BMW 225i Active Tourer vs. Mercedes B 250: Kompaktvans im Vergleichstest Brückenschlag

19.12.2014
Inhalt
  1. BMW 225i Active Tourer und Mercedes B 250: KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. MULTIMEDIA/CONNECTIVITY
  7. SO TESTET DIE AUTO ZEITUNG
  8. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Variabel wie ein Van, dynamisch wie ein flotter Kompaktwagen. Wem gelingt dieser Spagat besser – dem neuen BMW 225i Active Tourer oder dem facegelifteten Mercedes B 250?

Mit dem Mountainbike im Laderaum zum Ausflug ins Mittelgebirge, dem Laptop auf dem Beifahrersitz ins Büro oder mit der Familie und Gepäck in den Urlaub? Klar, das geht! Fahrspaß auf verwinkelten Landstraßen? Ebenso! Beim Infotainment am Puls der Zeit? Selbstverständlich! Premium-Image? Sowieso! Vans, die von ihren Herstellern Sports-Tourer (Mercedes) oder Active Tourer (BMW) getauft wurden, sollen alles können und dürfen nur eines nicht: langweilig sein. Vollmundige Versprechen, die im Vergleichstest auf Wunsch und Wirklichkeit zu überprüfen sind.

 

BMW 225i Active Tourer und Mercedes B 250: KAROSSERIE

Schlagendes Kaufargument für Vans ist deren Variabilität. Zwar bieten beide Rivalen maximal fünf Sitzplätze, lassen sich aber auf Wunsch mit längs- und neigungseinstellbaren Rücksitzbänken, die nur beim BMW dreiteilig klappbar ist, oder umklappbaren Beifahrersitzlehnen ausrüsten. Für die Passagiere bietet der BMW, für das Gepäck der Mercedes mehr Raum (488 bis 1547 Liter, BMW 468 bis 1510 Liter). Der Stuttgarter darf zudem mit 485 Kilogramm mehr zuladen als der Münchner (BMW 447 kg). Um das Gepäck zu verstauen, hilft bei beiden eine Fernentriegelung für die Rücksitzlehnen. In der B-Klasse erschwert eine Stufe im Ladeboden allerdings das Durchschieben sperriger Gegenstände.

Die Bedienung des BMW ist dank iDrive, mit dessen Hilfe sich sogar der Ölstand ohne schmutzige Finger überprüfen lässt, nahezu perfekt. Hier herrscht beim Mercedes Luft nach oben: Ein fummeliger, fast an der Stirnwand angebrachter Ölpeilstab, eine Restreichweitenanzeige, die sich unterhalb von 50 Kilometern verabschiedet und nur noch die Worte „Reichweite“ und „Verbrauch“ anzeigt, sind ebenso wenig der Weisheit letzter Schluss wie ein träge wieder aufblendender Fernlichtassistent, nachdem der Gegenverkehr längst passiert hat. Dafür sticht der B 250 den 225i Active Tourer in der Verarbeitung aus, denn beim Bayern sind längst nicht alle Spaltmaße passgenau.

 

FAHRKOMFORT

Trotz dynamischer Dämpfer-Control (500 Euro Aufpreis) rollt der BMW 2er Active Tourer auf seinen 18-Zoll-Rädern (800 Euro) weit weniger geschmeidig ab als der Schwabe. Über die Qualität der Fahrbahn sind die Insassen ungewollt stets aufs Beste im  Bilde, während der Mercedes hier deutlich erfolgreicher zwischen mäßigem Asphalt und berechtigten Komfortansprüchen vermittelt. Werden die zur Verfügung stehenden Zuladungskapazitäten allerdings voll ausgeschöpft, zeigt der BMW Nehmer-Qualitäten.

Auf unserer Marter-Teststrecke hält er auf kurzen Wellen beachtliche Federund Dämpfungsreserven parat, wo der Mercedes nahezu am Limit operiert. Obwohl der Stuttgarter im Innenraum zwar messbar lauter ist, fällt der Geräuscheindruck für die Insassen angenehmer aus. Im BMW drängen sich bei hohem Tempo deutlich mehr Reifenabrollgeräusche ins Klangbild.

Beim Thema Ergonomie punktet wiederum der BMW gegenüber dem Mercedes B-Klasse Facelift mit optionalem Head-up-Display und Teleskopdämpfern an der Motorhaube. Dafür sitzen die Mercedes-Passagiere vorn auf Langstrecken deutlich komfortabler als die BMW-Insassen. Im Fond fehlt es dem Daimler dagegen etwas an Oberschenkelauflage.

 

MOTOR/GETRIEBE

An Kraft mangelt es den zwei Kontrahenten beileibe nicht. Dafür sorgt jeweils ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo mit Direkteinspritzung. Das Mercedes-Aggregat leistet 211 PS, der BMW-Motor 231 PS. Damit sind beide Kandidaten bis zu 240 km/h schnell und passieren die 100-km/h-Marke nach 6,3 (BMW) beziehungsweise 6,7 Sekunden (Mercedes). Üppige 350 Nm Drehmoment kennen wir sonst eher aus der Turbodiesel-Liga, doch sorgen auch die Benziner damit für außerordentlich entspanntes Fortkommen. Daran hat im BMW auch die Achtstufen-Sportautomatik (150 Euro extra) ihren Anteil, die gegenüber dem herkömmlichen Schaltautomaten mit nochmals kürzeren Schaltzeiten glänzt.

Die Kraftübertragung des Mercedes übernimmt ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das sich etwa beim Kickdown deutlich mehr Zeit lässt, um die passende Fahrstufe bereitzustellen. Auch geht der Motor nicht ganz so spontan zu Werke wie das BMW-Aggregat. Dafür setzt sich die B-Klasse an der Tankstelle ab: Mit 8,7 Liter Super auf 100 km ist der Bayer im Verbrauch deutlich durstiger als der Mercedes (8,0 Liter). Absolut gesehen sind die Werte angesichts der Leistungsklasse durchaus vertretbar.

 

FAHRDYNAMIK

Bei sportlicher Gangart gefällt der Mercedes mit narrensicherem, stets berechenbarem Fahrverhalten. An der Reifenhaftgrenze beginnt er nur leicht über die Vorderräder zu schieben, bevor er vom nicht vollständig deaktivierbaren ESP eingebremst wird. Kurviges Terrain meistert er mit minimalen Aufbaubewegungen sehr gelassen. Die Lenkung vermittelt dabei einen ordentlichen Fahrbahnkontakt. Demgegenüber wirkt der BMW deutlich agiler.

Seine variable Sportlenkung (350 Euro) verlangt zwar etwas Gewöhnung, erlaubt aber dann messerscharfes Zirkeln durch Radien jedweder Art. Die Lenkbefehle setzt der BMW zudem spontaner um als sein Konkurrent. Wer in flott gefahrenen Kurven vom Gas geht, erlebt ein gut kontrollierbar eindrehendes Heck, was die Handlichkeit des Vans unterstützt. Somit tragen die Bayern den Markenclaim „Freude am Fahren“  auch in das Segment der frontgetriebenen Vans. Nervig ist im Alltag jedoch der große Wendekreis von 12,6 Metern.

 

UMWELT/KOSTEN

Mit einem attraktiveren Grundpreis, den besseren Garantien, spürbar niedrigeren Kraftstoffkosten und geringerem Wertverlust gewinnt der Mercedes das Kostenkapitel dieses Vergleichstests. Einziger Wermutstropfen ist die mit Typklasse 25 recht hoch ausfallende Vollkasko-Einstufung. Der BMW führt etwas niedrigere Werkstattkosten ins Feld, lässt sich den dynamischen Fahrspaß ansonsten aber ordentlich bezahlen.

 

MULTIMEDIA/CONNECTIVITY

BMW:
Radio mit Stationstasten, USB-Schnittstelle, 6,5-Zoll-Farbbildschrim und iDrive-Controller, Freisprecheinrichtung sowie der intelligente Notruf inklusive Teleservices z.B. für die Inspektionsanmeldung bei der Werkstatt sind kostenfrei. Für 350 Euro gibt es ConnectedDrive Services mit Internetzugang zum „BMW Online“-Portal und die Nutzung von BMW-Apps via Smartphone. 700 Euro kostet das Connected Drive Services-Paket mit Echtzeitverkehrsinfos, telefonischem Auskunftsdienst und Fernfunktionen für die Fahrzeugbedienung (z.B. Standheizung) über das Smartphone. Hierfür ist ein Navi nötig (ab 950 Euro). Sehr gute Displaydarstellung, leichte Bedienung.

Bewertung: 2,0

Mercedes:
Ab Werk rollt die Mercedes B-Klasse mit 7-Zoll-Farbdisplay, Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole, Doppeltuner, zwei USB-Anschlüssen, Bluetooth-Schnittstelle, Freisprechfunktion und SD-Kartenanschluss vor. Außerdem gibt’s ein Kommunikationsmodul für „connect me“-Dienste (z.B. Notruf-Funktion nach Panne oder Unfall). „Comand online“ (3510 Euro) umfasst beispielsweise Festplatten-Navi mit 8-Zoll-Bildschirm inkl. 3D-Darstellung, 3 Jahre kostenlose Echtzeit-Verkehrsinformationen, die Nutzung von Mercedes-Apps und Internetzugang über ein gekoppeltes Smartphone. Die Bedienung verlangt durch die teils verschachtelten Menüs allerdings Gewöhnung.

Bewertung: 2,0

 

SO TESTET DIE AUTO ZEITUNG

Die Wertminderung ermittelt für uns die Deutsche Automobil Treuhand (DAT). Grundlagen der Berechnung sind eine vierjährige Haltedauer und 80.000 Kilometer Laufleistung.


FAZIT

Der Brückenschlag zwischen dem Wunsch nach einem vielseitigen Van und einem dynamischen Auto, bei dem der Fahrspaß nicht zu kurz kommt, gelingt sowohl dem Mercedes B 250 als auch dem BMW 225i Active Tourer. Dass der BMW den Test gewinnt, verdankt er der einfacheren Bedienung, den besseren Fahrleistungen und der hervorragenden Fahrdynamik einschließlich der tollen Bremsen. Die Stärken des Mercedes liegen demgegenüber in der Qualität, dem niedrigeren Kraftstoffverbrauch und der insgesamt günstgeren Kostenbilanz.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Elmar Siepen

Elmar Siepen

Elmar Siepen

Tags:
E-Bike zu gewinnen
Gewinnspiel

E-Bike und 20 x 2.000 € zu gewinnen!

Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.