BMW 320i, Mercedes C 200 K und Volvo S40 2.4i Leuchtende Beispiele

30.11.2006
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der Weg weist nach Norden, denn mit dem komplett neuen Volvo S40 drängen die Schweden stärker denn je in das Premiumsegment der Mittelklasse. Dort warten der BMW 320i und der frisch geliftete Mercedes C 200 Kompressor. Kann das neue Nordlicht die etablierte Konkurrenz aus dem Fahrwasser bringen?

Volvo wagt einen neuen Angriff auf die deutschen Premiumhersteller. Neben dem typischen Familiengesicht weist der S40 eine deutlich dynamischere Ausrichtung auf. So basiert er beispielsweise auf der gleichen Plattform wie der nächste Ford Focus (Herbst 2004) und der aktuelle Mazda3, dessen fahraktives Handling überzeugt.

 

Karosserie

Optisch anders sein, darin besteht die Stärke des Volvo S40. Seine charakteristische Form mit breiter Schulterpartie fällt sofort ins Auge. Doch das knapp geschnittene Raumangebot enttäuscht. Vorn fühlt man sich durch die breiten und weit in das Innere hineinragenden Türverkleidungen fast wie eingemauert. Dennoch bleibt ausreichend Bewegungsfreiheit. Nur Personen von mehr als 1,85 Meter Körpergröße finden im Fond am niedrigen, eingezogenen Dach weniger Gefallen und stoßen mit dem Kopf an das selbige. Auch der Knieraum fällt im Volvo knapp aus. Zwar gehört der BMW 320i ebenfalls nicht zu den Platzriesen, doch fühlt man sich in Sitzreihe zwei besser untergebracht. Am angenehmsten sitzt es sich jedoch im Mercedes C 200 Kompressor, der insgesamt den luftigsten Eindruck hinterlässt. Mit 404 Liter Fassungsvermögen bietet der S40 zwar den kleinsten Kofferraum, doch offeriert bereits die Basisversion eine serienmäßig geteilt umklappbare Rückbank und die höchste Zuladung. Mercedes (455 Liter Ladevolumen) verlangt für dieses praktische Feature 290 Euro, bei BMW (440 Liter) kostet die Durchladeeinrichtung 360 Euro, immerhin mit Skisack. Bei der Bedienung gehen die Schweden mit einer freischwebenden Mittelkonsole einen unkonventionellen Weg. Während die darauf befindlichen vier großen Dreh-Drückregler für Heizung, Gebläse und Radiofunktionen griffgünstig zur Hand liegen, enttäuscht das mittig dazwischen platzierte Bedienelement. Die einer TV/Video-Fernbedienung nachempfundene Tastatur ist schlicht zu klein und deren Anordnung nicht auf Anhieb erkennbar. Luftverteilung und Klimaanlage werden zudem vom Schalthebel verdeckt. Die viel gelobte Volvo-Funktionalität wurde beim S40 zu Gunsten des edel anmutenden Stylings geopfert. Weitere Minuspunkte kassiert der Volvo wegen seiner geringen und kaum brauchbaren Ablagemöglichkeiten wie die viel zu flach geratenen Türtaschen. Dafür hinterlassen die hochwertigen Materialien - bis auf die lieblos gestalteten Cupholder zwischen den Vordersitzen - einen angenehmen Eindruck. Mit einfachster Bedienbarkeit und sehr hoher Verarbeitungsqualität weiß der BMW zu überzeugen, dicht gefolgt vom Mercedes, der seit seiner Modellpflege mit nun wesentlich leichter ablesbaren Instrumenten aufwartet. Er gewinnt dieses Kapitel auch dank seines gleichermaßen guten Raumangebots für Passagiere und Gepäck.

KarosserieMax. PunkteMercedes C 200 KompressorBMW 320 iVolvo S40 2.4i
Raumangebot vorn100696065
Raumangebot hinten100575550
Übersichtlichkeit70626060
Bedienung/ Funktion100808578
Kofferraumvolumen100464440
Variabilität100111118
Zuladung/ Anhängelast80323033
Sicherheit150111111108
Qualität/ Verarbeitung200185190175
Kapitelbewertung1000653646627

 

Fahrkomfort

Derbe Fahrbahnunebenheiten wie Schlaglöcher, Querfugen und Kanaldeckel filtert der BMW am besten. Die sensibel ansprechende Feder-Dämpfer-Einheit trägt seine Passagiere – sowohl leer als auch mit maximaler Zuladung – am geschmeidigsten über Unebenheiten aller Art. Auch Mercedes setzt auf Komfort. Die C-Klasse federt nicht ganz so harmonisch, doch kann auch dem Schwaben ein ebenfalls hohes Niveau bescheinigt werden. Dass Volvo eine eher sportliche Zielrichtung verfolgt, zeigt der S40 auf den Marterpisten. Schnell aufeinander folgende Bodenwellen verarbeitet er wesentlich steifbeiniger. Kleinere Unebenheiten sind zwar deutlich spürbar, aber diese schluckt das Fahrwerk wiederum gut. Windgeräusche an der A-Säule und kurze Sitzflächen schränken den Komfort zusätzlich ein. Leise und mit langstreckentauglichen, breiten Sitzen sichert sich der Mercedes den Kapitelsieg. Die gut konturierten, aber straffen Polster im BMW bescheren ihm einen Punktabzug, bieten aber einen guten Seitenhalt.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes C 200 KompressorBMW 320 iVolvo S40 2.4i
Sitzkomfort vorn1501009590
Sitzkomfort hinten100706568
Ergonomie150125130118
Innengeräusche50464346
Geräuscheindruck100687065
Klimatisierung50392628
Federung leer200140150135
Federung beladen200150153144
Kapitelbewertung1000738732694

 

Motor und Getriebe

Mercedes setzt auf einen Vierzylinder mit 1,8 Liter Hubraum, der es mittels Kompressor auf 163 PS bringt. Der Volvo verfügt über fünf Zylinder und schöpft seine 170 PS aus hubraumstarken 2,4 Litern, während der gleich starke BMW einen 2,2-Liter-Reihen-Sechszylinder unter seiner Haube beherbergt. Auf Grund der Leistungsnähe liefert sich das Trio nahezu ein Kopf-an-Kopf Rennen. Für den Sprint von null auf 100 km/h benötigt der 320i exakt 8,8 Sekunden, der Volvo 9,1 und der Mercedes 9,3 Sekunden. Der Einsatz des mechanischen Laders ist beim C 200 kaum spürbar, der raue Motorenklang durch eine aufwändige Motorkapselung gut gedämmt. Der sonor-sympathische Klang des vibrationsarmen Volvo-Fünfzylinders überzeugt, sieht man von leichten Brummfrequenzen zwischen 3500 und 4500 Umdrehungen einmal ab. Mit der samtig-weichen Laufkultur des BMW kann er aber nicht mithalten. Die genaue Fünfgang-Schaltbox des Bayern ist ein Muster an Präzision, allerdings treibt die kurze Übersetzung den Motor bei Vollgas auf der Autobahn (Spitze: 226 km/h) in den roten Bereich. Leichtgängig und gut abgestuft arbeitet die Schaltung im Volvo, der mit 220 km/h nur unwesentlich langsamer ist. Dem 234 km/h schnellen Mercedes müssen sich jedoch beide beugen. Den Tempo-Vorsprung verdankt der Schwabe hauptsächlich seiner langen Übersetzung, vor allem im sechsten Gang. Seit seiner Überarbeitung gestaltet sich die Arbeit am Schalthebel nun einfacher, doch weiterhin etwas widerspenstig. Dafür erzielt der Mercedes mit 9,5 Litern den günstigsten Verbrauch. Exakt 9,8 Liter gönnt sich der BMW, allerdings teures Super Plus, beim Volvo sind es im Schnitt 10,0 Liter Super.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes C 200 KompressorBMW 320 iVolvo S40 2.4i
Beschleunigung150142147144
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1501049690
Getriebeabstufung100769088
Kraftentfaltung50728379
Laufkultur100252624
Verbrauch325145142140
Reichweite25232221
Kapitelbewertung1000587606586

 

Fahrdynamik

Richtig handlich ist er geworden, der S40. Der Schwede reagiert auf kleinste Lenkbewegungen, folgt exakt dem auferlegten Kurs und ist erst spät auf das serienmäßige DSTC (ESP) angewiesen. Zwar könnte die direkte, aber recht leichtgängige Lenkung mehr Fahrbahnkontakt vermitteln, doch behindert den Volvo dies nicht in seiner Agilität: Er liegt mit dem BMW auf dem Slalom-Parcours gleichauf. Auf dem Handlingkurs ändern sich jedoch die Vorzeichen, hier setzt sich der 320i in Szene und fährt beiden davon. Sein grundsätzlich leicht untersteuerndes bis neutral ausgelegtes Fahrwerk, die feinfühlige Lenkung und die gut dosierbaren Bremsen sorgen für schnelle Rundenzeiten. Mit eingeschaltetem DSC (ESP) stellt der BMW den Fahrer vor keine Probleme. Bei schnellen Ausweichmanövern und abgeschalteter Elektronik reagiert das Heck hingegen nervös und droht auszubrechen. Die Fahrstabilitätsprogramme von Mercedes und Volvo können nicht komplett abgeschaltet werden, sondern gestatten per Knopfdruck lediglich mehr fahrdynamische Freiheiten, um – wenn es nötig sein sollte – wieder helfend einzugreifen. Dies geschieht zwar beim Schwaben etwas früher und ruppiger als beim Schweden, aber immer sicher. Das modifizierte Fahrwerk nebst gefühlvollerer Lenkung haben das Fahrverhalten der C-Klasse verbessert, dennoch zeigen sich BMW und Volvo fahraktiver. Einen Schlagabtausch in Notsituationen liefern sich BMW und Mercedes. Während der Bayer mit kalter Bremse am besten verzögert, steht der Schwabe mit warmer Bremse früher. Der S40 markiert mit ebenfalls standfester Verzögerung die goldene Mitte.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes C 200 KompressorBMW 320 iVolvo S40 2.4i
Handling150859087
Slalom100353737
Lenkung100567062
Geradeauslauf50353435
Bremsdosierung30151916
Bremsweg kalt150117122109
Bremsweg warm150122117116
Traktion100464538
Fahrsicherheit150125100125
Wendekreis20161713
Kapitelbewertung1000652651638

 

Umwelt und Kosten

Beim Grundpreis liegt der Volvo deutlich unter den Konkurrenten und verfügt über eine reichhaltige Serienausstattung. Der Mercedes hat es schwerer: Um auf das Niveau der AZ-Normausstattung zu kommen, muss sein Besitzer fast doppelt so viel Geld aufwenden. Der in Euro niedrigste Wertverlust spricht ebenfalls für den Schweden. Da kann auch die höhere Steuereinstufung des 2,4-Liter einen Kapitelsieg nicht gefährden. Der BMW gefällt mit niedrigen Wartungskosten, verlangt aber, um seine volle Leistung zu erzielen, teures Super Plus.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes C 200 KompressorBMW 320 iVolvo S40 2.4i
Bewerteter Preis675344343359
Wertverlust50656468
Ausstattung25444647
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50191425
Werkstattkosten20414439
Steuer10444341
Versicherung40393939
Kraftstoff55353434
Emissionswerte25827987
Kapitelbewertung1000713706739

 

Fazit

Im Segment der teuren Mittelklassemodelle hält der Volvo S40 auf Anhieb mit. Der agile Schwede leistet sich keine gravierenden Schwächen, doch kann er nur das Kostenkapitel für sich entscheiden. Den Sieg sichert sich wieder einmal der BMW, wenn auch diesmal mit einem hauchdünnen Vorsprung vor dem Mercedes. Denn dieser rückt nach seiner Überarbeitung bedrohlich auf. Alte Schwächen der C-Klasse wurden im Großen und Ganzen behoben, bekannte Stärken gezielt modernisiert. So entscheidet nicht zuletzt der persönliche Geschmack

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes C 200 KompressorBMW 320 iVolvo S40 2.4i
Summe5000334333413284
Platzierung123

Tags:
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