BMW 3er Facelift: F30 LCI als 340i im Fahrbericht Der Meister aus München

17.07.2015

Optisch kaum vom Vorgänger zu unterscheiden, hat sich beim neuen BMW 3er Facelift 2015 unter der Haube einiges getan. Kann der aufgefrischte Münchener im Fahrbericht überzeugen?

In der gehobenen Mittelklasse ist es ein bisschen wie im Fußball: Es gibt zwar ein paar Höhen und Tiefen, aber am Ende kommt der Meister doch aus München. Und so, wie der FC Bayern die Bundesliga dominiert, so gibt auf der Straße der Dreier den Ton an. Diese Rollenverteilung haben die Bayern, also die im Vierzylinder-Hochhaus, nicht die an der Säbener Straße, in den letzten 40 Jahren derart perfektioniert und zementiert, dass sie nicht im Traum daran rütteln wollen – und ihr wichtigstes Modell deshalb entsprechend sorgsam pflegen.

 

BMW 340i Facelift: F30 LCI im Fahrbericht

Wenn der Dreier deshalb jetzt zur Hälfte der Laufzeit überarbeitet wird und Ende Juli als Facelift F30 LCI in den Handel geht, muss man innen wie außen schon dreimal hinschauen, um die Änderungen zu erkennen. Oder man nimmt einfach die Preisliste als Indikator. Denn so wenig Designer und Ingenieure an dem Bestseller geändert haben, langen wenigstens die Kaufleute zu und schlagen beim Basismodell kurzerhand 600 Euro auf, so dass die Benziner künftig bei 30.200 und die Diesel bei 32.600 Euro in der Limousine und jeweils 1700 Euro mehr im Kombi starten.

Vorne und hinten neue Schürzen, die Rücklichter serienmäßig und die Frontscheinwerfer gegen Aufpreis mit LED-Technik, dazu innen ein bisschen mehr Zierrat im Cockpit und ein schlaueres Navigationssystem, das jetzt den LTE-Standard nutzt und sich über Funk regelmäßig selbst auf dem neuesten Stand hält – auch wenn die Konkurrenz mittlerweile mit Luftfederung aufwartet, mit Touchpads oder klimatisierten Sitzen, hat BMW tiefere Eingriffe offenbar als überflüssig empfunden. Selbst die antiquierte weil mechanische Handbremse bleibt dem Dreier noch ein paar Jahre erhalten.
 
Erst wenn man die Haube hebt, dann erkennt man, dass den Bayern der Dreier eine Herzensangelegenheit ist. Denn nicht umsonst haben sie das Gros der vier Benziner und sieben Diesel von 116 bis 326 PS optimiert oder gleich ganz ausgetauscht.
 
Dabei war die Effizienz das oberste Gebot – irgendwie muss das 95 g/km-Ziel ja zu knacken sein. Dafür steht bei den Selbstzündern zum Beispiel die Efficient Dynamics Edition des 320d: Obwohl 163 PS stark, verbraucht die Limousine jetzt nur noch 3,5 Liter und wird mit einem CO2-Ausstoß von 99 g/km zum saubersten Dreier aller Zeiten. Allerdings kann sie diesen Rekord nicht lange halten. Denn Anfang nächsten Jahres legt BMW den Bestseller an die Leine und bietet im 330e zum ersten Mal einen Plug-In-Hybrid an (weitere Infos finden Sie hier). Der kombiniert einen Vierzylinder-Benziner mit einer E-Maschine im Getriebe und einem Lithium-Ionen-Akku im Heck, kommt auf eine Systemleistung von 252 PS und ist dank einer elektrischen Reichweite von bis zu 35 Kilometern zumindest in der Theorie des Prüfstandes mit 2,1 Litern zufrieden.

Video von der Premiere des BMW 3er Facelift

Wie eng Fluch und Segen der modernen Zeit beieinander liegen, zeigt dagegen der Blick auf die Benziner. Da trösten die Entwickler Traditionalisten mit einem neuen Reihensechszylinder für den 340i, der aus seinen drei Litern Hubraum nun 326 PS und 450 Nm schöpft, mit der Achtgang-Automatik in 5,1 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und absolut mühelos sein Limit von 250 km/h erreicht. Denn mit seinem leidenschaftlichen Antritt, dem schier unbegrenzten Durchzug und der betont lustvollen Abstimmung beweist er eindrucksvoll, weshalb der Dreier noch immer der Maßstab für eine sportliche Limousine in der Mittelklasse ist. Und sie beweisen mit einem neuen Vierzylinder für den 320i mit 184 und den 330i mit 252 PS, dass die Mitte alles andere als mäßig ist.
 
Aber gleichzeitig schockieren sie die gusseisernen Sportfahrer mit dem ersten Dreizylinder im Dreier. Denn dem neuen 318i müssen künftig 1,5 Liter Hubraum reichen. Immerhin schöpft er daraus - dem Turbo sei Dank - genau wie bisher der 316i mit 1,6-Liter-Vieryzlinder 136 PS – ist aber mit einem Normverbrauch von 5,0 Litern 13 Prozent sparsamer. Auf dem Papier klingt das vielleicht nach einer vernünftigen Lösung. In der Praxis allerdings fehlt offenbar selbst den Mannen aus München das Vertrauen in dieses radikale Downsizing. Denn zumindest in der Flotte für die erste Ausfahrt mit dem neuen Dreier sucht man nach dem Dreizylinder leider vergebens.

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