Vergleich: BMW 2002 und Opel Kadett GT/E Vier Töpfe für ein Halleluja

06.01.2013
Inhalt
  1. ALS DER 2002 ABDANKT, KOMMT DER OPEL GT/E
  2. 115 PS UND 920 KILO = HOHE FAHRDYNAMIK
  3. SPERRDIFFERENTIAL UND ZF-SPORTGETRIEBE
  4. HEUTE WIE DAMALS GEFRAGTE SPORTGERÄTE
  5. Fazit

Vergleich: In den frühen 70ern hatte BMW mit dem 2002 den sportlichen Spaßmacher schlechthin im Programm. Die Zeit danach gestaltete Opel mit dem frechen Kadett GT/E

Bergrennen in Neuffen, späte 70er-Jahre. Mit dem typischen Röhren seines M10-Vierzylinders pfeilt ein BMW 2002 aus der ersten Linkskurve nach dem Start in Richtung Spitzkehre, der "Applauskurve“. Dort sitzen die sachkundigen Fans, und unter begeistertem Beifall des BMW-Blocks zirkelt der Pilot den nur 990 Kilogramm schweren Hecktriebler in einem leichten und sämigen Drift um die Ecke.

Eine Minute später kommen die Opel-Anhänger auf ihre Kosten. Oben weiß und unten gelb lackiert, schießt ein Kadett GT/E heran, der die Performance seines Zweiliter-Vierzylinders beim Herausbeschleunigen zur Freude der Rennbesucher mit einem kehligen Luftholen aus den Tiefen seines Ansaugtrakts untermalt. Im Ziel entscheiden einige Zehntelsekunden über "Sekt oder Selters“ - der Opel-Racer hat die Nase vorn (mehr zum Thema Classic Cars...).

 

ALS DER 2002 ABDANKT, KOMMT DER OPEL GT/E

Szenen wie diese konnten wir in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre bei Rennsport-Veranstaltungen in schöner Regelmäßigkeit beobachten. Sowohl der BMW 2002 als auch der Opel Kadett GT/E wurden mit größer Begeisterung als Breitensportgeräte eingesetzt, sei es wie hier beim Bergrennen, im Slalom-Parcours oder auf Rallyes, wo sie in den seriennahen Klassen erfolgreich unterwegs waren.

Aber sie fuhren auch auf der Rundstrecke, dann zumeist heftig getunt. Das turnte in den 70er-Jahren nicht nur die Fans an, es sprach auch für die Richtigkeit beider Konzepte, und die könnten unterschiedlicher nicht sein - obwohl sie mit jeweils vorn längs eingebautem Vierzylinder und Hinterradantrieb zunächst ähnlich aussehen.

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Der bereits 1968 präsentierte BMW 2002 war formal eine zweitürige Limousine. Er richtete sich an sportliche Familienväter, die auf einen großzügigen Kofferraum, ausreichend Platz im Fond und ordentlichen Reisekomfort nicht verzichten wollten.

Anders der 1975 vorgestellte Opel Kadett GT/E. Die Kadett C-Baureihe klopfte nur sehr zaghaft an die Tür zur unteren Mittelklasse. Als zwei- oder viertürig erhältliche Limousine und als Caravan bediente der damals kleinste Opel die Ansprüche von Otto Normalverbraucher, und auch das Fließheck-Coupé zeigte bis 1975 hauptsächlich optischen Sportsgeist. An Leistung mangelte es noch. In der bis 1975 stärksten S- beziehungsweise SR-Version lagen gerade mal 44 kW (60 PS) aus 1196 Kubikzentimeter Hubraum an. Damit war gegen den BMW 2002 fahrdynamisch noch kein Staat zu machen. Immerhin leistete dessen zwei Liter großer Vierzylinder satte 100 PS, mit denen der 02er in 11,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprintete, und erst bei 173 km/h endete sein Vortrieb.

 

115 PS UND 920 KILO = HOHE FAHRDYNAMIK

Ende 1975 legte Opel nach - und zwar richtig. Ein Jahr zuvor hatte man mit der Manta-Baureihe begonnen und das neue sportliche GT/E-Konzept höchst erfolgreich positioniert. Mit 77 kW (105 PS) waren die Sportfans gut bedient. Mit diesem Triebwerk wurde auch die erste Serie des Kadett GT/E auf Basis das C Coupés befeuert, das damit an die Tradition des Rallye-Kadett B anknüpfte. Ab 1977 setzte der Kadett GT/E dann in der "1000er-Serie“, die ausschließlich in Gelb-Weiß lackiert war, noch eins drauf. Satte 85 kW (115 PS) Leistung resultierten aus 1979 Kubikzentimeter Hubraum.

Im Verein mit einem Verdichtungsverhältnis von 9,6:1 und einer Bosch L-Jetronic Einspritzung wurde zudem ein strammes maximales Drehmoment von 162 Nm bei 3000 Touren erzielt. Entsprechend fuhr der Opel dem noch von einem Solex-Fallstromvergaser gefütterten und auf 8,5:1 verdichteten BMW-Vierzylinder bei den Fahrleistungen locker davon. So war die 100 km/h-Marke bereits nach 8,8 Sekunden erreicht, und mit 190 km/h Höchstgeschwindigkeit übertrumpfte der zweifarbig lackierte Renner aus Rüsselsheim seinen Münchner Kollegen gleich um 17 km/h.

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Verantwortlich für die deutlich höhere Fahrdynamik des Kadett GT/E war auch sein gegenüber dem BMW um 70 Kilogramm niedrigeres Leergewicht. Mit dem Werbeslogan "Von Profis für Profis“ setzte Opel ein klares Statement, wohin die Reise mit dem Kadett GT/E gehen sollte: hin zu Sporterfolgen.

 

SPERRDIFFERENTIAL UND ZF-SPORTGETRIEBE

So spendierte Opel dem Kadett GT/E unter anderem ein Fünfgang-Sportgetriebe von ZF, eine Differentialsperre mit 40 Prozent Sperrwirkung sowie ein Bilstein-Fahrwerk. Ein besonderes Attribut der "1000er-Serie“ waren darüber hinaus die Fuchsfelgen in der Größe 6 x 13 mit Pneus der Dimension 175/70 HR 13.

Inklusive der sonst in der Kadett-Klasse aufpreispfl ichtigen Alltags-Extras wie Aschenbecher und Haltegriffen am Dach verlangte Opel für das hier gezeigte Auto 16.850 Mark und 45 Pfennige. Während die ersten 1000 Homologations-Wagen für die Gruppe 2 ausschließlich in der Kombination aus "Brillantgelb“ und "Polarweiß“ lackiert waren, konnten Fans den GT/E später auch in anderen Farben ordern.

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Da die meisten der 1000er-Modelle im Laufe der Jahrzehnte aber entweder umgebaut, kaltverformt oder von irreversiblem Rostfraß heimgesucht wurden, nimmt sich das Fotomodell für unseren Vergleich fast wie ein Sechser im Lotto aus. Opel-Enthusiast Gerd Kirchhofer darf sich mit Recht über sein exzellentes Exemplar mit sage und schreibe nur 34.000 Kilometern auf der Uhr freuen.

Ähnlich beeindruckend ist der abgebildete BMW 2002. Er befindet sich bei Besitzer Hans-Josef Wendel in erster Hand und kam in den Genuss zahlreicher sinnvoller und zeitgenössisch korrekter Optimierungen. So spendierte ihm der Düsseldorfer bereits beim Kauf ein Alpina-Fahrwerk, und auch die Recaro-Sitze wurden werksseitig eingebaut. Wendels sportlichen Ambitionen tragen das als  Sonderausstattung lieferbare Fünfgang-Getriebe sowie ein Sperrdifferential Rechnung. Das alles ist von außen zwar nicht auszumachen, unter fahrdynamischen Aspekten aber mehr als sinnvoll. Wendels 2002 wurde darüber hinaus als einer der ersten seiner Art mit Halogenscheinwerfern ausgerüstet und kam in den Genuss einer Dinol-Versiegelung. Dennoch musste das Auto zwischenzeitlich komplett zerlegt und komplett restauriert werden, um dem Rostteufel zu entwischen.

 

HEUTE WIE DAMALS GEFRAGTE SPORTGERÄTE

Von kundiger Hand bewegt hatte ein BMW 2002 wie dieser in den frühen 70ern kaum nennenswerte Gegner in seinem Segment, zumal mit 2002 ti und 2002 tii noch potentere Motorvarianten bereit standen. Ähnlich verhält es sich mit dem Kadett GT/E, mit dem Opel ein äußerst schlagkräftiges Sportgerät geschaffen hatte. Nicht umsonst haben sich BMW 2002 und Opel Kadett GT/E bis heute nicht nur eine treue Fan-Gemeinde, sondern auch einen festen Platz im historischen Motorsport erobert.

 

Fazit

Ob gelb-weißer Opel Kadett GT/E oder BMW 2002 in Orange - begehrenswert sind beide, doch nur der Kadett GT/E hat in diesem Topzustand echten Seltenheitswert. Auch fahrdynamisch betrachtet hat der Kadett GT/E die Nase vorn. Ein direkter Vergleich wäre aber nicht fair, da beide Modelle verschiedene Epochen vertreten. Treffender sehen wir in diesen agilen Hecktrieblern typische Vertreter ihrer Zeit, die etwas Wichtiges gemeinsam haben: BMW wie Opel sind erste Wahl, wenn es darum geht, ein Maximum an Alltagstauglichkeit mit sportlichen Qualitäten und ungetrübtem Fahrspaß zu verbinden.
Jürgen Gassebner

Teil 3: Hier geht's zu den technischen Daten

TECHNIK      

BMW 2002
ANTRIEB 4-Zylinder; vorn längs; 2-Ventiler; eine obenliegende Nockenwelle; Fallstrom-Vergaser Solex 40 PDSI; Bohrung x Hub: 89 X 80 mm; Hubraum: 1990 cm3; Verdichtung: 8,5:1; Leistung: 74 kW/100 PS bei 5500/min; max. Drehmoment: 157 Nm bei 3500/min; Viergang-Getriebe, Fünfgang-
Getriebe optional; Mittelschal.; Hinterradantrieb
AUFBAU+FAHRWERK Selbsttragende Stahlkarosserie, 2 Türen; vorn: McPherson-Federbeine, Stabi.; hinten: Einzelradaufhängung an Schräglenkern, Schraubenfedern, Stabi.; Gemmer-Lenkung; Bremsen: v. Scheiben, h. Trommeln; Reifen: 165 SR 13, Räder: 4,5 x 13
FAHRLEISTUNGEN¹ Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 11,6 s,
Höchstgeschwind.: 173 km/h; Verbrauch: 11,5 l S/100 km
ECKDATEN L/B/H: 4230/ 1590/1410 mm; Radstand: 2500 mm; Spurw. v./h.: 1330/1330 mm; Wendekreis: 10,4 m; Leergewicht: 940 kg; Zuladung: 400 kg; Tankinhalt: 46 l; Bauzeit: 1968-1975;
Stückzahl 2002 gesamt: 336.907; Preis (1973): 12.300 Mark
MARKTLAGE      
  Zustand 2 Zustand 3 Zustand 4
  11.600 € 5900 € 2900 €
Wertentwicklung stagnierend
¹ Werte aus AUTO ZEITUNG Heft 6/1973

TECHNIK      

OPEL KADETT GT/E
ANTRIEB 4-Zylinder; vorn längs; 2-Ventiler; Nockenwelle seitlich im
Zylinderkopf; Bosch L-Jetronic; Bohrung x Hub: 95,0 x 69,8 mm; Hubraum 1979 cm3; Verdichtung 9,6:1; Leistung: 85
kW/115 PS bei 5600/min; max. Drehmoment: 162 Nm bei 3000/min; Fünfgang-Getriebe; Mittelschal.; Hinterradantrieb
AUFBAU+FAHRWERK Selbsttr. Stahlkarosserie, 2 Türen; vorn: Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern, Federbeine, Stabi.; hinten: Starrachse an Längs- und Querlenkern, Schraubenfedern; Gasdruckdämpfer; Zahnstangenl.; Bremsen: v. Scheiben, h. Trommeln; Reifen: 175/70 HR 13, Räder: 6 x 13
FAHRLEISTUNGEN¹ Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 9,1 s, Höchstgeschw.:
192 km/h; Verbrauch: 11,2 l S/100 km
ECKDATEN L/B/H: 4124/1580/1340 mm; Radstand: 2395 mm; Spur v./h.:
1318/1314 mm; Wendekreis: 10,2 m; Leergewicht: 920 kg; Zuladung: 375 kg; Tankinhalt: 43 l,; Bauzeit Kadett GT/E:
1975-1979; Stückzahl: 8660, Serie 2 (ab 1977) 2234; Preis (1978): 17.440 Mark
MARKTLAGE      
  Zustand 2 Zustand 3 Zustand 4
  13.900 € 8500 € 3000 €
Wertentwicklung stark steigend
¹ aus AUTO ZEITUNG Heft 13/1978

AUTO ZEITUNG

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