Continental GT Speed/Flying Spur/Mulsanne/Bentayga: Test Bentley – Alles außer gewöhnlich

11.01.2017
Inhalt
  1. Test: Bentley Continental, Mulsanne, Bentayga u.A.
  2. Der Flying Spur ist ein Auto, Mulsanne ein Ereignis
  3. Bentley Bentayga als Familien-SUV mit Rennqualität

Bentley-Vergleichstest: Vom Luxus-Boliden zum Power-SUV, vom Gran Turismo zum Business-Liner – egal, in welcher Form serviert, die englische Traditionsmarke weckt immer ganz große Gefühle. Wir schauen auf die Modelle Continental GT Speed, Flying Spur V8S, Mulsanne und Bentayga.

Der Vergleichstest beginnt und zuerst denkst du: Schwarz! Ein rabenschwarzer Bentley Continental GT Speed mit leuchtend gelben Spoilerlippen und Seitenschwellern. Was für eine herbe Kombination. Pures Spektakel. Die Zwölfzylinder-Biturbo-Stahlfaust mit gelbem Fingernagellack. Dann schleicht sich aber langsam die Morgensonne über die spiegelglatten Karosseriebleche, und aus dem Schwarz wird plötzlich Grün. British Racing Green, die traditionelle Wimpelfarbe der anglophilen Fan-Gemeinde. Erst gefühlte Minuten später erinnerst du dich daran, die Kinnlade langsam wieder zuzuklappen – so trotzig, vollkommen schräg und gleichzeitig verwirrend schön wird diese Mischung, je länger man sie sich ansieht: British Racing Green mit Abnähern in Cyber Yellow. Und dann erst das Cockpit, in dem die Kombination aus seidenmatt-grünem Leder und gelben Akzenten beinahe noch unwirklicher scheint als am Exterieur. Es sei beim toten Drachen des heiligen Sankt Georg beschworen, dass wir den Continental GT sowieso von ganzem Herzen liebhaben, aber in dieser Form macht er uns rasend vor Begehren: das wummernde, heisere Röcheln des Zwölfzylinders. Ein mächtiger Automatik-Wählhebel wie zum Sternenkreuzer ein- und ausschalten. Das brutale Voranpeitschen von 642 Biturbo-PS. Mächtiges Profil mit einer Dachlinie wie vom Fahrtwind gezeichnet sowie ein üppiges, sinnliches Heck. Dazu jetzt die in diesem Vergleich getestete Black Edition: Scheibenrahmen und Scheinwerfereinfassungen in Glanzschwarz statt Chrom, schwarze 21-Zoll-Räder und schneidende Farb-Akzente in Gelb, Rot, Schwarz oder Silber. Wenn wir jetzt 216.000 Euro Spielgeld hätten, könnten wir für nichts garantieren. Ein wenig traurig macht uns die Black Edition aber trotzdem. Wenn Automobilhersteller so herzhaft in die Schmuckschatulle greifen, heißt das für gewöhnlich, dass die Ära eines Autos zu Ende geht. Zum Abschluss dann noch einmal alles Liebe … 2017 wird Bentley nach 14 Jahren einen neuen Continental vorstellen – das Auto ist eng mit dem neuen Porsche Panamera verwandt und dürfte daher ersten Hochrechnungen zufolge ein fahrdynamischer Knaller werden. Trotzdem genießen wir die vielleicht letzte Fahrt im aktuellen Continental GT noch einmal in tiefen Zügen. Er hat Bentley neu erfunden, und er ist die Coolness in Person. 2,3 Tonnen bitterböse Lässigkeit, rabiate Eleganz und seidenweiche Wildheit. Was für eine Legende. Ach, könnte man doch …


Bentley-Modelle im Video:

 

 

Test: Bentley Continental, Mulsanne, Bentayga u.A.

Als Seelentröster zum drohenden Verlust des Continental können wir uns im Rahmen dieses Vergleichstests eigentlich nur einen anderen Bentley vorstellen: His Majesty Himself, den magischen Mulsanne. Unter seiner meterlangen Motorhaube hämmert immer noch ein Turbo-V8 aus der Rock ’n’ Roll-Ära mit Stoßstangen und als Zweiventiler. Ein Metall-Hammer mit über 6,7 Liter Hubraum, den auch so engagiert zivilisatorische Bemühungen wie der Einbau einer Zylinderabschaltung nicht zum braven Bürger machen konnten. Selbstverständlich haben wir nichts gegen den Fortschritt und können uns sogar einen Bentley mit Elektromotor vorstellen. Der Motor des Mulsanne gehört aber trotzdem allein wegen seines Charakters unter Denkmalschutz: Er lässt einen jederzeit die acht großen Kolben spüren, die glühend heiß auf und ab stampfen, dabei 1020 Newtonmeter beinahe nebensächlich aushusten und so die mächtige Limousine in fliegende Fahrt versetzen. Mit Vibrationen hat das aber nichts zu tun: Du stehst am Oberdeck des Kreuzfahrtschiffs, und wenn der Käpt’n „Leinen-Los“ befiehlt, ist da plötzlich dieses machtvolle Pulsieren im Maschinenraum, das „30.000 PS!“ brüllt und trotzdem kein einziges Bläschen mehr aus dem Schampus-Glas rüttelt. Moderne Motoren bekommen das einfach nicht im Ansatz so langhubigschwungmassig-sexy hin, das beweist dieser Vergleichsttest einmal mehr, liebe Motorenentwickler, so leid uns das jetzt tut. Und dann wären da ja noch der ausladende Kühlergrill, die um ein faszinierendes Quäntchen nach hinten gerückte Kabine, das stolze Heck mit den B-förmigen Heckleuchten – eben all die Proportionen, die den Mulsanne um ein unerklärliches, unanständiges Stückchen verruchter machen als seine Geschwister. Ganz zu schweigen vom Interieur, in dem abgrundtiefe Bass-Klangteppiche aus der Naim-Stereoanlage mit flauschigen Woll-Teppichen konkurrieren und das "Edle, wilde Details-Zählen" zum Lieblingszeitvertreib wird. Ganz schnell ist dann festgestellt, wo sich denn nun eigentlich die rund 100.000 Euro Unterschied zum Flying Spur verstecken. Die jüngste Business-Limousine aus der Continental-Familie ist für sich betrachtet ein Kokon aus Leder, Holz und Geschmeidigkeit. Während der Mulsanne mit seinen blitzenden Chrom-Elementen, dem schroff aufragenden Armaturenbrett und funktionalen Frechheiten, aber emotionalen Genialitäten à la Öleinfüllstutzenverschluss aus Metall so majestätisch und pathetisch daherkommt wie eine Kirchenorgel oder ein Led Zeppelin-Gitarrenriff, ist der Flying Spur einfach nur ein Auto. Ein sehr luxuriöses, komfortables, modernes Auto, ganz bestimmt, aber eben keine Konkurrenz für den Mulsanne. Der ist nämlich kein Auto, sondern ein Ereignis.

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Der Flying Spur ist ein Auto, Mulsanne ein Ereignis

Da man manchmal aber einfach nur stilvoll ins Büro oder entspannt zum Einkaufen fahren möchte und der prinzipiell unterhaltsame Hang des Mulsanne zum großen Drama hier durchaus stören kann, schlägt am Ende doch die große Stunde des Flying Spur. Unsere Idealvorstellung von diesem Bentley trägt derweil den auch diesem Vergleichstest zugrunde liegenden Zusatz V8S. Das neue Modell zeigt mehr Fahrdynamik-Kante als sein schwächerer V8-Bruder ohne S, behält aber trotzdem den Gewichts-Vorteil des leichteren V8. So ein Zwölfzylinder auf der Vorderachse kann in Kurven natürlich doch ganz schön bremsen, das holt man auf der Geraden nie wieder ein. Vor allem nicht, wenn der V8 stramme 528 PS hat, sich aber nach noch strammeren 580 PS anfühlt. Also genau so wie die humorlos voranpeitschende Biturbo-Maschine im Flying Spur V8S: seidiges Anschleichen bei niedrigen Drehzahlen, dann immer unmissverständlicheres Durchladen und am Ende die totale Ekstase.

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Bentley Bentayga als Familien-SUV mit Rennqualität

Im neuen Bentayga finden Freunde eines gepflegten Alltags-Bentley trotzdem die gewieftere Alternative, da kann der Flying Spur noch so angenehm traditionell daherkommen. Mit seinem 608 PS starken Sechsliter-Zwölfzylinder marschiert der T-Rex unter den SUV zum Steinerweichen. Der Bentayga schleppt dank Allradantrieb und standesgemäßer Anhängerkupplung selbst kleinere Flugzeugträger ans Wasser oder holt Anhänger mit dressierten Renn-Elefanten aus schlammigen Wiesen. Gelände? – Ja, selbst hier haut sich das infame Nobel-SUV mit Feuereifer und speziellem Offroadfahrprogramm (mehr Bodenfreiheit durch Luftfahrwerk, kluge Sperren, sanft anlupfender W12, intelligente Traktionskontrolle und mehr) in die Hecken – zumindest dann, wenn der Fahrer nicht vor gröberer Eigen-Sachbeschädigung durch Felsen, Dornen und genervte Grizzly-Bären zurückschreckt. In der Realität dürfte sich der Einsatzzweck der meisten Bentayga auf gepflegte Wochenendausflüge zur familieneigenen Datsche/Ski-Lodge/Wüsten-Parzelle beschränken. Und damit steht fest: Der Bentayga ist in diesem Vergleichstest vor allen anderen das einzig echte Familien-Auto unter den Bentley. Was für eine Erleichterung, wenn sich die lieben Kleinen auf dem Weg zur Schule im Fond nicht mehr fühlen müssen wie Miniatur-CEOs; wie angenehm, wenn man auch als Bentley-Boy die Chance auf ein mitgeführtes Fahrrad oder nun diskret im Kofferraum vor sich hinfusselnde Haustiere hat. Bentley ist mit dem Bentayga also ganz bestimmt nicht auf den Hund gekommen, sondern die Marke gibt ihren Kunden die Chance, dieses zu tun. Ein überaus sympathischer Zug. Dass der Bentayga dann aber sogar noch ein Rennen gegen den Continental gewinnen möchte – Sportmodus und so –, finden wir ungeheuerlich. Böses Auto.


Technische DatenContinental GT SpeedMulsanne
Zylinder/Ventile p.Z.W12-Zyl., 4-Vent., BiturboV8-Zyl., 2-Vent., Biturbo
Hubraum5998 ccm6752 ccm
Leistung472 kW/642 PS bei 5900 /min377 kW/512 PS bei 4000 /min
Max. Drehmoment840 Nm bei 2000 /min1020 Nm bei 1750 /min
Getriebe8-Stufen-Automatik8-Stufen-Automatik
L/B/H in mm4818/1944/13915575/1926/1521 mm
Leergewicht2320 kg2685 kg
0-100 km/h4,1 s5,3 s
Höchstgeschw.331 km/h296 km/h
EU-Verbrauch14,6 l S/100 km15,0 l SP/100 km
Grundpreis216.818 Euro297.191 Euro

Technische DatenFlying Spur V8SBentyga
Zylinder/Ventile p.Z. V8-Zyl., 4-Vent., BiturboW12-Zyl., 4-Vent., Biturbo
Hubraum 3993 ccm5950 ccm
Leistung 388 kW/528 PS bei 6000 /min447 kW/608 PS bei 5000 /min
Max. Drehmoment 680 Nm bei1700 /min900 Nm bei 1350 /min
Getriebe 8-Stufen-Automatik8-Stufen-Automatik
L/B/H in mm 5299/1976/1488 mm5140/2224/1742 mm
Leergewicht 2417 kg2440 kg
0-100 km/h 4,9 s4,1 s
Höchstgeschw.306 km/h 301 km/h
EU-Verbrauch10,9 l S/100 km13,1 l S/100 km
Grundpreis183.855 Euro208.488 Euro


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