Wirtschaft: Die Banken der Autobauer Gewinn-Bringer

21.06.2014

Die Banken der Autohersteller kurbeln den Neuwagenverkauf an und stützen die Markenhändler. Gleichzeitig erzielen sie hohe Überschüsse. Was steckt hinter dem Erfolg der Institute? Und warum drohen ihnen Schwierigkeiten aus Brüssel?

Banken und gute Nachrichten – das passt irgendwie nicht mehr zusammen. Dabei gibt es in der von Skandalen erschütterten Finanzbranche einen Bereich, der in den letzten Jahren still und heimlich gewachsen ist: die Autobanken. Schon in den 20er-Jahren gründeten einige Autohersteller eigene Finanzinstitute. Doch erst im letzten Jahrzehnt starteten sie richtig durch.

 

VW Financial Services: 2013 Umsatz von 22 Mrd. Euro

Heute haben die elf Autobanken in Deutschland über zehn Millionen Kunden. Sie arbeiten mit rund 16.000 Markenhändlern zusammen und verwalteten 2013 einen Vertragsbestand im Wert von 90,3 Mrd. Euro – über zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Die Institute haben sich zu Gewinnbringern der Autokonzerne entwickelt: So verbuchte etwa VW Financial Services 2013 einen Umsatz von 22 Mrd. Euro – deutlich mehr als die Marke Porsche. Gleichzeitig erzielte die Autobank des VW-Konzerns mit 1,9 Mrd. Euro rund viermal soviel Gewinn wie Skoda.

Kein Wunder, konnten sich die Autobanken im letzten Jahr über eine historisch niedrige Kreditausfallquote von unter 0,5 Prozent des Vertragsvolumens freuen. Auch für die Autohändler sind die Herstellerbanken eine wichtige Stütze: Viele Finanzinstitute scheuen den hohen Investitionsbedarf und die geringe Umsatzrendite der Betriebe. Hier springen die Autobanken ein und helfen den Händlern etwa bei der Finanzierung ihres Lagerbestandes oder bei der Modernisierung ihres Ausstellungsraums.

Doch woher kommt der Erfolg der Autobanken? Ohne sie werden heute kaum noch Neuwagen verkauft: Der Anteil der Barzahler lag 2013 mit 22 Prozent auf einem historisch niedrigen Niveau. „Im letzten Jahr wurden 78 Prozent aller neuen Fahrzeuge mit Hilfe von Leasing- oder Finanzierungsprodukten auf deutsche Straßen gebracht“, so Anthony Bandmann, Sprecher der Geschäftsführung der VW Bank. Rund zwei Drittel entfallen dabei auf die Autobanken – den klassischen Finanzinstituten bleiben nur noch 38 Prozent. Denn im Gegensatz zur Postbank oder einer Sparkasse sitzen die Institute der Hersteller direkt an der Quelle, dem Autohaus. Für den Käufer ist das bequem. Außerdem bleiben die Kunden der Hersteller-banken fi nanziell unabhängig, da sie nicht ihr ganzes Geld in den Autokauf stecken müssen. Und wer least oder finanziert, kann sich zudem den vom Listenpreis her teureren, aber im Unterhalt sparsameren Dieselmotor leisten.

Das freut auch Hersteller und Händler: Die Kunden der Autobanken kaufen ihre Neuwagen nicht nur früher, sie statten sie auch besser aus oder entscheiden sich für ein größeres Modell. Außerdem fordern sie weniger Rabatte, da der Fahrzeugpreis nicht mehr die entscheidende Rolle spielt. Für die Hersteller ebenfalls wichtig: Knapp vier von zehn Gebrauchtwagenkunden können dank einer Finanzierung von einem Neuwagen überzeugt werden.

Doch den erfolgreichen Autobanken drohen Schwierigkeiten aus Brüssel. Zwar zielen die Institute mit ihrer Kreditvergabe auf die Realwirtschaft. Trotzdem treffen die Regulierungsvorhaben der EU auch die Autobanken. Die Institute refinanzieren sich neben den Kundeneinlagen über den Kapitalmarkt und sogenannte Auto-ABS. Diese bei Investoren beliebten Verbriefungen sind während der Finanzkrise allerdings in Verruf geraten (vor allem Immobilien-ABS). Nun bedrohen die Regulierungen der EU den Wert der Auto-ABS, etwa durch erhöhte Eigenkapitalanforderungen an Banken und Versicherungen, die in diese investieren. Daher arbeiten die Autobanken in Berlin und Brüssel daran, die Regulierung der Auto-ABS zu entschärfen.

In den nächsten Jahren steht jedoch ein noch größeres Projekt an: Was den Instituten mit Finanzierungen und Leasingangeboten bei Neuwagen gelungen ist, wollen sie nun bei den Gebrauchtwagen wiederholen. Bereits 2013 konnten die Autobanken das Vertragsvolumen in diesem Segment um 2,2 Prozent auf 8,2 Mrd. Euro ausbauen. Künftig wollen sie vor allem die Käufer von jungen und hochwertigen Gebrauchten im Markenhandel für ihre Finanzprodukte gewinnen.

Großes Potenzial bietet auch das Geschäft mit Mobilitätspaketen rund ums Auto, etwa Kfz-Versicherungen, Garantieverlängerungen, Reparaturversicherungen oder Wartungs-Services. Im letzten Jahr konnten die Autobanken über 2,5 Millionen solcher Dienstleistungsverträge abschließen – ein Wachstum von satten zwölf Prozent. 

„2013 verzeichneten die Autobanken erstmals mehr als zwei zusätzliche Dienstleistungen pro abgeschlossenem Leasing- oder Finanzierungsvertrag“, so Klaus Bentz, Vorsitzender der Geschäftsleitung der FGA Bank. Der Vorteil für die Kunden: Alle Kostenwerden in einer einzigen Monatsrate gebündelt. Der Vorteil für die Händler: Kunden mit Mobilitätspaketen besuchen die Vertragswerkstatt. Unter den verkauften Dienstleistungen finden sich auch über 507.000 Kfz-Versicherungen. Gute Nachrichten für die Autobanken, schlechte für die Versicherungen.

Markus Bach

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