BMW 320d und Mercedes C 220 CDI im Test

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Die Mittelklasseschlager von BMW und Mercedes kämpfen seit Jahrzehnten auf Augenhöhe. Aber nun soll die Neuauflage des 3er die C-Klasse abhängen

Das Ziel für den neuen 3er hat BMW klar formuliert: Er soll den Maßstab in der Mittelklasse neu definieren. Die Bayern haben bei der Konkurrenz genau hingesehen und ein von Grund auf neues Modell auf die Räder gestellt. Jetzt muss der BMW 320d Farbe bekennen und im ersten Vergleichstest gegen den Dauerrivalen Mercedes C 220 CDI zeigen, ob sich die Arbeit gelohnt hat.

 

Karosserie

Die Maße in den technischen Daten versprechen es – und der erste Eindruck bestätigt es: Der neue 3er hat Platz. Über neun Zentimeter mehr Außenlänge und der um fünf Zentimeter gestreckte Radstand im Vergleich zum Vorgänger sorgen nicht nur für mehr Bewegungsfreiheit gegenüber der letzten Generation, sondern übertreffen vor allem das Raumangebot der C-Klasse deutlich.

Das gilt für Fahrer und Beifahrer, aber vor allem für die Fondpassagiere. Während im Mercedes Kopf und Knie der Insassen schnell Kontakt zu Dach und Vordersitzen aufnehmen, freut sich die BMW-Besatzung über eine luftigere Raumausnutzung. Auch das Kofferraumvolumen fällt jetzt größer aus als das der C-Klasse. Und dank dreiteilig umlegbarer Sitzbank heimst der BMW 3er direkt weitere Zähler ein. Der Schwabe hat nämlich nur eine asymmetrisch geteilte Fondlehne zu bieten – beide Hersteller verlangen für die Klapplehne jeweils eine Sonderzahlung.

Serienmäßig ist im 3er die griffgünstige und logische Gruppierung der Bedienelemente. Die Menüführung des komplexen iDrive-Systems gestaltet sich zudem erfreulich intuitiv. Im Mercedes dagegen verteilen sich die Funktionen auf das per Lenkradtasten aktivierbare Control-Display im Tachometer und auf das über den zentralen Drehregler steuerbare Comand-System neben den Rundinstrumenten. Vorbildlich ist die Sicherheitsausstattung, die Mercedes den C-Klasse-Kunden anbietet. Sie rangiert nahezu auf dem Niveau der Luxusklasse.

Selbst wenn BMW hier stark aufgeholt hat, kosten den 3er die immer noch nicht erhältlichen Seitenairbags im Fond wichtige Zähler. Auch bei der Verarbeitung macht den Stuttgartern so schnell niemand etwas vor. Beim Mercedes ist im Gegensatz zum BMW auch noch das Blech im Motor- und im Kofferraum ansehnlich lackiert. Zudem stört im Münchner die Hartplastikfläche oberhalb des Aschenbechers, die bei jedem Öffnen mit dem Fingernagel berührt wird und den ansonsten edlen Eindruck trübt.

KarosserieMax. PunkteBMW 320dMercedes C 220 CDI BlueEfficiency
Raumangebot vorn1007875
Raumangebot hinten1006762
Übersichtlichkeit704042
Bedienung/ Funktion1008584
Kofferraumvolumen1003938
Variabilität1002015
Zuladung/ Anhängelast803238
Sicherheit150104113
Qualität/ Verarbeitung200181183
Kapitelbewertung1000646650

 

Fahrkomfort

Aber nicht nur von Verarbeitung verstehen die Stuttgarter Autobauer etwas. Der Komfort zählt ebenfalls zu den Kernkompetenzen der Marke – das gilt auch für die C-Klasse AMG Coupé. Die Fahrwerksabstimmung kann getrost als gekonnt beschrieben werden. Die passiven adaptiven Dämpfer mit dazu passend gewählter Federhärte meistern jede Aufgabe. Sie sprechen äußerst sensibel auf sämtliche Kanten und Querfugen im Asphalt an und überzeugen im gleichen Maße auf groben Bodenwellen.

Genau diese Eigenschaft hat die C-Klasse in der Vergangenheit vom BMW distanziert. Aber die Bayern haben nachgelegt. Auch wenn die über den Fahrerlebnisschalter (1.100 Euro) ansteuerbaren adaptiven Dämpfer des neuen BMW 3er extra kosten, sie erledigen ihre Aufgabe bestens.

Dabei gefällt die Komfort-Konfiguration genauso wie die Sportstellung, die auch grobe Unebenheiten gekonnt ausgleicht. Allerdings spricht der BMW aufgrund seiner größeren 18-Zoll-Räder (1.550 Euro) nicht ganz so sensibel an und geht unter voller Zuladung im Komfort-Modus stärker in die Knie als die mit reichlich Reserven ausgestattete C-Klasse.

Bei den Sitzen bestand kaum Handlungsbedarf bei BMW. Dennoch verwöhnen die Sportsitze (630 Euro) der neuen Generation mit einer höheren und besser konturierten Lehne. Die Multikontursitze (512 Euro) des Mercedes bieten zwar einen guten Komfort, fallen aber deutlich kleiner aus. Ganze sechs Zentimeter länger ist die Lehne im BMW 320d, und die ausziehbare Sitzfläche bietet vier Zentimeter mehr Beinauflage. Dennoch bleibt das Komfortkapitel in Mercedes-Hand. Nicht zuletzt weil der neue BMW 3er im Gegensatz zur angenehm leisen C-Klasse mehr Wind- und Abrollgeräusche produziert.

FahrkomfortMax. PunkteBMW 320dMercedes C 220 CDI BlueEfficiency
Sitzkomfort vorn150109104
Sitzkomfort hinten1006662
Ergonomie150123123
Innengeräusche503538
Geräuscheindruck1008185
Klimatisierung503641
Federung leer200141143
Federung beladen200139143
Kapitelbewertung1000730739

 

Motor und Getriebe

Auch wenn BMW sich deutlich später dem Diesel-Prinzip gewidmet hat, gehören die Antriebe mit Selbstzündung aus bayerischer Fertigung zu den besten auf dem Markt. Das gilt ohne Wenn und Aber auch für den Zweiliter-Turbodiesel mit 184 PS im 320d. Kaum ein anderer Diesel arbeitet sich so lustvoll aus dem Drehzahlkeller bis an den roten Bereich heran.

Dank der neuen ZF-Achtstufen-Automatik, die extrem sicher, sanft und vor allem schnell die richtige Übersetzung anbietet, kommt das nun noch besser zur Geltung. Genau hier verliert der bullige Turbodiesel von Mercedes, weil die sehr geschmeidige Siebenstufen-Automatik die Gangwechsel mitunter etwas zögerlich umsetzt.

Keine Frage also, dass der zudem 14 PS stärkere BMW bei den Fahrleistungen die Nase vorn hat. Aber nicht nur da. Auch der Verbrauch fällt mit 6,4 Litern auf 100 km niedrig aus. Der Mercedes unterbietet zwar ebenfalls die Sieben-Liter-Marke, fordert aber dennoch 0,4 Liter mehr. Damit geht der erste Kapitelsieg an den neuen Mittelklasse-Bayern.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW 320dMercedes C 220 CDI BlueEfficiency
Beschleunigung150119114
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1507577
Getriebeabstufung1009082
Kraftentfaltung503835
Laufkultur1006264
Verbrauch325260253
Reichweite251717
Kapitelbewertung1000661642

 

Fahrdynamik

Obwohl BMW mit dem neuen 3er beim Federungskomfort nah an die Mercedes C-Klasse herangerückt ist, hat die neue Generation nichts von der Agilität der abgelösten Baureihe verloren. Ganz im Gegenteil: Der BMW 320d legt die Messlatte noch ein Stück höher. Für den Mercedes C 220 CDI liegt sie zumindest zu hoch. Obwohl die C-Klasse nach dem Facelift deutlich an Dynamik gewonnen hat, hängt sie der neue BMW 3er nach Belieben ab.

Dort, wo der Mercedes sein Limit mit einsetzendem Untersteuern aufzeigt, folgt der BMW vollkommen unangestrengt wie auf Schienen. Trimmt man nun Antrieb, Fahrwerk und die variable Lenkung (450 Euro) per Fahrerlebnisschalter (Serie) auf Sport, unterstreicht der BMW 3er die traditionellen dynamischen Werte der Marke in Vollendung. Das adaptive Fahrwerk (1.100 Euro) beinhaltet bereits eine Tieferlegung um zehn Zentimeter, die den Schwerpunkt des im Vergleich zum C 220 CDI (1.620 kg) recht leichten 320d (1.540 kg) nochmals absenkt.

Die aufpreispflichtige elektro-mechanische Lenkung mit ihrer variablen Übersetzung agiert mit bestechender Präzision. Das Fahrwerk setzt jeden Befehl unmittelbar und exakt um. Ist das Limit erreicht, drängt das Heck leicht nach außen – souverän vom DSC (ESP) reguliert und keinesfalls übertrieben kontrolliert. Den Mercedes hingegen hindert die zu frühe Regeltätigkeit daran, seine dynamischen Talente besser in Szene zu setzen. Die kürzeren Bremswege und die gefühlvollere Dosierbarkeit des Bremssystems gegenüber dem der C-Klasse runden den guten Eindruck des BMW 320d ab.

FahrdynamikMax. PunkteBMW 320dMercedes C 220 CDI BlueEfficiency
Handling1508168
Slalom1006653
Lenkung1008072
Geradeauslauf504143
Bremsdosierung302018
Bremsweg kalt1509581
Bremsweg warm1509985
Traktion1005048
Fahrsicherheit150128130
Wendekreis20915
Kapitelbewertung1000669613

 

Umwelt und Kosten

Der neue BMW ist sicherlich kein günstiges Auto. Aber zumindest kostet er gut 1.500 Euro weniger als der Mercedes C 220 CDI. Da bleibt Spielraum für zusätzliche Ausstattungen. Auch beim Wertverlust soll der neue 3er laut DAT-Prognose besser abschneiden. Zudem tragen die günstigeren Werkstatt- und Kraftstoffkosten dazu bei, dass der 320d dieses Kapitel ganz knapp für sich verbuchen kann – obwohl der Mercedes niedrigere Versicherungsprämien vorweisen kann und mit den besseren Garantiebedingungen punktet.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW 320dMercedes C 220 CDI BlueEfficiency
Bewerteter Preis675153147
Wertverlust501716
Ausstattung251716
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502027
Werkstattkosten201614
Steuer1088
Versicherung403132
Kraftstoff554342
Emissionswerte258788
Kapitelbewertung1000392390

 

Fazit

Im jahrelange Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden deutschen Mittelklasse-Limousinen von BMW und Mercedes hat der neue 3er derzeit die Nase vorn. Zum einen dringt er mit gelungenem Komfort, reichlich Platz und einer umfangreichen Sicherheitsausstattung tief ins Hoheitsgebiet der Mercedes C-Klasse ein. Zum anderen baut BMW die Überlegenheit bei der Fahrdynamik weiter aus.

Ergänzt wird das Paket durch einen kraftvollen und zugleich sparsamen Antrieb, abgerundet von der besseren Kostenbilanz. Gegen den neuen Bayern muss sich nicht nur Mercedes geschlagen geben. Auch der Konkurrenz aus Ingolstadt und Wolfsburg dürfte der Dreier künftig schlaflose Nächte bescheren. Fortsetzung folgt.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW 320dMercedes C 220 CDI BlueEfficiency
Summe500030983034
Platzierung12

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