 5er mit imposantem Sicherheitspaket
  4. Zum Marktstart ein großes Motorenangebot
  5. Technische Daten

Wenn BMW einen neuen 5er auf den Markt bringt, dann ist das immer etwas ganz Besonderes. Nach der sieben Jahre lang gebauten Baureihe F10 beginnt jetzt das Zeitalter des G30. Die erste Testdisziplin: ein Fahrvergleich. Hier trifft der Neue nun auf seine ebenfalls frisch eingekleideten Geschäfts-Kollegen von Audi, Mercedes und Volvo.

Wer sich auch nur ein bisschen für die Nachkriegs-Geschichte von BMW interessiert, wird die unterschiedlichen Epochen der Münchner in der Neuzeit gewiss mit automobilen Meilensteinen abstecken. Und nicht selten stammen die aus der Oberklasse. Ob die "Neue Klasse" aus den 60ern, der M535i von 1980 als Urvater der M5-Dynastie, der Designwandel von Claus Luthe beim E34 mit seinen L-förmigen Rückleuchten oder der noch krassere Bruch mit den Linien von Christopher Bangle nach der Jahrtausendwende – in der Ahnenreihe des 5er aus München war immer etwas los. Auch die nun auslaufende Baureihe F10 ist ein bemerkenswertes Kapitel für sich, denn sie gilt als bisher erfolgreichste 5er-Generation. Das dürfte vor allem daran liegen, dass sie nicht nur zu den sportlichsten Vertretern der Business-Schicht zählte, sondern gleichzeitig auch zu den komfortabelsten. Wenn BMW nun also an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen will, dann könnte die Messlatte kaum höher liegen. Als wäre der eigene Anspruch nicht genug, wächst auch noch der Druck von außen immens. Denn Mercedes hat die neue E-Klasse gerade als intelligenteste Hightech-Businesslimousine positioniert, Audi den A6 längst als Preis-Leistungs- und Qualitätsmaßstab etabliert, und Volvo legte mit dem imposanten S 90 ein Flaggschiff zum Staunen auf Kiel. Nicht zuletzt mischen außerdem so attraktive Außenseiter wie der Jaguar XF, der Lexus GS oder der Infiniti Q70 die Klasse auf (siehe Seite 23). Selten hatten die Kunden im heiß umkämpften Geschäftswagen-Segment eine so hochklassige Auswahl.

Der neue BMW 5er im Video:

 
 

Testdisziplin: Fahrvergleich E-Klasse, S 90 und A6

Der von Grund auf neu konzipierte 5er wird sich nun zunächst auf seine Kerntugend konzentrieren: Sportlichkeit. Er sollte leichter und agiler werden als sein Vorgänger – ohne auf das gute Platzangebot zu verzichten. Dass hier ein großes Häkchen im Lastenheft gemacht werden kann, bewiesen uns die Bayern bei der letzten Abnahmefahrt der neuen Generation G30 (Heft 20/2016). Mit Sportfahrwerk, Allradantrieb und Integral-Aktivlenkung jagte der neue 530d xDrive (ab 56.900 Euro) über die schmalen britischen Landstraßen, dass es die reine Freude war. Dabei passt der 265 PS starke Dreiliter-Diesel perfekt zum glanzvollen Charakter des Münchners, schiebt schon aus niedrigen Drehzahlen mächtig an und beherrscht auch die lässige Gangart perfekt. Nicht ohne Grund gehört ein Sechszylinder-Diesel in dieser Klasse zum guten Ton. Zum Vergleich: Mercedes bietet den bärigen E 350 d mit 258 PS für 55.603 Euro an. Und dass auch die E-Klasse sportliche Talente besitzt, konnte sie bereits in etlichen Vergleichstests beweisen. Die Stärke der E-Klasse ist aber der Komfort. Mercedes setzt auf eine optionale Luftfederung, um maximalen Komfort zu gewährleisten. Der neue 5er hingegen profitiert von seinen sensiblen Federelementen, reduzierten ungefederten Massen und neuer Wankstabilisierung per elektrischer statt wie bisher hydraulischer Schwenkmotoren. Kanten und Wellen werden beim 5er gekonnt herausgefiltert. Bisherige Mercedes-Testfahrzeuge zeigten vor allem mit optionaler Luftfederung – insbesondere bei langsamer Fahrt – ein teilweise stößiges Ansprechverhalten. Das gilt auch für den hölzern auf Kanten agierenden Volvo – trotz Luftfederung an der Hinterachse. Der ebenfalls optional mit Luftfederung ausgestattete Audi lag bisher durch sein straffes, aber noch geschmeidiges Fahrwerk zwar nicht immer beim Komfort vorn, hatte aber keine Mühe, die Dynamik-Krone unter den Business-Limousinen zu verteidigen. Auch das dürfte der agile und ausgesprochen leichtfüßige 5er ändern.

Fahrbericht Neuer BMW 5er: Erste Fahrt
Neuer BMW 5er: Erste Fahrt im G30  

BMWs neuer 5er bleibt sportlich

 

Wer sammelt Komfortpunkte in Sachen Laufkultur?

Aber zurück zum Antrieb. Dass BMW den sehr kultivierten und gut am Gas hängenden Dreiliter- Sechszylinder-Diesel zudem wirkungsvoll gekapselt hat, verschafft ihm weitere Pluspunkte im künftigen Prestige-Kampf. Denn der Selbstzünder des Mercedes macht zwar mit seinem durchdringenden Bass eindeutig klar, welche Kraftreserven er bereithält, die Laufkultur dürfte allerdings etwas feiner ausfallen. Wie beim BMW werden auch bei der E-Klasse bis zu 620 Newtonmeter Drehmoment auf die Hinterräder losgelassen und katapultieren den Mercedes nach vorn. Der Audi A6 3.0 TDI hält sich von den Eckdaten zwar noch etwas zurück – maximal 580 Nm produziert der Dreiliter-Diesel hier. Bei den Fahrleistungen fährt der Ingolstädter dank serienmäßigem Allradantrieb aber ganz vorn mit. Bleibt abzuwarten, ob er sich damit bei einem ersten Vergleichstest gegen den neuen 5er behaupten kann. Denn auf den engen Berg- und Talpisten der englischen Provinzen lässt uns die neue 5er-Generation G30 richtig staunen. Präzise und willig lenkt der Münchner ein, ohne dabei auch nur einen Hauch von Unruhe aufkommen zu lassen. Im Gegenteil. Je näher der Grenzbereich rückt, desto größer wird das Vertrauen, das der neue 5er ausstrahlt. Dabei bietet er erstmals einen "Sport-Individual-Modus" im Fahrerlebnismenü an: Lenkung, Antrieb und Fahrwerk lassen sich also individuell einstellen. Preislich zeigt sich der Audi allerdings sportlicher kalkuliert: Der 3.0 TDI mit 218 PS und Frontantrieb startet bei 49.250 Euro. Selbst mit 272 PS und Allradantrieb quattro für 54.650 Euro bleibt er preislich noch unterhalb des vergleichbar angetriebenen BMW. Ganz zu schweigen vom fast fünf Meter langen Volvo S 90, den es aber nur mit Vierzylinder-Motoren gibt (D5 mit 235 PS, Allradantrieb und Automatik für 54.450 Euro). Bietet der Schwede für sich betrachtet eine imposante Fahrdynamik, verblasst er im Vergleich zu den durchtrainierteren Deutschen auf der schnellen Piste ein wenig. Die Fahrleistungen der potenten Sechszylinder erreicht der S 90 mit seinem im Vergleich laut knatternden Vierzylinder-Selbstzünder nicht ganz.

 

Neuer BMW 5er mit imposantem Sicherheitspaket

Allerdings glänzt er mit Top-Verbräuchen von unter fünf Litern auf 100 km und attraktivem Ambiente. Zudem ist er auch günstiger als der 5er. Dafür sieht dieser dem 17 Zentimeter längeren 7er zum Verwechseln ähnlich. Die gewölbte Motorhaube, die scharfe Linie entlang der Seite bis hin zu den großen Rückleuchten – all das erinnert an das im vergangenen Jahr erneuerte Oberklasse-Flaggschiff. Auch innen haben die Ingenieure das Rad nicht neu erfunden, sondern das Cockpit im Stil des 7er übernommen – sei es das neu gestaltete Lenkrad mit den verschieden geformten Multifunktions-Tasten oder das 10,25 Zoll große Zentraldisplay des Online-Navis für 2200 Euro, das sich überdies mit Gesten steuern lässt (250 Euro). Materialauswahl und Verarbeitungsqualität liegen auf ebenso hohem Niveau. Und das Platzangebot wird für vier Erwachsene im 5er wohl bequem ausreichen. Und weil es für den 5er sogar die Option für das ferngesteuerte Ein- und Ausparken (500 Euro) sowie die Rundum-Radarüberwachung mit Kreuzungs- und Querverkehrswarnung gibt (Driving Assistant Plus: 2800 Euro), könnte der 7er mit dem kürzeren Ableger jetzt eventuell seinen Hauptkonkurrenten gefunden haben. Der ist obendrein fast 30.000 Euro günstiger: Einen 730d gibt es erst ab 83.200 Euro – den 530d schon ab 54.300 Euro. Eine solch imposante Sicherheitsausstattung ist (wenn auch optional) längst nicht selbstverständlich in der Oberklasse. Bisher kann nur der Mercedes mit einer derart umfangreichen Sensorik punkten. Auch er entlastet seinen Fahrer auf der Autobahn mit einer temporären Autopilot-Funktion – hier sogar inklusive eines Überholassistenten. Dagegen und auch gegen den sicherheitstechnisch topmodern ausgerüsteten Volvo sieht der konzeptionell etwas betagte A6 ein wenig alt aus.

 

Zum Marktstart ein großes Motorenangebot

Günstigster 5er wird zur Markteinführung im Februar zunächst der 520d mit 190 PS für 45.200 Euro. Zudem gibt es eine ganze Reihe kräftiger Alternativen mit aufgeladenen Benzinern – angefangen beim 530i mit 252 PS starkem Turbo-Vierzylinder (ab 49.800 Euro). Der soll aus dem Stand in 6,2 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Der 540i mit aufgeladenem Sechszylinder (ab 57.700 Euro) leistet sogar 340 PS und schafft den Sprint laut BMW in 5,1 Sekunden. Alle Modelle – bis auf den BMW 520d Efficient-Dynamics Edition – werden auch mit Allradantrieb angeboten.

 

Technische Daten

BMW 530d xDriveMercedes E 350 d
MotorR6, TurbodieselV6, Turbodiesel
Hubraum2993 ccm2987 ccm
Leistung265 PS258 PS
Max. Drehmoment620 Nm620 Nm
Getriebe8-Stufen-Automatik9-Stufen-Automatik
AntriebAllradHinterrad
L/B/H in mm4936/1868/14794923/1852/1468
Leergewicht1695 kg1800 kg
0-100 km/h5,4 s5,9 s
Höchstgeschwindigkeit250 km/h250 km/h
Verbrauch5,0 l D/100 km5,5 l D/100 km
Grundpreis56.900 Euro55.603 Euro
Technische DatenAudi A6 3.0 TDI quattroVolvo S 90 D5 AWD
MotorV6, TurbodieselR4, Bi-Turbodiesel
Hubraum2967 ccm1969 ccm
Leistung272 PS235 PS
Max. Drehmoment580 Nm480 Nm
Getriebe7-Gang-Doppelkupplung8-Stufen-Automatik
AntriebAllradAllrad
L/B/H in mm4933/1860/14454963/1895/1443
Leergewicht1845 kg1904 kg
0-100 km/h5,5 s 7,0 s
Höchstgeschwindigkeit250 km/h240 km/h
Verbrauch5,2 l D/100 km4,8 l D/100 km
Grundpreis54.650 Euro54.450 Euro

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Unser Fazit

Selten war die obere Mittelklasse so modern und erstklassig besetzt wie heute. Doch der neue 5er BMW bietet schon kurz vor seiner Einführung genug Highlights für einen furiosen Marktstart. Vor allem mit der Kombination aus sensationell agilem Handling und souveränem Komfort könnte der Bayer der E-Klasse den Rang des Klassenprimus ablaufen. Der agile, sportlich ausgelegte Audi A6 dürfte – bis er in den nächsten zwei Jahren einen Nachfolger erhält – das Nachsehen haben. Dem Volvo fehlt etwas Feinschliff beim Komfort und vor allem ein laufruhiger Sechszylinder.

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