Mit dem Bentley Continental GT Speed auf Tour durch Schottland Im Luxus-GT auf Grand Tour

30.08.2014

Schlösser, Highlands, Küstensträßchen: In einem standesgemäßen Reisewagen wie dem Bentley Continental GT Speed lässt sich die malerische Region um Loch Lomond im Westen Schottlands am besten erkunden

Reisen veredelt den Geist, soll Oscar Wilde gesagt haben. Dazu passt, dass es in Europa einmal den schönen Brauch gab, junge, adelige Männer zum Erwachsenwerden auf eine ausgedehnte Abenteuerreise zu schicken. Die Fechtkünste vertiefen in Frankreich, den Rhein bestaunen in Deutschland, antike Bauten in Italien. Besonders die Briten pflegten diese Tradition. Weil es allerdings im 18. Jahrhundert noch keine Autos gab, kamen als Fortbewegungsmittel Pferdekutschen zum Einsatz. Kavaliersreise oder Junkerfahrt nannte man den Spaß bisweilen, zumeist aber war die Rede von der Grand Tour.

 

Continental GT Speed: Breiter Luxus-GT ab 211.582 Euro

Pferdekutschen sind zwar längst aus dem Straßenbild verschwunden. Doch die Abkürzung GT für besonders komfortable und langstreckentaugliche Sportwagen erinnert noch heute an diese Anfänge des luxuriösen Reisens. Bei Bentley ist man sich dessen als Hoflieferant der Queen natürlich bewusst – und präsentiert mit dem neuen Continental GT Speed ein besonders erlesenes Exemplar der erwähnten Fahrzeuggattung für die wohlhabende, wenn auch nicht mehr durchweg blaublütige Zielgruppe.

Was läge da näher, als im Geiste vergangener Zeiten mal wieder auf die große Tour zu gehen mit so einem erlauchten GT? 635 PS, zwölf Zylinder und Luxus bis in die kleinste Schraube, das verspricht doch eine standesgemäße Renaissance. Zur vereinbarten Zeit steht das Schmuckstück vollgetankt im Showroom direkt neben dem Bentley-Werk in Crewe bereit.

Die Topausführung Speed zeigt durch dezente Details an, dass es sich um den schnellsten Serien-Bentley aller Zeiten handelt: Einen verchromten Schriftzug an der Seite, spezielle Schwellerleisten, einen Diffusor am Heck in Wagenfarbe und rot lackierte Bremssättel – all das hat nur der mit 331 km/h eingetragene Super-Continental.

Gut, dass wir ihn nicht kaufen müssen, sondern geliehen bekommen. Ansonsten hätten 211.582 Euro unsere Reisekasse bereits vor Fahrtantritt arg belastet. Wir brauchen nur durch die Glastür des Verkaufsraums ins Freie zu fahren. Wie es sich gehört, haben wir zuvor einschlägige Fachliteratur studiert. Abhandlungen mit Titeln wie „Reisen und soziale Eliten – die Kavalierstour“ oder „Die Grand Tour des jungen Adeligen“.

Unser Eindruck: Selbst mit gut gefülltem Geldbeutel im Gepäck hatten es die noblen Herrschaften damals gar nicht so leicht. So kam es vor, dass missgünstige Stallburschen dem Reisenden unkastrierte und folglich sehr ungestüme Pferde unterjubelten, die früher oder später einen Unfall verursachten.Derlei müssen wir nicht befürchten. Der Bentley ist zwar auch überaus potent, benimmt sich aber mustergültig.

Bei normaler Fahrweise ist vonseiner PS-Gewalt kaum etwas zu spüren oder zu hören. Der Biturbo-W12 ist viel zu kultiviert, um sich zu animalischem Brüllen hinreißen zu lassen. Wenn überhaupt dringt ein dumpfer Bass von weit hinten an die Ohren der Insassen.

Erfreut nehmen wir außerdem zur Kenntnis, dass unsere Sänfte über adaptive Dämpfer und Luftfederung verfügt. Vor mehr als 200 Jahren dagegen war man schon privilegiert, wenn man in einer Kutsche mit Blattfederung saß. Selbst bei 20 km/h Topspeed brauchte es da ein gerüttelt Maß an Leidensfähigkeit.

Die ersten 270 Meilen vergehen wie im Flug. Wir ziehen vorbei an den niederen Ständen in ihren Großserienkarossen, tiefenentspannt und weich umfangen von den dicken Lederpolstern unserer 14-fach justierbaren Massagesessel. Gleichgestellte sehen wir nur selten. Dabei ha-ben sie bei Bentley inzwischen 70.000 W12-Motoren gebaut. Also mehr Zwölfzylinder als jeder andere Hersteller.

Das Beeindruckendste an dieser Maschine ist ihr Drehmoment: 820 Newtonmeter, das klingt nicht nur gewaltig, das fühlt sich auch so an. Kraft ist stets im Überfluss vorhanden, bei jeder Drehzahl, bei jedem Tempo, in jeder Fahrstufe. Vielleicht sind die Schaltwippen hinter dem Lenkrad deswegen so geformt, dass man sie eigentlich gar nicht anfassen möchte. Die Achtstufen-Automatik macht das schon, auch ohne Eingreifen des Fahrers.

Nur kurz verlassen wir die Autobahn M6 für einen Abstecher in den Lake District zum Windermere, einem als Ausflugsziel beliebten See. Dabei bekommen wir einen Eindruck davon, wie sich unser GT auf den engen Nebensträßchen des Landes schlägt. Mit dem rauen und vielerorts geflickten Asphalt kommt das Fahrwerk hervorragend zurecht.

Kein Rumpeln, kein Vibrieren. Von gebrochenen Rädern, Achsen oder gerissenen Aufhängungsriemen, die früher während einer Grand Tour oft für unschöne Zwischenfälle sorgten, ganz zu schweigen. Nur wenn ein Lkw entgegenkommt, will die eigene enge Fahrspur im Continental GT beherzt verteidigt werden – was Mut kostet, denn mit 2,23 Metern inklusive Spiegel fühlt er sich selbst so breit an wie ein Laster.

Schließlich  passieren wir die Grenze  nach Schottland und erheischen von der Uferstraße aus einen Blick auf Loch Lomond. In dessen Oberfläche spiegeln sich grünlich die umliegenden Hügel und der ungewöhnlich blaue Himmel. Wie bestellt nähert sich ein gelbes Wasserflugzeug, setzt zur Landung an und geht mit sanftem Zischen vor unseren Augen nieder. Wonderful!

Doch bevor uns die romantische Szene einlullen  kann lassen wir den Bentley fliegen. Das ist angesichts der zahllosen Sprunghügel auf unserer Route wörtlich gemeint. Manchmal sind sie gekennzeichnet mit einem Schild davor und dem Hinweis „Blind Summit“. Wir landen immer sanft.

Endlich sind wir am Ziel. Ein paar Bentley-Mitarbeiter erwarten uns bereits auf einem ehemaligen Militärflugplatz bei Machrihanish. Wir sollen einmal ausprobieren, wie sich der noble Brite bei Topspeed anfühlt. Schließlich ist man mächtig stolz auf die versprochenen 331 km/h. Also raus auf die Bahn und Vollgas. Im Nu stehen 200 km/h auf dem Tacho. Die Nadel wandert weiter. 250, 280. Ab 290 wird es zäh. Vor uns rücken schon die Strohballen näher.

Bei 293 km/h auf der Anzeige gehen wir vom Gas. Es hat sich viel langsamer angefühlt. Aber genau das ist das Geheimnis dieses Bentley: Selbst nach der längsten und schnellsten Grand Tour steigt man erholt aus. Hoffentlich dürfen wir bald wieder auf die Reise gehen.

TECHNIK
 

Bentley Continental GT Speed
Motor W12-Zylinder, 4-Ventiler, Biturbo;
Bohrung x Hub: 84,0 x 90,2 mm;
Verdichtung: 9,0 : 1
Hubraum 5998 cm³
Leistung 467 kW / 635 PS bei 6000 /min
Max. Drehmoment 820 Nm bei 2000 /min
Getriebe 8-Stufen-Automatik
Antrieb Allrad; permanent
Aufbau + Fahrwerk Zweitüriges Coupé; vorn: Doppelquerlenkerachse; hinten: Mehrfachlenkerachse; rundum: Luftfederung, adaptive Dämpfer, Stabilisator; ESP
Bremsen rundum: innenbelüftete Karbon-Keramik-Scheiben; ABS; Bremsassistent
Reifen 275/35 ZR 21 Y; Pirelli P Zero
L/B/H 4806/1944/1394 mm
Radstand 2746 mm
Leergewicht 2320 kg
Beschleunigung: 0-100 km/h 4,2 s
Höchstgeschwindigkeit 331 km/h
Verbrauch 14,5 l S/100 km
Grundpreis 211.582 Euro

Gerrit Reichel

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