BMW 218d Active Tourer vs. Mercedes B 200 & VW Golf Sportsvan: Vergleich Neue Van-Klasse

25.08.2014

Mit dem 2er Active Tourer betritt BMW absolutes Neuland. Wir stellen dem ersten Münchner Van im Vergleich die wichtigsten Konkurrenten gegenüber: Mercedes B-Klasse und VW Golf Sportsvan

Ein Van mit Doppelniere und Propeller-Emblem, dazu mit Frontantrieb und quer eingebauten Motoren: Nicht wenige gusseiserne BMW-Enthusiasten beschwörten anlässlich der Premiere des 2er Active Tourer schon das Ende des Abendlandes. Allen Zweiflern sei jedoch vorab soviel verraten: Es ist alles halb so schlimm.

Doch sehen wir uns, bevor es auf die Straße geht, zunächst den Innenraum des neuartigen BMW an. Für ein 4,34 Meter kurzes Auto bietet der Active Tourer reichlich Platz. Die für BMW typische Cockpitarchitektur umschließt Fahrer und Beifahrer, ohne sie in ihrer Bewegungsfreiheit einzuschränken. Kopf- und Seitenfreiheit entsprechen dem Klassenstandard, dem auch die Mercedes B-Klasse und der VW Golf Sportsvan folgen.

Darüber hinaus verfügt der 2er Active Tourer – wie auch der Golf Sportsvan – über eine tadellose Ergonomie. Sämtliche Bedienelemente sind griffgünstig platziert. Die Bedienung über das iDrive-System ist auch beim jüngsten Münchner Kindl mustergültig. In dieser Disziplin ist die Mercedes B-Klasse mit umständlicher Menüführung und zu tief platzierter Klimaregelung den Konkurrenten unterlegen.

 

ACTIVE TOURER: NEUER KURVENSTAR IM VAN-SEGMENT

Das hintere Platzangebot im 2er Active Tourer übertrifft locker das eines BMW 5er, gerade was die sehr gute Beinfreiheit angeht. Der ebenfalls neue Golf Sportsvan ist allerdings im Fond noch etwas geräumiger und vermittelt dank der niedrigeren Fensterlinie das luftigere Raumgefühl. Außerdem wirken Materialqualität und Verarbeitungsgüte im Wolfsburger am hochwertigsten.

Während es der BMW mit der Passgenaugkeit mancher Interieur-Komponenten nicht ganz so genau nimmt, findet sich im Mercedes gerade im Bereich der unteren Mittelkonsole ein hoher Anteil an Hartplastik wieder. Und wie sieht es mit der Variabilität aus, also der eigentlichen Paradedisziplin der Fahrzeuggattung Van?

Der BMW 2er Active Tourer hat alles an Bord, was derzeit State of the Art in seinem Segment ist. Im Einzelnen sind dies eine dreiteilig umlegbare Rückbank mit Fernentriegelung vom Gepäckraum aus, ein nach vorn umklappbarer Beifahrersitz, ein doppelter Ladeboden und eine automatische Heckklappe mit Fußsensor unter der Heckschürze.

Ärgerlich nur, dass die Münchner, wie auch die Wettbewerber aus Stuttgart, für die meisten praktischen Features teils saftige Aufpreise verlangen. Die verschiebbare Fondsitzanlage kostet im Active Tourer beispielsweise 300 Euro. Mercedes verlangt dafür im Paket mit dem umlegbaren Beifahrersitz 672 Euro, während VW die variable Rückbank beim Sportsvan serienmäßig spendiert.

BMW hat es tatsächlich geschafft, die markentypische Freude am Fahren ins Kompaktvan-Segment zu hieven. Keiner der hier versammelten Konkurrenten macht auf kurvigen Strecken auch nur annähernd so viel Spaß wie der 2er. Die BMW-typisch straffe Lenkung ist sehr präzise und vermittelt ein gutes Gefühl für die Straße.

Richtungswechsel setzt der quirlige Van mit großer Spontaneität um. Antriebseinflüsse sind im Volant allenfalls marginal und auch nur bei vollem Leistungseinsatz beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven spürbar.

Seine Dynamik erkauft sich der Bayer indes nicht mit übertriebener Härte. Die Federung spricht auf die meisten Fahrbahnunebenheiten sehr sensibel an und leitet nur wirklich grobe Straßenschäden in die Karosserie weiter. Der von uns gefahrene 2,0-Liter-Diesel mit 150 PS passt hervorragend zum Charakter des 2er Active Tourer.

Das kultivierte Triebwerk ist spritzig und drehfreudig. Eine Neuerung bei BMW ist eine automatische Zwischengasfunktion, die serienmäßig bei den Handschaltern eingesetzt wird. Ungewollte Lastwechselreaktionen beim Herunterschalten werden durch sie vermieden – der Schaltvorgang wird insgesamt weicher. Weniger schön: Abrollgeräusche sind auch bei niedrigeren Geschwindigkeiten deutlich im Innenraum wahrnehmbar.

Der VW ist der Komfort-König in diesem Vergleich. Er blendet störende Fahrgeräusche am wirkungsvollsten aus, und seine Federung mit den adaptiven Dämpfern (1000 Euro) bügelt selbst schlechte Straßen gekonnt glatt. Dabei vernachlässigt der Wolfsburger die Disziplin Fahrspaß keineswegs. Im Gegenteil: Im Sportmodus flitzt der Van unter den Gölfen – wie es die Modellbezeichnung bereits suggeriert – mit großem Elan durch enge Kehren, stets begünstigt durch die präzise und gefühlvolle Lenkung.

Auch der kraftvolle TDI-Motor mit 150 PS ermutigt ob seines Tatendranges gern dazu, etwas flotter zu fahren. Mit einem EU-Durchschnittsverbrauch von 4,3 Litern ist der Golf allerdings etwas durstiger als der BMW 218d Active Tourer, der sich im Mittel mit 4,1 Liter Diesel auf 100 km zufrieden geben soll.

Der B 200 CDI mag es hingegen eher gemütlich. Sein Revier sind lange Autobahnabschnitte, auf denen er seine Stärken am besten in Szene setzen kann: bequeme und weit geschnittene Sitze, guter Geräuschkomfort, sanfte Federung, souveräner Geradeauslauf. Zum Kurvenräubern fehlt der Lenkung der B-Klasse das letzte Quäntchen an Feedback und Präzision. Dazu passt, dass der 136-PS-Vierzylinder-Diesel kein Ausbund an Spritzigkeit ist und sich im mittleren Drehzahlbereich am wohlsten fühlt.

 

DER 2er ACTIVE TOURER IST AUCH PREISLICH EIN ECHTER BMW

Mit einem Grundpreis von 31.050 Euro ist der BMW 218d Active Tourer zwar knapp 600 Euro preiswerter als der Mercedes B 200 CDI, aber immerhin 1700 Euro teurer als der VW Golf Sportsvan 2.0 TDI.

Die Serienausstattung des BMW umfasst bereits einige praktische Sicherheits- und Komfortmerkmale, darunter eine Auffahrwarnung mit City-Anbremsfunktion, Notrufassistent, Klimaanlage oder eine Bluetooth-Freissprecheinrichtung. Darüber hinaus bietet die 60-seitige Preisliste reichlich verlockende Möglichkeiten, weiteres Geld loszuwerden.

Zu den besonders kostspieligen Optionen gehören die Steptronic-Automatik (2250 Euro), Lederpolster (1590 Euro), Panorama-Glasdach (1250 Euro) oder das große Navigationssystem für 2490 Euro. Darüber hinaus lässt sich der BMW mit vielen Zubehörteilen – vom Fahrradträger bis zum LTE-Hotspot – weiter individualisieren. Und so kann ein üppig ausgestatteter 218d Active Tourer locker die 55.000-Euro-Marke knacken.

TECHNIK
     

BMW 218d
ACTIVE TOURER
MERCEDES B 200 CDI
SPORTS TOURER

VW GOLF SPORTSVAN 2.0 TDI BMT
Motor
4-Zylinder, 4-Ventiler,
Turbodiesel, Partikelfilter
4-Zylinder, 4-Ventiler,
Turbodiesel, Partikelfilter
4-Zylinder, 4-Ventiler,
Turbodiesel, Partikelfilter
Hubraum 1955 cm³ 1796 cm³  1968 cm³
Leistung 110 kW / 150 PS bei 4000/min 100 kW / 136 PS bei 3600-4400/min 110 kW / 150 PS bei 3500 – 4000 /min
Max. Drehmoment 330 Nm bei 1750-2250 /min 300 Nm bei 1600-3000/min 340 Nm bei 1750 – 3000 /min
Getriebe 6-Gang, manuell 6-Gang, manuell 6-Gang, manuell
Antrieb Vorderrad Vorderrad Vorderrad
L/B/H 4342/1800/1555 mm 4359/1786/1557 mm 4434/1807/1578 mm
Radstand 2670 mm 2699 mm 2685 mm
Leergewicht 1375 kg 1400 kg 1399 kg
Kofferraumvol. 468-1510 l 488-1547 l 500 – 1520 l
FAHRLEISTUNGEN1      
0-100 km/h 8,9 s 9,5 s 9,2 s
Höchstgeschwindigkeit 205 km/h 210 km/h 212 km/h
EU-Verbrauch 4,1 l D/100 km 4,4 l D/100 km 4,3 l D/100 km
CO2-Ausstoß 109 g/km 114 g/km 112 g/km
Grundpreis 31.050 Euro 30.643 Euro 28.350 Euro
1Werksangaben

   

Unser Fazit

BMW erfindet den Van mit dem 2er Active Tourer nicht neu, würzt das Segment jedoch mit einer sportlichen Note nach Art des Hauses. Der VW Golf ist auch als Sportsvan ein vielseitiger Allrounder, während die Mercedes B-Klasse den unaufgeregten Cruiser gibt. Typisch für die Premiummarken: die happige (Auf-)Preisgestaltung

Marcel Kühler

Tags:
Zmarta Autokredit
Autokredit

Jetzt den günstigsten Autokredit finden

Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.