BMW 118i und VW Golf 1.4 TSI im Test BMW 118i | VW Golf 1.4 TSI

21.03.2012
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der Weg an die Spitze der Kompaktklasse ist steil. Jetzt soll die Neuauflage des beliebten 1er BMW den VW Golf von dort verdrängen

Auch mit der zweiten Auflage des 1er-BMW bleiben die Bayern der Kombination aus Frontmotor und Hinterradantrieb treu – das Rezept bietet beste Voraussetzungen für ein hohes Fahrdynamik-Potenzial. Doch das allein reicht nicht, denn die große Beliebtheit von Kompaktwagen resultiert aus der Summe ihrer Allround-Qualitäten – bislang eine Domäne des Erlkönig VW Golf VII. Zeit also für eine Standortbestimmung im direkten Vergleich.

 

Karosserie

In Sachen Raumausnutzung sticht der Wolfsburger den Münchner klar aus. Obwohl zwölf Zentimeter kürzer und mit elf Zentimeter weniger Radstand versehen, bietet der VW Golf 1.4 TSI sowohl vorn als auch im Fond spürbar mehr Platz. Beim Kofferraum-Maximalvolumen liegt der Volkswagen ebenfalls leicht vor dem Bayern (1.305 zu 1.200 Liter), kann aber nicht mit dessen Variabilität mithalten – auf der einen Seite liefert BMW den 1er auf Wunsch mit einer dreiteilig klappbaren Rückbank aus, auf der anderen Seite bietet der Golf nach Umklappen der Rücksitzlehne keine ebene Ladefläche.

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Bei der Bedienung verdienen sich die beiden Kandidaten das Prädikat kinderleicht: der VW mit seinen einfach zu nutzenden Touchscreen-Funktionen und der BMW 118i mit seinem nach kurzer Eingewöhnungszeit nahezu blind beherrschbaren iDrive-System. Die umfangreicheren Sicherheits-Optionen – etwa Spurassistent, Tempolimit-Scanner oder Auffahrwarner – zeigen aber, dass der BMW das modernere Auto ist. Und auch dank hochwertiger Materialien und sauberer Verarbeitung haben die Münchner mit dem neuen 1er den früheren Rückstand zum Golf aufgeholt.

KarosserieMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIBMW 118i
Raumangebot vorn1007061
Raumangebot hinten1005748
Übersichtlichkeit703842
Bedienung/ Funktion1009090
Kofferraumvolumen1003030
Variabilität1003045
Zuladung/ Anhängelast803427
Sicherheit1509798
Qualität/ Verarbeitung200185185
Kapitelbewertung1000631626

 

Fahrkomfort

Anders als die üppigen 18-Zoll- Räder mit Mischbereifung und Runflat-Technik zunächst vermuten lassen, filtert der BMW 118i Straßenschäden aller Art recht erfolgreich weg. Der Grund hierfür liegt im adaptiven Fahrwerk (1.100 Euro), mit dem sich die Dämpferkennung über den serienmäßigen Fahrerlebnisschalter nach Wunsch in eine eher komfortable oder sportliche Richtung trimmen lässt.

Für den Golf kostet diese Technik 975 Euro extra – doch sie verhilft ihm auf drittklassigen Fahrbahnen zu noch mehr Geschmeidigkeit. So punktet der VW Golf 1.4 TSI hier mit einem größeren Schluckvermögen, geringeren Aufbaubewegungen und spürbar weniger Neigung zu Poltergeräuschen. Das alles registriert man in beiden Rivalen auf sehr gut konturierten Sportsitzen. Hinten fühlt man sich dagegen im Golf besser untergebracht, denn die größere Oberschenkelaufl age ist auf Langstrecken ein nicht zu unterschätzendes Komfortmerkmal.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIBMW 118i
Sitzkomfort vorn150132134
Sitzkomfort hinten1007262
Ergonomie150132130
Innengeräusche503632
Geräuscheindruck1006869
Klimatisierung503434
Federung leer200140131
Federung beladen200135128
Kapitelbewertung1000749720

 

Motor und Getriebe

Wofür früher zwei und mehr Liter Hubraum nötig waren, reicht heute ein deutlich geringeres Volumen – wenn die Motoren gehörig unter Druck gesetzt werden. So holen die Bayern beim 118i aus ihrem 1,6-Liter-Aggregat dank Turbolader immerhin 170 PS, die Niedersachsen setzen beim VW Golf auf noch weniger Hubraum.

Der 1,4-Liter bringt es dank Zwangsbeatmung durch Kompressor und Turbo auf beachtliche 160 PS. Das ist allemal genug für adäquate Fahrleistungen, denn bis zur 100-km/h-Marke vergehen im 118i lediglich vergnügliche 7,7 Sekunden (BMW), während der Golf mit 8,1 Sekunden hierfür nur einen Lidschlag länger benötigt. Und mit Höchstgeschwindigkeiten von 225 km/h (BMW) beziehungsweise 220 km/h (VW) stehen beide kaum im Verdacht, behäbige Langweiler zu sein.

Im Alltag gefallen sie mit unerwartet sattem Antritt aus dem Drehzahlkeller. Der http://www.autozeitung.de/auto-fahrbericht/neuer-bmw-1er-im-ersten-fahrbericht glänzt darüber hinaus mit der besseren Elastizität und der etwas knackigeren Schaltung. Dafür geht der sportlicher klingende Golf sparsamer mit dem Kraftstoff um: Er benötigt 8,0 Liter Super, der BMW 8,4 Liter. Bei zurückhaltender Fahrweise lassen sich diese Werte jeweils locker um einen Liter reduzieren, bei Autobahn-Volllast-Etappen aber auch auf zehn Liter und mehr bringen.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIBMW 118i
Beschleunigung150116119
Elastizität1007376
Höchstgeschwindigkeit1506872
Getriebeabstufung1008586
Kraftentfaltung503838
Laufkultur1007171
Verbrauch325230222
Reichweite251210
Kapitelbewertung1000693694

 

Fahrdynamik

Mit der elektronischen Differenzialsperre XDS (205 Euro) und dem auf „Sport“ geschalteten DCC-Fahrwerk entwickelt der Golf beachtliche fahrdynamische Talente. Die Traktion lässt für einen Fronttriebler dieser Leistungsklasse keine Wünsche offen. Eine direkte Lenkung, die geringen Aufbaubewegungen und das problemlose Fahrverhalten im Grenzbereich adeln den VW Golf 1.4 TSI zum perfekt abgestimmten Allrounder.

Allerdings hält ihn das nicht vollständig abschaltbare ESP mit dezenter, aber früh einsetzender Regelung an einer relativ kurzen Leine. Demgegenüber spielt der BMW den Sportler. Nach wenigen Runden hat man sich an die variable Sportlenkung (450 Euro) gewöhnt. Dann lässt sich der BMW 1er Dreitürer mit höchster Präzision durch die Kurven scheuchen.

Auf abgesperrter Strecke per Knopfdruck von der elektronischen Fußfessel ESP befreit, entfaltet er seine sportiven Reserven. Diese zeigen sich in einem noch agileren Einlenkverhalten als beim Golf, höheren Kurvengeschwindigkeiten und guter Kontrollierbarkeit an der Reifenhaftgrenze. Allerdings kann er es beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren nicht ganz mit der Traktionsstärke des VW aufnehmen. Zwar lässt sich die Bremse des 1er hervorragend dosieren, der Kaltbremsweg ist aber minimal länger als der des Golf.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIBMW 118i
Handling1506982
Slalom1007983
Lenkung1008188
Geradeauslauf504040
Bremsdosierung302021
Bremsweg kalt1509083
Bremsweg warm1509697
Traktion1004645
Fahrsicherheit150131131
Wendekreis201614
Kapitelbewertung1000668684

 

Umwelt und Kosten

Mit Grundpreisen von 23.175 Euro (VW) oder gar 26.750 Euro (BMW) sind die kräftigen Kompakten nichts für Pfennigfuchser. Der um fast 3.600 Euro höhere Grundpreis und die Mehraufwendungen für die AUTO ZEITUNG-Normausstattung werfen den BMW in diesem Kapitel zurück. So schlagen selbst die Leichtmetallfelgen, die es bei VW serienmäßig gibt, mit mindestens 750 Euro zu Buche.

Die Wertminderung fällt für den Münchner binnen vier Jahren und 80.000 Kilometer um über 2.300 Euro höher aus als für den VW. Auch die Werkstattkosten für Wartung und Reparaturen schätzt der ADAC beim 1er auf üppige 400 Euro, während der Golf mit lediglich 340 Euro pro Jahr veranschlagt wird.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIBMW 118i
Bewerteter Preis675231206
Wertverlust502421
Ausstattung252011
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502820
Werkstattkosten202216
Steuer1099
Versicherung403230
Kraftstoff553836
Emissionswerte258989
Kapitelbewertung1000493438

 

Fazit

Der Dynamiker aus München unterliegt erneut dem Allrounder aus Wolfsburg. Der VW Golf 1.4 TSI punktet bei Raumangebot, Komfort und Kosten, ohne in den übrigen Disziplinen zu schwächeln. Gegenüber dem Vorgänger hat der neue 118i zwar in puncto Platz und Federungskomfort zugelegt, bleibt aber hinter dem Golf zurück. Dafür glänzt der Bayer nach wie vor mit seinen fahrdynamischen Talenten – und diese Selbstverpflichtung von BMW ist das Kaufargument für die Fans.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf 1.4 TSIBMW 118i
Summe500032343162
Platzierung12

Tags:
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