Bentley Bentayga: Fahrbericht So fährt das Bentley-Luxus-SUV

03.03.2017
Inhalt
  1. Bentley Bentayga macht auf jedem Meter Eindruck
  2. W12 macht Bentayga-Fahrer zum mächtigen Souverän
  3. Bentley plant Bentayga mit Plug-in-Hybrid

Der neue Bentley Bentayga ist ein beeindruckendes Luxus-SUV, aber der Fünfsitzer ist nur der Auftakt. Weiter geht es mit Siebensitzer und Coupé – natürlich ebenfalls mit W12-Triebwerk. Und: Die erste Jahresproduktion des Bentayga ist bereits ausverkauft!

Land Rover-Fans müssen derzeit ganz stark sein. Erst nimmt Brüssel ihnen endgültig den Defender und jetzt stürzt Bentley auch noch den Range Rover vom Thron. Denn nach Jahrzehnten der unumstrittenen Vorherrschaft muss der König der Kraxler weichen und sein Zepter an einen Neueinsteiger weiterreichen: Den Bentley Bentayga. Nach vier Jahren Entwicklungszeit und dem umfangreichsten Testprogramm in der Firmengeschichte tritt er in diesem Frühjahr an, um noch vor Marken wie Lamborghini oder Rolls-Royce die Spitze des SUV-Segmentes neu zu definieren, sagt Firmenchef Wolfgang Dürheimer und verspricht nicht weniger als den luxuriösesten, exklusivsten und schnellsten Geländewagen der Welt. Den ersten Bentley unter den SUV eben. Technisch ist der Koloss von 5,14 Metern zwar nicht viel mehr als ein Audi Q7 im Smoking. Nicht umsonst werden die Rohkarossen gemeinsam in Bratislava gepresst, bevor die Kunsthandwerker in Crewe daraus binnen 130 Stunden ein Königreich fürs Unterholz machen. Doch ansehen kann man dem adeligen Allradler, der mit seiner Aluminium-Konstruktion gegenüber einer Stahlkarosserie immerhin 250 Kilo spart, die bürgerliche Verwandtschaft kaum. Das Design mit den pfannengroßen LED-Scheinwerfern und den kleinen Beistelltellern nebendran, mit dem riesigen Kühlergrill, den weit ausgestellten Kotflügeln und den breiten Hüften ist so präsent und prägnant, wie es sich für Bentley gehört und das Innenleben genauso prunkvoll veredelt – hektarweise Leder, meterweise Holz, die pfundschweren Aschenbecher und die aus dem Vollen gefrästen Lüfterdüsen inklusive. Selbst vor das virtuelle Cockpit des bayerischen Teilespenders haben die Briten noch zwei analoge Rundinstrumente gesetzt, weil man eine mechanische Uhr eben seinem Enkel lieber vererbt als eine Casio, lästern die Designer.

 

Bentley Bentayga macht auf jedem Meter Eindruck

Wie es sich für den neuen König im Unterholz geziemt, bietet er fürstliche Platzverhältnisse und eher Thronsessel als Sitze. Und zwar nicht nur in der ersten Reihe, sondern auf Wunsch auch anstelle der konventionellen Rückbank. 22-Wege-Sitze mit Massage und Lüftung gibt es auch für den Fond, so dass eigentlich nur noch ein elektrischer Ottomane fehlt. Und natürlich die Servohilfe für Kopfstützen, die man – wie profan! – doch tatsächlich mit der Hand verstellen muss. Beim Thronsaal wird es allerdings nicht bleiben. Für Schöngeister in engeren Beziehungen soll es bald auch ein Bentley Bentayga Coupé geben. Und weil Bentley sich mit dem Bentayga in die Niederungen des Alltags hinab begibt und tatsächlich so etwas wie ein Familienauto anbieten will, bringt die VW-Tochter schon im nächsten Jahr einen Siebensitzer und hat erstmals sogar eine Anhänger-Kupplung im Programm. Und das sind nicht die einzigen Neuerungen. Zum bekannten Luxus von den 90 Farben bis zum Picknick-Koffer gibt es auf der Ausstattungsliste noch mehr Hightech, als sich selbst Bentley-Kunden bislang träumen lassen konnten. Nicht umsonst sind auf dem Steuergerät mehr Code-Zeilen gespeichert als im Betriebssystem eines Boeing-Dreamliner, berichtet Entwicklungschef Rolf Frech stolz und beginnt mit einer langen Aufzählung: Es gibt künftig Assistenzsysteme bis hin zur Einpark-Automatik und der Infrarot-Kamera für die Nachtsicht, ein eigener Tablet-Computer dient als Fernsteuerung für das Infotainment-System und selbst mit solchen Banalitäten wie einer automatisch öffnende Heckklappe mit Fußsteuerung musste sich Bentley beschäftigten – willkommen in der Gegenwart!

 

W12 macht Bentayga-Fahrer zum mächtigen Souverän

Während sich die Briten bei diesen Extras großzügig aus dem Regal der Bayern bedient haben, gehen sie beim Antrieb und Abstimmung ganz eigene Wege – und markieren einmal mehr die Spitze im Konzern. Das Luftfeder-Fahrwerk mit einem halben Dutzend Trimmleveln und einem vom separaten 48-Volt-Netz gespeisten, elektrischen Wankausgleich ist deshalb nicht nur komfortabler als in jedem anderen Geländewagen. Sondern es pendelt den Aufbau so schnell und wirkungsvoll aus, dass der Koloss sich anfühlt wie ein Kleinwagen und man die 2,5 Tonnen mit dem keinen Finger durch die Kurven führt. Völlig mühelos und unaufgeregt – das sind auch die kennzeichnenden Eigenschaften des eigens für den Bentayga neu entwickelten W12-Motors, der mit dem Vorgänger nur noch die sechs Liter Hubraum gemein hat. Die Leistung steigt auf 608 PS und die Drehmomentkurve gipfelt jetzt bei 900 Nm. Wobei das mit der Kurve so eine Sache ist, wenn die Spitze bei 1.350 Touren erreicht und bis weit jenseits von 4.000 Touren gehalten wird, lächeln die Entwickler. Der Motor ist ein absoluter Souverän, der sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen lässt. "Wer einen Zwölfzylinder fährt, der muss keinem mehr etwas beweisen", erklärt Dürheimer die seidige Motorcharakteristik und den flüsterleisen Klang. Wer mehr als nur ein fernes Säuseln hören möchte, der muss deshalb schon in den Sportmodus wechseln und die Drehzahl über 4.000 Touren jagen, damit es was auf die Ohren gibt. Aber warum sollte man, wenn das maximale Drehmoment bereits kurz jenseits des Leerlaufs anliegt. Viel mehr als Standgas braucht das Kraftpaket deshalb nicht, um den Bentayga in 4,1 Sekunden von 0 auf 100 zu wuchten. Und wer einmal erlebt hat, wie explosiv sich diese Kraft beim Kickdown entfaltet, der glaubt dem Bentayga seine konkurrenzlosen 301 km/h Spitze unbesehen. Ausprobieren will man das bei aller Verlockung jedoch höchstens ein einziges Mal. Denn je länger man am Steuer sitzt, desto gelassener wird man im Umgang mit dieser Kraft. Genau wie ein guter König lernt der Bentayga-Fahrer schnell, dass man seine Macht gar nicht immer ausspielen muss, um sie zu demonstrieren. Schon allein das Wissen um die eigene Stärke macht einen zum Souverän.

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Bentley plant Bentayga mit Plug-in-Hybrid

Man träumt deshalb weniger vom Ausflug auf die Nordschleife, sondern denkt an ein paar andere abseitige Fahrten. Und wundert sich deshalb am Ende des Tages, dass dieser Rennwagen tatsächlich auch als Rallye-Auto taugt. Nun ja, zumindest für leichtes Gelände. Mal eben den Champagner zur Jagdhütte fahren oder die Trüffelernte einsammeln, am Strand die Hummerkörbe leeren oder einfach ein paar amerikanische Nationalparks erkunden – für Schlamm, Schnee oder Staub ist sich der Bentayga nicht zu schade und kommt dabei weiter als man denkt. "Jetzt muss der Luxus nicht mehr aufhören, bloß weil die Straße zu Ende ist", sagt Dürheimer. Der stärkste, der schnellste und überhaupt der größte – solche Superlative ist Bentley seinem Ruf zwar schuldig. Aber auch die Briten wissen, dass sich die Zeiten geändert haben, dass auch zehn Prozent Effizienzgewinn aus dem W12-Motor kein Sparbrötchen machen und dass es für den Normverbrauch von 13,1 Litern viel Kritik geben wird. Zumal man lässig auch auf 20 Liter kommt. Deshalb schieben sie noch zwei etwas vernünftigere Motorvarianten nach: Für internationale Sparer gibt es ganz zeitgemäß ab 2018 einen Plug-In-Hybriden mit rund 50 Kilometern elektrischer Reichweite und speziell für die Europäer zum ersten Mal in der Bentley-Geschichte bereits 2017 einen Diesel, der als V8 mit weit mehr als 400 PS natürlich ebenfalls ganz vorne fahren soll. 608 PS, 301 km/h Spitze und mehr Leder als in jedem anderen Modell des VW-Konzerns – nicht nur bei Leistung und Luxus definiert Bentley die Spitze im SUV-Segment, sondern auch beim Preis: Mit mindestens 208.488 Euro bereits für das Einstiegsmodell wird der Bentayga der teuerste Geländewagen der Welt. Die opulente First Edition kostet sogar 293.454 Euro und war in ein paar Tagen vergriffen. Und wer zu den vier Glücklichen pro Jahr zählt, die sich das Breitling-Tourbillon im Cockpit sichern können, ist am Ende mit rund 450.000 Euro dabei. Die Kundschaft scheint das allerdings nicht zu stören. Im Gegenteil: Obwohl Dürheimer anfangs mit 3.600 Einheiten im Jahr kalkuliert hat, muss er jetzt schon 5.000 bauen – und ist trotzdem bis weit in 2017 ausverkauft.

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